Oh. Ich wurde in der M!Games verrissen :D

Ansicht von 15 Beiträgen - 1 bis 15 (von insgesamt 23)
  • Autor
    Beiträge
  • #1704145
    nilsderpilznilsderpilz
    Teilnehmer
    Freshman

    Liebe Leute. Was war das für eine Überraschung, als ich an Weihnachten in die M!Games gucke und dort über eine Buchbesprechung stolpere. Wieso das überraschend ist? Na, weil ich zitiert war! Es geht um die Besprechung eines Sammelbandes zu den Soulsborne-Spielen. In dem Band haben verschiedene Wissenschaftler Artikel geschrieben — medien-, sozial- und literaturwissenschaftliche Artikel — zu Dark Souls und Co. Ein Mal in der Man!ac, pardon, der M!Games, in meiner Lieblingszeitschrift, die ich seit über 20 Jahren lese! Ein Traum!

    Oder halt fast ein Traum: Diese Besprechung ist nämlich ein Verriss. Und was für einer! So habe ich mir mein Debut in der M!Games wirklich nicht vorgestellt 😀

    Ich nehme es Winnie Forster nicht übel. Seine Kritik lässt sich hauptsächlich (wenn auch nicht ausschließlich) auf die Lesbarkeit des Buches herunterbrechen. Denn für Leute außerhalb des akademischen Bereichs ist das, gebe ich zu, nicht einfach. Sogar frustrierend. Muss das denn sein? Gute Frage, schwere Frage, nächste Frage.

    Zwar finde ich, dass die Rezension stellenweise auch zu weit geht: Es werden ausführliche Quellennachweise moniert. So ist das aber in der Wissenschaft. Viele andere Kritikpunkte sind aus der Perspektive eines nicht-akademischen Publikums richtig. Und: Der Verriss ist schon ein guter Verriss. Ich habe gelacht. Meine Frau hat auch gelacht und zustimmend genickt. Sind wir nicht alle ein bisschen albern, wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler? Müssen wir den verdammt nochmal so schreiben, dass die Welt sich nur am Kopf kratzt? Auch dann, wenn wir über die schönste Sache der Welt schreiben, nämlich gute Spiele?

    Die Pointe ist nun, dass es in dem Artikel, den ich zu dem Band beigetragen habe, irgendwie auch um genau diesen Punkt geht. Meine These ist nämlich: Dark Souls erzählt seine Geschichte auf eine solche Art und Weise, dass man zu einem Wissenschaftler (einem Philologen, also quasi ein Literaturwissenschaftler) werden muss, um sie zu verstehen. Als Beispiel dienen mir ein Blitzspeer und Vaatividya.

    Ich spreche nicht für die Herausgeber, auch nicht für die anderen Beiträgerinnen und Beiträger. Ich frage mich jetzt aber: Hätte ich das Ding so schreiben können, dass es noch allen wissenschaftlichen Ansprüchen genügt UND den Ansprüchen Winnie Forsters? (Winnie, mit dem ich vor vielen Jahren mal eine Veranstaltung gemacht habe und den ich sehr schätze.) Und: Ist der Artikel denn wirklich so schlimm? Nimmt man denn gar nichts daraus mit, wenn man nicht schon mit allen Wassern eines geisteswissenschaftlichen Studiums gewaschen ist?

    Vielleicht findet sich hier im Forum ja jemand, der/die Lust hat, sich das Manuskript meines Aufsatzes eines schönen, stillen Abends mal anzugucken. Ich verlinke gerne ein Google Doc einer recht fortgeschrittenen Fassung, noch vor der Korrektur durch die Herausgeber. Achtung: Das Ding ist lang, noch länger als dieser Post, insgesamt 17 Seiten Text. Meine Fragen wären: Was nimmt man davon mit? Keine Chance, etwas zu verstehen? Alles furchtbar? Gar nicht so schlimm? Worüber stolpert man besonders? Wünscht sich jemand, so eine ausführliche, akademische Auseinandersetzung zu lesen? Oder sollte man darauf aufbauend eine essayistische ‘Kurzversion’ bauen? Was geht euch dabei durch den Kopf? Falls ihr aussteigt: an welcher Stelle?

    Ich würde es ja gerne sehen, dass Wissenschaft und interessiertes Publikum häufiger direkt zusammenfinden. Vielleicht kann ich etwas lernen. Als Wissenschaftler ist das schließlich auch mein Job. Falls es jemand da draußen durch den Text schafft: Hut ab und vielen Dank.

