(Komplexe) Stories in Spielen. Segen oder Fluch?

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  • #901114
    DerSebomatDerSebomat
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    Für mich ganz klar: Fluch. Warum? Weil ich der Meinung bin, dass Videospiele das falsche Medium sind, um (komplexe) Geschichten wirklich interessant darzustellen. Wie man bemerkt, steckt im Wort Videospiel ja selbst schon das wort SPIEL drin. Und das will ich auch. Spielen! Damit ihr mich nicht falsch versteht: Ich liebe gute Geschichten. Ich bezeichne mich selbst als Cineasten und lese gerne spannende Bücher, sofern das zeitlich möglich ist. Doch bei Spielen habe ich oft das Gefühl, dass die Macher einfach Geschichten um gewisse Spielmechaniken und Designentscheidungen “herumschreiben”. Das wär, als müsste ein Romanautor sich an gewisse Eckpunkte halten, die in der Handlung vorkommen MÜSSEN. Da kann doch dann gar nix Besonderes dabei rauskommen. Der ist ja schon von vornherein eingeschränkt.

    Wäre “Pong” denn besser, wenn das ganze als Beziehungsdrama dargestellt worden wäre, indem sich eine Frau (der Ball) nicht zwischen zwei Männern (die Balken) entscheiden kann und immer hin-und herswitcht, nur um am Ende dann doch immer an beiden vorbeizulaufen?
    Oder die Steine aus “Tetris” uns Indívduen darstellen sollen, die versuchen sich in die Gesellschaft einzugliedern, weswegen man sich oft drehen und hinbiegen muss und es oft hektisch und chaotisch wirkt?
    Das ist lächerlich, ich weiß. Aber manchmal kommen mir moderne Spiele so vor. Und wenn ich so an meine Lieblingsspiele(reihen) denke, habe ich bemerkt, dass in denen kaum Story vorkommt. Nur um ein paar Beispiele zu nennen:
    – Super Mario: Prinzessin wird entführt, ich muss sie retten. Alles klar. Los gehts!
    – Zelda: Wieder wird ne Prinzessin entführt, ich muss sie retten. Es kommen etwas mehr Personen drin vor, aber es ergeben sich keinen komplexen Handlungsstränge
    – Little Big Planet: Gibts da überhaupt ne Story?
    – Uncharted 1: Typ strandet auf einsamer Insel. Was geht hier ab? Los gehts!
    – aktuell, ZombiU: Ein Virus hat London verseucht, ich muss überleben.
    – das beste Beispiel: Journey. Einfach gar keine Story! Trotzdem episch

    Ich werde hier nicht zu allen Spielen eine Meinung abgeben, das würde bei weitem den Rahmen sprengen. Trotzdem möchte ich noch kurz Spiele erwähnen, bei denen dieses Geschichts-blabla für mich einfach das Spiel kaputt gemacht hat.

    – Uncharted 2 und 3: Nathan lernt mehr Leute kennen, fliegt von A nach B, wird glaub ich auch mal verraten und verliebt sich mal, man sieht ihn als Kind und wie er Drogen nimmt. Wenn interessierts?
    – Assasins Creed-Teile: Der Protagonist reist immer wieder zurück in der Zeit um dort irgendwas zu regeln, viel blabla
    – aktuell, The Last of Us: Die ersten 2 Stunden gabs glaub ich nur Flashbacks, Zwischensequenzen und gescriptetes Zeugs. Hab das Game dann ausgemacht und nie wieder gespielt.

    Etwas Story darf schon sein. Schließlich muss ja auch ein Kontext da sein indem ich mich bewege und der Atmosphäre erzeugt. So bin ich ein großer Fan von “Resident Evil” und “Dead Space”. Die Grundgeschichte ist gut, detaillierte Infos interessieren mich nicht. Ob da der Typ nun Wesker oder Isaac heisst, ob der mit inneren Dämonen zu kämpfen hat, oder ein Drogenabhängiger ist, ist mir einfach sch***egal. Wenns bei Spieletests (z.B. in der M!Games :-) heißt “langweilige Story”, ist das für mich oft sogar ein Grund, sich das Spiel mal näher anzuschauen.
    Auch wenn ich zurückdenke an besonders gute Spiele, blieb bei mir bei keinem so wirklich die Story hängen. Das Gameplay: ja. Das Leveldesign: ja. Die Grafik: ja. Die Atmosphäre: ja. Die Story? Nein. Oder nur ganz vage.

