Smartphone Talk
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IceWilliams vor vor 7 years, 5 months aktualisiert.
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5. April 2017 um 8:40 #1244778
captain carotTeilnehmerUm mal kurz die Kurve weg vom Fairphone zu bekommen, wir haben ja nunmal gerade eben nen Yaris Hybrid gekauft. Ganz lange Zeit eine Technik an die, außer Toyota, keiner glauben wollte. Mittlerweile ist klar, Hybrid funktioniert, kann zu weniger Verbrauch auch an Verschleißteilen führen, sehr geringen Schadstoffausstoß etc. haben, hat aber eben auch den Nachteil der Akkus. Wobei die modular aufgebaut sind und im Prinzip weiterverwend- sowie reparierbar.
Vergleiche ich das mit anderen Fahrzeugen gehört sowas offensichtlich mit in die Umweltbilanz.
Verglichen mit einem (sauberen) Diesel sollte aber auch in die Umweltbilanz, dass Biodiesel einen katastrophalen ökologischen Fußabdruck hat, erst recht seitdem er immer mehr von Palmölplantagen kommt.
Natürlich kann ich auch auf Löhne und Sozialstandards achten, die es bei Toyotas Werk in Frankreich gibt und bei Dacias Werken z.B. in Tunesien oder beim mexikanischen Audi Q5 vermutlich eher nicht.
Es hängt aber auch bei allen ne ellenlange Zulieferkette mit dran.Und jetzt mal zurück zum Fairphone:
Das Problem ist nicht die grundsätzliche Idee dahinter. Analog zu Toyotas Hybridautos kann man auch bei Smartphones klein anfangen. Nur wird hier sehr, sehr viel Marketing betrieben und vom Versprochenen bleibt am Ende nicht viel übrig. Genauso ist man aktuell auf Ersatz- oder Austauschteile und deren Verfügbarkeit angewiesen. Anders als z.B. bei Autoherstellern meist üblich ist werden da gar keine Ersatzteile längerfristig gelagert oder gar produziert. Ergo, garantiert Fairphone nicht, dass man auch in zwei Jahren noch ein passendes Austauschdisplay bekommt ist die Austauschbarkeit als solche eher ein Treppenwitz.
Auch bei der SoC Platine ist z.B. gar nicht klar, ob irgendwann Upgrades kommen, wie es um die Verfügbarkeit der alten steht…
Von Softwareupdates mal gar nicht erst zu reden, denn will ich ein Smartphone wirklich lange nutzen, dann sind die unumgänglich.Kurzum, die spannende Frage ist praktisch immer, wie fair und grün sind Produkte am Ende wirklich? Und auch wenn ein Fairphone da in einigen Punkten in die richtige Richtung geht (allerdings überhaupt nicht als einziges Produkt) fehlt gleichzeitig an anderen Ecken wieder sehr viel. Da muss man als ‘Fan’ auch mal Sachen wegstecken oder im Zweifelsfall gegenargumentieren können.
Die BEhauptung ‘ist Nische, bringt also nix’ ist dabei natürlich ziemlicher Schwachsinn. Sehr viele Sachen waren mal Nische.
5. April 2017 um 10:03 #1244779
MontyRunnerTeilnehmerDie Austauschkomponenten machen nur einen Teil des Fairphone 2 aus. Und zurzeit ist es tatsächlich so, dass Otto Normalverbraucher da ganz easy ein defektes Display selber austauschen kann. Wenn man Garantien für Austauschteile geben würde, wäre das Teil vermutlich noch teurer. Aber solange es die Firma gibt, müssen sie die Ersatzteile anbeiten, sonst wäre das Selbstmord.
Im Mittelpunkt steht für mich aber nicht das wohl gut funktionierende Produkt, sondern die Politik. Da ist es mir erst einmal völlig Würstchen, ob man “in zwei Jahren noch ein passendes Austauschdisplay bekommt”.Viel wichtiger finde ich, dass sie ihre Lieferketten offenlegen und ihre Bemühungen, eben faire Lieferketten aufzubauen, dokumentieren; teilweise mit gutem Erfolg. Punkte, an denen sie noch nicht erfolgreich sind, werden offen gelegt und explizit thematisiert.
