Der Film und Fernseh Thread

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  • #1727158
    captain carotcaptain carot
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    Epic MAN!AC

    Lockup: Überleben ist alles

    Vor 20-25 Jahren zuletzt gesehen (man, bin ich alt) war hier fraglich, ob das 80er Actionstück mit nem Schuss Drama noch funktioniert. Tut es tatsächlich, obwohl es kaum Klischees auslässt. Das liegt sicher auch ein Stück weit an Donald Sutherland als durchaus sadistischem Bürokraten. Alles in allem stimmt hier aber einfach das Gesamtpaket. Passende Besetzung, funktionierender Score, rundum routinierte Inszenierung, halt etwas viel Pathos und Knastklischee, aber Psthos und Klischee gehören halt meist auch zum Achtziger Actionkino.

    Sicher kein Must See, kann man sich aber auch heute noch geben

    Ach ja, das Bild war hier nicht gerade der große Bringer, aber das Ausgangsmaterial wird kaum dss beste gewesen sein und Unschärfe und Rauschen ist mir immer noch deutlich lieber als wenn jemand da zu viel an den Reglern gespielt hat.

    An Essner a day keeps quality away.

    #1727159
    ObermotzObermotz
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    Old School Checker
    Maniac (Mark II)

    Die Taschendiebin IMDb 8,1 läuft gerade in der SRF Mediathek, kann man wieder hier legal laden:
    https://mediathekviewweb.de/#query=%C2%ABDie%20Taschendiebin%C2%BB%20%E2%80%93%20Packender%20Thriller%20aus%20S%C3%BCdkorea

    Verwendet zum Herunterladen youtube-dl oder konvertiert das Video mit dem VLC Media Player. Zum Laden braucht ihr keine schweizer IP Adresse, ihr braucht sie nur wenn ihr direkt in der SRF Mediathek schauen wollt.

    #1727188
    ChrisKongChrisKong
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    Epic MAN!AC

    @Captain Carot

    Der Film ist auch wieder ein guter Beleg dafür, was man mit einem guten Soundtrack zusätzlich rausholen kann. Bill Conti ist mMn sowieso stark unterschätzt. Er hat sehr oft in Filmen von Stallone den Soundtrack beigesteuert. Sind wohl befreundet, Conti ist auch Italo-Amerikaner. Der gefühlvolle Soundtrack hilft in dem Fall die Szenen mitzutragen. Vergleicht man das mit ähnlichen Filmen, wo man da kein Augenmerk drauf legt, fällt einem sofort der Unterschied auf bezüglich Wirkung einer Szene.
    Auf dem Album the Resistance von Muse gibt es ein Stück, das mich immer wieder an den Film erinnert. Ab Minute 1:50, klingt wie von Conti.

    #1727466
    captain carotcaptain carot
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    Epic MAN!AC

    The Suicide Squad

    Schon alleine, weil viele den noch nicht gesehen haben werden werd ich mich hier kurz und knapp halten. Das Ding knallt einfach. Wird sicher nicht jeder mögen, aber ich hatte nicht nur wahnsinnig viel Spaß damit, hier wusste jemand genau, wie er der Vorlage nahe kommen kann.

    Audiovisuell ist das Ganze immer wieder eine Wucht, der Gewaltgehalt ist dabei aber auch recht ordentlich und so ganz nebenbei wird schon mal dezente Systemkritik geäußert.

    Eine gute Entscheidung war, nicht mit Harley Quinn als Bindeglied durch die Story zu führen. Margot Robbie darf zwar wieder der totale Hort des Chaos sein und auch immer wichtiger Wendepunkt, durch die Handlung führen aber primär andere Figuren.

    Wenig überraschend, ein beträchtlicher Teil der Squad geht diesmal tatsächlich drauf.

    An Essner a day keeps quality away.

