Quo vadis X-Box?

Home Foren Games-Talk Quo vadis X-Box?

Ansicht von 15 Beiträgen - 46 bis 60 (von insgesamt 72)
  • Autor
    Beiträge
  • #1804259
    genpei tomategenpei tomate
    Teilnehmer

    @Joja
    Gibt es eine Theorie, warum es so viele erwischt? Und vor allem auch Projekte eingestampft werden, die durchaus vielversprechend gewesen sein dürften?

    Ich habe ein Video gesehen über Quantencomputer und über das, was der von Google leisten soll, auch wenn diese Cpu, die kaum Größer aus herkömmliche ist, eine Kühlung so groß wie ein Haus braucht…
    Das ist aber die Speerspitze ( ähnlich wie das Cern in der Schweiz) die rein zu “Experimenten-Zwecke/Forschung” dienen und Auftraggeber im Rücken haben ( u.A. Militär) die natürlich in erster Linie ganz andere Interessen haben, als Videospiele zu programmieren…
    Die Wahrheit ist aber, dass jegliche computer-Technologie ( angefangen bei Oxo 1952 und Space Wars 1962) zumindest die, die noch nicht zum “Spielen” für End-Verbraucher zugänglich ist, Auftraggeber im Rücken haben, die kaum mit Konsolen ihre Brötchen verdienen.
    Ein beinah endprodukt dieser militärischen Kette sind unsere Alltags “Gadgets” mitunter auch alle Tools zur Entwicklung von jener “Gewinnmaximierung” von der du sprachst.
    Meine simpelste Vorstellung über die Dimensionen so vieler Menschen, die “plötzlich” nicht mehr zu “gebrauchen” sind, sieht folgendermaßen aus:
    Die “Technik” zur Gewinnmaximierung erreichte an einem bestimmten Punkt die Reife um viele menschliche Prozesse obsolet zu machen.
    Dass wir sie noch nicht sehen können, da es kaum möglich ist von einem Tag auf den anderen, diese neue Technik komplett zu implementieren, das ist die eine Sache.
    Die andere ist, dass Menschen ( habe ich auf meiner Arbeit im Leben oft gesehen) bei dieser “Implementierung” weichen müssen.

    Um meine Analogie von einigen Posts zurück aufzugreifen:
    Nur weil es plötzlich Petroleum gab, hat noch lange nicht jeder von einem Tag auf den anderen die entsprechende Lampe gehabt.
    Aber die Wal-Fänger haben die Auftragsbücher schnell schrumpfen sehen…
    Das Buch von Naomi Klein ” Die Shock Strategie” hat in der Hinsicht meine Augen geöffnet und ich habe es gelesen, da hatten wir nicht mal Internet zu hause und habe anhand der Beispiele der Vergangenheit einige Sachen verstanden, die kann man auf heute wunderbar übertragen, ohne dass sie etwas von ihrer sehr effizienten Methode eingebüßt hätten.
    Sind die Menschen jetzt in “Shock”, sind sie leicht zu lenken/manipulieren und die “Alternative” werden sie mit Kußhand ( oder Zähneknirschend) annehmen/annehmen-müssen.

    #1804285
    joiajoia
    Teilnehmer

    Ja, vielleicht in einer Art Schockstarre. Klein kenne ich vom Namen und der Idee her – war Mal in dem Bereich aktiv, aber das ist auch schon länger her.

    Ich weiß nicht – ist es Hilflosigkeit, Überforderung, Selbstverleugnung, Selbstrechtfertigung oder alles auf einmal und noch mehr. Ich weiß nur, es muss immer weiter gehen und mehr oder weniger machen alle mit, weil es scheinbar keine andere Möglichkeit gibt. Mich schließe ich da gar nicht aus. Nutzt es was, wenn ich mein Leben ändere? Nutzt es nichts? Wem nützt es überhaupt was, wenn sich was ändert? Und tut es das wirklich – also etwas nützen oder sich was verändern? Hm.
    Ich hab keine Antwort gefunden.

    Meine Theorie, die in der Praxis immer wieder bestätigt wird: Der Mensch ist so. Er will es nicht anders. Denn ändern ließen sich die Dinge tatsächlich schon. Genauso wie sie geschaffen wurden, lassen sie sich auch ändern und anders schaffen. Und ich glaube auch nicht, dass die Leute allzu geschockt sind – sie könnten es ändern wenn sie wollten. Also wollen sie es nicht anders. Wie Leonhard Cohen sagt: Everybody knows.

