Filmzirkel Filmbesprechung
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ChrisKong vor vor 11 years, 6 months aktualisiert.
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11. April 2014 um 20:10 #1178501
DerSebomatTeilnehmerDass im Film soviel geraucht wird, ist mir nicht aufgefallen. Aber früher galt ja rauchen noch eher als schick und cool, weswegen mich das auch nicht verwundert.
Was haltet ihr denn vom geänderten Ende? Ursprünglich wurde der Mörder ja zum Tode verurteilt, die Hinrichtung selber sah man aber auch nicht. Nun sieht man ja nur die trauernde Mutter, die sagt, dass das die toten Kinder auch nicht mehr zurück bringt. Finde ich schon interessant. Während man früher ganz klar solche Menschen als Monster abgestempelt hat, geht man heute sensibler mit dem Thema um.
12. April 2014 um 9:40 #1178502
UllusTeilnehmer@ Sebo: Das Ende des Films beherbergt die Botschaft, die traurige immer noch aktuelle Thematik und die Wahrheit, welche die Mutter an die Zuschauer und die Gesellschaft richtet.
Mich hat die Wirkung dieser sehr beeindruckt, das bleibt ihm Gedächtnis, ein Element, das nur manche Filme für sich verbuchen können.
@ Fred: Da die Polizisten Sätze anfangen und die Gauner diese zu Ende führen sowie Vice Versa, entsteht beiläufig eine gewisse Verbundenheit.
Eine interessante Technik um Dialoge kreativer zu gestalten.Zu der Synchro: Meine Games spiele ich alle im englischen Original, auch die JRPGs, ich finde dort die deutsche Synchro eher bemüht, kitschiger und schlechter. Beim Film ist das was anderes, wer die Absicht der Entwickler oder des Regisseurs sowie Originalatmosphäre mitbekommen will, wählt auch die meistens englische Tonspur.
Aber unsere deutschen Synchronsprecher bei Filmen sind wirklich klasse, oft wähle ich da auch die deutsche Synchro. Die deutsche Synchro der Krimiserie “The Mentalist” ist sogar dem Original überlegen…
14. April 2014 um 10:20 #1178503
Fred FensterTeilnehmerDiese Verbundenheit zwischen Polizei und Unterwelt ist ja auch deshalb besonders, weil sie ja praktisch an einem Strang ziehen müssen, um den Kindermörder zu schnappen. Es kommt also unter den Verbrechern zu einem Konsens, dass Kindsmord nicht akzeptabel ist – sozusagen eine moralische Grenze innerhalb des Unmoralischen, die der Mörder, als er gestellt wird auch anspricht/anprangert. Dieses “am einem Strang ziehen” wird durch diese Vice Versa wirklich gut unterstrichen.
Ich muss dir auch bezüglich des Endes recht geben – es regt zum Nachdenken und hat damals sicherlich zu Diskussionen geführt, da das Urteil ausgelassen wird – relativ mutig, wie ich finde – ich glaube heutzutage, hätte man das Ende nicht so gelassen.14. April 2014 um 15:47 #1178504
ChrisKongTeilnehmerGut, das Ende kommt so abrupt, die quatscht nämlich noch weiter, während weggeblendet wird. Ich vermute mal, da fehlt in der Tat noch was.
14. April 2014 um 21:14 #1178505
Fred FensterTeilnehmerecht? die erzählt noch weiter!? nagut wenn da nochwas fehlt kennen wir das richtige ende ja garnicht…
14. April 2014 um 22:05 #1178506
ChrisKongTeilnehmerAlso das ist mir aufgefallen, dass das Wegblenden irgendwie mitten hineinfällt. Ich meine, da fehlt etwas. Müsste man mal nachforschen.