    #1704158
    LagannLagann
    Teilnehmer
    Gold MAN!AC

    Mir hat der Text gut gefallen, ich fand ihn bis auf einige Fachbegriffe auch gut verständlich.
    Ohne die Kritik von Herrn Foster zu kennen, glaube ich nachvollziehen zu können, warum er ausführliche Quellennachweise moniert.
    Für den Laien ist es schwierig die wissenschaftlichen Thesen nachzuvollziehen, die für den Autor Voraussetzung sind, ohne selbst den Quellen nachgehen zu müssen.
    Das ist ein massiver Zeitaufwand und natürlich auch häufig mit Kosten verbunden.
    Nicht immer hat man freien Zugang zu den Quellen.
    Wenn mich ein Thema interessiert mach ich das gerne, ich habe diverse Bücher im Regal stehen, die mich mir aufgrund von Quellenzitaten gekauft habe, um tiefer in die Materie einzusteigen.
    Aber da hättest du vielleicht etwas verständlicher und präziser zusammenfassen können.
    Schneid dir mal ne Scheibe von Vaati ab. 😉

    Das ist dann lustigerweise auch, weshalb Vaatividya denk ich so erfolgreich ist.
    Nicht jeder hat die Zeit oder Lust sich die Narrative zu erarbeiten, so wie sie von Dark Souls präsentiert wird.
    Er transferiert die Fragmente in eine Erzählstruktur, die die Leute gewohnt sind.
    Oder man könnte sagen, er holt die Vergangenheit Lordrans zurück ins Präsenz.

    Die Kritik von Sontag teile ich da bedingt.
    Denn faktisch wird der “Leser” zur Interpretation angestachelt und ermutigt seine eigene Geschichte zu kreieren.
    Problematisch wird es dann nur, wenn die Interpretation einer “Autorität” als absolut betrachtet wird.

    Miyazaki sagte einmal, dass er nicht alles erzählen und es lieber der Vorstellungskraft der Spieler überlassen will nach Antworten zu suchen. (siehe dazu auch das Pendant aus Dark Souls, womit er sich genau auf diese Weise einen jahrelang währenden Scherz erlaubt hat).
    In diesem Sinne ist er sehr von Lovecraft inspiriert, was in Bloodborne natürlich am deutlichsten zu Tage tritt.
    Ich kann das passende Zitat zu dieser Aussage auf Anhieb nicht finden, aber ich hab mal zwei Tweets herausgesucht, die seine Herangehensweise verdeutlichen.

    Danke für den Text war sehr interessant.

    NNID: Aerenh

    #1704234
    nilsderpilznilsderpilz
    Teilnehmer
    Freshman

    Vielen, lieben Dank, Lagann. Das hat viel Zeit gekostet für dich, ich weiß das wirklich zu schätzen. Danke, danke. Ich nehme was von deinem Feedback mit: mehr Kontext erläutern, das hilft beim Verstehen.
    Miyazakis Fokus auf die “Welt” macht die Soulsborne-Spiele wirklich interessant und spannend. Da wird ein Spielplatz für Deutungen, Spekulationen und Entdeckungen geboten. Das macht Spaß.

    #1704263
    MATR1XMATR1X
    Teilnehmer
    Anfänger (Level 2)

    “Das macht Spaß.”
    Ein Satz den auch das niedere Fußvolk verstehen sollte. Danke.

    #1704337
    NightrainNightrain
    Teilnehmer
    Gold MAN!AC

    So, mein Drucker surrt gerade und ich werds mir die Tage mal in einer Sitzung oder zwei geben.;)
    Ich gehe davon aus, dass es sich dabei um das folgende Werk handelt:
    https://languageatplay.de/2019/12/01/prepare-to-die-interdisziplinaerer-sammelband-zu-dark-souls-demons-souls-und-bloodborne/

    Studiert habe ich zwar nicht, kenne aber einige Bücher zu Fachthemen und mit akademischen Hintergrund. Weiterhin muss ich beruflich aber genügend absichtlich verklausulierte Ausschreibungen bearbeiten, dass ich mir zugestehe/einbilde mittlerweile ganz gut den Primärinhalt aussieben zu können … und bevor mich Frau Doktor ausgesetzt hat, hab ich da zumindest etwas mitbekommen …
    Wenn “die erste deutschsprachige akademische Veröffentlichung” stimmt, kann ich Dir zumindest soweit einen Freifahrtschein geben, dass das Ganze nicht für den “normalen” Leser gedacht ist und daher anders als Trivialliteratur betrachtet werden muss.

