Filmzirkel nach einer Idee von Fred Fenster

Home Foren Off-Topic Filmzirkel nach einer Idee von Fred Fenster

Ansicht von 15 Beiträgen - 61 bis 75 (von insgesamt 502)
  • Autor
    Beiträge
  • #1176218
    Anonym
    Inaktiv

    @Fred Fenster:
    “oder war war da das Zwillingsparchen?”
    Nein, die Tote und Christian waren die Zwillinge …

    … was mich auf den Gedanken bringt, dass dieser tote Zwilling eigentlich nur eine Darstellung des Teiles im Innern des Opfers ist, der durch die Misshandlung abgestorben ist.

    “ich nehme mal an, dass ihm als einziger seiner Geschwister die Übergriffe seines Vaters erspart geblieben sind (habt ihr das auch so verstanden, oder hab ich nur was verpasst?) und er eher verwöhnt wurde, daher sich nicht richtig unterordnen kann und eben so zu der Person geworden ist, die er im film darstellt.”
    Ich habe das so verstanden, dass Michael nichts davon mitbekommen hat, weil er auf einem Internat war.

    #1176219
    Anonym
    Inaktiv

    Ok, sorry … *reißverschluss am mund zuzieh*

    #1176220
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    @Nightrain, wie gesagt bitte erstmal nur die Erstmeinung und den Rest bitte noch nicht lesen und darauf antworten, dazu bleibt in der Diskussionsphase genügend Zeit. Wobei, lesen kannst du natürlich schon, sorry, ich meine natürlich nachdem die ungefilterte Meinung raus ist, aber bitte bitte nicht auf andere Beiträge jetzt eingehen. Danke.

    Edit: Macht nix, in der Diskussion kannst du uns dann alle vernichten :-)

    #1176221
    DerSebomatDerSebomat
    Teilnehmer

    Also meine Erstmeinung zu “Das Fest”

    Puh! Die ersten Worte die mir dazu einfallen: anstrengend, zäh, langweilig. Ist wohl nicht meine Art Film. Unterhält mich nicht und bringt mir keine neue Erkenntis. Weder spannend noch lustig. Nicht neu und nicht originell. Aber muss es das denn immer sein? Wahrscheinlich nicht. Und ich denke mal – und da bin ich ehrlich – ich bin solche Art Filme einfach noch nicht gewohnt und/oder nicht intellektuell genug dafür. Der Film hat ja einige Preise eingeheimst und muss damit ja irgendwo ein kleines Meisterwerk sein, zumindest nach der Ansicht von einigen Filmkritikern.

    Ich mag den Protagonisten Christian, dem man von Anfang an anmerkt, dass ihm was auf der Seele liegt. Ich find seine durchgeknallten Geschwister auch ganz witzig. Sein Bruder, der Frau und Kinder wie Dreck behandelt. Die Schwester, die auch ordentlich einen an der Klatsche hat. Es fällt ziemlich schnell auf, dass in der Familie wohl einiges schiefgelaufen sein muss. Aber bei der Familienfeier muss natürlich der Schein nach außen beibehalten werden, dass es sich hier um ein Musterbeispiel einer ordentlichen Familie hält. Was nur leider kurz klappt. Als Christian den Vater die Rede wählen lässt, und dann lauthals verkündet, dass sie als Kinder sexuell missbraucht wurden, ist das schon ein ordentlicher WTF-Moment und gibt dem Film nen gewissen Drive. Und die Anklage, dass der Vater am Selbstmord von Christians Zwillingsschwester Schuld sei, ist natürlich der Super-Gau. Dennoch hätte ich mir gewünscht, da würde dann noch mehr kommen als nur die Aufdeckung einer Familientragödie und der (späten) Einsicht des Vaters, dass er die Leben seiner Kinder für immer zerstört hat.

    Der Film ist ein Spiegelbild für zerrüttete Familien und die Verlogenheit unserer Gesellschaft. Da mag man viel rein interpretieren können und das genial finden, ich empfinde das als langweilig.

    #1176222
    Esorb RedEsorb Red
    Teilnehmer

    Uff…

    Also wäre es nicht für die Beteiligung an diesem Thread, ich hätte den Film spätestens nach zwei Minuten ausgemacht. Ich bin ehrlich gesagt schon sehr skeptisch an den Film rangegangen. Wenn ich an europäische Filme denke, denke ich meist an Langeweile, wobei es auch durchaus gute Streifen gibt, wie z.B. “Adams Äpfel”, übrigens auch ein dänischer Film, wobei auch hier die langweiligen Stellen nicht zu leugnen sind. Diese Dogma 95 Sache liest sich außerdem wie eine Anleitung zum produzieren von Scripted Reality Formaten. Wer sich die einzelnen Punkte anschaut, sieht die Paralellen.

    Aber zum Film:
    Die wackelige Kameraführung und das körnige Bild haben mich erstmal ganz schön abgeschreckt. Auch die Einführung der einzelnen Charaktere… Ach. Ich mach’ es kurz und zähle die Dinge auf, die mir gut gefallen haben.

    Die Szene in der Michael mit der Kellnerin Michelle (?) im Bad streitet, gefiel mir hinsichtlich der Bildkomposition sehr gut. Beide wurden von hinter der Scheibe der Dusche, nehme ich mal an, gefilmt, in welcher sich das Spiegelbild des im Zimmer befindlichen Spiegels spiegelte. Wenn also Michael die Sicht versperrte, sah man beide aus einem anderen Winkel durch das sich spiegelnde Bild. Warum zum Teufel gar nicht mehr zur Sprache kam, dass Michael die Frau brutal zusammengeschlagen hat verstehe ich allerdings nicht.

    Als Christian seine erste Rede hält und nach der netten Einleitung auf einmal der Vorwurf des Missbrauchs kommt, war schon gut gemacht, wobei ich dennoch gerne wüsste, was auf dem gelben Zettel gestanden hätte.

    Das war’s eigentlich auch schon an Dingen die mir besonders positiv aufgefallen sind. Der Rest, naja. Der Film dümpelt so vor sich hin. Die anwesenden Personen verhalten sich meines Erachtens nach nicht besonders realistisch. Natürlich sehe ich ein, dass es durchaus Familien gibt, in denen schlimme Dinge lieber totgeschwiegen werden und sich alle weiter so verhalten als wäre nichts gewesen. Aber Tuscheleien gibt es immer. Hier scheint es so, als ob die nicht handelnden Personen im Film gar nicht zuhören würden, bei den Dingen die sich Sohn und Vater sagen. Keine Reaktion. Wenn man sowas sehen will, dann braucht man keinen Film anschauen, da kann man auch auf seine eigenen Familienfeiern gehen.

    #1176223
    Fred FensterFred Fenster
    Teilnehmer

    oh mann..und jetzt noch bis Mittwoch warten, bis wir diskutieren können.
    nur mal allgemein: ich hatte eig. auch nicht gedacht das festen so ein arthouse streifen ist…

    @nightrain: die zwillingsthese überzeut mich – mir war jetzt nicht mehr ganz klar, wie die verwandschaftsverhältnisse waren. andere these bieten jedoch noch diskussionsbedarf^^ und ist Blood Tea and Red String dieser Puppenfilm?

    #1176224
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    @Fred Fenster Nein, noch mehr Regelbrecher. Wie gesagt, jetzt keine Details diskutieren. Das ein Testballon ist, werde ich sonst die Diskussion schon vorher starten, wenn alle ihren Ersteindruck verfasst haben.
    Die, die schon geschrieben haben, können ja schon mal die anderen Beiträge lesen. Aber wie gesagt, bitte keine Diskussionen über die nächsten Filme etc.
    Ich werde dann nach diesem Pilotversuch, die Idee von Nightrain umsetzen, dann werden die Filme künftig gesondert in einem zweiten Thread besprochen werden, wo es nur Ersteindrücke gibt und anschliessende Diskussion zum Film und in diesem Thread hier können Vorgehen und Vorschläge besprochen werden.
    Ansonsten wird es wirklich zu mühsam. Danke an Nightrain für das konstruktive Feedback.

    #1176225
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Die Arthouse Premium DVD kam relativ fix und so bin ich nun ebenfalls in den “Genuss” dieses Filmes gekommen.

    Zuerst möchte ich kurz zur Optik eingehen. Ich finde jetzt nicht wirklich, dass der Film gewinnt, wenn er sich den Dogma Regeln unterwirft. Dazu gehört ja nur mit dem Licht zu drehen, dass sowieso vorhanden ist, z.B. Das Ganze soll so an Authentizität gewinnen, was es ja auch tut. Es wirkt so, als halte ein Familienmitglied mit einer schlechten Handykamera drauf.
    Ich finde diesen Stil aber eben auch anstrengend und macht für mich den Film auch nicht wirklich besser. Für mich hätte es gereicht, wenn man das partiell so gemacht hätte, aber sich dann Totalen von der schönen Kulisse anzusehen mit diesem miesen Bild auf dem Flat im 4:3 Format ist nicht gerade das Gelbe vom Ei.
    Musik wird ja auch nur eingesetzt, wenn sie wirklich gespielt wird. Und doch ist es Schauspiel. Nicht dass ich jetzt zwingend eine musikalisch untermalte Überdramatisierung brauche. Aber es hilft sicher den emotional bindenden Teil zu verstärken.
    So fühlt es sich zwar pur an, ist aber dennoch gekünstelt, da die Schauspieler halt doch nach Drehbuch agieren.

    Worauf ich hinaus will, ich mach die Qualität des Inhalts nicht vom Stil abhängig, aber im besten Fall unterstützt es die Story oder Atmo, die der Film vermitteln will.
    Dies gelingt so meiner Meinung nach nur bedingt.

    Dann möchte ich mich zu den Darstellern äussern. Die machen ihre Sache sehr gut und wirken authentisch. Hier sind Könner am Werk und das merkt man.
    Lustig fand ich, dass Gbatokai (der Schauspieler heisst auch so) eine jüngere Ausgabe von Obama sein könnte und Thomas Bo Larsen (Michael) mich an den jungen James Spader erinnert, äusserlich aber auch vom schauspielerischen her, aber wie gesagt, den jungen Spader.
    Die Nebendarsteller in dem Drama spielen auch sehr gut bis solide, viel zu tun kriegen sie aber nicht, die Audience bleibt ziemlich farblos, ok, bis auf Gbatokai :-)

    Vermute da aber auch mal eine Absicht dahinter, die geladenen Gäste sind das Publikum und verkörpern für mich die Ohnmacht der Gesellschaft, die sieht und hört, aber doch wegschaut und taub ist.

    Und schon sind wir mitten im Film.

    Der Einstieg war etwas langatmig, aber das hab ich auch nicht anders erwartet. Die Charaktere benehmen sich halt wie richtige Menschen, unlogisch, unberechenbar.
    Dass mit Michael was nicht stimmt, wird schon relativ früh klar, das kommt gut rüber, der Darsteller wirkt immer so, als sei er wo ganz anders.
    Sein Bruder hingegen versucht seine Schwächen und Unsicherheiten mit Aggressivität zu überspielen.

    Viele Sachen werden nur angedeutet, so hat Michael sich wohl bei früheren Treffen mit der Familie danebenbenommen, sodass er zur Persona non grata wurde.
    Aufgegriffen wird das aber später nicht mehr, ebensowenig wie die Geschichte mit den Freimaurern.
    Das Bild von den einzelnen Personen wirkt sehr fragmentarisch.

    Früh erfährt man von einem verstorbenen Familienmitglied, hab erst später gemerkt, dass es eine Schwester und nicht die Mutter war. Über die Art des Selbstmordes wird sich ausgeschwiegen, sie starb wohl in einer Badewanne, vermutlich Schlaftabletten und dann ertrunken, oder selber die Luft angehalten.

    Das Verstecken des Abschiedsbriefes fand ich eigentlich clever, wirft aber die Frage auf, warum dies so spät erst bemerkt wurde.

    Ganz allgemein erfährt man chronologisch so gut wie nichts, man weiss nur wie alt der Vater wird, weil er seinen 60. abfeiert. Aber wie lange die Geschehnisse zurückliegen wird nicht thematisiert.
    Es bleibt alles fragmentarisch.

    Der Freund von Helen, Gbatokai, fungiert dabei als Abgesandter des Zuschauers, den er in dieses Parlaments der Heuchelei und der Ohnmacht geschickt hat.

    Das Personal wirkt im Hintergrund und der Küchenchef weiss über die dunklen Geheimnisse bescheid, mehr noch, sorgt er dafür, dass Christian sich diesen stellt.

    Überhaupt hat die ganze Szenerie den Charakter einer Intervention.

