Der Frozen Forest (oder auf deutsch der gefrorene Wald) ist ein, vielleicht sogar das Zauberwort in Call of Duty: Black Ops III. Was es damit auf sich hat, werdet Ihr im Verlauf der Solokampagne erfahren. Auf jeden Fall können und wollen wir verraten, dass das Spielerlebnis ein Stück über schnödes Erschieße Bösewicht A oder Verhindere Terroranschlag an Ort X hinaus geht mitunter verschwimmen Realität und Fantasie, werden die Grenzen von Raum und Zeit gesprengt.
Aber selbstredend wird auch ganz banal an allen möglichen Orten die Bleispritze ausgepackt: Ihr fahrt auf dem Roboter-ICE durch Zürich, ballert Euch in Singapur durch ein subterranes Versuchslabor oder tragt in Kairo Straßenschlachten mit Kampfkolossen aus. Die Kampagne findet hauptsächlich in diesen drei Orten statt damit einhergehend ist Black Ops III (leider) keine Ego-Shooter-Weltreise wie frühere CoDs. Auch ein paar (kurze) Railshooter-Abschnitte haben sich eingeschlichen die sind erwartungsgemäß wild inszeniert und laufen auch ohne Euer Zutun fast identisch ab. Ebenfalls dabei und alte CoD-Bekannte: ein paar unvermeidliche Instant-Tode im Verlauf der Kampagne, bei denen Ihr keine Ahnung, weshalb Ihr gerade gestorben seid. Apropos Sterben: Für die ganz harten Konsoldaten hat Treyarch einen zusätzlichen Schwierigkeitsgrad eingebaut auf realistisch bedeutet ein Treffer den Tod. Das ist (wenig überraschend) sehr fordernd, verlangt ultralangsames Vorrücken und bringt viele Checkpoint-Rücksetzer mit sich Spaß hatten wir damit aber durchaus.
Black Ops III ist wie seine Vorgänger ein Levelschlauch, der mit viel gescripteten Events, Explosionen und Gunporn prall gefüllt ist allerdings ist der Schlauch dicker geworden. An vielen Stellen gibt es (ähnlich, aber nicht so ausgeprägt wie in Halo 5) mehrere Wegvarianten, was taktisches Flankieren erlaubt. Ein Open-World-Shooter à la Far Cry wird damit nicht daraus, der Spielablauf bietet aber mehr Freiheiten als bisher. Auch das teils sehr penetranate An-die-Hand-nehmen durch einen vorrauseilenden KI-Kollegen wurde drastisch reduziert das schmälert auch den Das hab ich doch schon 100 mal gesehen-Eindruck.
Wir haben beim Durchzocken die erste Hälfte der Kampagne allein, die zweite Hälfte im Vierspieler-Koop bestritten. Und sagen: Solisten müssen sich nicht sorgen, dass das Spiel zu sehr auf eine Viererbande zugeschnitten ist. Doch wer im Team loszieht, freut sich über mehr Optionen: Ihr könnt
gefallene Kumpels beliebig oft wiederbeleben, Euch Feuerschutz geben und die Wegoptionen bzw. größeren Kampfareale besser nutzen. Solospielern steht der virtuelle Defibrillator (anders als in Halo 5) nicht zur Verfügung, denn drei allgegenwärtige KI-Begleiter gibt es in Black Ops III
nicht.
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Das führt zu zwei unschönen Dingen: 1. Wo Ihr eben z.B. noch zu fünft durchs Level marodiert (vier Koop-Zocker, ein storyrelevanter KI-Soldat) stehen in der anschließenden Cutscene nur zwei Figuren am Schauplatz. 2. Wenn ein Koop-Spieler einen Schauplatzwechsel auslöst (z.B. durch Öffnen einer Tür), werden nicht unmittelbar in der Nähe befindliche Kollegen an den neuen Ort gebeamt das stört die Spielerfahrung z.B. für langsame Sniper ein wenig. Doch laut Treyarch war dieser Schritt nötig, um den Fluss der voranlaufenden Spieler nicht zu bremsen.