    Ich bin gespannt. 🙂

    Wer zappt so spät durch Nacht, TV, Games und das Weltweite Warten? DER NIGHTWATCHER!!!
    http://www.youtube.com/user/NightwatcherReview

    #1704358
    NightrainNightrain
    Teilnehmer
    Gold MAN!AC

    So, bin durch. Dass ich es in einem Rutsch gelesen habe, sieh als Kompliment. 😉
    Ansonsten war es für mich genau das was ich im letzten Post schon vermutet habe – für die breite Masser aber in dieser Form unbrauchbar, weil eben akademisch geschrieben.

    Ansonsten bleibt hier natürlich für mich – als bekennender Nicht-Fan, der dementsprechend nicht im Lore steckt – immer noch die Frage, die eigentlich nur der verantwortliche Personenkreis ernsthaft beantworten kann:
    Ist es ein genial ausgearbeites Lore, welches vorsätzlich fraktmentiert wurde und zusammengesetzt ein vollständiges Bild abgibt ODER nur das Ergebnis einer Mindestanstrengung, welche durch die überbordende Phantasie und Hingabe der Fans mehr Gesamtbild ergibt, als eigentlich da ist? Vergleichbar mit Con-Podiumdiskussionen, in denen die Macher mit kritischen Lore-Fragen von Hardcore-Fans konfrontiert werden, auf die sie prinzipiell keine offizielle Antwort wissen, weil es keine bisher gab.

    Hier das Beispiel des genannten Speers, der natürlich eine an Charakter XY angelehnte Waffe sein kann … oder vielleicht wurde einfach nur ein vorhandenes Asset verwendet, um einen nachträglichen Einfall, in diesem Falle eine frühe Belohnung, umzusetzen, ohne dass es irgendwelche zusammenhänge mit einer Waffe gibt, die genauso aussieht, aber einem namhaften Charakter gehört?

    Wer zappt so spät durch Nacht, TV, Games und das Weltweite Warten? DER NIGHTWATCHER!!!
    http://www.youtube.com/user/NightwatcherReview

    #1704422
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer
    Epic MAN!AC

    Hab nur den ersten Teil kurz gelesen. Für mich bleibt die Reihe eine Ansammlung von Motiven aus der westlichen Fantasy-Literatur, bei dem der Spieler sich seine eigenen Links schaffen soll. Knapp über einem Dogma-Film, der keine erklärenden Mechanismen bereithält. Hier hat man zumindest die Beschreibungen der Gegenstände und etwas Background. Wie man die Einzelteile nun verknüpft ist Sache des Spielers. Lächelt Mona Lisa oder grinst sie hämisch? Die Lesart bleibt beim Betrachter.
    Da ich jetzt nicht alles gelesen habe, Zeitmangel und so, würde ich meine Einschätzung nur zum Einstieg abgeben. Ich erkenne da nichts, was man jetzt nicht verstehen sollte, sofern man sich überhaupt dafür interessiert. Dass nicht alle gleichermassen adressiert werden, scheint logisch. Den gewöhnlichen Videospieler interessieren Hintergründe dazu vermutlich wenig bis kaum. Das Beispiel mit Breath of Fire 2 fand ich interessant, weil das Spiel eins der wenigen RPGs ist, die ich auf dem SNES damals gespielt habe und mir mehr gefiel als div. Konkurrenten. Es soll ja auch nur veranschaulicht werden, dass Gegenstände eine narrative Funktion haben können aber nicht haben müssen. Was in Dark Souls und der Reihe natürlich allgemein fehlt ist eine Timeline. Eine Chronologie der Ereignisse gibt es nicht. Aber da die Geschichte, so wie ich sie verstehe, alle Züge eines sich wiederholenden Zyklus hat, spielt das auch nicht wirklich eine Rolle.
    Vermutlich ist die Reihe darum so interessant, weil sie sehr viel dem Spieler überlässt. Dadurch übt sie einen ganz anderen Reiz aus, als andere Spiele, die ihre Geschichte klar vorgeben. Oder um den Unterschied zu verdeutlichen, in Dark Souls lebt man die Geschichte, in anderen Spielen erzählt man sie. God of War, Last of Us, usw. Da soll der Spieler an Punkte geführt werden. Dagegen ist Dark Souls ein Themenpark der Mythen und Legenden, der auf eigene Faust ergründet werden will.