15. April 2014 um 18:59 #1178507
DerSebomatTeilnehmerHabe ich doch schon geschrieben, dass man ursprünglich das Urteil, nämlich die Todesstrafe, noch erfährt, die Hinrichtung aber nicht sieht. Das neue Ende enthält nur die Aussage der Mutter, dass das die Kinder auch nicht wieder zurück bringe.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/M_(1931)#Handlung_des_Films
16. April 2014 um 6:48 #1178508
AnonymInaktivBezüglich Polizei+Verbrecher:
Ich denke mal, hier soll auch gezeigt werden, dass gewisse Grundgedanken bei allen Gesellschaftsschichten gleich sind. Denn auch die normalen Leute haben sich ja genauso dagegen ausgesprochen.Nochmal zum Thema Mundart:
Ich glaube hier geben wir den Machern zu viel Lob. Nachdem ich etwas darüber nachgedacht habe, bin ich der festen Überzeugung, dass man es damals einfach nicht besser gewußt hat. Wir dürfen nicht vergessen, dass es kurz zuvor nur Stummfilme gab, da war es im Endeffekt egal ob jemand fett Berlinerte oder auf Schweizerdeutsch palavert hat, es hat ja keiner gehört und das theatermäßige Overacting war viel wichtiger.
Dass ist so ähnlich wie in manchen Szenen, die einfach fast ohne Geräusche auskommen. Die eine Szene während der Razzia ist mir da besonders im Kopf geblieben, in der der Polizist auf den Vorhang zugeht. Die Geräusche in meiner Version des Films klangen dort sehr fremd und nachträglich dazugemischt, als hätte man schlicht damals vergessen mit einem Mikrofon zu drehen … oder einem, dass der damaligen Technik geschuldet, nicht allzu gut war.20. April 2014 um 20:30 #1178509
DerSebomatTeilnehmerErstmeinung zu Reflecting Skin:
Halleluja. Das war ja mal ein absolut verstörendes, hm, Meisterwerk? Ich finde irgendwie schon. Das ist ja mal ganz was anderes. Faszinierend und gleichzeitig unglaublich erdrückend. Ein absoluter Psychostreifen, erzählt aus der Sicht eines Kindes. Gabs sowas überhaupt schonmal?
Der 9-jährige Seth, der von absolut durchgeknallten Erwachsenen umgeben ist und damit anscheinend relativ gut mit umgeht. Oder tut er das nicht? Und das finde ich das Faszinierende an dem Film. Sind denn die Erwachsenen wirklich so daneben, oder kommen die für das Kind nur so rüber? Kamen uns als Kind Erwachsene nicht auch alle etwas daneben vor? Langweilig, gestresst und ernst? Ist vielleicht das Kind die Person im Film, die nicht ganz knäcke ist? Und hat vielleicht sogar das Kind die Morde begangen?Ich find den Film sehr gut. Düster und unvorhersehbar. Die goldenen Weizenfelder sehen klasse vor dem strahlend blauen Himmel aus. Die Häuser wirken trostlos und ausladend. Man fragt sich die ganze Zeit, auf was das denn alles rauslaufen soll. So David Lynch mässig. Oftmals dachte ich mir während des Schauens einfach nur WTF!!?? Diese komische Vampir-Tante, diese 2 Personen, die mit den Tauben an Seth vorbeigehen, der Selbstmord des Vaters, die Typen im schwarzen Cadillac. Und vor allem das Ende: Endlich mal eine angemessene Reaktion von Seth. Er weint. Er schreit. Er bricht zusammen. Aber warum? Wieder eine Frage. Und wieder Interpretationsbedarf.
Hast nen guten Film ausgewählt, Äffchen. Hier gibts bestimmt Diskussionen. Bin gespannt wie ihr die Dinge interpretieren werdet…….