Das schafft Strukturen.
Das schafft Informationen und Öffentlichkeit; Diskurs.
Das kann Druck auf andere Anbieter ausüben.Dieses Projekt pauschal als eines von Bauernfängern zu verunglimpfen, finde ich sehr ungerecht. Auf dieses Weise erstickt man die guten Ansätze im Keim.
Es ist doch so, dass die meisten von uns wissen, dass sehr viele unserer “günstigen” Produkte auf Kosten ärmerer Menschen und der Umwelt hergestellt werden. Und die meisten von uns finden das auch irgendwie kacke, akzeptieren das aber, weil es sehr schwierig wäre als sozial isolierter Öko-Jesus in unserer Gesellschaft zu leben. Aber eigentlich würde man sich wünschen, dass es auf der Welt gerechter zuginge. Und genau an dem Punkt finde ich so ein Fairphone Projekt unterstützenswert. Man kann viel darüber nachlesen. Das habe ich getan. Ich habe durchaus nicht den Eindruck bekommen, dass die das nur machen, um Gutmenschen zu verarschen. Nennt mich einen naiven Idioten, aber es gibt auch Projekte, die nichts mit zynischer Abzocke zu tun haben.
5. April 2017 um 10:52 #1244780
ChrisKongTeilnehmerDieses Projekt pauschal als eines von Bauernfängern zu verunglimpfen, finde ich sehr ungerecht.
Ich kenn dazu noch eine andere Geschichte, aber die soll ein andermal erzählt werden.
5. April 2017 um 11:12 #1244781
ghostdog83TeilnehmerViele glückliche Menschen… in dem Video:
5. April 2017 um 11:17 #1244782
MontyRunnerTeilnehmerOk, das Video ist klebrig.
5. April 2017 um 11:51 #1244783
ghostdog83Teilnehmer
5. April 2017 um 15:36 #1244784
LofwyrTeilnehmerWichtig für ein Handy. Kommunikation und Fotos machen. Also reicht so was.
5. April 2017 um 19:05 #1244785
captain carotTeilnehmerghostdog83 wrote:Viele glückliche Menschen… in dem Video:
https://vimeo.com/21207365Könnte glatt ein Werbevideo sein, ist aber bestimmt eine unabhängige und seriöse Doku.
Btw. sag ich gar nicht dass sowas generell schlecht ist. Im Gegenteil. Nur sollte man gerade auch wenn es angeblich fair ist einfach ganz genau hinschauen.
5. April 2017 um 19:22 #1244786
Cold SeaversTeilnehmerQuote:Der Niederländer Bas van Abel und seine Kollegen ärgerten sich über die großen Handy-Hersteller, die ihren Arbeitern zu wenig bezahlten und Rohstoffe aus Kriegsgebieten bezogen. Anstatt sich weiter zu beklagen, beschlossen sie zu handeln. Sie setzten sich in den Kopf ein faires Handy zu produzieren. Vor drei Jahren starteten sie ihr ehrgeiziges Projekt “Fairphone”. Dass es so schwer sein würde ein Handy zu produzieren, das als fair bezeichnet werden kann, dachte damals noch niemand.Krieg nein, Kinderarbeit ja?
Ein wichtiger Vorsatz der Niederländer war: Rohstoffe, die für das Handy verwendet werden, sollen ausschließlich aus konfliktfreien Gebieten bezogen werden.
In der demokratischen Republik Kongo beispielsweise beherrschen oft Warlords die Minen in denen Metalle für die Handyproduktion abgebaut werden. Die wertvollen Rohstoffe finanzieren so Milizenkriege, die bereits tausenden Menschen das Leben kosteten und Millionen zur Flucht zwangen.Den Fairphone-Hersteller gelang es bisher jedoch nicht alle für das Mobiltelefon nötigen Metalle aus konfliktfreien Minen zu beziehen. Lediglich Tantal und Zinn werden derzeit aus solchen Minen bezogen. Kinderarbeit ist hier allerdings trotzdem an der Tagesordnung.