    Ein Kompliment muss ich aber noch loswerden. Du zeigst dich erstaunlich reflektiert und selbstkritisch. Sicher, dass du Wissenschaftler bist? Oft habe ich das Gefühl, dass dort auch Scheuklappendenken herrscht, hat man sich mal auf eine Theorie/Lesart eingeschossen. Das natürlich bei Wissenschaften, die nicht so exakt sind oder sein können.
    Auf jeden Fall wünsche ich dir, dass duz weiterhin einen so entspannten Umgang mit Kritik haben wirst.

    #1704433
    MontyRunnerMontyRunner
    Teilnehmer
    Epic MAN!AC

    Gerade Wissenschaftler*innen sollten offen sein für Kritik und sind es meist auch. Denn zum Wesen der Wissenschaft gehört, dass sie nur in der Community funktioniert. Einzelkämpfende sehen da wenig Stiche.

    @Nils
    Wir sind fast Kollegen. Der Schneiderberg lässt grüßen.

    ... hat was im Auge

    #1704481
    nilsderpilznilsderpilz
    Teilnehmer
    Freshman

    @Nightrain
    Vielen Dank, sogar gedruckt!! Also das war nun wirklich nicht nötig, ich bin wirklich baff. Danke für das Feedback (und das Kompliment, hehe). Ja, man muss es wohl einsehen: In dieser Form ist man als Akademiker auf den guten Willen nicht-akademischer Leserinnen und Leser angewiesen. Man muss sich doch wirklich fragen, ob man die eigene Sprache nicht ein bisschen entschärft. Man verliert dadurch doch vielleicht wenig bis nichts – und lädt stattdessen mehr Menschen ein, mitzulesen. So geht es ja auch aus Winnie Forsters Rezension hervor, die freundlichen Reaktionen hier bestätigen das. Aber: komplett unverständlich ist der Text nicht und das freut mich total.



    @ChrisKong

    Danke auch Dir!
    Manche machen wirklich so einen Eindruck. Fast alle Leute im Wissenschaftsbetrieb stehen unter einem hohen Karrieredruck: Arbeitsvertrag immer befristet, auf die nächste Stelle gibt es nicht selten dreistellige Bewerbungen. Da gibt es schon teils ein Hauen und Stechen. Jede/r versucht möglichst gut darzustehen. Und das geht dann auf Kosten der Diskussionskultur: nach oben keine Kritik, nach unten stures Beharren. Das hat also nicht nur mit der Inszenierung von ‘Wissenschaftlichkeit’ zu tun, sondern auch mit den Bedingungen. Nach meiner Erfahrung (mit Blick auf @MontyRunners Kommentar) sind die meisten Leute im Fach aber schwer in Ordnung und kritikfähig.



    @Nightrain
    und @ChrisKong
    Ich habe gerade so Lust die Formulierung von @ChrisKong aufzugreifen (erleben vs. erzählen) und @Nightrains leise Zweifel an der Zuverlässigkeit der Macher. Das ist doch wirklich der springende Punkt bei Dark Souls: Man muss es sich selber denken (oder Vaatividya angucken) und dann stellt sich die Frage, ob das wirklich so von Herrn Miyazaki geplant ist.
    Und falls es noch jemanden interessiert, da prallen aus Sicht eines Literaturwissenschaftlers zwei Konzepte eines ‘richtigen’ Verstehens aufeinander. Nummer 1: Richtig ist, was die/der Autor/in sich gedacht hat. Was wollte uns Miyazaki damit sagen? (Ausschlaggebend ist die Autorintention.) Nummer 2: Verstehen passiert im Kopf, der ‘Text’ (oder Spiel) wird im Kopf erst ‘sinnvoll’ (Rezeptionsästhetik). Was der Autor ‘meint’, ist dann nicht mehr ganz so wichtig.
    Kulturell sind wir in der Regel ziemlich auf die 1 getrimmt. Das hängt auch damit zusammen, dass wir Autorverehrung betreiben, zum Beispiel war ja 2020 Hölderlin-Jahr. Wenn der ‘große’ Hölderlin spricht, dann lohnt es sich doch, es zu verstehen zu versuchen. Aber Miyazaki scheint eher die Nummer 2 anzupeilen: Man möge sich die Story selber denken, er liefert dafür aber Inspiration. Er selber muss dann gar nicht alles wissen oder festlegen. Und dann fangen doch manche an, die ‘richtige’ Geschichte herauszuarbeiten. Und fangen mit einer ‘Autorverehrung’ von Miyazaki an. Und fragen sich, ob Miyazaki das so gemeint hat. Das ist nun gar nicht unbedingt falsch. Mir scheint es so, als wäre das genau die Stelle, an der Dark Souls, jedenfalls für mich, so wahnsinnig interessant wird. Die ‘eigene’ Geschichte und ‘Miyazakis’ Welt sind gar nicht so leicht zu unterscheiden. Da ist ein Schwebezustand, dem man nicht häufig begegnet.