    #1727480
    ChrisKongChrisKong
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    Epic MAN!AC

    Shang-Chi und die Legende der Zehn Ringe (Disney+)

    Landete im Zuge des Disney Plus Feiertags für umsonst im Micky Maus Streaming Dienst. Heute dazu gekommen, ihn mir anzuschauen. Der Anfang mutet wie ein China-Porno an, würde nur noch fehlen, dass Xi Xinping einreitet und sich feiern lässt. Macht der schon in echt. Aber bei Disney ist man offenbar der Meinung, dass man besser um die Volksrepublik herumhofiert. Schliesslich gehts ums Geld. So wirkt der erste Teil denn auch wie ein klassischer Wuxia-Streifen mit ein wenig Marvel-Budenzauber garniert. Das sieht alles sehr ansprechend aus.
    Dann wechseln die Schauplätze und man wähnt sich in einer Fast & Furious Episode versetzt mit Speed – nicht die Droge, sondern der gleichnamige Film mit Reeves und Bullock. Das funktioniert überraschend gut und ist toll choreografiert, wie auch der Rest des Films. Actionmässig gefällt mir das auch besser als das CGI-Gekloppe der üblichen Marvel-Filme. Die Nebenrollen sind mit namhaften Darstellern des Hong Kong Kinos besetzt. Tony Leung als Vater von Shaun und Michelle Yeoh, zu der es scheinbar keine Alternative gibt, als Tante. Und ein paar nette Gastauftritte bietet der Film auch und nicht nur die offensichtlichen.
    Wer Martial Arts mag, der kriegt hier eine entsprechende Dosis. Dass gerade zu Beginn viel im O-Ton (mandarin oder kantonesisch) gesprochen wird, ist gar nicht mal verkehrt. Humor gibts auch, Schauwert ebenfalls. Für einen launigen Nachmittag reicht das allemal. Gefiel mir besser als andere Marvel-Filme und war somit sogar positiv überrascht. Black Widow war dagegen ein Ärgernis und wenn ich einen langweiligen Marvel-Film suche, fällt mir zuerst Dr. Strange ein. Warum es in dem Film immer wieder mal RnB hat, der eher unpassend für die musikalische Untermalung ist, verstehe wer will. Da hätte es sich doch angeboten auf aktuelle chinesische Künstler zu setzen, die es mit Sicherheit auch gibt. Aber das hätte China, die sich schwer mit Künstlern tun, vielleicht nicht geschmeckt. Experimente macht der Film freilich keine, dafür aber auch kaum Fehler. Ist wie wenn man Dim Sum beim Chinesen bestellt. Mag exotischer schmecken als gewohnt, aber man weiss doch schon im Voraus wonach. Und so verhält es sich hier auch.

    #1727481
    JonnyRocket77JonnyRocket77
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    Maniac

    Der Unsichtbare von 2020.

    Der letzte Film zum Thema Unsichtbarkeit den ich gesehen habe war Hollow Man mit Kevin Bacon. Zur damaligen Zeit eine Effekt Orgie, aber kein wirklich guter Film. So etwas in der Art habe ich eigentlich wieder erwartet..da lag ich doch ziemlich daneben. Der Unsichtbare ist vor allem ein Psycho Thriller und zumindest in der ersten Hälfte ein überraschend guter. Elisabeth Moss, die Hauptdarstellerin liefert eine überzeugende Leistung ab. Man leidet wirklich mit ihr. Sehr angenehm mal ein normale Frau ohne Modelfigur und Botox im Gesicht in der Hauptrolle zu sehen. Macht den Film gleich sympathischer. Ob das Ganze jetzt 2 Stunden lang hätte sein müssen lässt sich streiten. Überhaupt macht die letzte halbe Stunde ein bisschen was von der tollen Atmosphäre kaputt die anfangs aufgebaut wurde. Insgesamt war ich aber doch recht angetan von diesem Film.

    #1727524
    The-Boy-Who-LivedThe-Boy-Who-Lived
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    Profi (Level 3)

    Schade, dass man bei “Shang-Chi” Donnie Yen nicht eingespannt hat, definitiv mein Lieblingsschauspieler aus dem chinesischen Raum und immer wieder überraschend vielfältig und überzeugend in seinen Darstellungen. Da hätte ich auch über meine Marvel-Übersättigung hinweggesehen. Mit “Raging Fire” und “John Wick: Chapter 4” definitiv zwei Titel, auf die ich sehr gespannt bin (bei letztem mehr wegen der Performance von Yen) und dann ist da ja noch die “Sleeping Dogs”-Verfilmung mit ihm in der Hauptrolle…

    Selten freue ich mich darauf, bestimmte Schauspieler auf der Leinwand (wieder)zusehen, bei ihm ist das immer der Fall.

    #1727529
    NightrainNightrain
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    Gold MAN!AC

    Disneys Jungle Cruise
    auf Disney+

    Eine fluffig erzählte Abenteuergeschichte á la Indiana Jones oder die Mumie – die mit Fraser, nicht Cruise -, darauf hatte ich so richtig Bock und auch wenn Jungle Cruise irgendwie im Trailer schon irgendwie künstlich gewirkt hat, habe ich mich echt drauf gefreut. Aber das hat man davon, wenn man wider besseren Wissens nicht mit dem Schlimmsten rechnet …
    Ok, ok, ganz so mies ist es dann doch nicht, aber wie Junkfood sieht es auf den Bildern ganz toll aus und am Ende hat man doch nur wieder gleich danach Hunger und ist enttäuscht. Aber eins nach dem anderen …

    19-irgendwas-mit-erstem-Weltkrieg, eine intelligente, smarte und über alle Maßen fähige Wissenschaftlerin – sie ist so uninteressant, ich hab mir nicht mal ihren Namen gemerkt – ist auf der Suche nach einem magischen Baum in Südamerika, dessen Blätter alle Flüche und Krankheiten heilen kann. Wieso Flüche? Nun, weil man irgendwie auch bei Fluch der Karibik klauen muss, weil die Deutschen als Gegenspieler einfach viel zu langweilig sind und daher auch noch CG-Zombies eingebaut werden müssen.
    Begleitet wird sie von ihrem leicht doofen Bruder, der als goofy Sidekick herhalten muss, nur dass die zwei nie die Klasse von Evelyn und Jonathan aus den Mumien-Filmen zu erreichen – und das waren schon eher charakterliche Leichtgewichte.
    In Südamerika angekommen treffen sie auf Frank, gespielt von the Rock, der noch am ehesten irgendwelches Charisma versprüht. Sogar seine Dad-Jokes sind irgendwie witzig, zumindest in der englischen Synchro … oder ich werde alt …
    Obwohl Frank die Statur eines Bodybuilders hat, lässt er sich vom örtlichen Ganoven herumschubsen und … ernsthaft mal, das ist einfach nur lächerlich und die Rolle hätte ein schmaler und eher schwächlicher Ganoventypen sein sollen!

    Die Drei fahren dann den Amazonas hinauf und werden dabei von den Deutschen in einem U-Boot und einer Gruppe Konquistador-Zombies verfolgt, die die Deutschen aus … Gründen … kontrollieren können. Die Zombies waren als Menschen auch auf der Suche nach dem Baum und weil sie gierig waren, wurden sie verflucht … kennt man auch irgendwoher …

    Eines muss man Jungle Cruse lassen, es passiert eigentlich immer was. Pausen oder Hänger gibt es keine. Zack! Zack! Zack! Eine Szene jagd die Nächste, aber ohne dabei irgendeine Relevanz an den Tag zu legen. Die Anfängliche Szene auf dem Fluss wirkt schon fast wie etwas, das kurz vor Schluss kommt und damit fehlt eben die Besonderheit, da auch viel CG ist oder man sieht, dass das Dorf, in dem die Reise beginnt, mehr eine Kulisse ist, als ein Ort, in dem jemand lebt.
    Und dazu kommen die eher uninteressanten Figuren, die wenig Chemie zueinander haben. Dazu sind beide Protagonisten in allem zu gut, womit sie austauschbar werden und auch die Lovestory aufgesetzt wirkt.
    Dazu kommt noch, dass man mal wieder ordentlich an den zeitlichen Gepflogenheiten dreht und die Protagonistin sich verhält wie jemand aus unserer Zeit. Ja, ihr wird gesagt, dass sie das oder jendes nicht kann oder soll, aber sie macht es trotzdem und das ohne Auswirkung.

    Unterm Strich ein Film, der mir so gar nicht im Gedächtnis geblieben ist und der einfach nur ok ist, ohne sonderlich mies noch sonderlich gut zu sein.

    Wer zappt so spät durch Nacht, TV, Games und das Weltweite Warten? DER NIGHTWATCHER!!!
    http://www.youtube.com/user/NightwatcherReview

    #1727582
    ChrisKongChrisKong
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    Epic MAN!AC

    Gemini Man

    Nein, das ist nicht der Mann, der die Gemini-Kroketten ausliefert. Dieser hier liefert Präzisionsschüsse aus. Der Film startet denn auch gleich mit einem Attentat auf einen Wissenschaftler, der in einem Zug sitzt. Da muss man schon wieder tief durchatmen. Dass ein solches Attentat auch aufgrund der Unberechenbarkeit nicht dümmer geplant sein könnte, akzeptiert. Aber mal im Ernst, es wird vorher und danach auch null erklärt, warum man die Zielperson überhaupt so erledigen muss und man nicht auf einem Bahnhof oder sonstwo gewartet hat. Das schreit alles nach dem üblichen Bubentrick. Und kurz darauf wird diese Methodik auch bestätigt. Was ich damit meine? Handlungen und Dialoge von Nebencharakteren dienen einzig dem Zweck die Awesomeness der Hauptfigur zu preisen. Ja, kennt man aus anderen Werken wie John Wick und Co. zur Genüge. Warum ausgerechnet Ang Lee solche plumpen Methoden einsetzt, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Nachdem Will Smith nun seine Deadshot-Rolle statt in The Suicide Squad hier nochmals wiederholt, darf man sich wenigstens auf ordentliche Action gefasst machen? Darf man. Zwar wird mit Übertreibung nicht gespart, aber die Verfolgungsjagden sowie die Attacken mit dem Motorrad sind wirklich spektakulär in Szene gesetzt. Actionmässig ist der Film nicht verkehrt. Der Ansatz, dass eine Person sein älteres Ego jagt, ist auch interessant. Bei der Verjüngung von Smith muss es wohl unterschiedliche Phasen, Methoden oder so gegeben haben. In den einen Szenen wirkt der junge Will recht befremdlich, später dann wieder meint man wirklich den Prince von Belair zu sehen.
    Die Nebenfiguren bedienen dann alle Actionfilmklischees. Der väterliche Vorgesetzte, die zwielichtige Chefin der Behörde, der böse Industrielle, die Newcomer-Agentin, der witzige Helfer, der Informant, der Freund, der geopfert wird. Nein, da wird praktisch nichts ausgelassen. Die namhaften Darsteller können da auch kaum Glanzpunkte setzen. Clive Owen ist hier wieder mal in der Rolle des Schurken zu sehen. Erbarmungslosen Blick aufsetzen und gut is.
    Aus der Prämisse hätte man deutlich mehr machen müssen. So bleibt ein oberflächlicher Actionfilm, wies ihn häufig gibt. Die Actionszenen lohnen aber wirklich. Darüber hinaus sollte man nicht viel mehr erwarten. Will Smith spielt solide, seine Fans können da bedenkenlos zugreifen.

    #1728086
    TabbyTabby
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    Profi (Level 2)


    Wusste gar nicht, dass es schon nen dritten Teil gibt.

    Electric chair, bzzt bzzt! Poison gas, cough cough! Torn apart like a paper plane in a hurricane!