Bas van Abel bedauert diesen Umstand, weist jedoch auch auf die Komplexität des Problems hin.Natürlich könnten wir die Rohstoffe auch aus Australien beziehen, aber dadurch würden die Probleme nur ausgelagert, nicht gelöst, meint der Fairphone-Gründer.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Arbeitsbedingungen in den asiatischen Produktionsstätten von Apple & Co. Bas van Abel und seinen Kollegen waren lange auf der Suche nach einem Betrieb in China, der grundlegende Menschenrechte einhält und seinen Arbeitern einen gerechten Lohn bezahlt. Das ernüchternde
Resultat: So einen Betrieb gibt es in China nicht. Der Fairphone-Truppe gelang es aber, ein Unternehmen zu finden, das bereit war gewisse Standards, zum
Beispiel im Bereich der Arbeitsbedingungen, einzuhalten. Bezahlt werden die Arbeiter in dieser Produktionsstätte aber sogar schlechter als bei Apple.Dafür wurde ein Fond eingerichtet, in den ein paar Dollar pro verkauftem Gerät eingezahlt werden. Das Geld soll anschließend den Mitarbeitern zugute kommen.
Was ist nun wirklich fair am Fairphone?
Zentrales Thema für die Fairphone-Hersteller ist Nachhaltigkeit. Das Gerät wurde so konstruiert und produziert, das es ganz einfach auseinander gebaut werden kann. So können kaputte Teile leicht ausgetauscht werden. Ein zerkratztes Display kann beispielsweise einfach entfernt und durch ein neues ersetzt werden. Grundgedanke dabei ist, dass das Fairphone länger, als herkömmliche Handys, genutzt werden kann. Pro verkauftem Mobiltelefon werden außerdem 3 Euro ins Recycling von Elektroschrott investiert.Das Fairphone zielt einfach auf die Gutmenschen ab die mit Rosa Brille meinen etwas tolles für die Welt zu tun, dann aber genüsslich sich vor ihren Laptop zu setzten der anschließend mit seinem Hp Drucker eine Seite ausdruckt …… Lappi und Drucker made by Foxconn….
5. April 2017 um 22:48 #1244787
captain carotTeilnehmerIch sag mal so, hätten die in Afrika ne groß angelegte Refurbish Aktion am Start wo die besser verkaufbaren Geräte in Industrieländer gehen und die etwas veralteteren in Afrika an Händler abgegeben werden oder so, es wäre evtl. Anachhaltiger und fairer. Sowas ähnliches gibt’s übrigens für Gutmenschennotebooks.
5. April 2017 um 22:55 #1244788
rvnModeratorcaptain carot wrote:Nur sollte man gerade auch wenn es angeblich fair ist einfach ganz genau hinschauen.So ist es.
6. April 2017 um 9:56 #1244789
ghostdog83TeilnehmerNaja, der Ablasshandel wird schon gut für die Seele sein. Geht doch letztlich um das Wohlbefinden.
6. April 2017 um 11:30 #1244790
rvnModeratorMeine Rede. Ein erkauftes reines Gewissen ohne Auswirkung auf Umwelt oder Gesellschaft.
6. April 2017 um 12:35 #1244791
SonicFanNerdModeratorDarf ja gerne jeder selber entscheiden, womit er/sie sein/ihr Gewissen erleichtert und nebenbei vielleicht aus Zufall was Gutes tut.
6. April 2017 um 12:44 #1244792
captain carotTeilnehmerDie erste Anlaufstelle sollte halt klar sein, nicht im Minutentakt auszutauschen. Aber eben dann, wenn es sinnvoll ist.
Im Fall des Smartphones gehören aber auch die Geräte auf den Schirm, die es ersetzt. I.d.R. also u.a. schon mal Navi, Kamera und MP3-Player. Früher wären das halt Walkman und Discman gewesen.
Also gehören auch direkt Batterien oder Akkus mit auf die Rechnung. In den Achtzigern wären Akkus auch noch randvoll mit giftigem Cadmium gewesen.
