Bei Stella Glow handelt es sich um das letzte Spiel des 100 Mann starken Studios Image Epoch, das 2015 bankrott ging. Schade, entstanden dort doch ein paar ziemlich feine Titel wie 7th Dragon, Last Ranker oder Fate/Extra. Immerhin gelang mit Stella Glow noch ein würdiger Abschied, ist es doch das wohl beste Strategie-Rollenspiel des Teams.
Auf den ersten Blick bietet Stella Glow nichts Spektakuläres, um es von vergleichbaren Titeln abzuheben: Die Handlung hangelt sich in den ersten Stunden komfortabel an den üblichen Anime-Klischees entlang. Da gibt es Amnesie, niedliche Mädchen, die nicht kochen können, Verwandlungen und natürlich darf ein Hauch von Moe nicht fehlen. Nach dem recht gewöhnlichen Auftakt kriegt Stella Glow nicht nur inhaltlich die Kurve, auch spielerisch wird überzeugende Kost geboten: Die Zwischensequenzen sind nie zu lang, stets steht Ihr wieder schnell auf dem Iso-Schlachtfeld und vermöbelt Wölfe, Schleimer, Orks und anderes Gegnergezücht. Ihr zieht rundenweise, Eure Position zum Gegner entscheidet über den Erfolg der Attacken: Greift Ihr einen Gegner von der Seite an, freut Ihr Euch über bessere Trefferchancen, ein Angriff von hinten ist noch dazu besonders effizient. Schlüssel zum Sieg sind aber Eure Skills: Held Alto beherrscht durchschlagende Schwerttechniken, Tank Archibald steckt Treffer ein, die für fragilere Mitstreiter bestimmt waren, und Eure Truppenhexen heizen dem Feind mit magischem Donnerwetter ein oder flicken verwundete Kameraden wieder zusammen.
Zwischen den Kämpfen habt Ihr Freizeit, die Ihr bei Nebenquests oder dem Socializing mit Eurer Truppe verbringen könnt Persona lässt grüßen. Wichtig ist vor allem das Tuning Eurer Hexen: Reist in deren Psyche, um die inneren Dämonen zu bekämpfen. Eine erfolgreiche Tuning-Aktion verschafft der jeweiligen Hexe meist neue, nützliche Zauber. In Sachen Präsentation hält sich Stella Glow an die üblichen Genrestandards. Die englisch vertonten Dialoge werden von Standbildern geführt. Wichtige Storywendungen bekommen kurze Anime-Sequenzen spendiert, die Menüs im Kampf sind sauber und aufgeräumt. Angriffe und Zauber werden von animierten 3D-Sequenzen begleitet dauern Euch die zu lange, dürft Ihr sie auch ausschalten. Kurzum: Stella Glow ist durchdachte Wohlfühlkost für Konsolentaktiker und Freunde klassischer Fantasy-Geschichten japanischer Machart.
Thomas Nickel meint: Tactics Ogre ist komplexer, Disgaea umfangreicher trotzdem muss sich Stella Glow nicht vor den Genregrößen verstecken. Mit interessanten Skills, einer durchaus klischeehaften, aber gerade auch deswegen sympathischen Geschichte und stimmungsvoller Präsentation motiviert das letzte Werk von Image Epoch stets zum Weiterspielen. Das liegt vor allem am flotten Spielablauf. Kämpfe und Zwischensequenzen haben ein sehr angenehmes Verhältnis, die Handlung schreitet flott voran und das Spiel hält sich an keinem Ort zu lange auf. Ständig passiert etwas, jeder Kampf fordert aufs Neue und Mitdenken wird belohnt. Vor allem die frei einteilbaren Zeitabschnitte motivieren und lassen Euch etwas freie Hand: Erfüllt Ihr Nebenaufgaben, widmet Ihr Euch dem Hexentuning oder verbringt Ihr einfach etwas Zeit mit Euren Mitstreitern? Egal, für was Ihr Euch entscheidet, gut unterhalten werdet Ihr allemal.
- sympathische Fantasy-Geschichte
- viele interessante Skills
- charmante Präsentation
- Musik von Yasunori Mitsuda
Charmante Hexen, fordernde Kämpfe und stilsichere Präsentation Handheld-Strategen kommen hier voll auf ihre Kosten.
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