Games, bei denen der Einsatz von Farben klug mit der Spielmechanik verwoben ist, haben in der Vergangenheit für viel Freude gesorgt: Zum Beispiel im Klecks-Shooter Splatoon, beim 3D-Hüpfer de Blob, bei Ubisofts Outland oder natürlich in Treasures Shootem-Up-Klassiker Ikaruga mit seinem legendären Schwarz-Weiß-Wechselfeature. Erst vor kurzem testeten wir das JumpnRun Color Symphony 2, wo Ihr Hindernisse durch die Änderung der Hintergrund-Farbe unsichtbar werden lasst. Hue schlägt in dieselbe Kerbe erweitert aber Farbpalette, Komplexität und Spielspaß!
Der namensgebende Held stromert durch eine anfangs düstere 2D-Welt. Die etwas schlicht gebauten Hüpfpassagen wirken zum Start wenig reizvoll bis das Farbrad ins Spiel kommt. Tippt den rechten Stick in eine Richtung, dann verlangsamt sich die Bildschirm-Action enorm und ein Farbkreis taucht auf. Dort wählt Ihr eine von acht Farben und schon erstrahlt der Hintergrund der kompletten Spielwelt in eben dieser Kolorierung. Objekte derselben Farbe sind dann unsichtbar und interagieren auch nicht mit Euch. Soll heißen: Rote Laser vor rotem Grund töten Euch nicht mehr, gelbe Kisten vor gelbem Himmel tragen Euch nicht mehr. Auf Basis dieser Logik schnitzt das Spiel eine Vielzahl kluger Mechaniken: Ihr könnt Blöcke an Hindernissen vorbeischieben, indem Ihr den Hintergrund an die Farbe der Hindernisse anpasst und sie so verschwinden lasst. Oder Ihr deaktiviert die Wirkung von Kisten tragenden Luftballons, indem Ihr die Ballons unsichtbar macht. An anderer Stelle stehen Trampolins, die mit jedem Hopser ihre Farbe ändern in Kombination mit Eurer Hintergrund-Einfärbe-Fähigkeit ergeben sich zig Rätseloptionen.
Hue ist aus zwei Sorten von Räumen aufgebaut: Regelmäßig flieht Ihr vor polternden Felsbrocken oder sprintet über bröselnde Brücken, während Ihr per Farbrad Laserfallen und Hindernisse entschärft. Das steuert sich tadellos, in puncto Leveldesign wird aber nur Genre-Standard geboten. Spannender und anspruchsvoller sind rätsellastige Räume, in denen Ihr mit Köpfchen und Herumprobieren zum Ausgang gelangen müsst. Sind die Aufgaben im ersten Spieldrittel noch rasch lösbar, werden die Anforderungen zum Ende hin auch weil dann alle acht Farben Eures Rades zum Einsatz kommen komplexer und befriedigender.
Nebenbei erzählt Hue eine kleine, spannende Geschichte und lässt Euch 28 Sammel-Objekte suchen. Tolles Feature am Rande: Selbst Farbenblinde können mit Hue ihren Spaß haben setzt im Menü einen Haken und schon werden hilfreiche Symbole eingeblendet.
Matthias Schmid meint: Gute Idee, dieses allmächtige Farbrad. Mindestens ebenso gut ist die Steuerung dieses Features: Sobald ich den rechten Stick in eine Richtung drücke, friert das Spielgeschehen fast ein und ich kann die nächste Farbe für den Hintergrund selektieren. Ich nehme den Finger vom Stick und wie von Zauberhand ist das Level verändert: Unsichtbare Elemente werden plötzlich sichtbar, andere (vielleicht gefährliche) Objekte dafür ausgeblendet. Am besten ist Hue, wenn mir die Entwickler große Rätselräume vorsetzen, wo ich mich zwar auch mal ärgere, am Schluss aber mit einem Grinsen im Gesicht zum Ausgang gelange. Die Schwierigkeit ist fordernd, aber nie frustrierend, die ruhige Klavier-Untermalung gefällig, der Grafikstil charmant. Etwas länger hätte das Spiel aber ruhig sein dürfen…
Kluges kleines Rätselspiel mit guter Steuerung, simpler, aber schöner Optik und feiner Musik.
| Singleplayer |  | 77 |
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| Grafik |  |
| Sound |  |