    #1804397
    captain carotcaptain carot
    Teilnehmer

    Der Quantencomputer ist auch so ein Ding. Ich beschäftige mich ja schon ziemlich lange mit dem ganzen Computerkram, Quantencomputer sind seit 30 Jahren Thema und bei allen gemeldeten Durchbrüchen noch lange nicht da, wo man vor 20 Jahren schon sein wollte. Davon ab machen sie auch nur in bestimmten Bereichen wirklich Sinn, während sie für andere nicht wirklich brauchbar sind.

    Von der breiten Masse weit weniger beachtet: Spintronik. Damit sollten unter anderem in der grauen Theorie Prozessoren machbar sein, die nur einen Bruchteil der Energie brauchen oder viel höher takten können. Da hängt man seit Ewigkeiten in der Grundlagenforschung.

    Stichwort ‚KI‘ (also eher Deeplearning Algos) in Spielen, ich sehe da eigentlich viel Potenzial. Ob das jetzt auf Programmierseite und zum Bugfixing als Unterstützung (nicht Ersatz!) ist, für Lipsync in verschiedenen Sprachen (das nutzen zum Beispiel Horizon Forbiden West und Cyberpunk), in Bereichen wo eh prozedurale Generation genutzt wird, oder um in einem Open World Spiel den Grafikern zu helfen, NPCs mehr zu variieren. Auch da wird ja eh schon vieles prozedural generiert, und das nicht erst seit gestern.

    Das Problem bei MS ist aber eh ein anderes. Der Konzern ist ein paar Jahre rasant gewachsen. Natürlich auch aber nicht nur in der Gamingsparte. Momentan will man aber noch mal 80 Milliarden in KI investieren. Ganz allgemein. Nicht ‚fürs Gaming‘. Und da wird dann natürlich trotz Milliardengewinnen der Rotstift beim Personal angesetzt. Diesmal aber eben auch kräftig in der Gamingsparte. Es geht also erstmal nicht so sehr darum, Mitarbeiter sofort zu ersetzen (auch wenn MS laut Eigenaussage KI schon kräftig nutzt) sondern Kohle frei zu bekommen ohne die Erträge reduzieren zu müssen.

    Das ist jetzt auch keine so große Ausnahme. Oft genug gibt es bei Konzernen schon Entlassungswellen, weil man gerade etwas weniger Gewinn macht. Nicht weil man kurz vor der Pleite steht.

    Was die Gaming Sparte selbst angeht, es wird, allerdings nicht nur bei MS, zu sehr versucht, Trends hinterher zu rennen statt selbst welche zu setzen. Die GaaS Bubble ist auch so ein Ding. Ja, mit erfolgreichen Titeln, gerade auch im F2P Bereich, aber nicht nur da, kann man Ewigkeiten Geld machen. Fortnite ist acht Jahre am Markt, World of Tanks 15, Minecraft als Endlosspiel noch was mehr. GTA Online bringt konstant Geld ein, ebenso Genshin Impact. Das Problem ist, dass hier wenige Titel einen riesigen Teil des Marktes abdecken. Es ist also irre schwer, das nächste große Ding zu platzieren oder sich neben einem der Platzhirsche zu etablieren.

    Cloud Gaming, in das ja auch Sony massiv investiert hat, bleibt anders als Video on Demand bis heute eher eine Nischenlösung. Zum Teil halt auch, weil man hier beim Gaming mehr Kompromisse eingehen muss. Aber auch, weil Smartphones oder Handhelds unterwegs ein hohes Techniklevel bieten, die Angebote sich oft nicht rechnen und so weiter.

    GamePass: dem Netflix Gaming steht eine Reihe Punkte im Weg. Unter anderem, dass man anders spielt als man guckt oder hört.was heute noch mehr gilt als früher. Gerade für die vielen Spieler, die eben primär nur Fifa, CoD, Minecraft oder Fortnite spielen und sonst fast nix anderes sind solche Angebote denkbar unsexy. Obendrein ist das jeweilige Angebot für die Unternehmen teuer. Erst recht wenn alles ‚Day One‘ drin ist. In der Hoffnung, Marktanteile zu gewinnen hat man selbst bei den Zugpferden auf Millionen Verkäufe verzichtet. Kein smarter Move, wenn sich der Service bzw. Die Plattform nicht durchsetzt. Aber selbst im besten Fall rechnet sich das am Ende nur, wenn die Leute auf Streaming etc setzen und man so auf hunderte Millionen Kunden kommt.