    Wie steht ihr zu Stories in Spielen? Interessieren die euch wirklich oder sind die nur Beiwerk für euch? Gibts Spiele die ihr gerade wegen der Geschichte so gut findet, obwohl vielleicht das Gameplay langweilt? Skipt ihr Zwischensequenzen? Könnt ihr es kaum erwarten, ob zum Beispiel Nathan Drake in Uncharted 4 seine alte Schulfreundin wiedertrifft, oder wollt ihr einfach in Prachtgrafik rätseln und ballern? Fiebert und leidet ihr gar mit den Avataren mit, die ihr steuert, oder seht ihr das ganze einfach als Herausforderung die Spaß machen soll? Also: Segen oder Fluch für euch?

    #1166084
    occamioccami
    Teilnehmer

    So, ich bin seit Gestern hier registriert und wollte mich gerade mal in den Vorstellungsfred verdrücken. Nun las ich aber zum zweiten Mal schon etwas von dir und möchte mich dazu äußern, bevor ich mich dann nochmal formal Vorstelle.

    Zu aller Erst möchte ich dir so was von widersprechen, daß mich deine Aussage schon wirklich etwas wütend macht. Das Videospiel als Konsumgut eignet sich hervorragend für das Erzählen und Darstellen von komplexen Geschichten. Wie es auch unzählige Spiele in der jüngeren aber auch älteren Geschichte gezeigt haben. Allein die ganzen Rollenspiele, die in epischer Breite Geschichten erzählen und mir dabei eine Tiefe vermitteln, die ein Film, allein wegen seiner Länge, nicht im Ansatz so hin bekommt, stehen einer Serien oder einem Buch in nichts nach.

    Natürlich ist ein Videospiel auch SPIEL und genau da liegt ja der schmale Grad zwischen gut und nicht gut, denn es macht die Balance zwischen Spielen und Geschichte erzählen aus, die den Spieler bei Laune halten und das Spiel als ein gutes Spiel ausmachen. Eben wie ein Buch, das den schmalen Grad zwischen Umschreibung und Handlung voranbringen finden muss, um den Leser bei der Stange zu halten. Als jüngeres Beispiel sei hier die Mass Effect Reihe genannt, die es, mit einer gerade zu lächerlichen Leichtigkeit, geschafft hat, eine spannende und mitreißende Geschichte zu erzählen. Aber auch ältere Spiele wie Chrono Trigger ( es gibt da unzählige Beispiele! ) schafften eine stimmungsvolle Geschichte mit genügend Spielelementen zu verknüpfen.

    Der Schritt hin zu komplexen Geschichten und vielschichtigen Charakteren, aber auch feiner Tiefe ( Journey hat keine Story? ), ist der richtige und macht das Konsumgut Videospiel zu einem der interessantesten und vielschichtigsten Medium, das es gerade so gibt. Natürlich ist ein gutes Buch etwas ganz fantastisches und gar ein ganz eigenes Erlebnis. Selbstverständlich lösen die Serien die Filme ab, denn genau das wollen die Menschen: Komplexe Geschichten in denen sie sich vertiefen können. Darüber grübeln dürfen und sogar etwas rätseln ( aber bitte nicht so sinnlos wie bei Lost ).

    Und dein Teil mit dem “herumschreiben” ist ein Tritt in jedes Gesicht eines Indie-Entwicklers, der auf kreativste Art und Weise versucht, seine Geschichte als Spiel darzustellen.

    Nun, natürlich gibt es auch genügend Spiele, die keine große Story beinhalten. Und diese Spiele wird es auch weiterhin geben. Auch dein Mario, Zelda und Little Big Planet wird es auch weiterhin geben. Nur werden sie immer mehr zur Nische. Das ist in Ordnung, denn durch den Indie-Markt ergeben sich da unzählige Auswahlmöglichkeiten und keiner muß sich mit Spielen begnügen, die er nicht mag. Wir leben nicht mehr im Jahre des Super Nintendo, in dem es nur ein Spiel pro Woche gab.