21. April 2014 um 15:17 #1178510
UllusTeilnehmerERSTMEINUNG ZU REFLECTING SKIN:
Der Film an sich ist im Großem und Ganzen dem Genre des Dramas zuzuordnen. Durch die Vampirthematik wird dem Streifen ein gewisses phantastisches oder auch surreales Element zugeschrieben, auf das ich selbst in irgendeiner Form von der Darstellung gewartet habe, jedoch kam davon nichts vor. Enttäuschend. Was allerdings vorkam sind die ständigen Andeutungen in dessen Richtung.
Die Handlung von Reflecting Skin läuft auf zwei Ebenen ab, erstens der ganz normale Alltag der 50er Jahre in dessen der Hauptprotagonist von seinem Verhalten in der 2 Ebene folgendes mit hineinbringt:
Die zweite Ebene basiert auf der Interpretation und Fantasie des kleine Seths, der durch seine limitierte Denkweise und seine Weltanschauung als Kind dem ganzen Geschehen schon fast eine Art Verschwörungtheorie betitelt.
Das verleiht dem Film einen eigenwilligen Drive, dem es jedoch nicht gelingt, das arg langsame Tempo des Film aufzuwiegen.
Gut fand ich das Feingefühl des Regisseurs und des Drehbuchschreibers in den Dialogen, (welche der Surrealität des Plots dienen), die Zweideutigkeit darzustellen, die in der Wirklichkeit ehrlich gemeint sind, aber durch Seth Interpretation und seiner Gedankenwelt ein vampirhaftes Element bekommen.
Eine interessante Technik, die auch mit der Erwartungshaltung der Zuschauer spielt.
Gibt es jetzt etwa doch Vampire, oder ist das alles nur Humbug ?
Die visuelle Umsetzung ist auch okay. Von den Farben her kommt der Film recht gedämpft rüber, hat irgendwie so eine Art Sepia Ton der auch durch die öfters auftauchenden Kornfelder verstärkt wird. Dazu gesellen sich noch interessante Kameraeinstellungen und halbdunkle und schummrige Aufnahmen, die ein leichtes Gefühl der Bedrohung und des Unheimlichen vermitteln.
Bühnenbild hat der Film ja eigentlich nicht zu bieten, außer Haus Scheune, Hof, Kornfeld, Tankstelle und Landschaft. Manchmal wird von einer Stadt gesprochen, diese wird jedoch nicht gezeigt. Auch die Anzahl der Schauspieler war begrenzt. Mehr Statisten und mehr Bevölkerung hätten dem Kammerspiel bestimmt nicht geschadet. Irgendwie fand ich das ganz schön öde, obwohl es ja die Absicht des Regisseurs darstellte.
Die Symbolik finde ich gelungen, wenn der kleine Seth in Dolphins Haus auf dem Stuhl sitzt und der Wahlfischmaulknochen im Hintergrund an der Wand hängt, erzielt das in Kombination mit dem Bild, dem Dialog und den Schauspielern eine schaurige Wirkung.
Dies äußerst sich noch in ein paar zusätzlichen Szenen.
Von der Schauspielern kann man den Film teilweise loben, Seth macht seine Sache recht gut, Viggo und Dolphin wirken einigermaßen authentisch. Allerdings ist die Charakterzeichnung kaum ausgeprägt. Man erfährt nichts über deren Motive. Seths Mutter ist ein echter Tyrann. Insgesamt wirken die meisten Darsteller recht abgewrackt und manch einer wie ein komischer Kauz. Allerdings passt das gut zur Thematik des Films und auch ins Zeitalter, denn aufgetakelte Modepüppchen wie meistens in amerikanischen Produktionen vorkommen gibt es hier nicht, sondern eigentlich ganz normale Leutchen, die halt aufgrund der den ärmlichen Verhältnissen und den äußeren Umständen halt ziemlich mitgenommen aussehen.
Vieles passiert ohne Grund, manche Aktionen im Film ergeben überhaupt keinen Sinn !
Das gilt auch für manche nebensächliche Dialoge.
Warum werden z.b. die Morde nicht aufgeklärt ?