Wobei damals auch nicht alles sauber gefördert wurde.Jetzt ist es z.B. so dass Afrikaner dreisterweise Elektroschrott den wir dort hin karren reparieren und selber nutzen. Das heißt natürlich weder, dass die ausgelagerten europäischen Müllkippen besonders toll wären noch dass kein Schrott mehr anfällt.
Natürlich kaufen auch viele heutzutage kaum bis keine Zeitschriften mehr (Papier ist nicht gerade sauber in der Herstellung, vom Ort der Herstellung mal ganz zu schweigen), Musik wird nicht mehr auf Basis von metallbedampftem Polycarbonat oder Polyvinylchlorid gekauft…
D.h. bei der Frage nach der tatsächlichen Umweltbilanz sollte erstmal eine ganz gravierende Rolle spielen, wie sich die entsprechenden Güter gegeneinander aufwiegen. Natürlich spielt hier auch ganz klar das Kaufverhalten bei der Hardware rein. Allerdings, das muss auch für ersetzte Güter gelten, etwa für Digitalkameras, die im vergangenen Jahrzehnt gerne alle paar Jahre ausgetauscht wurden.
Letzten Endes führt dann natürlich auch nix daran vorbei, den Konsum zu minimieren. Dazu wurden wir halt nicht gerade erzogen. Vllt. mit ein Grund, warum manch einer moderne ‘Askese’ (nennen wir es mit viel gutem Willen so) gerne so zelebriert und vor allem stilisiert.
Dummerweise fällt es leichter, 20 Jahre das gleiche BEsteckset zu halten als auch nur zwei Jahre mit dem veralteten Fernseher zu leben. Kurzum, wir brauchen drindendst eh einen anderen Umgang mit unserer Technik und genau das macht modulare Konzepte eigentlich so reizvoll.Natürlich sind da noch Rohstoffe und Fertigung. Und entsprechende Siegel. Da wäre halt das Fairtrade Siegel. Man kann sich gerne mal zu dem Thema einlesen, gibt auch ne Doku, Fairtrade hat mit fairem Handel leider nur noch wenig zu tun. Denn mit der Zertifizierung lässt sich leider Geld machen. Es gibt praktischer Weise noch andere Siegel. Nur zeigt das leider, bloß weil fair draufsteht geht es längst nicht fair zu. Letzten Endes sollten wir wohl auch dringend unsere Möglichkeiten zur Information nutzen.
Bei den Konfliktrohstoffen wiederum sieht es so aus, dass sich sehr viele Unternehmen schon teils sehr lange bemühen, entsprechend konfliktfreie Rohstoffe zu verwenden. Natürlich auch wegen schlechter Presse. Hier ist Fairphone leider gar nicht besonders fair sondern in vielen Punkten zumindest mangelhafter Selbstkontrolle schuldig.
Bleiben Dinge wie Mitspracherecht, Sozialfonds, Arbeitsbedingungen, Gehälter etc.
Nun mal ganz fies gesagt, die muss man zwangsläufig auch jeweils im entsprechenden Kontext sehen. Das heißt aber natürlich nicht, dass man alles gutheißen muss. Da brauchen wir ja bloß mal zur Textilverarbeitung nach Bangladesch zu schielen. Die Bedingungen am Arbeitsplatz dürften nicht sein. Fakt ist aber gleichzeitig auch, dass die Menschen dort Arbeit brauchen. Und die bekommen sie eben in dem Bereich, solange ihre Produkte vergleichsweise billig sind. Ergo geht es eben auch darum, einen tragbaren Mittelweg zu finden. Auf längere Sicht mag dann auch ein sozialer Aufstieg machbar sein.Was heißt das z.B. bei Elektronik aus China? 35 Stunden Woche und mindestens 30 Urlabstage sind aktuell halt sehr absurd. War beides in der Bundesrepublik vor 60 Jahren übrigens auch.
Ein Sozialfonds und Mitbestimmungsrecht sind dagegen ne feine Sache. Wenn die Kohle (für chinesische Verhältnisse) stimmt aber auch. Beides wäre ideal. Die interessante Frage ist hier auch, ob da jemand nicht eher die billigere Lösung nimmt. -
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