    #1728105
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer
    Epic MAN!AC

    Little Things

    Der Kurzbeschrieb des Films erinnert an Filme wie Zodiac von David Fincher, Destroyer mit Kidman u.a. Der Denzman wirkt wie Sly in Copland, behäbig, nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Sein Gespür für die “kleinen” Dinge an Tatorten wird alsbald wieder mobilisiert. Einst ausgemustert aus dem ordentlichen Polizeidienst, amtet er nun als Deputy in einem County fernab seiner alten Wirkungsstätte. Eine Überführung von Beweismaterial führt ihn eher zufällig zurück und mitten hinein in eine Mordserie, die irgendwie auch mit der Vergangenheit des Ex-Cops zu tun hat. An seiner Seite ist Rami Malek als leitender Ermittler unterwegs.
    Der Film atmet deutlich den Geist seiner Vorbilder und bietet viele Versatzstücke, die man schon in zahlreichen Filmen gesehen hat. Man tappt dabei leider recht schnell in die Falle der Gefälligkeit, die Handlung allzu einfach voranzutreiben. Washingtons Figur bewegt sich an Tatorten und dgl. als hätte er einen Auftrag. Das FBI wird angesprochen und das Revier verzichtet auf deren Einbindung. Da Serientäter oft grenzübergreifend ihre Verbrechen begehen, wäre das FBI hier eindeutig zuständig. Dadurch erweckt man die Befürchtung, dass man jetzt kein Drehbuch mit cleveren Nuancen erwarten darf. Und genauso ist es denn auch. Das Thema der kleinen Dinge, ist so beiläufig und irrelevant, dass man hier von einem nicht wirklich passenden Titel sprechen kann. Einzig im Finale spannt man noch ein wenig den Bogen dazu, indem das Gewissen von Maleks Cop beruhigt wird. Bis dahin ist der Film auch durchweg spannend, aber die Enthüllungen sind mir zu fahrig implementiert. Der Film bietet nicht wirklich viel, das eine zweite Ansicht mMn lohnenswert machen würde. Da würde ich eher eine der Alternativen bemühen, die in sich kohärenter sind. Destroyer, Zodiac hatte ich schon genannt, Insomnia von Nolan, True Detective Staffel 3 sind weitere Crime-Highlights, die man meint in Little Things zu erkennen aber runder wirken.
    Die Darsteller machen den Film sehenswert, die Handlung ist auf Spannung ausgerichtet, die Inszenierung wirkt aber manchmal dem entgegen. Man hätte einiges besser machen können. Wer von diesen Thrillern Nachschub braucht, kriegt hier eine etwas unausgegorene Variante, die auch ein paar Stärken hat, vornehmlich bei den Darstellerleistungen.

    #1728109
    ChrisKongChrisKong
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    Epic MAN!AC