Das Ende des Film habe ich auch nicht verstanden…
Handwerklich macht Reflecting Skin eine recht gute Figur, die Kombination aus Bild, den Plot Dialogen und das nicht immer verständliche Verhalten der Schauspieler ist ganz ordentlich aufeinander abgestimmt und lässt wie schon ähnlich erwähnt sowohl als auch die Wirklichkeit und den Vampirtouch zu, der auch durch den Zuschauer ständig in Frage gestellt wird.
Vielleicht sollte man den Film auch eher versuchen aus dem Blickwinkel eines Kindes betrachten, dann wird vielleicht manches klarer…
Trotz Blue Ray war das Bild körnig und der Ton verrauscht !
Vom reinen Unterhaltungswert her, bietet der Film aber eigentlich gar nix, mit einer meiner wichtigsten Schwerpunkte auf die ich selbst Wert bei einem Film großen Wert lege.
Das arg langsame Tempo wird durch die Schwerfälligkeit und den vorherrschenden Schwermut des Streifens vom Gefühl her zusätzlich nochmals in die Länge gezogen.
Dazu kommt noch die melancholische Grundstimmung des Dramas und auch gähnende Langeweile ist nicht weit entfernt. Beiläufig hinterlässt der Streifen noch einen etwas bedrückenden und zum Teil depressiven Eindruck. Ein staubtrockener und schwer verdaulicher filmischer Brocken.
So habe ich mich durch den gesamten Film gequält.Reflecting Skin ist für mich ein arg schlechter Film, im Prinzip fand ich ihn ehrlich gesagt:
Einfach nur Schrott !

Der Film wurde ja sehr kritisch aufgenommen…
25. April 2014 um 18:32 #1178511
HarrikulesTeilnehmerReflecting Skin
Eines vorneweg, ich weis nicht was ich von dem Film halten soll. Einerseits hat mich das Ende wirklich bewegt andererseits fand ich vieles sehr naja Bla halt.
Zum Guten wie gesagt das Ende hat mich sehr bewegt als der Junge endlich seiner Wut und Frustration endlich ein Ventil gegeben hat. Und auch einige Rollen waren sehr nachvollziehbar wie die der Eltern, es gibt solche Elternkonstellationen mit strenger Mutter und weichem Vater auch ist die vorurteilsbehaftete Krimilogistische Arbeit des Sheriffs und seines Deputys gerade durch die Vorgeschichte des Vaters und der Ländlichen Gegend erklärbar. Auch der Kriegsversehrte Bruder wirkt glaubhaft in seiner schroffen aber auch liebevollen Art die sich so ganz von der Mutter abhebt, auch die Fantasien die der Junge hat kann man gut mit mangelnder Bildung erklären aber
und hier kommen wir zu meinen Kritikpunkten warum verhält er sich so unlogisch? Warum erzählt er niemandem von den Halbstarken im Cadilac die seinen Freund entführen? Passt es ihm nicht in seine Vampir Theorie? Warum bricht er bei der Witwe ein und zerlegt ihr Schlafzimmer? Nur weil er denkt sie wäre ein Vampir? Dann hätte ich als Kind gerade dann nichts getan um die Frau zu Ärgern. Und dann die Sache mit den Zwillingen die laufen einfach mal kurz vorbei und fertig was sollte das? Genauso wie der Embryo den er findet und für seinen Freund hält wofür das ganze? Komisch das alles. Ich hoffe die Diskussion kann mir bei einigen Fragen helfen.
Insgesamt war das ein Film der für mich mehr fragen aufgeworfen hat als das er geklärt hat schlecht fand ich ihn nicht nur manchmal halt auch nicht wirklich gut, irgendwo dazwischen halt gute Ideen zeitweise schlechte Umsetzung.27. April 2014 um 9:16 #1178512
AnonymInaktivReflecting Skin
Es ist jetzt einige Minuten her, dass ich Reflecting Skin gesehen habe und ich habe zur Hölle nicht die geringste Ahnung, was zur unheiligen Dreifaltigtkeit ich da gerade gesehen habe!
Ich denke wenn Günter Grass und Stephen King zusammen ein Buchschreiben würde, dann würde DAS dabei herauskommen. Jede dieser verdammten Figuren verhält sich so unglaublich seltsam und verstörend. Erst dachte ich, nur ein Teil der Leute hätte bei der Ausgabe von Wahnsinn zu oft “Hier!” gebrüllt, aber selbst der Protagonist schein ordentlich eine an der Klatsche zu haben.
Vielleicht spiegelt es ja tatsächlich den Geisteszustand der Hinterwäldler in den 50er Jahren wieder, ich weiß es ehrlich gesagt nicht.Der Protagonist ist also das Kind eines Mannes, der Kinder belästigt hat und einer durchgeknallten Bibel-Anbeterin. Sein Bruder ist/war wohl im Krieg und wenn ich die Infos zu den Bildern, die er dann seinem kleinen Bruder zeigt, richtig interpertiere, dann muss das der zweite Weltkrieg gewesen sein.
Dann gibt es da noch eine sehr zurückgezogen lebende Frau, die ihm Angst macht und natürlich seine beiden Freunde, die nach und nach verschwinden.
Nicht einzuordnen ist der schwarze Wagen mit den Rockabillies, die scheinbar Kinder verschleppen und töten.Von letzten glaube ich nicht einmal, dass sie wirklich existieren. Ich glaube der Protagonist selbst bildet sie sich nur ein und begeht dann die Verbrechen, denn scheinbar hat außer ihm – und den Opfern – noch keiner den Wagen gesehen.
Der Film scheint recht günstig produziert worden zu sein, wobei die Darstellung dadurch keinesfalls leidet. Alles paßt zur Atmosphäre, die auf mich surreal verstörend wirkt.
Eigentlich wäre der Film damit wirklich sehenswert, wenn da nicht der recht langsame Aufbau wäre und man sich gerade am Anfang immer wieder fragt, was er dem Zuschauer denn nun sagen möchte und was für eine Art Film er eigentlich ist.Der Film erklärt nichts und läßt am Ende noch mehr Fragen offen, als er zu Beginn stellt. Gut für eine aufgeschlossene Runde, die auch gerne über den Inhalt diskutiert, aber wohl eindeutig nichts für das breite Publikum.
8 von 10 Punkten
27. April 2014 um 23:38 #1178513
ChrisKongTeilnehmerErstmeinung zu Reflecting Skin
Also ich kannte den Film schon, aber ein erneutes Ansehen, schien mir dennoch interessant. Der Film ist zuweilen sehr kryptisch, da vieles nur angedeutet wird und eine vielfältige Interpretation erlauben.
Darum würde ich auch weniger von einer konventionellen Story sprechen, mehr von Motiven. Da der Regisseur auch als Maler und Fotograf tätig ist, scheint mir der Ansatz einfach passender zu sein.
Man merkt dem Film auch deutlich an, dass der Filmemacher Ridley (nicht verwandt mit dem Spacepiraten aus Metroid) ein Auge für Bilder hat. Einzelne Einstellungen lassen sich mit Gemälden assoziieren.Eins der zentralen Motive ist Verlust und Verlustangst.
Gut charakterisiert durch die Mutter, deren eheliches Leben durch Desinteresse seitens ihres Mannes, nie die Erfüllung brachte, die sie sich gewünscht hätte. Ihr ältester Sohn ist ihr ein und alles und sein Glück scheint ihr als einziges wichtig zu sein, weswegen ein möglicher Verlust auch extrem schwer auf ihrer Seele zu lasten scheint.