    Und jetzt noch mal meine ernsthafte Einschätzung für die Zukunft:
    1. MS und die Xbox: mit der Hoffnung, dass sich Cloud Gaming irgendwann doch noch durchsetzt bleibt das Hardware Geschäft noch eine Zeit lang am Laufen. Allerdings mit einem grundlegenden Unterschied. MS stellt die Exkdaten der Plattformen (Handheld und mindestens eine Konsole) und Hardwarehersteller wie Asus, Lenovo etc. produzieren anhand dessen Konsolen. Die werden nicht mehr subventioniert sein und sich nur deshalb einigermaßen verkaufen, weil eben auch direkt Steam und so darauf laufen.

    2. MS als Publisher: wird endgültig komplett Multiplattform. Vielleicht sogar am Ende in ein eigenes Unternehmen outgesourct, wenn klar werden sollte, dass man sich auch mit Cloud Gaming nicht durchsetzen kann. Das wird dann davon abhängen ob die Games Division genug Gewinn erwirtschaften kann. Das ganze wahrscheinlich auch mehr mit Activision Style Management, weil dort ja ‚die Zahlen stimmen‘.

    #1804398
    genpei tomategenpei tomate
    Teilnehmer

    @Joja
    Naja, der Sinn eines solchen “Shocks” ist die Manipulation, die dadurch erleichtert wird.
    Kann nur von mir reden: Nichts ändert sich wirklich, wenn es nicht von “Innen-heraus” kommt und transformiert wird.
    Werde aber hier nicht drauf eingehen, wie/was ich damit meine

    All deine Attribute treffen natürlich zu, wenn man “Handlungsunfähig” wird.
    Aber der Kreis schließt sich, da wer nicht handeln kann/will, ihm/ihr wird das von anderen abgenommen, die dann handeln. Und dann kann man sich nur unterordnen, einer “Ordnung” nämlich, die man selber nicht gestaltet hat.
    “Wissen” tun wir sowieso nichts ( ich zumindest), und was heute gilt, kann morgen schon kompletter Unfug sein.

    #1804399
    genpei tomategenpei tomate
    Teilnehmer

    Captain, die Lage ist natürlich komplexer, als sie erscheint und keiner stellt in Frage, dass trotz widersprüchlicher Handlung ( Gewinne/Entlassungen), dem Konzern garantiert nicht leicht gefallen sein wird, der Spencer-Puppe die böse Nachrichten übermitteln zu lassen.
    Mit “Puppe” meine ich das funktionell und nicht abwertend gegenüber Phil ( er ist mir sympathisch) , er kann nicht so viel dafür. Oder doch: Die “Rolle” hat er sich selbst ausgesucht, vermute ich mal.

    “Es ist also irre schwer, das nächste große Ding zu platzieren oder sich neben einem der Platzhirsche zu etablieren.”
    Es ist mittlerweile genau so irre schwer ein Triple AAA Spiel am Markt zu platzieren, das sich gegen eine gigantische Horde durchsetzen muss, und nicht nur gegen wenigen Platzhirsche.
    Deine Genannten sprechen jeder für sich eine andere Klientel an und wer “Fortnite-süchtig” ist, wird kaum so viel Zeit mit einem der anderen verbringen, zumindest nicht nennenswert.
    Aber der “Markt” will irgendwie “alles”: Diversität an jeder Ecke, immer Erfolgreich sein trotz ewigem Gedöns ( Fifa, CoD) und am Besten soll sich jedes neu entwickeltes Spiel möglichst in die Annalen verewigen, mit Gewinne, großartigen Verkaufszahlen etc. etc. etc. ,du weiß, was ich damit sagen will.

    Der Punkt ist, dass MS Kahlschlag komplett die Sicht der Entwickler zerstört haben müsste, über die Art, wie sie ihre Brötchen verdienen, die jetzt kaum einen Sinn sehen müssten, weder unter Onkel Gates Schirmherrschaft kommen zu wollen, noch für andere Anbieter sich “bewerben” zu müssen ( wer klopft von den Gegangenen jetzt bei Steam/Sony an? ) da wer weiß, wie stabil sie noch sind und Nintendo die einzigen sein müssten, die ihre Schäfchen im Trockenen haben, ohne dass ich mir da sicher sein kann.

    Ich finde das ganze “Konzept Gaming” marode. Und da halte ich mich mit Attributen auch zurück.
    Von einem außergewöhnlichen Hobby für wenige Nerds zu einer Gigantomanie eines Geschäfts, das war zwar ein relativ langer Weg, aber alles, das sich dem Diktat des Kapitalismus unterwirft ( oder unterwerfen will…) kommt nicht umhin, zyklisch unter die Räder zu kommen.
    Vielleicht ist es jetzt so weit und dein Szenario über MS eventuell eine kurze oder längere Übergangsphase, wir werden sehen, da ich auch ähnlich denke, wie du.