    Where to invade next – Michael Moore erobert die Welt

    Die Dokumentation von Michael Moore ist aktuell in der SRF Mediathek verfügbar. Keine Ahnung, von wann die ist, aber mit Sicherheit vor der Pandemie, so viel, wie da Hände geschüttelt werden. 🙂 Michael Moore liefert die für ihn typische Doku ab. Im Intro teasert er etwas an, dass er gar nicht so liefert, sondern nutzt es als Aufhänger, um einmal mehr den Problemstaat Amerika zu konfrontieren. Dabei spart er nicht mit der für ihn üblichen Polemik und Zuspitzung. Die Defizite der Vereinigten Staaten werden den mehrheitlich westeuropäischen Rosinen gegenübergestellt. Er erwähnt es sogar einmal, dass er sich auf die besten Lösungen konzentriert, denn er ist ja in der Mission, neues Territorium für Amerika zu erobern und diese Errungenschaften der Zivilisation mit nach Hause zu nehmen, symbolisch als Kriegsbeute. Die kumpelhafte Art von Moore erleichtert ihm natürlich enorm den Gesprächszugang, zumal die Interviewpartner sich von ihrer besten Seite präsentieren können. Kritisch hinterfragen tut er nichts. Mehrheitlich ist er in Nord-West-Europa unterwegs, einmal verirrt er sich nach Tunesien und Slowenien darf Osteuropa vertreten. Dabei pickt er sich wie gesagt ein System heraus und vergleicht mit den USA. Das sind aber klar die Idealfälle. So finde ich den Start schon recht missraten, ein Hohelied auf Italien im Bereich der Arbeitsrechte anzustimmen. Klar, seine Interviewpartner mögen in dieser privilegierten Situation sein, aber wie viel von der Industrie in Italien wird wohl durch schlecht geschützte Wanderarbeiter verrichtet? Man denke nur an die Textil-Industrie, dessen Zustände schon oft ein Thema in den Medien waren.
    Aber Akkuratesse ist auch nicht Moores Stärke. Ist hier jetzt auch nicht unbedingt von Relevanz, wenn es ihm darum geht, mit dem Finger auf den Missstand im eigenen Land hinzuweisen und wie man es besser machen könnte. Tatsache ist, die USA machen in vielen Bereichen sehr viel falsch, vieles davon gründet auf Ideologien, die fragwürdig sind und einem komischen Selbstverständnis. Eine der besten Episoden ist die mit dem Vergleich Deutschland. Die Aufarbeitung von historischen Missetaten findet in Amerika wohl mehrheitlich nur im Kino und TV statt. Und auch dort ist man immer noch dabei aufzuholen, der jahrzehntelangen Beschönigung und Falschdarstellung entgegenzuwirken. Insbesondere werden die Geschädigten dieser Politik bis heute nicht entsprechend würdig behandelt, ganz im Gegenteil. Die Systeme sind so ausgestaltet, dass Mitspracherechte eingeschränkt werden, Sklavenarbeit (Gefängnisse der USA sind nichts anderes als das) gefördert wird und junge Menschen schon früh in finanzielle Abhängigkeiten geschickt werden. Von der Basis bis zum Ende, einfach übel.
    Am Ende folgt noch ein kleiner Twist, der in seinem Impact aber nicht ganz die Wirkung entfaltet. Dafür wirkt er ein wenig zu sehr drangeklatscht, weil sich Moore bei der ganzen Breite zu wenig Zeit nehmen kann, zu den Hintergründen in den einzelnen Ländern. Manchmal sieht man Ansätze, aber die eigentlichen Lernprozesse in diesen Ländern, die er invadet, werden nur sehr grob skizziert.
    Für Fans bisheriger Dokumentationen von Moore wie z.B. Sicko. Seine beste finde ich immer noch Bowling for Columbine, gleich vor Roger and Me. Hier hätte er weniger breit sondern eher tiefer graben sollen. Aber trotzdem gut, um Diskussionen zu lancieren. Leider werden diese wohl nicht dort stattfinden, wo sie sollten und wenn, dann wohl eher in einem unsachlichem, gehässigen Stil, der Moores Dokumentation wie eine Liebeserklärung ans amerikanische System erscheinen lässt.