    @MontyRunner

    Lieber Fastkollege, nach Corona müssen wir dann mal was essen oder trinken 😉

    Vielen Dank Leute!

    #1704503
    NightrainNightrain
    Teilnehmer
    Gold MAN!AC

    Hmm … interessante Herangehensweise, aber:

    a) bei Vaatividya wären wir ja wieder bei Konzept Nr. 1, nur dass wir uns das bei Nr. 2 fehlende nicht selbst ausfüllen, sondern nur bei jemand anderem abholen.

    b) Konzept 2 funktioniert nicht ohne Konzept 1, denn auch wenn es große Lücken in der Erzählung gibt, so muss zumindest ein “Skelett” erstellt werden, an dem man anknüpfen kann. Und dann sind wir wieder bei der Frage: “Kannste nich oder willste nich, Bürschchen?”

    Ich glaube eher Ersteres, da Japaner gerne schwurbeln, was Geschichten angeht. In diesem Fall ist es auch nicht schlimm, denn so bleibt das Ganze “massenkompatibel” für eine ohnehin eher gernige Masse. Seien wir mal ehrlich, auf jeden, der ein Souls-Ding durchspielt, kommen sicher fünf Leute, die es mehr oder minder irgendwann frustriert hinwerfen oder aufgeben.
    D.h. aber nicht, dass ihnen das Spiel nicht gefällt, nur halten sie es nicht durch. Es gibt aber zum Glück auch keine klassisch erzählte druchgehende Geschichte, so dass sie mit dem nächsten Teil wieder loslegen können ohne große Vorkenntnisse zu haben. Was im Endeffekt eine intelligente Verkaufstrategie ist – zumindest ab Teil 2. Der Erfolg vom ersten Teil der Reihe war ja so erstmal nicht wirklich absehbar und begann eher mit: “Hast Du von diesem bock schweren Spiel gehört?”

    In diesem Sinne braucht das Spiel auch keine klassisch erzählte Geschichte, womit der Rest aber von Fans an Konzept 1 gewöhntes Wollen wäre, dass da doch mehr ist?
    Andere Spiele, z.B. Elder Scrolls und Fallout ersaufen fast in recht konsequenter Lore, in der der Spieler abtauchen kann – es aber nicht muss -, was aber zu einem deutlich besserem World Building führt. Bis man allerdings alle Teile eines Puzzels zusammen hat, ist man auch hier als Spieler versucht sich selbst etwas zusammenzubauen.

    Wer zappt so spät durch Nacht, TV, Games und das Weltweite Warten? DER NIGHTWATCHER!!!
    http://www.youtube.com/user/NightwatcherReview

    #1704504
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer
    Epic MAN!AC

    Ich glaube nicht, dass das Worldbuilding besser ist, es wird nur narrativ stärker unterlegt. Man stösst in Fallout immer wieder auf komplette Geschichten, in Dark Souls ist das halt nur fragmentarisch vorhanden. Hat aber allgemein mit dem Worldbuilding allein nur wenig zu tun. Der Ansatz ist einfach ein anderer, darum ist da ein Vergleich auf dieser Ebene kaum zielführend.

    #1704518
    NightrainNightrain
    Teilnehmer
    Gold MAN!AC

    “Ich glaube nicht, dass das Worldbuilding besser ist, es wird nur narrativ stärker unterlegt.”
    Und eine besser umschriebene und in mehr Kontext gesetzte Welt ist nicht anschaulicher, verständlicher und damit glaubhafter?