Sie kümmert ferner, was man von ihr denkt und wo ihr Platz in der Gesellschaft ist. Der Vater wiederum wählt den einzigen ihm möglichen Ausweg, um dem Diktat einer Gesellschaft zu entfliehen, wo er geächtet wird und niemals ein erfülltes Leben haben würde.
Wofür die jungen Typen im schwarzen Auto genau stehen, lässt sich schwer sagen, sicher für den Tod, aber nicht nur. Ich meine da könnte man auch denken, dass sie den Staat verkörpern, der sich der jungen Menschen eines Landes bemächtigt, um sie in einem sinnlosen Krieg zu verheizen.Ein anderes Motiv, verlorene Unschuld.
Dabei geht es weniger um die Unschuld des Kindes, als um die Unschuld Amerikas und das klare Statement zum Krieg. War der 2. Weltkrieg irgendwo noch als gerechtfertigt aufgenommen worden, so war das spätestens beim Koreakrieg nicht mehr der Fall und hat tiefe Narben in der amerikanischen Seele hinterlassen.
Was die Atombombe alles angerichtet hat, kriegt man nur so beiläufig mit, es gibt aber eindeutige Anspielungen, wie etwa der Haarausfall und das Zahnfleischbluten von Cameron, dem als Kriegsheimkehrer eine Schlüsselrolle zukommt.
Seth wächst in dieser entarteten Gesellschaft auf und versucht die Widrigkeiten des Lebens auf seine kindliche Art zu bewältigen. Die Tragik liegt freilich im falschen Ziehen von Schlüssen.
Nur ist niemand da, der sich wirklich um ihn kümmert. Dieses Fehlen von Geborgenheit, gebirt letztlich ein kleines Monster, das skrupellos seine Ziele verfolgt und auch nicht davor zurückschreckt, die Geliebte seines Bruders dem Tod zu überlassen.
Im Prinzip schliesst sich hier der Kreis wieder, die Angst vor dem erneuten Verlust seines Bruders, treibt ihn zu dieser Massnahme.Tod und Sterblichkeit und wie wir damit umgehen, das spielt sicherlich auch eine Rolle. Die Wiedergeburt als Engel, der Feuertod des Vaters, das Konservieren des verstorbenen Mannes von Dolphin Blue, hier kommen verschiedene Aspekte der Verarbeitung des Todes zum Tragen. Im Falle des Vaters bleibt nichts als Asche zurück, Dolphin Blue bewahrt als Andenken an ihren Gatten, der Suizid beging, Überreste von ihm auf. Aben kehrt in der Vorstellung von Seth als Engel zurück.
Die Bildsprache entwickelt mMn eine unglaubliche Sogwirkung. Alles wirkt irgendwie surreal und beängstigend. Dieses beklemmende Gefühl spiegelt sehr gut diese Epoche wieder. Der zweite Weltkrieg ist vorbei, der Koreakrieg am laufen, Amerika desillusioniert.
Der Sheriff hat ebenfalls einen eindrucksvollen Auftritt. Er scheint die Wahrheit zu erahnen, aber irgendwie auch machtlos zu sein. Er spricht von Verletzungen durch Tiere, die er erlitten hatte. Bin mir da aber nicht sicher, ob er eigentlich den Krieg meint.
Auf narrativer Ebene ist der Film eigentlich ziemlich schnörkellos und auch nicht wirklich interessant. Aber was er eben auf dieser Metaebene zu erzählen hat, macht er mMn wirklich grossartig. Es ist ja das Spielfilmdebüt von Ridley, also sein erster Langfilm, und ich kenne keinen Regisseur, dem was annähernd so gutes beim Erstling gelungen ist. Sicher, manchmal ist er eine Spur zu theatralisch, aber wenn man empfänglich ist für die Magie der Bilder, dann tut sich hier wirklich ein reichhaltiger Fundus an Motiven auf, die sehr viel über den Gemütszustand jenes Amerikas nach dem zweiten Weltkrieg aussagen.