Was auch neu ist: Ihr könnt als Mann oder Frau in die Schlacht ziehen. Und mit verschiedenen Frisuren, Helmen und Outfits. Zudem konfiguriert Ihr vor jedem Missionsbeginn die Ausrüstung und Euren sogenannten Cyber Core mit diesem Fähigkeiten-Set (das Ihr nach und nach freischaltet) ergeben sich im Kampf viele Optionen: Ihr legt feindliche Roboter lahm, bringt Ihre Granaten zur Explosion, sorgt für Ladehemmung, schickt Feuerbienen voraus oder hackt feindliche Geschütze, Drohnen und sogar dicke Mechs. Jedes der drei Cybercore-Sets vereint sechs Fähigkeiten, die ein bisschen verwandt sind. Und jedes hat Fähigkeiten für menschliche und mechanische Feinde in petto hier hat Treyarch gut mitgedacht. Habt Ihr den Cybercore-Supermove aktiviert, braucht er einige Sekunden zum Aufladen. Dadurch ergibt sich in hitzigen Moment ein schöner Rhythmus aus herkömmlichem Ballern und Cybercore-Technologiegimmicks.
Gleichzeitig solltet Ihr Euer Missions-Ausrüstungsset mit Tactical Rigs versehen dann stehen Euch z.B. Doppelsprung, Wandlauf oder eine einmalige Wiederbelebung in jedem Einsatz zur Verfügung. Im begehbaren Safe House-Einsatzquartier passt Ihr nicht nur diese Ausrüstung und Euer Aussehen an, Ihr designt Bemalungen für Eure Knarren (komfortabel mit dutzenden Mustern, Layern & Co.), schmückt die virtuelle Bude mit Fundstücken oder surft im Black Ops III-internen Internetz dort findet Ihr auch den abgedrehten Twinstick-Shooter Dead Ops Arcade 2.
Alle Jahre wieder macht die CoD-Serie ein unwiderstehliches Angebot an Online-Krieger und das ist auch bei Black Ops III der Fall. Mitgeliefert sind zwölf ausgetüftelte Maps, die zu elf Spielmodi einladen von Klassikern wie Team Deathmatch, Abschuss bestätigt oder Capture the Flag bis hin zum temporeichen Gun Game (mach mit über 20 verschiedenen Waffen je einen Kill), der Ballspiel-Variante Uplink oder der neuen und spaßigen Robo-Eskorte Safeguard.
Das Spielgefühl ist CoD durch und durch allerdings erinnert das aufgemotzte Bewegungsrepertoir an Titanfall, denn neuerdings sprinten auch CoD-Soldaten an Wänden entlang. Einige Maps machen davon massiv Gebrauch, allerdings erfordert das Ballern und Treffen während eines Wandlaufs viel Übung. Neuerdings wird auch unter Wasser gefochten in ein paar Arenen taucht Ihr ab und fallt durch einen versteckten Durchgang vielleicht sogar dem Feind in den Rücken. Die Sichtbarkeit der Mit- und Gegenspieler ist wie immer sehr gut, die Geschwindigkeit hat im Vergleich zum Vorjahr nicht zugenommen. Es wird übrigens nicht mehr tödlich gemessert: Attackiert Ihr einen gesunden Feind per Nahkampf-Angriff, überlebt er das nur schon angeschlagene Gegner gehen dabei drauf.
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Auf Wunsch legt Ihr zu zweit im Splitscreen los (geht auch bei Kampagne und Zombies), füllt Matches mit Bots und schaut Euch im Theater-Modus die letzten Runden an. Für E-Sportler interessant sind die Arena-Spielmodi, die sich an die härteren E-Sport-Regeln halten, sowie das Codcaster-Feature Zusehen bzw. Kommentieren wird dadurch spannender bzw. komfortabler.
Natürlich steigt Ihr Prestige vor Augen wieder unzählige Stufen auf, natürlich nutzt Ihr Perks und Scorestreaks, natürlich baut Ihr Custom Klassen (nach dem Pick-10-System), natürlich levelt Ihr Waffen auf und schaltet neue Aufsätze und Gimmicks frei.