    Das spannende daran ist die Garantie, die ich spüre, dass die Menschen bestimmt nicht aufhören werden zu “spielen”, aber die Art des “wie” könnte sehr bald komplett anders aussehen, als wie wir sie bis dato kennen.
    Und vielleicht war es doch ganz gut so, dass es so kam, wie es kommen musste, um jetzt nicht ganz pessimistisch klingen zu wollen. 😉

    #1804400
    captain carotcaptain carot
    Teilnehmer

    Ja, die genannten Titel sind oft das einzige, was jemand spielt. Die Leute zocken halt 1.000h+ pro Jahr FIFA, Fortnite oder War Thunder, aber (fast) nix anderes.

    Und ja, es ist immer wieder schwer, neue Marken zu etablieren. Aber Sony schafft das ziemlich zuverlässig. Während Nintendo gerne IPs mal mehr, mal weniger neu erfindet. Und natürlich gibt es die Titel wie Baldurs Gate 3, die einfach in ihrem Genre durch Qualität überzeugen.

    Ist der Markt kaputt? Ein Teil davon auf jeden Fall. Das haben wir die letzen Jahre oft genug gesehen und werden das auch weiter tun. Ich denke aber nixht, dass der Markt als Ganzes kaputt ist. Ich sehe da auch nicht per se ‚Kapitalismus‘ als böse an. Jahrzehntelang hat der Markt kapitalistisch ziemlich gut funktioniert, weil eben immer mehr Lwute gespielt haben. Das erste Problem, und das mag (gerade amerikanischer) Kapitalismus gar nixht, das Wachstum hat allmählich ein Ende. Das zweite Problem, es gibt gleichzeitig viele Beteiligte am Markt. Momentan sehen wir ja verstärkt chinesische Entwickler auf den Weltmarkt drängen, vor einigen Jahren waren es Koreaner. Nachdem jahrzehntelang Amis, Japaner und Europäer den Kuchen unter sich aufteilen konnten. Und selbst da war das europäische Stück immer das kleinste.

    Momentan jedenfalls kommen wir so oder so an ein Limit. Die Frage ist, zieht man die richtigen Schlüsse daraus. Manche tun das IMO, andere aber nicht. Immer noch relativ aktuelles Beispiel (EA), die Leute wollen keine großen Single Player Rollenspiele mehr. Baldurs Gate 3 hatte sich übrigens kurz vor Dragon Age Veilguard 15 Millionen Mal verkauft. Und läuft weiter ziemlich gut.

    Budgets sind ja schon länger ein Thema. Ein Gutteil der Branche will immer noch höher, schneller und weiter. Konkretes Gegenbeispiel Nintendo. Ein Großteil von deren Titel schein eher im unteren bis mittleren Budgetbereich zu sein. Damit schafft Nintendo es aber auch zuverlässig, schnell in die Gewinnzone zu kommen. Sicher, nicht immer. Ein BotW oder TotK kosten auch hier richtig Geld. Andererseits munkelt die Branche bei GTA6 ja von bis zu zwei Milliarden (inkl Marketing denke ich), womit dann wirklich Abermillionen Kopien verkauft werden müssen.

    Übrigens, so einiges davon ist auch im analogen Gaming momentan Thema. Da fällt einerseits gerade Hasbro negativ auf, andererseits hat der Markt zwischendurch (teils wegen Corona) ein ungesundes Wachstum hingelegt. Momentan müssen einige Anbieter dran glauben, ein paar (Hasbro ganz besonders) fallen mit ihrer Geschäftspolitik negativ auf. Die Wahrheit ist aber auch, gerade von den mittelgroßen Firmen sind viele gesund und fit.

    #1804401
    genpei tomategenpei tomate
    Teilnehmer

    Was Hasbro angeht, bin ich nicht informiert, werde ich aber nachholen, da mir die Spiele-Marke bekannt ist und k.A. habe, was sie jetzt verzapfen.

    GTA6 ist ein spannendes Ding anhand der aktuellen Entwicklungen, speziell um MS, da die Xbox-Series als Plattformen auch angegeben werden. Noch?
    Weil Sony diejenigen sein könnten, die vom Hype profitieren, wenn es um Rockstar geht und keiner abschätzen kann, was bis zum Release des nächsten Ganoven Epos noch alles mit der Branche passiert.
    Theoretisch ist eine Switch 2 Version noch drin, aber auch bei Nintendo weiß man nicht so genau, wie gut das mit der Kiste laufen wird, da die Kundschaft anscheinend keine Lust auf Key-Card Gedöns hat und Thirds in vielerlei Hinsicht ein wenig gearscht sind, auf der Nintendo Plattform. Das sind wiederum ganz andere Sorgen.