Für mich ein kleines Meisterwerk dessen Stärke in dem liegt, was er nur andeutet.
30. April 2014 um 16:15 #1178514
ChrisKongTeilnehmerIrgendwie wird das Gefühl des Verloren seins durch die Atmosphäre hervorragend unterstützt. Darum finde ich die begrenzte Anzahl an Figuren sogar sinnig, auch dass man keine Stadt sieht.
Dass die Figuren keine Motivation haben, halt ich schlicht für falsch, sehr wohl sind da Motive dahinter, aber sie werden nicht so offensichtlich vorgetragen. Der Film präsentiert sie nicht auf dem Silbertablett. Da wäre z.B. die Gottesfurcht und Frömmigkeit von Abens Vater. Oder die verbotene und tabuisierte sexuelle Neigung von Seths Vater, der sich vermutlich mit Absicht unattraktiv für Seths Mutter hält. Dass Cameron diesem Szenario entfliehen will ist ebenso verständlich, wie Seths Motivation, seinen Bruder nicht an Dolphin Blue zu verlieren.
Zu deiner Frage, warum die Morde nicht aufgeklärt werden, ganz einfach, es ist kein Krimi, es geht nicht um die Morde an sich. Sondern mehr um das Bedrohungsszenario. Wie gesagt, der Film bleibt sehr symbolhaft, dies tut er aber mit Absicht.
Ridley ist, wie schon erwähnt, Fotograf und Maler und genauso fühlt sich der Film eben an, wie eine Collage aus verschiedenen Motiven. Ich vermute mal, dass hier eben ziemlich viel Zeitkolorit drin steckt und vielleicht auch Autobiographisches, zumindest erweckt es den Anschein.Und kritisch wurde er jetzt vor allem von dir aufgenommen, was verständlich ist. Auf Festivals hat er diverse Preise abgeräumt. Ich vermute mal, dir liegt diese Art Film eher weniger. Schade, dass du keinen Zugang zu ihm gefunden hast.
@Sebomat
Der Film trägt in der Tat eindeutig Lyncheske Züge, wie ich finde. Besonders das Verhalten der Personen, die teilweise ziemlich schrill sind. Interessant dabei, die Perspektive des Kindes, die eine gewisse Morbidität aufweist.
Der Fötus, oder was das sein soll, der einäugige Sheriff, der schwarze Cadillac, der Film ist randvoll mit Symbolik. Vielleicht zielt er sogar zu sehr darauf ab und verweigert so manchem den Zugang.
Aber ich geb dir recht, er ist wirklich unberechenbar, was ich als Vielseher sehr begrüsse, da es die Spannung, oder besser Anspannung, bis zum Schluss aufrecht erhält.
Auch du versuchst da den Film mit falschen Massstäben zu bemessen. Seth verhält sich so irrational wies ein Kind nunmals tut. Er lebt in seiner eigenen Welt. Dolphin Blue ist für ihn eine grössere Bedrohung als jeder andere, der Verlust seines Bruders ein schweres Trauma. Seine Familie leidet ja erheblich unter diesem Umstand. Als er zurückkehrt, scheint erst alles besser zu werden, aber eigentlich hat die Familie ihn schon lange verloren. Cameron findet zudem keinen Frieden bei seiner Heimkehr, nur bei Dolphin fühlt er sich wohl. Es ist, als hätte er einen Teil seiner selbst im Krieg zurückgelassen. Das Kind in ihm starb, so wie das Kind auf dem Foto, dass er Seth zeigt.
Seth spürt diese Entfremdung deutlich, aber kann sie nicht wirklich bewerten, ob das was mit ihm zu tun hat oder nicht. Und so tut er, was jede Kriegstreibende Regierung tut, einen Sündenbock suchen.
Die Männer im Cadillac sind nur Mittel zum Zweck und tun eigentlich nichts weiter zur Sache.@Nightrain
Es ist der Koreakrieg. Spielt ja auch in den 50ern, da war der zweite Weltkrieg schon vorbei.
Verstörend ist wohl der richtige Terminus. Auch hier wiederhole ich mich gerne nochmals, dass man den Film wohl kaum mit konventioneller Erzählstruktur erfassen kann. Stephen King ist gar nicht soweit hergeholt, erinnert die Konstellation ein wenig an Kingsche Figuren, die religiöse Eiferin (the Myst oder auch Carrie), der ungeliebte Junge, dessen älterer Bruder vorgezogen wird (Stand by me), etc.
Im Übrigen ist niemals von Belästigung die Rede. Der Vater hatte wohl eine Affäre mit einem 17jährigen. Da von Kindesbelästigung zu sprechen, ich weiss nicht. Klar ist aber, dass er so oder so damit am Rand der Gesellschaft vegetiert.
Der Cadillac wird kaum eingebildet sein. In einer Szene betankt er ja den Wagen, da ist ja auch der Vater vor Ort, oder nicht? Warum geht jeder davon aus, der Kleine ist ein Mörder? Ich mein, in gewisser Weise ist er das ja auch, da er genau weiss, was passiert, wenn die Männer im Cadillac jemanden kriegen.
Und beim letzten Mal wars Ullus, dieses Mal du, eine Wertung mit Punkten wollten wir ja eigentlich nicht, zumindest hiess es das mal, kommt jetzt nicht von mir. Finde es aber auch sinnvoll darauf zu verzichten. Könnens aber schon machen, wenn alle einverstanden sind, würde mich da fügen.
@all
Nochmals, eine konventionelle Story im eigentlichen Sinn ist das weniger, mehr eine Collage aus Metaphern, die einen Gemütszustand wiederspiegeln, den eines kriegsversehrten Amerikas. Damit wirkt auf mich der Film sogar relativ zeitlos und sogar aktueller denn je.
Der Cadillac ist oder war doch das Statussymbol Amerikas, dass für Freiheit und Prosperität stand. Es zum Symbol des Todes werden zu lassen, finde ich sehr interessant. Vielleicht will man hier zeigen, dass Werte sich ändern können, was einst gut war, ist nun schlecht.
Nehmen wir mal die jungen Soldaten, die in den Irak ziehen. Jung, kräftig, voller Leben, Träume und Ideale. Heim kommen soziale, psychische Krüppel, die eine Entmenschlichung erfahren haben, deren Trauma eine ganze Nation veränderte. In gewisser Weise sind die jungen Männer im Cadillac Kindsmörder, so wie es vermutlich unzählige Soldaten im Krieg waren.
Der Film ist mMn definitiv als eine Art Gesellschaftskritik zu verstehen und weniger ein zeitgenössisches Porträt des Amerikas der 50er Jahre.
Religiöse und gesellschaftliche Themen mischen sich hier zu einem wilden Potpurri, dessen Ende nur eine Konsequenz zulässt, eben jenen Schrei. Der einzige Ausweg aus dieser Gesellschaft scheint der Tod zu sein. Der Mann von Dolphin beging Suizid, Seths Vater ebenso. Seth glaubt zudem an eine Wiederauferstehung als Engel. Der Tod wird nicht zwangsweise als was Negatives dargestellt, sondern was wir draus machen.
Der Fahrer des Cadillacs sagt ja zu Seth, dass sie sich wiedersehen werden. Für mich eine Metapher für den Tod, den ein jeder von uns ereilen wird. so sehr wir ihm auch entfliehen oder auch nahe kommen mögen, irgendwann holt er uns. Solange zieht er seine Kreise, wie der Cadillac das tut.
30. April 2014 um 17:54 #1178515
AnonymInaktivJa, die Jungs im Cadi könnten wirklich für den Staat stehen. Eine Art der Auslegung. ABER wer außer der Junge hat sie denn noch gesehen?
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