    So, ab in den Vorstellungsfred. Abschließend habe ich das Gefühl, du lebst die Spiele nicht, du spielst sie nur. Und dieses Medium kann so viel mehr sein, als pure oberflächliche Popcorn-Unterhaltung.

    #1166085
    Tomatenmann MofDTomatenmann MofD
    Teilnehmer

    Also als Fluch entfinde ich Story´s nur wenn sie dem Gamplay im wege stehen.

    Ich persönlich mag eine gut erzählte Geschichte aber kann lange Zwischensequenzen einfach nicht ausstehen. Ich kann daher eure beiden Ansichten gut nachvollziehen und denke etwas von beiden macht Sinn.

    Spiele mit denen ich absolut nix Anfangen kann sind z.B. Metal Gear Solid und auch Heavy Rain…ich kann aber nachvollziehen das andere Leute diese Titel feinern ohne Ende.

    Ob das Medium Videogame das falsche ist um gute Geschcihten zu erzählen ? Auf keinen Fall..sie werden nur auf einer anderen Ebene erzählt. Und wie es meist so ist, ist es nicht die große Hauptquest die dem Spieler im Gedächnis bleibt..sie ist nur der Aufhänger um viele fantastische Abenteuer zu erleben..deine Geschichte in diesem Mikrouniversum.

    Ach ja ocaami..willkommen im Forum ^^

    #1166086
    Marc29101971Marc29101971
    Teilnehmer

    Segen und Fluch!
    In RPG: Geschichte erforderlich
    In Action-Adventures: Ebenso
    In Beat`em ups: Gerne, aber nicht zwingend
    In Rennspielen: Ha ha ha
    In Strategiespielen: Aber hallo…. sowas von
    In Jump´runs: Brauch ich keine
    In Open World spielen àla GTA: Klar doch

    Was vergessen?

    #1166087
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer
    occami wrote:
    Und dieses Medium kann so viel mehr sein, als pure oberflächliche Popcorn-Unterhaltung.

    In der Vorstellung der Leute mag es so sein, ich interpretier spasseshalber auch immer mehr in ein RPG oder so rein, als wirklich da ist. Sie sind allesamt ziemlich oberflächlich und bedienen sich denselben abgenudelten ewig gleichen Klischees, wies die Filmbranche auch tut. Von wegen Tiefe und so, die Storys kriegst du meist auf einen Bierdeckel rauf, nur weil mans dann bis zur Unkenntlichkeit umschückt, heisst das noch lange nicht, dass da viel mehr Substanz vorhanden ist. Da hinken die Videospiele noch extremst anderen Medien hinterher. Wundert mich allerdings auch nicht, da der Hauptzielgruppe sowas eh schon wurst ist. Who cares?
    Immer wieder verwechseln Leute Atmo mit Story, was einfach nicht dasselbe ist. Wenn man einen Haufen Ökobotschaften, Fantasyelemente, spirituellen Esoterik-Nonsens mit einbaut, dann tut man das um die Atmosphäre zu fördern. Dies gelingt durchaus, man taucht ab in diese Welt. Aber hat das was mit einer achso genialen Story zu tun? Nein, wo denn?
    Wo Licht ist, da ist Schatten und es mag das eine oder andere Game geben, dass ein bisschen mehr vermitteln will, über die Geschichte, die erzählt wird. Aber gerade die von dir angesprochenen RPGs sind ja unterdessen austauschbarer als sonstwas, jetzt rein von der Geschichte her. Das heisst allerdings noch lange nicht, dass das Spiel schlecht ist oder an qualitätsmindernden Klischees oder so krankt. Wenn ich so ein Spiel konsumiere, dann weil ich gewisse Sachen erwarte. Du machst dir da einfach was vor, wenn du ernsthaft erklären willst, dass es nicht so ist.
    Du hast, wie andere Konsumenten auch, erst mal eine gewisse Vorstellung davon, was du kaufen willst und in die Richtung geht auch deine Erwartungshaltung. Und das Erfüllen eben jener, das hat doch nun mal reinkommagarnichts mit einer orginellen Geschichte zu tun.
    Eine gute Atmo vermag es gekonnt auf der Klaviatur der emotionalen Empfindungen zu spielen. Man denke an das beklemmende Gefühl in einem Resident Evil Spiel, wenn hinter der Tür der Tod lauert, z.B. Oder die Erleichterung, wenn man sich in DarkSouls eines schier übermächtigen Gegners entledigt hat. Oder sei es auch, dass man eine gewisse Bindung zu NPCs oder so gewinnt, deren Schicksal wenig mehr als fragmentarisch erscheint. Dies ist aber allesamt der Atmosphäre geschuldet und einer Geschichte, die sich eben in diesen Konventionen bewegt, um sie nicht lächerlich wirken zu lassen.
    Aber sitze ich vor der Glotze und denke mir gerade WTF? Wüsste nicht, wann das zuletzt passiert ist in Bezug auf eine Storywendung oder so. Ich weiss ja nicht wie alt du bist und welche Filme du dir schon angesehen hast, aber wenn dich schon diese 0815Storys in vielen Spielen so beeindrucken, dann dürftest du auch gut bei einem Transformers abgehen.
    Ich glaube allerdings auch nicht, dass man dafür jetzt schon weiss Gott was konsumiert haben muss, aber sich von jedem Gedöns gleich so blenden zu lassen,
    und dann sauer werden über die Wahrnehmung von Sebomat diesbezüglich, leicht übertrieben.
    Es will dir ja keiner deine Spiele schlecht machen, wirklich nicht, aber generell, und mit dieser Meinung stehe ich meist weit auf alleiner Flur, hat die Story eine ziemlich untergeordnete und relativ unbedeutende Gewichtung bei Videospielen, was in der Natur der Sache liegt.
    Beschränkt sich das Spiel quasi nur auf Story, dann ist es im besten Fall ein Spiel, das zu polarisieren vermag wie z.B. ein Heavy Rain. Da spielt die Story sehr wohl eine Rolle, aber das macht sie nicht automatisch genial.
    Die Frage, die sich mir stellt, ist, ob es mich stört oder nicht. Ich würde sagen nein, denn wärs anders rum, dann könnte ich kaum noch ein Spiel zocken, weil ich vor lauter Facepalms nichts mehr sehen und die Hand auch nicht mehr am Pad hätte :-)

    @Sebomat Gutes Thema, ich hoffe es geht nicht bei den anderen Themen unter, nicht dass es zu inflationär wird, wäre nämlich schade, wenn der Diskussionsstoff abebbt. :-)

    #1166088
    occamioccami
    Teilnehmer
    ChrisKong wrote:

    @Sebomat Gutes Thema, ich hoffe es geht nicht bei den anderen Themen unter, nicht dass es zu inflationär wird, wäre nämlich schade, wenn der Diskussionsstoff abebbt. :-)

    Ist wirklich ein schönes Thema.

    Nun zum Text. Du unterscheidest also klar zwischen Atmosphäre und Story. Und unterstellst mir desweiteren, ich würde mich blenden lassen. Darf ich dich dann fragen, was für dich denn eine gute Story ist? Mit einem Beispiel wäre toll. :) Silent HIll 2 hat eine fantastische Story, ebenso wie Baldurs Gate 2. Das ist nicht alles Atmosphäre, das ist eine Geschichte die erzählt wird und sucht, bei Silent Hill 2 in seinem Genre noch seines gleichen. Mass Effect hat über 3 Spiele ein gute Geschichte erzählt. Das möchtest du diesem Spiel absprechen?

    Ich weiß nicht, was du schon so gespielt hast, aber, im Gegensatz zu dir, unterstelle ich dir nichts.

    P.s. übrigens hat Dark Souls auch eine fantastische Hintergrundgeschichte. Das würde ich ebenfalls als Story bezeichnen, auch wenn sie nur Teilweise zum Spielgeschehen beiträgt, erklärt sie doch die Welt in vielen Bereichen. Was übrigens auch stark zur Atmosphäre beiträgt. Für mich sind Story und Atmosphäre stark verknüpft, für mich funktioniert eine Atmosphäre nur in den seltesten Fällen auch ohne eine gute Geschichte.