    Aber da hätten wir es wieder, und “Große” Spiele werfen für mich noch mehr die Frage auf, warum sie noch größer werden sollten?
    “Kapitalimus” meinte ich auch nicht als komplett negativ-konnotiert. Dieses “immer Höher” ist eher das, was ich ausdrücken wollte. Ja, dann geht es aber dem Entsprechend ganz viel nach unten, je höher man ist.

    Das Gegengift seitens Nintendo finde ich weniger die Kosten/Nutzen Faktoren ihrer Spiele, die kaum das Kosten, was andere in ihren Games investieren, sondern schlicht die gute Pflege die sie über die Jahrzehnte mit ihren Marken betreiben. Denn was sie sonst kosten, das kann ich gar nicht einschätzen, ich meine nämlich, nie über die Entwicklungskosten eines “Mario” je gelesen zu haben. Steht das irgendwo?
    Keiner der Konkurrenten kann sich was das angeht mit den Kyoto-basierten messen und obwohl die Japaner es seit jeher vormachen ( auch mit einem Iwata, der sein Salär kürzt: Das gab noch nie, es kam nie wieder!)gehen die anderen dann auch Wege weiter, wenn sie in den Abgrund führen.

    #1804402
    captain carotcaptain carot
    Teilnehmer

    Kurz zu Nintendo: Budgets geben sie AFAIR nie an. Aber da ist unter anderem der Maßstab der meisten Produkte, der meist deutlich kleiner ist als etwa bei Sony. Oder das, was über Teamgrößen und Mitarbeiter Zahlen bekannt ist. Und selbst mit dem ‚Flop‘ Wii U hat es jedes Spiel in die Gewinnzone geschafft.

    Allerdings sind die Titel zum Start praktisch immer poliert und laufen selbst ohne Day One Patch gut. Selbst TotK ungepatcht war erstaunlich fehlerarm. Auch wenn das die bessere Performance braucht.

    Es ist sicher auch nicht alles von Nintendo günstig produziert. Aber sehr oft dürfte man dort mit einem Bruchteil der Produktionskosten auskommen, die mittlerweile üblich sind.

    Game Key Cards und Third Parties: letztere sind auf der Switch definitiv wichtiger geworden und finden offensichtlich auch ihren Absatz, andernfalls würden wir viele aktuelle Ports nicht sehen und es gäbe zum Beispiel auch nicht die Flut an JRPGs. Natürlich sind die First Party Titel für Nintendo extrem wichtig und werden es auch bleiben.

    Die Game Key Cards sind ein anderes Thema. Da wird nicht die laute aber oft kleine Internet Community entscheiden sondern der Massenmarkt. Und ich fürchte der wird das Konzept einfach fressen.

    Ein Punkt, den man Nintendo auf jeden Fall lassen muss, die halten ihre Software wertstabil.

    #1804575
    joiajoia
    Teilnehmer

    @captain carot – ja, genau so funktionieren die kapitalistischen Systeme: Kohle frei machen ohne die Erträge zu schmälern: Menschen weg. Etwas weniger Gewinn als erwartet? Menschen weg. Subventionsmöglichkeiten schaffen über Personalkürzung: So ist das. Hab ich genauso erlebt und erlebe es noch.

    Ich finde das nicht per se gut oder schlecht oder gar böse. So läuft es einfach. Das Geschäftmodell an sich – in darwinistischem Sinn – finde ich sogar ansatzweise so etwas wie “natürlich”.Das moralische Problem ist halt, dass die Menschenleben, die damit auf- und untergehen immer wieder auf allen Ebenen für Diskussionen sorgen.
    Und das zeigt, dass die Leute a) einerseits vollkommen gegen den Kapitalismus zu sein scheinen, weil er eben Leute und Ressourcen gewissenlos verbrennt (siehe die aktuelle Debatte um die Kündigengen bei MS und wer sich da nicht alles zu Wort meldet)… b) andererseits: solange es nicht mich direkt betrifft… Und am Ende gibt es ja immer noch irgendwo die Gewinner. Microsoft ist jetzt nach Tencent aber vor Sony einer der weltweit meistgehandelten Multimedia-Konzerne.