Des weiteren kauft Ihr auf dem Schwarzmarkt Loot-Pakete mit zufälligem Inhalt in verschiedenen Seltenheitsstufen, erfüllt hunderte Zusatzziele, nutzt Wildcards, um Waffen noch mehr zu pimpen, malt Knarren mit Tarnfarben oder eigenen Mustern an und legt Euch auf einen Specialist fest.
Specialist? Ihr habt die Wahl zwischen neun Supersoldaten. Eine sich automatisch füllende Anzeige visualisiert, wann das Feature im Match einsatzbereit ist wer viele Abschüsse oder Punkte macht, darf öfter. Auf Knopfdruck verwandelt Ihr Euch in den gewählten Specialist und rockt mit Granatwerfer, Explosionspfeilen, Mega-Revolver oder Flammenwerfer die Hütte. Wer weniger offensiv veranlagt ist, freut sich über die Alternativ-Fähigkeit jedes Specialists (von Tarnung über falsche Klone bis Hitzewelle) allerdings müsst Ihr Euch für eine Fähigkeit entscheiden. Und: Auch Euer Specialist kann sterben denkt als gut nach, wann und wo Ihr diesen Bonus einsetzt.
Der letzte Spielmodus, die Vierspieler-Koop-Action Zombies wird erstmal mit einer Karte ausgeliefert. Die ist groß, schön gebaut, hat zig Ebenen und Geheimnisse. Sie ist aber vor allem eines: gnadenlos. Während die ersten vier Runden vor sich hin dümpeln (erste Untote killen/messern, Geld sammeln, Barrieren richten), gehts ab den Stufen fünf bis sieben richtig ab nur wer taktisch geschickt Wege öffnet, mit der Beast-Verwandlung Schalter umlegt und z.B. für den Fluginsekten-Schwarm die optimalen Knarren kauft, hat eine Chance, die zombifizierte Stadt mit all ihren Einzelheiten zu erkunden.
Von einem groben Ruckelanfall in der Koop-Kampagne abgesehen genossen wir flotte 60 Bilder pro Sekunde in allen Spielmodi, freuten uns über vier Mirrors Edge-inspirierte Freerun-Tutorialstages und probierten im VR-Modus des Safehouse die Waffen aus. Die Grafik von Black Ops III haut uns nicht vom Hocker sie wirkt aber jederzeit sauber und schwankt zwischen ordentlich und hübsch. Ähnliches gilt für den Sound: Die Granaten scheppern herrlich, die Waffen haben teils Luft nach oben, die deutsche Synchro ist gelungen.
Halt, eine Sache fehlt noch: Wer die Kampagne durch hat, freut sich über ein ungewöhnliches Gimmick. Im sogenannten “Nightmare”-Modus könnt Ihr die Story in einer Art Remix-Version nochmals bestreiten: Mit veränderter Level-Reihenfolge, einem “Audio-Kommentar” zweier Spielcharaktere und zusätzlichen Zombie-Horden. Eine schöne Dreingabe!
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Schon bei Call of Duty: Ghosts, der ersten PS4- und Xbox-One-Episode, mussten wir feststellen: Auf PlayStation 4 sieht das Spiel ein bisschen besser aus. Und bei Black Ops III ist das wieder so während beide Versionen flüssig laufen, ist die PS4-Fassung schärfer und wirkt dadurch detaillierter. Das ist bereits bei der direkt vor Euch befindlichen Waffe sichtbar, aber auch Boden- und Wandtexturen oder weit entfernte Objekte wirken auf Xbox One etwas verwaschener, unschärfer, schwammiger. Ein spürbarer Einfluss auf die Spielspaßwertung lässt sich dadurch freilich nicht ableiten wer jedoch schlicht die beste Version nutzen möchte, dem empfehlen wir den Griff zur PS4-Fassung.