    #1728203
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer
    Epic MAN!AC

    Der Rausch

    Thomas Vinterberg liefert einen weiteren interessanten Film ab. Dies obschon seine Tochter Ida kurz nach Beginn der Dreharbeiten verstorben ist (Quelle Wikipedia). Ihr ist der Film gewidmet. Vor diesem Hintergrund würde man mit einem Film rechnen mit deutlicherem melancholischen Einschlag. Das ist aber nicht der Fall. Oft ist der Film so leicht und flüchtig wie verdunstender Alkohol. Und um eben jenen geht es in Vinterbergs Film. Im Grunde stellt der Alkohol die einzige Konstante dar. Man kann die Aussage so interpretieren, dass das Individuum den Effekt des Alkohols chaotisch scheinen lässt. Die An- und Auffälligkeiten werden verstärkt und sichtbar gemacht. Im Film sind es vier befreundete Lehrer an derselben Schule, die ein Experiment wagen. Sie überprüfen eine These, wonach der Mensch mit Alkoholmangel geboren wird und erst richtig ab einem Promillegehalt von 0.5 funktioniert. Martin, gespielt von Mikkelsen, ist erst der skeptischste in der Gruppe, aber bald schon mittendrin im Rausch.
    Vinterberg zeigt in allen Facetten und Konsequenzen, wie der Mensch auf Alkoholkonsum reagiert und was es mit ihm macht. Im einen Moment wird der Genuss zelebriert, im anderen die Unausweichlichkeit sozialen Niedergangs. Viel deutlicher kann man Paracelsus’ die Dosis macht das Gift, nicht präsentieren. Dabei arbeitet Vinterberg eben nicht mit erhobenem Zeigefinger, er veranschaulicht lediglich die Wechselwirkung menschlichen Verhaltens. Die Kluft zwischen Ambition und Realität verschweigt er nicht und so bleibt der Konsum während des ganzen Films eine Gratwanderung. Ein ebenso schmaler Grat wie zwischen Wahnsinn und Genie. In einer Szene hebt er die Annahme vice versa auf, gute Menschen tun verünftige Dinge und schlechte unvernünftige. Die Pointe sieht man zwar kommen, trotzdem sehr gelungen.
    Wer also ein schwermütiges Alkoholiker-Drama erwartet, dürfte enttäuscht sein. Vinterberg behandelt das Thema mit einer gleichzeitigen Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit. Man spürt deutlich heraus, dass hier ein recht cleveres Drehbuch seine Dienste verrichtet. Inszenatorisch hat Vinterberg für mich noch klar Luft nach oben. An einigen Stellen könnte der Film auch mehr Tempo vertragen. Nicht jeder Handlungsstrang muss reifen wie Wein. Da fand ich den letzten Film, den ich von ihm sah, die Jagd, deutlich dichter, ohne dass auf die üblichen Charakteristika eines Dramas verzichtet wurde.
    Obs jetzt der beste nichtenglischsprachige Film des letzten Jahres war, mag ich Angesichts der Fülle an Filmen nicht beurteilen. Ein paar Längen weniger und ich könnte diesem Urteil eher zustimmen. Macht aber nichts, denn Vinterberg schafft es auch hier einmal mehr, Denkanstösse zu liefern und Probleme der Gesellschaft komplexer zu diskutieren, als das üblicherweise der Fall ist. Werde sicher noch weitere Werke von ihm schauen, nach das Fest, die Jagd und jetzt der Rausch sind das ja erst drei gewesen. Dänemark hat etwas mehr als halb so viele Einwohner wie die Schweiz. Aber filmmässig sind sie uns meilenweit voraus. Das dänische Kino ist immer wieder einen Blick wert.

    #1728255
    captain carotcaptain carot
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    Epic MAN!AC

    Wandavision
    Jetzt erst zuende gesehen, weil Frau unbedingt noch mitgucken wollte, aber dann auch immer wieder nicht. Nun denn, die Serie legt zwischendurch ne ziemliche Entwicklung hin, kann storyseitig durchaus was bieten und dabei, denke ich zumindest, Comicfans auch bedienen ohne dem Durchschnittszuschauer dabei allzu sehr vor den Kopf zu stoßen.

    Einige Handlungsstränge kommen am Ende kürzer als nötig, was primär die Nebenfiguren betrifft und natürlich kann man sich den FInal Fight nicht so ganz sparen. Außerdem macht sich bemerkbar, dass die X-Men Rechte und damit auch Scarlet Witch und Quicksilver als Namen nun bei Disney liegen. Mal gucken, wie das zukünftig genutzt wird.
    Mit Monica Rambeau taucht auch eine Captain Marvel Figur auf, die hier neue Kräfte erlangt und durchaus Potenzial hätte. Auch hier wüsste ich gerne, ob Disney was draus macht. Die Figur soll ja zumindest in The Marvels erneut auftreten.