    #1166089
    captain carotcaptain carot
    Teilnehmer

    Die mittlerweile schon langbärtige Frage mit geflochtenem Rückenhaar, Story or not.

    Das ist die falsche Frage aus meiner Sicht. Die eigentliche Frage lautet, was sollte bei einem Spiel im Fokus stehen? Aus meiner Sicht klar das Spiel. Das ist mit ein Grund dafür, warum ich Heavy Rain und Beyond eher als interaktive Filme sehe und mir der Cutscenewahn etwa bei MGS mittlerweile auf den Zeiger geht. Das könnte ebenso gut alles im Neunziger FMV-Look Marke Wing Commander oder sogar reinrassiger FMV-Games sein.

    Es heisst Videospiel. Entsprechend sollte das Spiel im Fokus stehen. Wenn dann wie bei Deus Ex das Spiel gut ist und die Story gleichzeitig motiviert, ohne über das Spiel zu dominieren, prima.

    Momentan frag ich mich bei einigen Entwicklern aber, ob die nicht eher Filme machen sollten.

    #1166090
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Rückschlüsse ziehen sind ja nicht gerade Unterstellungen, ich weiss ich steigere mich da zu schnell hinein.

    occami wrote:
    Für mich sind Story und Atmosphäre stark verknüpft, für mich funktioniert eine Atmosphäre nur in den seltesten Fällen auch ohne eine gute Geschichte.

    Das lässt halt schon darauf schliessen, dass du dich ziemlich schnell beeindrucken lässt, von den immer gleichen narrativen Kunstmitteln. Dagegen ist ja auch nichts einzuwenden. Aber von toller Geschichte seh ich da schon lange nichts mehr. Warum wohl kann ein Spiel mit Atmo nicht ohne Story auskommen?
    Die Story von Metroid hat auf ein Kaugummibildchen gepasst, aber deswegen hat das Spiel trotzdem eine bessere Atmo, als eine Hundertschaft von Games, deren Story als Wunder Was proklamiert wird.

    Edit: @Carot Nein bloss nicht, gibt schon genug Gurken in der Filmbranche, kein Zwang die jetzt auch noch um die Nieten des Videospielbusiness zu erweitern. Können gern alle dort bleiben, wo sie sind.

    #1166091
    ZetsuboudaZetsubouda
    Teilnehmer

    Segen oder Fluch….hm, sowohl als auch.
    Es gibt Beispiele im interaktiven Unterhaltungsgenre (was das Videospiel essentiell ist), die gut ohne Hintergrundgeschichte auskommen .
    Unabhängig von Genres, in die sie gepresst werden, ergeben Stories mal mehr, mal weniger Sinn:

    – Geschichten in Kampf-, Renn- oder Sportspielen sind nur mehr schmückendes Beiwerk, welche das Hauptthema -die Konfrontation mit Gegnern, den Kampf um Platzierungen und Titel- rechtfertigen sollen.
    Wenn man hier zu tief in die Materie eindringt, verpasst man das Ziel (Witz, komm raus…) und wechselt das Genre.
    In diese Sparte gehört auch manch Brückenschläger -Spiele, die mehrere Genres in sich vereinen (wollen)- wie zum Beispiel Diablo, Disgaea, Front Mission oder Vandal Hearts, um nur einige wenige zu nennen. Metzelorgien, Grinding oder strategisches Abarbeiten von Karten mit oft belangloser Hintergrundgeschichte, deren einzige Existenz dem wiederholten Vorsetzen von immer schwierigeren Gegnern oder Systemen geschuldet ist.
    Die “Entwicklung” besteht bei diesen eher im Steigern der Kampfstärke als in der charakterlichen.