    Das Verantwortungsbewusstsein und vielleicht so etwas wie unternehmerische Pflicht ist seit den Unternehmensgründungen vor ca. 100-150 Jahren in allen Branchen in unsere Gegenwart hinein langsam verrottet. Moralische und ethische Maßstäbe gelten nicht mehr, es geht nur um Maximierung von Leistung, Gewinn und so weiter. Ein gebändigter Kapitalismus wäre glaube ich eine gute Sache – aber ich glaube auch, dass er sich auf Dauer nicht bändigen lässt.

    Den Hinweis auf den Quantencomputer find ich spannend, aber höre davon zwischenzeitlich erstaunlich wenig. Sollte doch mal der neue Heilsbringer sein…

    Zum Thema Gamepass hier eine Aussage von Raphael Colantonio: https://de.ign.com/xbox-game-pass/147687/news/untragbar-und-schadigend-grunder-der-arkane-studios-findet-deutliche-worte-zum-game-pass

    Ansonsten teile ich deine Analyse und die Zukunftsaussichten in weiten Teilen – das geht einfach noch zuviel – zumindest in Erwartung – als dass man das Konsolengeschäft jetzt einfach hinschmeißen würde oder auch nur könnte.

    Ist der Markt kaputt?
    Ich sage “Nein”. Du beschreibst es ziemlich gut. Der Markt wurde gegründet, es gab den Gründerrun, die zunehmende Sättigung und Professionalisierung und jetzt ist das Marktsegment mit Teilnehmern und Beteiligten gesättigt. Alle Professionalität wird auf die Spitze getrieben – wie bei einem Fetisch – und die übersättigte Bande wartet auf technische Innovationen, um den Markt auf noch höhere Spitzen zu treiben.

    Außerdem dreht man sich im Kreis und guckt, wo sich noch was machen lässt – über Remake, Retake, Verfilmung etc. Die Stagnation im Moment ist offensichtlich, neue Konzepte gibt es wenige – wirklich neue sehe ich grad noch weniger. Das ist normal, wenn eine Idee bis zum Anschlag ausgeschöpft wird.

    Die Stagnation ist für mich wie das Anbranden des Meeres an einen Damm. Ich bin gespannt, in welcher Art sich die Flut Bahn brechen wird – was also die kommende Innovation sein wird, auf die sich dann alle stürzen und wir dann natürlich auch kaufen müssen.

    “Die Wahrheit ist aber auch, gerade von den mittelgroßen Firmen sind viele gesund und fit.”
    Das finde ich eine wichtige Feststellung – darüber spricht aber interessanterweise niemand. Ich lebe hier im Oberland im schönen Bayern und es ist im Vergleich zu Berlin, wo ich vorher jahrzehntelang gelebt und gearbeitet habe krass, wieviel Wohlstand hier existiert und als “normal” angesehen wird. Gerade mittelgroßen Firmen auch aus anderen Brachen hier geht es hervorragend – auch wenn die natürlich jammern – schließlich geht die Sorge um die Zukunft um – und die politischen Entscheidungen die momentan getroffen werden, zehren definitiv auch am Speck, den wir angelegt haben. Trotzdem existiert hier noch echter, hoher Wohlstand – auch unter den Otto-Normal-Bürgern. Echt leiden tun am meisten die kleinen selbständigen Leute und Firmen.

    Und wegen Nintendo – die halten sich auf dem Markt wertstabil, weil es halt auch keine wirkliche Konkurrenz gibt, vor allem in Bezug auf ihre IP´s und die Tradition die damit einhergeht.
    Mir ist das erst kürzlich wieder aufgefallen, wie sparsam und gezielt sie sich auf dem Markt bewegen – vielleicht, weil sie die Schwierigkeiten oder Herausforderungen eben auf Nintendo-Art “besser” analysieren als andere Player. Und sie verlassen sich halt schwer auf die seit Generationen geübten Namen. Das ist etwas, das kenne ich so von anderen Riesen nicht. Und dafür haben sie ehrlich meinen Respekt.

    Ich beobachte aber auch genau, was jetzt mit der Switch2 passiert. Denn wie schon im Line-Up angedeutet, öffnet sich Nintendo ein Stück weit dem weiten Gewässer und da wird sich noch zeigen, wie weit und weit es für Nintendo gut ist, sich auf dieses Spiel einzulassen. Mal schauen, was der Erfolg der Switch2 auf lange Sicht mit sich bringt.

    #1804593
    captain carotcaptain carot
    Teilnehmer

    Zu ‚so funktioniert Kapitalismus‘ ein klares Jain. Am Ende hängt es von der Prägung ab. Der deutsche Kapitalsmus hat ja schon zu Bismarcks Zeiten (zwangsläufig) eine gewisse soziale Prägung bekommen. Auch wenn die hier in den letzten 30 Jahren ein Stück weit verloren gegangen ist. Kapitalismus nach angelsächsischer Prägung mit seiner Hire & Fire Mentalität kennt das eher nicht. Nicht mal bei kleinen Unternehmen.

    Nintendo und seine IPs, das hat man sich, teils ja über vier Jahrzehnte, aufgebaut. Und dafür braucht es unter anderem konstant hohe Qualität. Ein Nachteil, es kommt eher selten was neues (wie Splatoon), ein Vorteil ist die Zugkraft.

    An der Stelle ist MS auch aktuell ein gutes Beispiel, wie IP Pflege nicht geht. Halo hat man mit Infinite ziemlich an die Wand gefahren. Die Kampagne war einfach unfertig. Der Multiplayer war wirklich gut, aber es mangelte vom Start weg an Content und es kam auch nie genug nach. Bei Forza Motorsport wurde der Stecker nach 20 Jahren komplett gezogen. Perfect Dark dürfte mit dem Initiative Debakel auch tot sein. Die Liste könnte man fortsetzen.

    IP Pflege über Jahrzehnte ist schwierig. Da haben genug andere versagt. Das ist absolut kein reines MS Problem. Aber Nintendo ist da im Zweifel auch durchaus bereit, zu investieren. Metroid Prime 4 zum Beispiel ging ja knapp zwei Jahre nach Ankündigung an einen anderen Entwickler und wurde komplett neu gestartet. Deswegen sehen wir Retro Studios‘ MP4 ja auch jetzt erst.

    Anderes Beispiel, Tears of the Kingdom. Das letzte Jahr der Entwicklung diente fast ausschließlich Fehlerbereinigung. Und das merkt man einfach. Selbst im Release Candidate ist es bei all dem Blödsinn den man da anstellen kann extrem unwahrscheinlich, dass man auf Bugs trifft.

    Ich denke übrigens auch, dass Sony da einen guten Job macht. Das Vorgehen bei IPs ist ein ganz anderes und natürlich ist man dort auch schon mal mit Studioschließungen dabei, aber üblicherweise gibt es von Sony polierte, ausgereifte Software, gerade bei den großen IPs. Ausfälle wie Concord letztes Jahr sind wirklich selten.

    Stichwort MS und die Hardware: man ist sich da glaube ich im Klaren, dass man im klassischen Konsolenmarkt verloren hat. Unter anderem deswegen auch die Öffnung hin zum Steam und Epic Games Store. Mit Käufen dort wird Microsoft keinen einzigen Cent machen. Aber falls man auf die Zukunft mit Cloud Gaming setzt und dort eine eigene Plattform betreiben will kann man das Hardware Geschäft auch (noch) nicht komplett aufgeben.

    #1804594
    joiajoia
    Teilnehmer

    @genpei-tomate: Jau. Das ist, was ich meinte in der Antwort zu Carot. Und warum Spiele immer “größer” werden müssen – hm. Das ist wohl das vermeintliche Allheilmittel bzw. eines, dass in der Vergangenheit ein paar Mal funktioniert hat. Heute ja nicht mehr wirklich so ganz.

    Hab das auch an meinem eigenen Spielverhalten bemerkt – wo ich früher problemlos mein Leben in einem offenen Spiel versenkt hab, langweilt mich das heute dermaßen gnadenlos, dass es schon sehr, sehr, sehr gut sein muss, damit es für mich noch halbwegs funktioniert. Aber ich spiele heute verstärkt “alte” Spiele und von den neuen eher die kurzen und habe immer noch Spaß.

    Hab aber auch von meiner List of Shame einiges gestrichen in den vergangenen Jahren, was ich heute einfach nicht mehr so auffassen kann, wie damals. Wie dem auch sei!

    Hoffnung oder nicht, es geht weiter und wenn wir mit am Ball bleiben, werden wir auch erleben, wohin es geht.

    Einen angenehmen Tag!

    #1804595
    joiajoia
    Teilnehmer

    @captain-carot: jein, diese speziellen Unterschiede die du ansprichst stimmten, aber sind zwischenzeitlich schon relativ stark verwaschen. Das sind ja in den überirdischen Bereichen der verschiedenen Geldbranchen dieselben Götter hier, wie die überm Teich, bis hin den den näheren oder ferneren Osten und im globalen Süden. Brics hin oder her. Mitmachen tut ja jeder. Wo es noch Unterschiede gibt, ist aber deutlich die politische Ebene, kulturell bedingt, aber das wird im nordwestlichen Bereich durch sowas wie klobale Lieder auch zärtlich ausgeglichen. Oder zumindest versucht.

