Der Arbeit Thread

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  • #1124404
    Commander JefferCommander Jeffer
    Teilnehmer

    Puhhh Altenpflege,das habe ich gemacht als Zivildienstleistender und ich muss ganz ehrlich sagen ich weiss nicht ob ich das wieder machen könnte.1995 war ich davon überzeut das Richtige zu tun und habe es nie bereut.Ich habe den grössten Respekt vor den Pflegern und Pflegehelfern die diesen hochanstrengenden Job jeden Tag auf das neue angehen.Ob sich die Situation in den Heimen verbessert weiss ich nicht.Dafür müssten die Stiftungen Ihre Leute besser bezahlen und die Arbeitsbedingungen verbessern sprich mehr Leute einstellen um den psychischen und physischen Druck von den Leuten zu nehmen.Aber das ist wohl eher Wunschdenken.

    #1124405
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Naja, so von wegen unnötige Medikamenten-Verabreichung. Ich hab schon mitgekriegt, dass klinisch Toten Schmerzmittel verabreicht wurde.

    #1124406
    DerSebomatDerSebomat
    Teilnehmer

    @Retrofreak: Cooler Post. Und ich mag deine Einstellung. Scheinst in dem Job wirklich aufzugehen und das wird sich wohl auch auf die Patienten übertragen! Trotzdem finde ich, dass man grad in der Pflege die Leute wesentlich höher entlohnen sollte, als es momentan der Fall ist. Ich kann mich einfach nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass der Mensch zur Ware degradiert wird. Ich erinnere mich in meinem Zivildienst im Krankenhaus, wo ich im Patiententransport tätig war, d.h. ich musste die Patienten zu den Untersuchungen fahren und wieder zurück, wo ich oft unheilbar kranke zu irgendwelchen Untersuchungen bringen musste. Einmal fragte ich eine Schwester ganz naiv und ehrlich, warum die denn überhaupt noch ein CT brauchen, wenn die eh sterben, so hart es auch klingt. Da meinte die nur ganz lapidar, dass das Krankenhaus für jede Untersuchung Geld bekommt, weswegen alle Sterbenden nochmal überall “durchgeschoben” werden. Das ist doch sowas von krank!! Ich habs ja schon immer gesagt: Im Leben geht es nur ums Geld! Life sucks and then you die. Any questions?

    #1124407
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Mit ein Grund, warum die Prämien jährlich steigen und die Allgemeinheit den Scheiss bezahlen darf. Würden sie das Geld doch lieber ans Pflegepersonal verteilen.

    Krankenpfleger, das ist sowieso kein Beruf sondern Berufung. Das muss jemandem schon gegeben sein und unterscheidet sich in dem Punkt halt doch von anderen Berufsgruppen, wos halt einfach meist “nur” ein Job ist.

    #1124408
    retroretro
    Teilnehmer

    @Sebomat

    Danke dir.

    DerSebomat wrote:
    Da meinte die nur ganz lapidar, dass das Krankenhaus für jede Untersuchung Geld bekommt, weswegen alle Sterbenden nochmal überall “durchgeschoben” werden. Das ist doch sowas von krank!! Ich habs ja schon immer gesagt: Im Leben geht es nur ums Geld! Life sucks and then you die. Any questions?

    Damit ist alles gesagt, genau so ist es. Und am schlimmsten ist die Zwangsernährung, erinnert etwas an Gänsestopfleber. Es wird in vielen Fällen doch schon parenteral ernährt, nein, da muss noch eine Sonde rein. Manch Angehörigen können ihren geliebten Menschen einfach nicht in Frieden gehen lassen. Und wenn er nur noch für 2 Tage gelebt hätte, warum wurde nicht reanimiert (trotz DNR – Do Not Re-Animate). Das ist barbarisch.

    ChrisKong wrote:
    Mit ein Grund, warum die Prämien jährlich steigen und die Allgemeinheit den Scheiss bezahlen darf. Würden sie das Geld doch lieber ans Pflegepersonal verteilen.

    Das ist in der Tat eine sehr gute Idee =)
    Aber da wird lieber in andere Bereiche investiert, beim Personal wird gespart. Aus Ausgleich dafür gibt es Mehrarbeit; wenn dann Fehler passieren, kann man vor Gericht antanzen. Aber die wirklich großen Klagen gibt es – zumindest bei uns – eher immer chirurgischen Bereich. Nicht alleine wegen OP´s, über die Pflege wird mokiert, weil dort die Personalsituation noch schlechter ist.

    Quote:
    Krankenpfleger, das ist sowieso kein Beruf sondern Berufung. Das muss jemandem schon gegeben sein und unterscheidet sich in dem Punkt halt doch von anderen Berufsgruppen, wos halt einfach meist “nur” ein Job ist.

    Vielen Dank. Ich fühle mich trotz allem auch durch dieses riesige “Fangbecken” des Teams und der Ärzte wohl, weil ich auch weiß, dass eben diese die riesige Verantwortung tragen. Also baue ich Mist, geht´s eine Stufe der Hierarchie nach oben.