    – Gut durchdachte, umfangreiche Geschichten, die den “Spieler” (oder eher schutzengelhaften Protagonisten?) in ihren Bann ziehen und nach weiterer Entwicklung förmlich lechzen lassen, bei denen man sich in der Tat als Teilnehmer sieht und mit den Protagonisten leidet oder sich mit ihnen freut.
    Mein Beispiel hierfür wäre Alice: Madness Returns. Den eigentlichen Hintergrund -die Bücher von Lewis Carroll- und den direkten Vorgänger American McGee’s Alice nicht kennend, vermochte ich mich dem Sog der Geschichte nicht zu widersetzen. Insgeheim wurde darüber gerätselt, wie die Vergangenheit aussah und wie es weitergehen würde. Warum man überhaupt in diese “Welt” geworfen wurde. Ob sich die Puzzlestücke zusammensetzen lassen würden.
    In diesem Fall war die Story eindeutig ein Segen, und weniger hätte der Stimmung wohl geschadet.
    Sicher, man kann auch einfach die Zwischensequenzen (die wirklich toll gemacht sind) abbrechen oder die ‘Erinnerungsblasen’ auslassen.
    Dann hätte man aber ein simples Jump’n’Run wie Mario geschaffen. Doch das wird wohl kaum der Entwickler Ziel gewesen sein…

    Ebenso in diese Kategorie fällt als Beispiel die Final Fantasy-Reihe (ausgehend von der Bewertung bis Episode 12):
    Epische Momente in Massen, ein zentrales Thema, von dem kleinere Nebenhandlungsstränge ausgehen.
    Meistens übersichtlich und sinnvoll eingefügt, ohne jedoch den Bezugspunkt zu verlieren.

    – Als Fluch erweisen sich auf der letzten Seite die Extreme, die seltsam oder konfus wirken, mit ineinander verschlungenen Entwicklungssträngen, die ein ‘Hineinversetzen’ in die Lage der Beteiligten schwer bis unmöglich machen. Bei denen man sich unweigerlich fragt “WTF, wieso passiert DAS jetzt?!” oder “Statt den Konflikt SO und SO zu lösen,…?”, man sich mit der Hand an die Stirn klatscht, das Spiel aus dem System verbannt und den einfältigen Unfug so schnell wie möglich vergisst (ja, ich rede von dir, Tales of Grütze, äh, Graces ;) ).
    Hier hätte weniger=mehr bedeutet, denn ‘zu viel’ sorgt für Überdruss.
    [Höre ich da etwa ein leises Metal Gear Solid? Schämts euch :P]

    Prinzipiell würde ich sagen, dass eine Geschichte in Spielen, die (charakterliche)Entwicklungen aufzeigen wollen und den “Spieler” aktiv teilnehmen lassen, wichtig und richtig ist.
    Wenn diese Entwicklungen allerdings ausufern oder Schlangenlinien durch die Geschichte ziehen, verkehrt sich der Eindruck.
    Es wird zum ungenießbaren Eintopf, in dem man alles vereinen will und doch keine gelungene Würze findet.
    So, jetzt hab ich Hunger.

    #1166092
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer
    Zetsubouda wrote:
    Gut durchdachte, umfangreiche Geschichten

    Scheint, als wäre meine Vorstellung einer “gut durchdachten” Geschichte eine andere. Bringt doch mal ein konkretes Beispiel, was ihr für gut durchdachtet halten. Und nicht einfach nur, in Spiel XY hats eine geile Story = Aussagekraft null. Nur gleich vorweg, ein gutes Beispiel lässt sich ja leider nicht zwingend auf die ganze Konkurrenz übertragen, sprich ists nur eine Ausnahme, die die Regel bestätigt, dann ists so oder so nicht weit her mit guten Storys im Videospielbereich.

    #1166093
    DerSebomatDerSebomat
    Teilnehmer
    occami wrote:

    . Abschließend habe ich das Gefühl, du lebst die Spiele nicht, du spielst sie nur. Und dieses Medium kann so viel mehr sein, als pure oberflächliche Popcorn-Unterhaltung.

    Ich spiele Spiele tatsächlich “nur”. Dafür sind sie doch auch gemacht. Wie definierst du denn “ein Spiel leben”? Nicht böse gemeint, aber das klingt mir ja fast schon ein bisschen nach Realitiäts-Flucht. Ich summe auch die Melodie von Super Mario mit, wenns ichs zocke. Oder denke während meiner Arbeit oder Freizeit über den nächsten möglichen Raum nach, den ich betreten könnte, bei einem Silent Hill. Oder freue mich schon Wochen vorher auf neu erscheinende Spiele und grinse deswegen den ganzen Tag wie ein Honigkuchenpferd. Genug gelebt?