Im Allgemeinen ist die Grafik von Black Ops III im Vergleich mit anderen AAA-Shootern ordentlich, aber nicht besonders gut. Das hat uns nicht verwundert: Schließlich reißt die CoD-Serie in dieser Hinsicht schon seit Jahren keine Bäume mehr aus, zum anderen ist Entwickler Treyarch nicht als Spezialist besonders beeindruckender Grafik bekannt. Trotzdem sich BO III über weite Strecken ansprechend, in manchen Szenen sogar richtig gut aus. Doch es gibt auch Schwachstellen: Immer wieder stießen wir abseits der Hauptaction auf hässliche Texturen oder Objekte, auch die wogenden Wassermassen in einem Singapur-Abschnitt haben uns so gar nicht gefallen. Aber das ist wohl der Preis für die flotten 60 Bilder pro Sekunde
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Matthias Schmid meint: Nach drei schwächeren Jahren rüttelt Black Ops III die Serie aus dem Dornröschenschlaf. Für mich ist dieser virtuelle Parforce-Ritt die beste Kriegsspiel-Erfahrung seit Modern Warfare 3. Damit meine ich vor allem die Kampagne: Die erlaubt sich im letzten Spieldrittel zwar etwas viel Was-ist-echt-was-nicht-Hokuspokus, trotzdem ist die Geschichte und zum Glück auch die Action packender als in den vergangenen Jahren. Wir werden weniger an die Leine genommen, dürfen viele mächtige Fähigkeiten anwenden und erleben einige denkwürdige Actionmomente. Zudem bieten einige Abschnitte spürbar mehr Bewegungsfreiheit das ist erfreulich. Weniger gelungen ist die Abwechslung in puncto Schauplätze da kann Black Ops III nicht mit Teil 1 oder der Modern Warfare-Subserie konkurrieren. Auch der Zombie-Modus lässt mich in diesem Jahr kalt. Die erwartete Bombe zündet Treyarch hingegen im normalen Multiplayer-Part: Die Maps sind schick und top designt, die Action flutscht und die Spezialisten fügen sich klasse ein.
Sascha Göddenhoff meint: Die Kampagne habe ich bisher nicht spielen können, daher beschränke ich mich hier auf den Mehrspieler-Modus. Und der hängt mich in diesem Jahr ab. Die durch Wandläufe, Mehrfachsprünge und Boosts gesteigerte Bewegungsfreiheit ist Gewöhnungssache, ebenso der sinnvolle Einsatz der besonderen Talente der verschiedenen Spezialisten. Doch ändern diese Neuerungen nichts an meinem Gefühl, seit ungefähr vier Jahren den gleichen Shooter zu zocken. Natürlich spielt sich Black Ops III erstklassig, sicherlich ist die Gestaltung der Karten erneut sehr gut, zweifellos bieten die Spielmodi viel Abwechslung. Aber das reicht mir als Motivation zur Jagd auf den Prestige-Rang nicht mehr aus. Ich brauche frische Ideen für Perk-System oder Spielablauf und endlich eine hübsche Optik 60 Frames hin oder her, grafisch hat Black Ops III nichts zu bieten. Das zweite große Problem ist, dass das Mithalten von Jahr zu Jahr gefühlt schwieriger wird: Spiele ich nicht ab Release jeden Tag einige Runden, versohlen mir die Gegner aufgrund besserer Waffen und Kartenkenntnis ebenso regelmäßig wie heftig den Soldaten-Hintern. Eine Möglichkeit, die Durchschnittsspieler-Spreu vom Ballerprofi-Weizen zu trennen, bleibt mein großer Wunsch. Ich möchte mit Leuten meines Rangs und meiner Fähigkeiten spielen und nicht von absoluten Experten im Sekundentakt abgeschossen werden. Bis entweder das passiert oder sich etwas an Inhalt und Technik ändert, legt die Serie bei mir eine Pause ein.
Systemvergleich Meinung
- 3 Hauptschauplätze in der Kampagne
- 12 Multiplayer-Maps, 1 Zombie-Karte
- Vorbesteller erhielten Nuk3town-Map
- Dead Ops Arcade 2-Minispiel versteckt
- Season Pass wird 4 DLC-Packs erhalten
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Ein erstklassiges Shooter-Paket mit überraschend starker Kampagne, gewohnt genialem Multiplayer, (zu) harter Zombie-Map und noch vielem mehr.
| Singleplayer |  | 88 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |