Akte BPjM – Borderlands

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Und noch einmal Gearbox: Nach Brothers in Arms: Hell’s Highway widmen wir uns diesmal der Koop-Schießerei Borderlands. Der krude Humor, das fiktionale Setting und die abstrahierende Cel-Shading-Optik reichten nicht aus, die ungeschnittene Fassung des Spiels vor dem Index zu bewahren. Wir erläutern die Gründe.

Borderlands

Entwickler: Gearbox Software, USA
Hersteller: Take 2
System: PS3 / 360
Veröffentlichung: 20. Oktober 2009
Indizierungstermin: 11. Oktober 2010
Indizierte Versionen: PS3 / 360 (EU)
Index-Liste: A

Gearbox erschafft 2009 eine Art ­Diablo im Ego-Shooter-Gewand. ­Borderlands entführt Euch mit bis zu drei Koop-Kumpels auf den Planeten Pandora, wo Ihr Euch in Gestalt eines von vier unterschiedlichen Charakteren auf die Suche nach einer sagenumwobenen Kammer macht. In feiner Cel-Shading-Optik wird dafür geballert, was das Zeug hält. Nicht nur wilde Tiere, sondern auch menschliche Banditen kommen Euch vor die Flinte und lassen bei ihrem Ableben den Kern von Borderlands fallen: massenhaft Beute in Form von immer neuen Waffen, Schilden, Munition und Lebensenergie. Klaubt Ihr nicht gerade Dinge vom Boden auf, lacht Ihr über den gelungenen Humor des Spiels.

»Es handle sich um einen First-Person-Shooter, in dem das Töten von Gegnern ein Belohnungsverfahren in Kraft setze. Mit diversen Waffen sei das gezielte Abschießen von Körperteilen möglich. Würden Kopfschüsse platziert, sehe man, wie der Kopf explodiert. Alle Tötungen fänden äußerst blutig und detailgetreu statt. Mitleid werde aufgrund der Kommentare ausgeschlossen. Durch Trickverfahren (Slow-Motion-Verfahren, Zoom) würden die Tötungen übervisualisiert dargestellt…«

Auszüge aus der Indizierungs­entscheidung Nr. 9505 (V) vom 11.10.2010

”Trifft der Spieler während seiner Reise oder einer Mission auf andere Menschen oder menschenähnliche Wesen, kommt es fast immer zum Kampf. Nur die Auftraggeber sind dem Spieler friedlich gesonnen. Ein Umgehen der Feinde ist meist nicht möglich und vom Spiel auch nicht vorgesehen, da pro erledigtem Feind eine kleine Anzahl der benötigten Erfahrungspunkte erlangt werden kann.
(…)
Trifft man einen schwachen Opponenten mit einer starken Waffe in den Torso, wird der Körper in mehrere Teile zerfetzt. Im Spielverlauf werden die eingesetzten Waffen immer stärker, folglich treten diese Effekte im fortlaufenden Spielgeschehen immer häufiger auf.
(…)
Bei Feuerschaden zerfällt [der Gegner] zu Staub, wenn seine Lebensenergie aufgebraucht ist. Benutzt man eine Waffe mit ’Säurebonus’, ’zerfließt’ der Gegner in einer grünen Wolke und es bleiben Knochenteile auf dem Boden zurück. Beim Angriff mit einer Elektrowaffe erscheint das Skelett des Körperteils, auf welchen geschossen wurde.
(…)
Die Mitglieder des Gremiums haben bei ihrer Entscheidung berücksichtigt, dass die Spielgrafik durch den eingesetzten Cell-Shade-Effekt comicartig und damit unter Umständen distanzierend wirken könnte. Allerdings überwiegen insgesamt die Tötungshandlungen, die so häufig erfolgen und so drastisch und realitätsnah dargestellt werden, dass eine Jugendgefährdung unzweifelhaft gegeben ist.
(…)
Auch wenn der Comiclook des Spiels eine gewisse künstlerische Gestaltung zeigt, sind auf der anderen Seite die Verletzungen und Splattereffekte sehr detailliert und real dargestellt. Nach Ansicht des Gremiums sind insgesamt keine Aspekte erkennbar, die Borderlands zu einem Kunstwerk von nennenswertem Rang erheben könnten.”

Die USK-Fassung von Borderlands wurde kräftig beschnitten: Platzende Schädel, abtrennbare Gliedmaßen und zynische Kommentare fehlen, Blut- und Elementarschadeneffekte wurden auf ein Minimum reduziert. Spielt man die ungeschnittene Version heutzutage, erscheint die Indizierung hart. Die Cel-Shading-Optik, der allgegenwärtige Humor und das ”Mad Max”-Setting abstrahieren den herrschenden Gewaltgrad merklich, außerdem liegt die Aufmerksamkeit des Spielers nicht auf sterbenden oder toten Gegnern, deren menschliche Vertreter zudem meistens Masken tragen. Die Gedanken des Gamers sind stets auf die Beute gerichtet, welche sein Feind fallen lässt; Gegner werden nicht aus Mordlust, sondern auf der Jagd nach mehr Erfahrungspunkten und besseren Waffen ausgeschaltet. Gerade diese Inten­tion ist es aber, die der BPjM sauer aufstößt: Das Töten ist in Borderlands ein absolutes Muss und in den Nicht-USK-Versionen wird es durch die zusätzlichen visuellen Effekte stärker betont als in der deutschen Fassung. Es ist verwunderlich, dass sich auch diese um den Kreislauf ”töten-aufleveln-töten” dreht, der in der Anklage kritisiert wird. Mit der grundsätzlichen Ausrichtung und Fokussierung auf das Ausschalten von Feinden, das vom Spiel mit Beute und ­Erfahrungspunkten belohnt wird, hatte die USK keine Probleme und vergab ein 18er-Siegel für die geschnittene Version, die damit vor einer Indizierung durch die BPjM geschützt ist. 

Du fragst Dich schon ewig, warum ein bestimmtes Spiel indiziert wurde? Dann schreib uns Deine Anregung an leserpost@maniac.de und wir gehen der Sache nach!

Max Snake
I, MANIAC
Epic MAN!AC
Max Snake

Teil 2 hatten im Koop Modus viel Spaß bereitet.

ScorpionX
I, MANIAC
ScorpionX

Leider… Aber manche Dialoge von Gegnern in Teil 2 waren gut: “” Schon mal von deinem eigenen Darm erwürgt worden?””

Fenikkusu Hato
I, MANIAC
Profi (Level 2)
Fenikkusu Hato

Interessanterweise wurde der Gore bzw Splatter Factor in Borderlands 2 und Pre-Sequal gleich von Gearbox von Anfang an reduziert und das international.

BigBen
I, MANIAC
Maniac
BigBen

Volle Zustimmung,die Nachfolger konnten mich dagegen nicht wirklich begeistern…

ScorpionX
I, MANIAC
ScorpionX

Man, ich hab Borderlands geliebt. Ein Klassiker…