    Aufgefallen ist mir dieses ganze Geschichten- und Charaktergedöhns wieder beim neuen “Tomb Raider”. Cool, dachte ich mir. Wieder klettern, rätseln, Schalter umlegen. Aber angekündigt wurde erstmal, dass Lara nun ziemlich zerbrechlich und ängstlich ist und erst zu einer starken Kriegerin werden muss. Und was hatte das dann mit dem Spiel zu tun? Nichts! Hats irgendwas verändert? Nein! Und dass Lara in den Zwischensequenzen am Lagerfeuer saß und heulte, war mir wieder sowas von egal. Mir hat das neue Tomb Raider gut gefallen. Die Atmosphäre war wieder super, die Grafik war fett, das kletern und ballern machte Spaß, aber die Story? Bestand für mich aus unbedeutenden Cutscenes.

    #1166094
    ZetsuboudaZetsubouda
    Teilnehmer

    @Kong
    Die einzelnen Absätze gehen näher darauf ein. Wenn dir das immer noch nicht meine Sichtweise aufzeigt, bekommst du hier einen Umriss:
    Ein logischer Ablauf von Handlungen bedeutet für mich gut durchdacht. Sinnvolle Dialoge sollten ebenfalls gut durchdacht sein, damit sie einen Sinn ergeben und Handlungsweisen, Standpunkte oder Ereignisse erklären können. Gut durchdacht ist es, wenn man -ausgehend vom Standpunkt des Erzählers/Protagonisten, selten auch Antagonisten- dem Pfad zu folgen vermag, ohne 7 Brücken zu schlagen, den Telefonjoker (bzw. Wikipedia) zu bemühen und ein Los zu ziehen; wenn man sich mit den Figuren und ihren situationsbedingten Handlungen identifizieren kann, ohne auf nem Drogentrip zu sein; wenn man sich am Ende damit auseinandersetzen und sagen kann: “Tatsache, das ergibt SINN!”

    Stupide Aneinanderreihungen von Zufällen sind hingegen nicht gut durchdacht, sondern ein Mittel zum Zweck.
    Da weigert sich der Verstand, diesen Ablauf als gut durchdacht anzusehen, wenn einzelne (logische) Aktionen dem ein Ende bereiten würden.

    #1166095
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Klingt nach einer Minimal Anforderung, denn nach einer wirklich durchdachten Story. Sowas ist mir bei Videospielen nunmals schlicht noch nie begegnet. Das was du als Definition ausgibst, krieg ich in jedem Mario, nur wird mir da nicht durch 100 Cutscenes vorgegaukelt, eine besondere Geschichte erlebt zu haben.
    Ich rede wie gesagt von konkreten Beispielen, das Problem dabei, wenn man eben so eine Geschichte zu Papier bringt, dann merkt man meistens erst wie substanzlos und schon fast lächerlich sie ist. Nun gut, das Videospielbusiness ist ja noch relativ jung, Filme und Comics gibts da schon sehr viel länger, da wird man dann eben auch eher fündig.
    Vielleicht funktioniert Videospiel und Story halt nur bis zu einem gewissen Grad und scheitern daran, weder Fisch noch Fleisch zu sein.

    #1166096
    DGSDGS
    Teilnehmer

    (Komplexe) Geschichten/ Themen, die (ausschließlich?) mit den Mitteln eines Videospiels erzählt werden… ?

    Da fallen mir auf die schnelle folgende Titel ein:
    The Stanley Parable, Gone Home, Journey, Limbo, …

    Eine weniger “schwammige” Definition des Themas wäre zudem hilfreich…

    EDIT/ Dürfen in Videospielen Stilmittel des Films keine Verwendung finden? Es gibt doch mittlerweile genug Beispiele, in denen Regisseure Stilelmenten der Videospielkultur in ihren Filmen assimilieren; aktuell fällt mir da z.B. Elysium ein!? Gegenseitige Befruchtung diverser Medien gab es doch schon immer…

    #1166097
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Nur sind diese Befruchtungen, wie du es nennst, fast allesamt für die vergessen wirs besser wieder Schublade :-) Und ob das bei genannten Spielen nicht teilweise auch eben die Atmo ausmacht, steht auf einem anderen Blatt.

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