    #1124409
    Esorb RedEsorb Red
    Teilnehmer

    Ich habe damals meinen Zivildienst in der psychiatrischen Klinik in meiner Heimatstadt gemacht. Ich kann nicht wirklich behaupten zu wissen wie es auf den anderen Stationen des Krankenhauses zu ging und pflegebdürftige Patienten hatten wir da auch fast keine. Dennoch habe ich schon einen guten Eindruck von der Arbeit des Pflegepersonals bekommen und zolle denen meinen höchsten Respekt. Damals war die finanzielle Situation im Krankenhaus schon schwierig, ich mag mir gar nicht ausmalen wie es jetzt, 10 Jahre später, aussieht. Ich hatte damals auch überlegt eine Ausbildung im Pflegebereich zu machen, fand dann aber die Verantwortung die man für die anderen Menschen trägt einfach zu groß, gerade für die Vergütung. Wenn ich in meinen Beruf einen Fehler mache kostet es meinen Arbeitgeber im schlimmsten Fall eine Stange Geld, oder ein Gast zieht unzufrieden ab. Aber ein Fehler in der Pflege kann im schlimmsten Fall ein Leben kosten. Davor hätte ich ehrlich eine zu große Angst.

    #1124410
    DerSebomatDerSebomat
    Teilnehmer

    In einer psychatrischen Klinik klingt ja interessant. Was genau hast du da denn gemacht, wenn ich fragen darf?

    Hatte auch schon ne Stelle als Krankenpfleger. War von meinem Zivildienst auch sehr angetan und dachte mir, was für ein toller Job, endlich mal Leuten helfen können, etc. Aber dann habe ich mich doch noch umentschieden. 1. Weil man immer der “Gehilfe” vom Arzt bleibt und nicht aufsteigen kann, und 2. weil Fehler eben echt böse ausgehen können, so wie Esorb Red schon geschrieben hat. Wenn ich in meinem jetzigen Job einen Fehler mache, bekommt der Gast nen Eistee, statt Cola. Wen juckts. Aber wenn ich bei nem kranken Menschen was verpeile, kann das schon wesentlich schwerwiegendere Folgen haben.
    Hatte in meinem Zivildienst auch mal einen Patienten, den ich zur Untersuchung gefahren habe und im Gang “parken” musste, weil der Untersuchungsraum gerade noch besetzt war. Angemeldet hatte ich ihn, die Ärzte und Pfleger wussten somit bescheid, dass Herr soundso draussen wartete. 20 Minuten später ging mein Piepser und mir wurde mitgeteilt, dass der Herr verstorben war. Da hats mich schon ordentlich gerissen. Sterbende Patienten dürfen keinem Zivildienstleistenden anvertraut werden. Da herrschte wohl Personalmangel. Und/oder es musste schnell schnell gehen. Das hat mich echt beschäftigt. Da lebt man sein Leben, hat Wünsche und Träume, Auf und Abs, und dann stirbt man in irgendeinem Gang, umgeben von hektischen Menschen, die man noch nie zuvor gesehen hat. Was für ein Abgang……

    #1124411
    retroretro
    Teilnehmer

    Das war bestimmt ein Schock für dich, das glaube ich dir.

    Meist sind es auf einer internen Station natürlich Menschen, die in den letzten Krankheitsphasen bzw. in ihrer letzten Stunde zu uns kommen.
    Es passiert nicht selten, dass informierte Angehörige grade noch kommen können, um sich zu verabschieden. Aber trotz allem, was so bei uns passiert und grade auch wegen einer persönlichen Erfahrung könnte ich im Bereich Palliativpflege nie arbeiten.
    Dort ist der “Worst Case”, das Ende, der Tod, bestimmt. Er ist unausweichlich. Die letzten Wochen, Tage, Stunden werden in solchen Einrichtungen meist damit verbracht, die unerträglichen Schmerzen durch hochdosierte Opioid-Analgetika erträglich zu machen.
    Das Einfühlungsvermögen in die Todkranken, aber auch die tägliche Begleitung in diesen Einrichtungen kann – so denke ich – nur für einen selbst “erfüllend” sein, wenn man sich mit der Situation abfindet und weiß, für diese Menschen alles medizinisch, ethisch, spirituell und emotional mögliche getan sowie den Abschied human gestaltet zu haben.
    Besonders die Religion spielt da eine große Rolle, es gibt dort z.B. auch “überkonfessionelle” Räume, wo für jede Religion und deren “Brauch” oder Abfolge (mit fällt das Wort nicht ein) Platz bietet.

    Interessant, dass die Diskussion zu Ostern in diese Richtung geht.

    #1124412
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Die geht in diese Richtung, weil du das jetzt geschrieben hast. :-)

    Religion bleibt ein heisses Eisen. Ich hab im Spital einen evangelischen Priester kennengelernt und mich ein wenig mit ihm unterhalten. Wozu ihn der Glaube inspiriert hat, finde ich eigentlich sehr gut, aber dass es dazu immer diese verbrämte Märchenstunde braucht, erschliesst sich mir leider nicht so ganz. Insbesondere dann nicht, wenn der dogmatische Ansatz nicht zur Einung sondern zur Trennung der Menschen beiträgt.

    #1124413
    LofwyrLofwyr
    Teilnehmer

    Man darf halt nicht Glauben mit Religion verwechseln.

    #1124414
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Ein Stück weit bleibt Glauben aber halt immer ein Stolperstein, dessen Kraft eben auch seine grösste Schwäche ist.

    #1124415
    Esorb RedEsorb Red
    Teilnehmer

    Die psychiatrische Klinik war schon sehr interessant. Dort habe ich gelernt, dass es wirklich jeden treffen kann, aber auch dass der Betroffene die Hilfe zulassen muss. Manchmal waren die Handlungen der Patienten für mich zwar nicht nachvollziehbar, viel schlimmer muss es aber für die Patienten gewesen sein, die ihre Handlungen selbst nicht verstanden.
    Ich habe einmal einen Patienten zum Röntgen begleitet, das war ein alter Mann, der erzählte mir, dass er manchmal sieht, wie im Stacheldraht aus den Schuhen die Beine hoch “wächst”. Er wisse, dass das nicht real ist, es hat ihm aber trotzdem enorme Angst gemacht.
    Im Gedächtnis bleibt mir auch ein bettlägriger, alter Mann mit weit fortgeschrittener Demenz, der stundenlang um Hilfe gerufen hat. Später hatten wir dann auch eine Frau mir ähnlichem Krankheitsbild.

    Überhaupt sind die dementen Patienten immer etwas spezielles gewesen. Es gibt mir zu denken, wenn ich weiß, eines Tages weiß ich vielleicht einfach nicht mehr, was ich zwei Minuten vorher gesagt oder getan habe. Oder dass ich einfach die simpelsten Dinge durcheinander bekomme, vergesse zu trinken oder meine Verwandten und Freunde nicht mehr erkenne. Am allerschlimmsten waren aber für alle Patienten mit Demenz mit denen ich gesprochen habe, wenn sie in klaren Momenten erkannten welche Fehler sie gemacht hatten oder sich anderen Menschen gegenüber unhöflich benommen hatten um ihre Krankheit zu überspielen.

    Obwohl unsere Station zwischenzeitlich geschlossen war, weil die eigentlich geschlossene umgebaut wurde, war es dort nie so, wie man sich allgemein eine Psychiatrie vorstellt. Keine Leute in Zwangsjacken oder Gummizellen. Niemand der sich stundenlang mit seiner Bettpfanne an den Kopf schlägt. Dort sind ganz normale Leute, die einfach aus den verschiedensten Gründen ihr Leben nicht mehr im Griff haben. Wir hatten dort einen Mann, der hatte ein Geschäft, das pleite ging. Das hat der nicht verkraftet. Ein gestandener Mann, der über diesen Verlust einen Suizidversuch begangen hatte. Aber es gab auch eine Menge “Dauergäste” die immer mal wieder bei uns aufschlugen. Manche weil sie es wirklich nicht dauerhaft alleine schafften, welche die immer wieder selbstständig ihre Medikamente absetzten, aber auch solche, die von ihren Familien immer wieder sorthin abgeschoben wurden. Die Sozialarbeiter bei uns haben einen super Job gemacht, aber letzlich waren auch diese einfach zu wenig, um die Menschen dauerhaft zu begleiten. Auch die Pfleger waren definitiv unterbesetzt. In der Regel war nur einer da, außer zu den Übergabezeiten. Dann noch der Stationsarzt, aber der war ja auch nicht ununterbrochen da.

    Meine Aufgaben beschränkten sich hauptsächlich darauf mich ein wenig mit den Patienten zu beschäftigen. Spiele spielen, Tischtennis, etc. Sehr selten habe ich mal einen Patienten zu einer Untersuchung begleitet, die meisten von denen waren fit genug allein zu gehen. Überhaupt war ich zu der Zeit in einer speziellen Situation. Vor mir gab es in dem Krankenhaus nie einen Zivi auf den psychiatrischen Stationen. Die Dame in der Personalabteilung war auch sehr überrascht, als ich Interesse dafür äußerte. So habe ich ehrlich gesagt ziemlich viel Zeit damit verbracht im Stationszimmer zu sitzen, Kreuzworträtsel zu lösen und mich mit den Pflegern zu unterhalten. Allerdings fiel ein großer Teil der Zeit auch auf die Sommermonate, so dass die meisten Patienten tagsüber unterwegs waren und es gar nichts für mich zu tun gab. Im Gegensatz zu vielen anderen Zivis hatte ich ein ziemlich angenehmes Leben.

    #1124416
    Anonym
    Gast

    Thread geupdatet. ^^

    #1124417
    RonynRonyn
    Teilnehmer

    Puh, war sicher harte Arbeit.

    #1124418
    DerSebomatDerSebomat
    Teilnehmer

    Äh. Auf was geupdatet!?

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