    Auch einen kulturellen Unterschied spiegelt für mich aber was du im Vorgehen von Sony, MS und Nintendo ausmachst. Platt gesagt finde ich Nintendo ist konservativ, Sony weniger konservativ und mehr kreativ und MS halt 100% Hire und fire-Mentalität. Sehr platt ausgedrückt.

    Sonst ja!

    #1804700
    joiajoia
    Teilnehmer

    @genpei – Und dann haust du die Weisheiten raus wie andere Leute ihre Verrücktheiten 😉

    “Kann nur von mir reden: Nichts ändert sich wirklich, wenn es nicht von “Innen-heraus” kommt und transformiert wird.” – das ist, denke ich, nicht nur für dich so. Ich denke, dass ist eine allgemeine Wahrheit und trifft damit voll ins Schwarze.

    “Und dann kann man sich nur unterordnen, einer “Ordnung” nämlich, die man selber nicht gestaltet hat.” – so einfach, ebenso wahr. Und der Witz ist, niemand ist wirklich mit diesem Zustand zufrieden (weil nicht selbst gemacht) und er wird sogar als Gefängnis interpretiert, aber zu ändern hat scheinbar auch niemand die Kraft … und den Mut. Und ist ja zugegeben auch nicht so einfach, wenn man gleichzeitig so viel Möglichkeiten und “Freiheit” hat.

    Ich glaube es war Brecht, dem man zugeschrieben hat: “Das Gefängnis um uns herum ist längst schon in uns drin.”

    Und zu guter Letzt: “Wissen” tun wir sowieso nichts ( ich zumindest), und was heute gilt, kann morgen schon kompletter Unfug sein.” – unterschrieben. Das erleben wir momentan sowieso auf eine derart schneidige Art und Weise, die das absolut belegt was du sagst. Denn was beispielsweise ich gestern “gewusst” habe, ist heute genau das “Falsche”.

    … Noch eine kleine Nebenerzählung: hab mir für meine Switch wieder Astral Chain besorgt, nachdem ich es verschlampert hab. Reingesteckt und losgelegt. Immer noch ein genialer Aktiontitel, für mich ein kleiner Klassiker. Und was gemerkt?

    Genau. Einfach eingesteckt und losgelegt. Kein Update. Kein Patch. Läuft heute wie damals direkt von der Karte.

    #1804725
    captain carotcaptain carot
    Teilnehmer

    Ich denke, Nintendo ist teilweise ziemlich kreativ. Allerdings oft auf behutsamere Weise und noch öfter im Rahmen bekannter IPs. Bei Sony sind zwar sehr oft neue IPs dabei, innovatives Gameplay aber eher selten. Wobei manche Teams halt sehr experimentierfreudig sein dürfen.

    Bei MS hatten Entwickler gerade in der Anfangszeit wohl Narrenfreiheit, aber die Phase ist schon lange vorbei. Was aber in Verbindung mit mehreren Studios auffällt, es gibt anscheinend mangelhafte Kontrolle von oben und anscheinend funktioniert die Zuarbeit zwischen verschiedenen Studios bzw Studios und Subkontraktoren oft nicht. Dazu kommt jetzt noch die enorme Menge an Zukäufen mit teilweise völlig unterschiedlichen Strukturen. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass Zenimax und Activision vom Stil her zusammenpassen.

    Die nächsten Jahre dürfte da sehr viel davon abhängen, wie man versucht das alles unter einen Hut zu bekommen. Zumal mit Ninja Theory, inXile, Obsidian, Double Fine usw auch einzelne Studios von Microsoft Games selbst aufgekauft wurden. Wo lange Zeit eher ein Laissez Faires Ansatz galt.

    #1804727
    FuffelpupsFuffelpups
    Teilnehmer

    “… Noch eine kleine Nebenerzählung: hab mir für meine Switch wieder Astral Chain besorgt, nachdem ich es verschlampert hab. Reingesteckt und losgelegt. Immer noch ein genialer Aktiontitel, für mich ein kleiner Klassiker. Und was gemerkt?

    Genau. Einfach eingesteckt und losgelegt. Kein Update. Kein Patch. Läuft heute wie damals direkt von der Karte.”

    https://www.doesitplay.org/

    Die meisten Spiele (~3/4) sind ohne Patch offline spielbar.

Ansicht von 15 Beiträgen - 46 bis 60 (von insgesamt 72)
  • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.