Lara Croft ist ein Star. Heute kennt nahezu jeder, der schon einmal mit Videogames in Kontakt gekommen ist, die attraktive brünette Lady. Lara hat ja auch eine beeindruckende Karriere hingelegt. Sie machte Die Ärzte im Video zu Männer sind Schweine lang und trat einige Jahre später sogar im Kino auf perfekt besetzt von Männertraum Angelina Jolie. Der eigentliche Auslöser für den Aufstieg von der Pixelamazone hin zum popkulturellen Phänomen war jedoch unzweifelhaft Tomb Raider. Das allererste, für PlayStation und Saturn. Mittlerweile 17 Jahre ist das her. Trotzdem: Laras erster Auftritt ist für viele nach wie vor der Beste. Dieser Meinung bin auch ich.
Schauen wir uns kurz die Situation bis 1996 an. Im Spielebereich regierte das männliche Geschlecht. Von Batman über Mario bis hin zu Zool waren die Spielehelden durchweg maskulin ja, sogar diese Ameise. Frauen in Games stellten, bis auf wenige Ausnahmen, die hilfebedürftigen Charaktere dar. Häufig eilte der Held herbei, um die entführte Maid aus den Klauen eines (männlichen) Bösewichtes zu befreien. Die Struktur schien klar, denn auch die Filmindustrie präsentierte überwiegend Leute wie Stallone, Schwarzenegger und Van Damme in knallharten Action-Rollen. Schließlich legten sich nur testosteron-gestählte Machos mit Außerirdischen, Terroristen oder Kommunisten an eigentlich klar, oder? Ellen Ripley bot zwar als Frau in den Alien-Filmen einer aggressiven interstellaren Brut die Stirn, trat aber abgesehen vom zweiten Serienteil eher zurückhaltend und wenig aggressiv auf, allerdings jedes Mal mit einer gehörigen Portion Mut. Coole Sprüche und heftige Bleigewitter waren ihr aber fremd, ebenso wie vielen anderen weiblichen Charakteren im Action-Genre. Meist blieb diesen nur die Rolle der nett anzusehenden Begleiterin.
Lara tritt anno ’96 unbelastet an das Thema Videospiele heran. Vielleicht gerade weil sie als feminine Inkarnation von Indiana Jones nicht viel zu verlieren hatte. Wie gesagt, Games stellten ebenso wie Filme hauptsächlich männliche Stereotypen an MG und Granatwerfer. Doch bereits kurz nach der Veröffentlichung von Tomb Raider rollte die Lara-Lawine durch die Videospielwelt. Bei aller Frauenpower, die das Spiel zweifellos innewohnte, darf aber eins nicht vergessen werden: Tomb Raider war ein richtig gutes Spiel. PlayStation und Saturn standen damals noch am Anfang ihrer Lebensspanne, und natürlich sollten vor allem ihre grafischen Fähigkeiten diese Systeme von ihren 16-Bit-Vorgängern abgrenzen.