Muss man vier Jahre nach der Erstveröffentlichung noch die Debatte um Horror, Action und Verrat am Serienvermächtnis führen? Resident Evil 6 ist nicht gruselig und strotzt vor Action. Punkt. Wer Capcoms jüngsten Serienspross schon auf PS3 und Xbox 360 nicht mochte, wird jetzt auch kein Fan mehr. Denn inhaltlich hat sich nichts geändert, das Spiel besteht noch immer aus vier Kampagnen: Leon S. Kennedy und Partnerin Helena Harper kämpfen gegen Zombies in meist düsteren Gängen und Anlagen. Kollege Chris Redfield und seine Militärkameraden liefern sich Gefechte mit infizierten Menschen, die sich je nach verwundetem Körperteil in unterschiedliche Monster verwandeln taktisches Vorgehen ist hier sinnvoll. Neuzugang Jake und Partnerin Sherry flüchten vor dem zähen Ustanak und zu guter Letzt dient Ada Wongs Kampagne als Kitt, der alle Geschichten zusammenhält im Gegensatz zu früher ist sie von Beginn an wählbar.
In allen Kampagnen hinterlassen besiegte Gegner nicht nur Munition, sondern auch Erfahrungspunkte, mit denen zwischen den Kapiteln neue Fähigkeiten und Modifikationen bezahlt werden. Das tut dem Wiederspielwert ebenso gut wie der offline und online verfügbare Koop-Modus sowie einige Abschnitte, die online sogar zu viert absolvierbar sind. Daneben locken der gelungene Söldner-Modus sowie alle damals als DLC erschienenen Bonus-Modi: Überleben! ist eine Art (Team-)Deathmatch, Ansturm wie ein Tetris-Duell besiegte Gegner werden zum Gegenspieler geschickt! In Prädator kämpfen Menschen und Ustanak miteinander, in Belagerung treten Menschen und Monster gegeneinander an.
Die gesteigerte Rechenleistung von PS4 und Xbox One nutzt Capcom für stabile 60 Bilder pro Sekunde in 1080p sowie für minimierte Ladezeiten. Ansonsten sucht man grafische Veränderungen mit der Lupe, die Texturqualität schwankt noch immer erheblich Resident Evil 6 ist mehr Umsetzung denn Remaster.
Habt Ihr eines der umstrittensten Spiele der letzten Jahre noch nie gespielt, könnt Ihr Euch nun in der technisch besten Version eine Meinung bilden. Für Kenner und Möger lohnt sich die Neuanschaffung kaum, allen Verachtern gießt Capcom mit dem Download-exklusiven Angebot ohnehin nur Öl ins Wut-Feuer. Daran ändert auch die ordentliche deutsche Sprachausgabe nichts.
Michael Herde meint: Schon vor vier Jahren mochte ich das Experimentieren mit vielfältigen Gegnern, vor allem der Mix aus Nahkampf und Ballern macht Laune. In der Summe bieten die vier Kampagnen und die Mehrspieler-Modi viel Spiel fürs Geld. Störend sind umständliche bis nutzlose Dinge wie das Kräutermanagement, das Befehlssystem für KI-Partner oder das Deckungssystem. Nicht mehr zeitgemäß sind die teils hakelige Steuerung und das Leveldesign. Dafür ruckelt nichts und Ladezeiten sind kürzer denn je. Genervt haben mich die plumpen Dialoge: Leon bittet den zombifizierten US-Präsidenten mehrmals, stehen zu bleiben er sollte wissen, dass das nichts bringt. Aber man kann ja nicht einfach den US-Präsidenten erschießen. Pathos-Quatsch! Na ja, Dialoge und Story waren in Resi immer schon Käse.
+ 4 umfangreiche Kampagnen
+ 1080p und 60 Bilder pro Sekunde
+ kurze Ladezeiten
– durchwachsene Texturen
– dämliche Dialoge und platte Story
– kein Horror, wenige Rätsel
Technisch sauberes HD-Remaster des umstrittenen Serienteils.
| Singleplayer |  | 7 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |