Ein Third-Person-Shooter mit USK-Freigabe ab 6 Jahren das kriegt nur Nintendo gebacken! Und das ist nicht schnippisch gemeint: Big N hat es geschafft, eine actiongeladene Schießerei zu entwickeln, die total harmlos und familienfreundlich ist. Schließlich ballert Ihr hier nur mit bunter Tinte alienartige Gegner lösen sich in einen großen Schwall Farbe auf, anstatt den Boden mit Blut zu besudeln.
Splatoon wurde von Teilen des Animal Crossing-Teams entwickelt und setzt Euch ein gewöhnungsbedürftiges Charakterdesign vor. Die Inklings getauften Wesen sind eine Mischung aus Mensch, Tintenfisch und Alien und sehen etwas unleidig aus. Im Solo-Modus bekommt Ihr es mit comichaften Oktopusschurken zu tun eine stimmige Welt oder Hintergrundgeschichte baut Splatoon aber nicht auf. Trotzdem empfehlen wir Euch den Genuss des Solo-Parts, bevor Ihr Euch in die Online-Duelle stürzt denn hier verinnerlicht Ihr die Bewegungsabläufe und stoßt obendrein auf spielmechanische Kniffe, die im Multiplayer-Modus gar nicht vorkommen.
Von einer blockig aufgebauten Oberwelt aus absolviert Ihr kurze Farbaction-Einsätze in voneinander getrennten, recht abstrakt gehaltenen Umgebungen: Ihr streift also weder durch eine richtige Spielwelt noch gibt es Bäume, Hügel, Höhlen oder Gebäude. Stattdessen streunt Euer Inkling über in der Luft schwebende Levelbauten, die ein wenig an Super Mario 3D World-Levels oder die DLC-Stages von Mirrors Edge erinnern. Geballert wird auf knautschige Feinde (die schnell explodieren) und den Boden denn sobald eine Fläche mit Eurer Farbe bekleckst ist, kann Euer Inkling darin eintauchen, herumhopsen und sich viel schneller bewegen. Zudem geht Ihr so vor Gegnern in Deckung ein wirklich launiges und durchdachtes Konzept. Gewürzt werden die gut 30 Levels mit manch bunter Idee: Ihr baut aus Farbschwämmen Brücken, flüchtet vor feindlichen Farbduschen und liefert Euch mit Bossen schmierige Schlachten.
Der Mehrspieler-Modus ist rasch erklärt: Zwei Teams à vier Spieler treten in einer Arena gegeneinander an. Die Mannschaft, die nach drei Minuten mehr Levelfläche mit ihrer Farbe bestrichen hat, gewinnt. Feinde abzuballern bringt zwar Erfahrungspunkte und schwächt das gegnerische Team für die Endabrechung spielen Kills jedoch keine Rolle.
Wer draufgeht, taucht am Startpunkt seines Teams wieder auf und kann per Touchscreen-Tipper (dort ist die Levelkarte zu sehen) direkt zu einem Kollegen hopsen eine kluge Idee, die unüberlegt eingesetzt aber rasch zum erneuten Ableben führt.
Ihr nutzt eine Reihe von Farbklecks-MGs, verschiedenen Granaten, Sniper-Gewehren oder einen Farbroller sicher die ungewöhnlichste Waffe (stark im Nahkampf). Gekauft werden die Ballermänner mit erspielten Erfahrungspunkten dasselbe gilt für Klamotten, die kleine Boni (mehr Speed, mehr Schaden, weniger Farbverbrauch etc.) mitbringen. Stichwort Farbverbrauch: Ihr könnt nicht ewig feuern wer seinen Tank leergeballert hat, muss kurz in der eigenen Farbe abtauchen, um aufzutanken.
Zusätzlich zum beschriebenen Färbe-mehr-Fläche-ein-Modus gibt es für Online-Spieler ab Level 10 (den Ihr nach ca. fünf Stunden erreicht) die Variante Herrschaft hier müsst Ihr nach King of the Hill-Manier ein kleines Gebiet einfärben und gegen Feinde verteidigen.
Wer offline Farbschlachten austragen will, der kann in den (dann zu weitläufigen) Arenen des Online-Modus 1-gegen-1-Duelle austragen: Einer daddelt per zweitem Controller am TV, der andere auf dem GamePad-Screen gefeuert wird hier auf den Feind sowie auf farbige Ballons und der Sieger nach Punkten gekürt.
Thomas Nickel meint: Ich gebe zu: Normalerweise mache ich um Mehrspieler-Shooter einen großen Bogen. Militarismus ist mir ein Graus, Headshots und Kehlenschlitzer finde ich abstoßend. Vielleicht trifft Splatoon deswegen so meinen Nerv, könnte die Farbschlacht in Sachen Inszenierung und Tonfall doch kaum weiter vom Balleralltag entfernt sein. Zwar gibt sich das Game in Sachen spielerischer Freiheit und Optionen noch spartanisch, die vorhandenen Karten, Waffen und Modi sind aber durchdacht und hervorragend aufeinander abgestimmt. Die Tintenfisch-Mechanik macht riesigen Spaß, die treibende Musik finde ich super und grafisch gefällt nicht nur die blitzsaubere Bildrate, sondern auch der herrlich plastische Farbeffekt. Und im Gegensatz zu meinem Testerkollegen komme ich auch prima mit der Bewegungssteuerung zurecht.
Matthias Schmid meint: Coole Demo wann kommt das vollständige Spiel? Dieses Fazit mag höhnisch klingen, fasst aber mein Splatoon-Erlebnis gut zusammen. Denn eigentlich wäre das Spiel klasse: Die Steuerung flutscht (das Zielen ist etwas ungenau, das passt aber zum Einfärbe-Spielziel), die Online-Matches sind rasant, der Nasse-Farbe-Effekt ist super und die deutsche Übersetzung neckisch. Auch die Ideen des Solo-Parts überzeugen besonders das Abtauchen und Verstecken in Farbpfützen. Doch dieser Teil von Splatoon ist viel zu kurz, fühlt sich wie ein überlanges Tutorial aus dem Nintendo-Editor an. Viel schwerer wiegen aber die Versäumnisse im Online-Modus: Die Anzahl der Arenen (5!) ist ein Witz, zudem sind im Standardkampf stets nur zwei spielbar (welche, das wechselt alle paar Stunden) wo bleibt da die Abwechslung? Auch die Warte-Lobby ist ein Graus: Hier kann ich keine Waffen ändern, keine Mitspieler anklicken, Chatten auch nicht. Nicht mal ins Menü darf ich zurück! Stattdessen speist man mich mit einem Pixel-Hüpfspielchen als Zeitvertreib ab, bis das Match startet das passiert nämlich nur bei voller Spielerzahl. Außerdem: Warum darf ich nichts einstellen? Bots? Spielzeit? Teamgröße? Spielziel? Lieblingsfarbe? Karte? Nichts! Mir scheint,
Big N hat in den letzten zehn Jahren keinen Online-Shooter angerührt. Und der zweite Spielmodus (der erst ab Rang 10 verfügbar wird) ist dem Standardkampf zu ähnlich. Noch ein Wort zur dudeligen, immer gleichen Musik von Splatoon: Die hat in der Redaktion für wütende Reaktionen gesorgt. Oder wie Olli sagt: eines Nintendo-Spiels unwürdig!
- Solo: 5 Welten mit 32 Levels
- Multi zum Start: 5 Arenen, 2 Spielmodi
- 1 gegen 1: 1 Spieler am TV, 1 am GamePad
- Bewegungs- oder Doppelstick-Steuerung
- kein Voicechat im Online-Modus
Spielerisch fetzige Multiplayer-Farbschlacht mit großen Defiziten bei Umfang, Abwechslung und Bedienkomfort. Für Solisten nur nett.
| Singleplayer |  | 69 |
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| Grafik |  |
| Sound |  |