    “Man stösst in Fallout immer wieder auf komplette Geschichten, in Dark Souls ist das halt nur fragmentarisch vorhanden.”
    Wenn man sie nachverfolgt, dann ja. Es ist alles optional vorhanden, man muss nicht jeden Eintrag auf jedem Terminal lesen. Beispiel, in Teil 4, wenn man zur Red Rocket Station kommt. Sie ist verlassen. Durch den Aufbau sieht man, was es sein soll, Zapfsäülen und eine Werkstatt, davor ein zerstörtes Auto und ein Schild, wie man es von Tankstellen kennt.
    Das allein reicht schon, um sich seinen Teil zu denken – optional KANN man aber auch die Terminaleinträge lesen und die Geschichte weiter erforschen. Alles weiß man trotzdem nicht, nur eben mehr.
    Davon ab sind die Geschichten in Fallout-Spielen auch nur Fragmente, wenn auch größerem Umfang. Meist sind sie in der ein oder anderen Form begrenzt und erzählen auch nur von einem Moment.

    “Hat aber allgemein mit dem Worldbuilding allein nur wenig zu tun.”
    Das hat sehr viel damit zu tun. Damit wird alles, was man ansonsten “nur” wahrnimmt noch weiter ausgebaut, was auch das Verständnis für die Welt erweitert und damit auch den Umfang der Welt an sich.

    “Der Ansatz ist einfach ein anderer, darum ist da ein Vergleich auf dieser Ebene kaum zielführend.”
    Ich vergleiche auch zwei unterschiedliche Ansätze, denn darum geht es. Und da Souls-Dings einen anderen Fokus hat, kommt es auch mit einer minimaleren Ausführung klar und profitiert, nach meiner Sicht, auch dadurch.

    Edit: Meine Frage wird dadurch aber nicht beantwortet, außer vielleicht mit @nilsderpilz Aussage, dass “wir” eine Art Authorenverehrung betreiben – was aber in diesem Fall auch den Schöpfer der Geschichte von Souls-Ding zutrifft, nur eben nicht für seinen umfangreichen Ansatz, sonder den Minimalen.

    Wer zappt so spät durch Nacht, TV, Games und das Weltweite Warten? DER NIGHTWATCHER!!!
    http://www.youtube.com/user/NightwatcherReview

    #1704520
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer
    Epic MAN!AC

    Und eine besser umschriebene und in mehr Kontext gesetzte Welt ist nicht anschaulicher, verständlicher und damit glaubhafter?

    Äh, nein, nicht automatisch. Denn mir scheint grad in Videospielen oft einiges redundant. Etwa lässt Fallout keine Gelegenheit aus, den Satire-Aspekt zu prononcieren. Irgendwann hat auch der dümmste Hänsel kapiert, dass er es mit Überzeichnung zu tun hat. Manchmal wäre weniger auch mehr. Aber gibt Leute, die mögens nicht subtil. Vielleicht muss man manchen Leuten alles vorkauen, damit sie ein reichhaltigeres Erlebnis haben. Aber die Welt wird für mich dadurch nicht zwingend greifbarer, nur weil mehr Dialog und Texte vorhanden sind. Du verwechselst da klassisch Komplexität mit einem plausiblem, nachvollziehbaren Worldbuilding. Das eine muss nicht was mit dem anderen zu tun haben und umgekehrt. Im besten Fall befruchtet sich beides gegenseitig. Gibt auch genug Spiele, die verlieren sich in einer Art Komplexität und bringen dann nicht mehr auf den Punkt, was sie aussagen möchten.

    #1704523
    NightrainNightrain
    Teilnehmer
    Gold MAN!AC

    “Aber gibt Leute, die mögens nicht subtil. Vielleicht muss man manchen Leuten alles vorkauen, damit sie ein reichhaltigeres Erlebnis haben.
    Aber die Welt wird für mich dadurch nicht zwingend greifbarer, nur weil mehr Dialog und Texte vorhanden sind. Du verwechselst da klassisch Komplexität mit einem plausiblem, nachvollziehbaren Worldbuilding.”
    Ich habe nie von Dialogen oder dergeleichen gesprochen und beziehe mich auch zusätlichen Inhalt, der passend zur Lokation passt. Es geht grundsätzlich bei allem was ich geschrieben habe, um rein passive Informationen, die man finden KANN, nicht was einem irgendein NPC vorkaut.
    Wenn Du Fallout schon zu sehr überzeichnet findest, dann spiel besser nie The Outer Worlds.

    Und wir sind eigentlich immer noch bei der Frage ob die “Genialität des Minimalen” nun Überinterpretation und damit Überbewertung der Fans ist oder ein beabsichtiges Mittel?

    Dazu auch noch eine weitere Frage, zu dem zweiten seiner Tweets: Ist die Souls-Welt denn tatsächlich so “well designed”, dass sie “its stories in silence” erzählt?
    Frage ich wirklich ehrlich interessiert. Ich hab den ersten Teil bis zum Boss auf der Mauer gespielt, den man besonders gut schlagen kann, wenn man von oben auf ihn draufhüpft – also so ca. 8 Stunden. Bis dahin fand ich die Welt weder sonderlich spannend noch außergewöhnlich anders als “typische Fantasy-Festungsruine mit Untoten”. Aber vielleicht kommt ja danach die Offenbarung?

    Wer zappt so spät durch Nacht, TV, Games und das Weltweite Warten? DER NIGHTWATCHER!!!
    http://www.youtube.com/user/NightwatcherReview

    #1704527
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer
    Epic MAN!AC

    Und wir sind eigentlich immer noch bei der Frage ob die “Genialität des Minimalen” nun Überinterpretation und damit Überbewertung der Fans ist oder ein beabsichtiges Mittel?

    Hmm, ich weiss nicht per se, welche Antwort du hier erwartest. Ich glaube ich definiere Genialität wohl generell anders und das Konzept hinter Dark Souls fällt für mich nicht darunter. Gleichwohl finde ich die Umsetzung genial, aber das ist nicht das Gleiche. Vielleicht liegt das Genie darin, seine Faulheit, eine Geschichte erzählen zu wollen und es als Konzept zu verkaufen? Mir ist das ja egal, da mich die Intention des Machers oft gar nicht interessiert. Btw. nach Dark Souls 3 hab ich angefangen the Outer Worlds zu spielen. Die Spiele haben ganz unterschiedliche Qualitäten und decken unterschiedliche Bedürfnisse ab.
    Wenn du nur bis zu diesem Punkt gespielt hast in Dark Souls, dann bleibt der Reiz vielleicht für immer vor dir verschlossen. Vielleicht kennst du Cave Story? Das ist im Prinzip sehr ähnlich zu Dark Souls. Wirklich klar ist auch dort nichts, vieles bleibt Interpretationssache. Und doch entwickelt die Welt einen Sog, der den Spieler sie erkunden lässt. Und genauso verhält es sich mit Dark Souls. Ich bin Erkunder in einer feindseligen Welt, das Ziel ist Progression im Sinne von die Geheimnisse dieser Welt entdecken. Bei einem Fallout liegt das Ziel woanders, die Geschichte, egal wie man sie erzählt, findet durch Zuspitzung zu seinem Finale. Und das gibt es so in Dark Souls eigentlich nicht. Vieles bleibt kryptisch. Als filmisches Äquivalent nenne ich gerne John Boormans Excalibur. Erzählt zwar recht straight seine Handlung, aber hat darüber hinaus eine sehr frei interpretierbare Ebene, die sich aus Motiven speist, welche in der westlichen Literatur verankert sind. Einzelne Elemente werden nicht erklärt, aber sie sind Bestandteil der Welt. Ich denke da bleibt es auch dem Zuschauer überlassen, welche Bedeutung er den Worten wie Gral, Drachen usw. beimisst. Bei Dark Souls hast du im Prinzip eine Galerie von Gemälden, was du aber im Einzelnen darin siehst, bleibt dir überlassen. Nehmen wir mal das verlorene Izalith, das vermutlich einige für die Hölle halten, aber diese Assoziation steht natürlich jedem frei.

    Mehr fällt mir dazu im Moment nicht ein, aber ich glaube nicht, dass damit deine Frage wirklich beantwortet ist. Dafür müsstest du vermutlich selbst nochmals Hand anlegen. Irgendwas sagt mir, dass das aber deine Ansicht zum Spiel auch nicht verändern wird.

Ansicht von 15 Beiträgen - 1 bis 15 (von insgesamt 23)
  • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.