Blur – im Klassik-Test (360)

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Grafisch zeigt sich Bizarres Flitzer von der nüchternen Seite: Gedeckte Farben dominieren – abgesehen von den Neontupfern – bei Umgebungen, Fahrzeugmodelle und Landschaften könnten detaillierter sein. Dafür läuft das Geschehen selbst in den wildesten Momenten flüssig und die Waffen­effekte fallen angemessen krachig aus. Aufwändig abgemischt ist die Soundkulisse, in der jeder Extra-Einsatz anders klingt und dank Surroundklang genau geortet werden kann.

Blur entfaltet seine Stärken in Mehrspieler-Runden: Bei Splitscreen-Rennen treten bis zu vier Piloten an und rangeln sich mit einem Quartett an CPU-Rivalen (bei zwei Spielern starten gleich acht Kontrahenten), ohne dass Tempo und Grafikqualität leiden. Online versammelt sich ein 20-köpfiges Fahrerfeld in verschiedenen Disziplinen: Neben normalen Rennen warten Läufe ohne Extras, bei denen nur das Fahrkönnen zählt, oder der ’Motorensalat’, in dem es nach Twisted Metal-Art um das ­Demolieren der Rivalen geht. Fein: Die ­Rasereien laufen dabei ohne Lag-Probleme.

Das unverkennbar von Call of Duty: Modern ­Warfare 2 inspirierte Drumherum sorgt für Langzeit­motivation: Durch gute Platzierungen und Aktionen während der Rennen sammelt Ihr Fans und steigt damit stetig im Level auf. So schaltet Ihr neue Vehikel, Spielarten und Mods frei – Letztere entsprechen in etwa den Call of Duty-Perks. Aus 24 möglichen lassen sich drei aktivieren und steigern zum Beispiel Euer Fan-Potenzial, liefern mehr Schutz oder machen bestimmte Waffen ­wirkungsvoller. Daneben locken zahlreiche Herausforderungen wie ’Zerstöre zehn Gegner mit einer Mine’, die ebenso das Fan-Konto erhöhen.

Solisten müssen sich dank einer traditionell angehauchten Karrierestruktur nicht grämen: In neun Kapiteln tretet Ihr zu mehreren Rennen an, darunter spezielle Wettbewerbe wie Fahrten gegen die Uhr oder die Jagd auf computergesteuerte Drohnen. Durch gute Platzierungen und das Erfüllen von Fanwünschen (entweder das Absolvieren von Tor-Parcours oder spontan auftauchende Vorgaben) erringt Ihr Lichter, mit denen weitere Läufe freigeschaltet werden. Am Ende jeder Episode wartet ein Duell mit einem Herausforderer: Bei einem Triumph erhaltet Ihr seine gepimpte Karre sowie eine Vehikel-Modifikation für den gesamten Fuhrpark. Allerdings sind die Kerle anspruchsvoll und wollen erst, dass Ihr mehrere Qualifikationshürden nehmt, die vom Charakter des KI-Fahrers abhängen – so fordert z.B. einer, dass Ihr mit den Waffen bestimmte Abschussquoten erfüllt, während ein anderer das Gewinnen von Fans in den Mittelpunkt stellt.

Damit seid Ihr eine Weile beschäftigt und sehr gut unterhalten, zumal das ordentliche Kurs- und Autosortiment für eine Menge Abwechslung sorgt. Auf langfristige Sicht ist Blur jedoch eine Mehrspieler-Angelegenheit, die sich wohltuend von ernsthaften Motorsport-Vertretern wie Forza Motorsport 3 abhebt: Wenn Ihr online auch mal unbeschwert und ohne Simulationsballast das Gaspedal durchdrücken wollt, seid Ihr hier richtig.

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captain carot
26. März 2026 9:52

Ganz ehrlich, ich mochte PGR wirklich, konnte mit Blur aber nix anfangen. Mit Split/Second übrigens auch nicht. Mit Pure hatte ich aber sehr viel Spaß.

Max Snake
26. März 2026 9:10

Eine meine Schande Blur nie gekauft gehabt.

captain carot
26. März 2026 8:31

Ein Grund, dass nicht MS Bizarre Creations übernommen hat könnte tatsächlich auch Don Mattrick gewesen sein. PGR war zwar einigermaßen erfolgreich, aber leider auch nicht so erfolgreich. Und Mattrick hat wohl sehr früh Kinect auf Kosten klassischer Konzepte forciert.

ghostdog83
25. März 2026 23:49

Warum war es Activision, das Bizarre Creations im vergangenen Jahr übernommen hat, und nicht Microsoft Game Studios, der Publisher von Project Gotham Racing? Auf der Develop 2008 erklärte Sarah Chudley, Business Developer bei Bizarre, dass dieser Schritt selbst für sie eine Überraschung gewesen sei. „Wir standen nicht zum Verkauf. Wir standen absolut nicht zum Verkauf“, sagte sie gegenüber der Verbraucher-Website Videogaming247. „Es war nicht so, dass wir uns auf die Suche nach einem Käufer gemacht hätten“, erklärte sie. Als Mitveranstalterin einer Sitzung mit dem Titel „Warum wir unser Studio verkauft haben; und warum wir es nicht getan haben“ sagte Chudley außerdem, dass der Zeitpunkt für Microsoft – das weithin als der wahrscheinlichste Käufer für das Unternehmen galt – vielleicht einfach nicht der richtige gewesen sei. „Natürlich mussten sie als Publisher wissen, was vor sich ging, aber ihre interne Struktur war zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich nicht darauf ausgerichtet, Unternehmen zu kaufen.“ „Und sie sind auf ein einziges Format festgelegt. Okay, die Xbox läuft fantastisch, aber wer weiß schon, was in Zukunft passieren wird?“, fügte sie hinzu. „Multiplattform ist der einzige Weg.“

https://www.gamedeveloper.com/game-platforms/bizarre-creations-on-why-its-acquirer-wasn-t-microsoft

Einige Aussagen klingen mit Blick auf die Entwicklung bei Microsoft in den vergangenen Jahren schon fast prophetisch.

Steppberger
25. März 2026 23:41

Da konnte Miccosoft allerdings nichts dafür: Damals gehörte Bizarre Creations zu Activision, das aber eben (noch) nicht zu Microsoft.

tetsuo01
25. März 2026 22:23

Knallergame und Gleichzeitig der Sargnagel für Bizarre Creations. Das hab ich MS nicht verziehen…