Ein neues Subgenre erobert die Gunst der Spieler: Sogenannte Helden-Shooter mit MOBA-Anleihen (kurz für: Multiplayer Online Battle Arena) schwappen vom PC in die Konsolenwelt. Paragon oder Overwatch sind nur zwei Beispiele. Einen etwas anderen Ansatz verfolgen die Borderlands-Macher Gearbox Software, die mit Battleborn viele Arena-Prinzipien mit einer kooperativen Kampagne verknüpfen. MOBA-typisch trifft sich ein fünfköpfiges Online-Team, um gegen Kontrahenten anzutreten und sich Herausforderungen gegen KI-Gegner zu stellen. Das erklärt auch den Zwang zur Online-Anbindung selbst bei Solo-Einsätzen. Doch alleine macht dieser Team-Shooter nicht halb so viel Spaß.
In der überflüssigen Story mimt die hinterlistige Varelsi-Rasse den Übeltäter, der das Universum übernehmen will. Deshalb stellen überlebende Völker ihre Battleborn-Helden, um sich der Gefahr zu entledigen. Bevor die Einsätze losgehen, steht die Qual der Wahl an: Denn Ihr dürft in die Rolle 25 unterschiedlichster Archetypen schlüpfen, die durch beendete Herausforderungen nach und nach freigeschaltet werden. Alle übernehmen spezielle Aufgaben wie Support, Scharfschütze, Frontkämpfer oder Verteidiger. Zudem verfügen sie über eine vorgegebene Primärwaffe und aufladbare Fertigkeiten.
In der kooperativen Kampagne erwartet Euch auf den ersten Blick Ego-Action im Stil von Borderlands. Mit Eurem Krieger folgt Ihr dem linearen Levelverlauf sowie den Aufgabenstellungen und beharkt ständig nachrückende Feindesheere. Vor allem optisch erinnert das Geschehen dank überdrehtem Comic-Stil, dicken Cel-Shading-Explosionen und markigen Heldensprüchen an die berühmten Werke der Macher. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten bereits auf.
Denn der gewählte Heldentyp bestimmt Eure Spielweise. Als gewöhnlicher Soldat Oscar Mike mit Sturmgewehr und aufladbarer Granate gestaltet es sich noch einfach. Rath verfügt über rasiermesserscharfe Schwerter, mit denen er sich durch jeden Gegner schnibbelt. Auch als muskulöser Riese Montana mit Gatling-Kanone ist die Vorgehensweise klar: ab ins Getümmel und ballern, was das Zeug hält. Aus der zweiten Reihe dagegen unterstützen Fernkämpfer wie Bogenschützin Thorn und Robo-Mensch Marquis das Team. Vergesst auch nicht, einen Heiler wie Miko in die Party einzubringen, der Gesundheit für Kollegen und Gift für Feinde austeilt.
So vielfältig die Vorgehensweisen sind, so eingeschränkt verlaufen die Kampagnenaufgaben: So knallt Ihr Angreiferwellen weg, verteidigt und schützt Stellungen und begleitet Verbündete zum Zielpunkt. Die Missionen und Gebiete der Koop-Kampagne wirken zwar abwechslungsreich aufgebaut, dennoch wiederholen sich schnell die Tätigkeiten. Die meiste Zeit seid Ihr mit ständig präsenten Fieslingen beschäftigt: Die Feindesschar reicht dabei von harmlosen Mini-Robos über bewaffnete Muskelprotze bis hin zu übergroßen, vielbeinigen Bossgegnern. Diese bearbeitet Ihr häufig in mehreren Phasen und schaltet oftmals auch deren Schilde und Lakaien aus.
Für weitere Taktik sorgen sammelbare Scherben abseits der Wege. Denn diese investiert Ihr in aufstellbare Automatik-Geschütze an vorgegebenen Punkten oder belohnt Euch mit ballerfreudigen Flugdrohnen als Begleiter. Mit steigender Erfahrung erklimmt Ihr zehn temporäre Heldenstufen. Bei jedem Anstieg habt Ihr die Wahl aus zwei frischen Fähigkeiten: Je nach Held steigert Ihr vielleicht Durchschlagskraft, Sprengwirkung, Abklingzeit oder Laufgeschwindigkeit. Ebenso schaltet Ihr zusätzliche Skills für Waffen oder Euren Helden wie den Doppelsprung frei. Auf diese Weise wächst Euer Bildschirm-Ego mit den immer schwerer werdenden Aufgaben. Jedoch beginnt jeder Charakter in der nächsten Runde wieder bei null. Was bleibt, ist ein höherer Kommandorang, der neue Darsteller und individuelle Loadouts freischaltet.
In Battleborn treffen sich zwei gegnerische Fünfer-Teams in drei Spielmodi auch zu Arena-Kämpfen. Bei Capture geht es darum, drei Stützpunkte einzunehmen und möglichst lange zu halten. Überfall beauftragt Euch mit der Zerstörung zweier gegnerischer Kampfmechs, während Ihr Eure Kriegsroboter zur Basis des Gegners geleitet. Die Blechkrabbler mischen im Kampfgeschehen tüchtig mit, dennoch sind gezielte Team-Angriffe auf den Feind vonnöten. Bei Schmelze dagegen geleitet Ihr Computer-Schergen zu Altären, wo diese geopfert werden und dem Team zu Siegpunkten verhelfen. In den PvP-Modi kommt es auf clevere Schlachtstrategien an, in denen das Team zum Überraschungsangriff ausholt, dem Gegner auflauert oder die eigenen Gebiete verteidigt. Auch hier nehmt Ihr Stützpunkte ein, sammelt Scherben und aktiviert Geschütztürme, um stückchenweise die Karte zu beherrschen. Obendrein mischen Trupps aus KI-Lakaien in den Scharmützeln mit.
Für mehr Abwechslung will der geplante Season Pass für etwa 20 Euro sorgen. Die enthaltenen fünf Downloads liefern mehr Helden, Story-Missionen und Skins.
Thomas Stuchlik meint: Die unterhaltsame Kombination aus Koop und PvP geht leider nicht ganz auf. Denn die kooperative Kampagne erzeugt dank eintöniger Aufgabenstellungen zu wenig Spannung. Dennoch erwartet Euch hier massig Action und kurzweiliger Ballerspaß mit gehobenem Schwierigkeitsgrad. Für länger anhaltende Motivation sorgen dabei vielfältige Heldentypen, die sich allesamt unterschiedlich spielen. Solisten werden jedoch nicht glücklich, da sich viele Charaktere nicht für den Alleingang eignen. Teamarbeit und Absprachen per Sprach-Chat entscheiden über Erfolg oder Niederlage. Nervig: Verbraucht Euer Team alle Extraleben oder geht Euer Zielobjekt drauf, scheitert die Mission. Checkpoints sucht Ihr vergeblich. Ärgerlich, da die Aufträge durchaus 40 bis 60 Minuten dauern können. Auch das Matchmaking kann dauern, und bei den teils chaotischen Schlachten geht dank überdrehter Grafikeffekte schon mal die Übersicht verloren. Dennoch finden Shooter-Fans hier schicke Arena-Action der anderen Art.
- 25 Helden mit variantenreichen Fähigkeiten und Erscheinungen
- 8 umfangreiche Koop-Missionen
- 3 PVP-Modi
- Season Pass mit 5 DLCs folgt
Der spaßige Comic-Shooter gefällt mit Koop-Action und Arenakämpfen nach MOBA-Vorbild witzig, ballerlastig, aber auch etwas abwechslungsarm.
| Singleplayer |  | 80 |
| Multiplayer |  |
| Grafik |  |
| Sound |  |