    Unterm Strich jedenfalls gute Unterhaltung

    An Essner a day keeps quality away.

    #1728264
    DGSDGS
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    Gold MAN!AC

    MCU Phase Vier feat. Black Widow, Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings, WandaVision, The Falcon and the Winter Soldier & Loki (Eternals hab ich nicht gesehen)

    Ein weiterer Lockdown in Österreich und ich hatte die letzten Abende nichts besseres zu tun. Und, weil die Qualität der Filme und Serien von belanglos bis “das hat Potenzial” rangiert, handle ich einen Teil der vierten Phase einfach mal in einem Aufwasch ab.

    Was mir auf Anhieb aufgefallen ist, das Art Design und die Effekte, die nötig waren, um den Green Screen auszufüllen, schauen immer gleich aus. Das liegt wohl an geteilten Produktionsressourcen. Nur, so wirkt das gesamte World Building in den doch recht unterschiedlichen Settings nicht gerade inspirierend, teilweise sogar austauschbar.

    Belanglos für den gesamten Handlungsstrang ist Black Widow. Auch blieb mir kaum eine Szene in Erinnerung. Mehr habe ich zu der unnötigen Filmepisode eigentlich gar nicht zu sagen.

    Shang-Chi sticht immerhin mit zwei Kampfszenen heraus, vor allem deren Choreographie. Aber wirklich gelungen sind die Kämpfe nur im Vergleich mit anderen MCU Streifen. Mit Genre Größen kann man nicht mithalten. Aber hier wird zumindest kurzweilige Action geboten. Dabei ist die Geschichte nur ein Sammelsurium an China-Klischees, nichts Erwähnenswertes.

    Da sind die Prämissen der Disney+ Serien wesentlich interessanter. Die Drehbücher kommen teilweise fast schon als Gedankenexperimente daher, die den Verlauf der vierten Phase wohl am nachhaltigsten beeinflussen werden.

    Dabei ist die Metaebene, auf der sich Wandavision zu Beginn abspielt leider nicht wirklich zu Ende gedacht und entpuppt sich schlussendlich nur als Redesign der titelgebenden Heldin, weil Marvel zuvor die Rechte am Charakter von Fox zurückgekauft hat. Zudem verwendet man einiges an Zeit dafür einen Charakter wiederauferstehen zu lassen. So viel zu den vermeintlich unumkehrbaren Konsequenzen während der Ereignisse in Infinity War und Endgame. Das hinterlässt bei mir einen fahlen Beigeschmack.

    Genau gegenteilig verhält es sich mit The Falcon and the Winter Soldier. Die jederzeit vorhersehbare Handlung fängt die Folgen des „Blip“ richtig gut ein. So gibt es im Spannungsfeld von Verlust, Wiederkehr, Ausgrenzung und Vertreibung extrem starke Momente. Leider bleibt in den sechs Folgen die Entwicklung einiger interessanter Charaktere auf der Strecke und im Mittelteil wird die Handlung auf Schnelldurchlauf geschaltet und stakkatoartig erzählt.

    Und zum Abschluss Loki. Der für mich bis hier hin interessanteste Beitrag zur vierten MCU Phase. Im wahrsten Sinne des Wortes ein Türenöffner. Aber leider könnte das auch ganz schnell nach hinten losgehen, weil nun vom kompletten Reset bis hin zum absoluten Chaos alles möglich ist. Jedenfalls, die surrealen Momenten gepaart mit Endzeitstimmung, weil es für die Varianten keinen Ausweg zu geben scheint, hat was.

    Aber das Parallelwelten eine zentrale Rolle in der vierten Phase einnehmen würden war eh klar, weil Kevin Feige schon vorab Regeln dafür aufgestellt hat und mit Spider-Man steht im Dezember ja schon das nächste Kapitel mit genau diesem Thema an.

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