    Die Zwillinge sind ja Christian und Helen. Und ich gehe mal davon aus, dass sich deren ältere Schwester das Leben genommen hat, weil sie mit dem Missbrauch nicht klar kam.
    Aber das spekuliere ich lediglich, ich glaube nicht, dass das zur Sprache kam, ob sie älter oder jünger ist. Michael ist wohl älter, der war ja schon weg und hatte den Missbrauch nicht mitgekriegt.
    Die Mutter wusste wohl auch davon, aber ihre Charakterisierung bleibt eigentlich weitestgehend auf der Strecke, hier hätte ich gerne mehr erfahren.

    Warum da dann der kleine Ausflug in den Rassismus Dänemarks unternommen wird, erschliesst sich mir nicht so wirklich, die Gesellschaft wirkt auch so schon krank und eben ohnmächtig.

    Eine kleine Traumsequenz ist dann auch mit dabei, wo die verstorbene Schwester, die wohl eine besondere Beziehung zu Christian hatte, ihn auffordert mitzukommen. Hatte was Lyncheskes.

    Bei der Familienkonstellation kann ich aber letztlich auch nur spekulieren, aber als Christian eröffnet was passiert ist, da sagt Helen später, sie wisse es nicht und müsste es ja wissen.
    Das kann ja nur sein, wenn sie einer der beiden Zwillinge ist, die eben abwechselnd vom Vater missbraucht wurden. Die verstorbene Schwester aber hat wohl mit beiden Spiele gespielt. Und so eben auch den Abschiedsbrief versteckt.
    Aber die starke Bindung zu Christian, könnte darauf schliessen lassen, dass die verstorbene Schwester der Zwilling von Christian ist.
    Spielt aber eigentlich auch nicht wirklich eine Rolle.

    Die Auflösung am Schluss kommt erschreckend realistisch rüber. Die Konfrontation der Vorwürfe mit dem Vater wirkt wie eine Zäsur, um mit den Wunden der Vergangenheit abzuschliessen. Christian und Helen profitieren sichtlich davon, Michael wird sich erst wirklich bewusst, dass diese Familie gescheitert ist und was sein Vater angerichtet hat.

    Letzten Endes bleibt es eine Momentaufnahme dieser Familie.

    Nun zu meinem Fazit:

    Die Geschichte taugt, die Inszenierung ist nicht so mein Fall, auch wenn ab der Hälfte schon eine gewisse Sogwirkung entsteht, ähnlich einem Cronenberg oder Lynch Film, ohne deren Surrealismus.
    Aber die Schauspieler und die Geschichte reissens wieder raus. Irgendwie entsteht aber bei mir der Eindruck, dass das Ganze als Buch sehr viel besser aufgehoben wäre.
    Hab in dem Bereich schon wirklich einschläferndere Filme gesehen. Das war dieser Film nicht, auch wenn er Längen hatte. Insgesamt also ein interessanter, stellenweise anstrengender Film, dessen Auflösung zwar realistisch ist, aber eben halt doch die Wucht anderer Dramen vermissen lässt. Dies mag aber eben am dogmatischen Ansatz liegen.

    #1176226
    Fred FensterFred Fenster
    Teilnehmer

    @ chris: ok sry.
    hatten wir nicht anfangs gesagt, dass wir nur einen Threat machen, damit das forum nicht “zugemüllt” wird? also nicht, dass ich dagegen wäre – ich fänd einen 2. threat auch besser.

    #1176227
    Fred FensterFred Fenster
    Teilnehmer

    splendid!

    #1176228
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    @Fred Fenster Du siehst, ich hab gesagt, ich bin da relativ flexibel, wenn es um Vorschläge geht und der von Nightrain ist praktikabel. Und von wegen zumüllen, also da haben wir ganz andere Threads, die könnte man schon eher so kategorisieren :-) Wie gesagt, wird beim nächsten Film dann umgesetzt, dann können wir nämlich auch parallel zur Filmdiskussion den nächsten Vorschlag besprechen und die Posts mischen sich nicht unnötig.

    #1176229
    HarrikulesHarrikules
    Teilnehmer

    Das Fest von Thomas Vinterberg

    Zum Regisseur
    Thoms Vinterberg war Teil des Dogma95 Kollektivs dadurch wird auch die Grobkörnige Kamera und der unbearbeitete Look des Films erklärt. Es war einer der ersten Dogma Filme und kam dadurch auch zu Internationalem Ruhm. Ansonsten hätte wohl kein Hahn danach gekräht.

    Zum Film
    Der Film beginnt mit der Anreise der Kinder zum Geburtstagsfest des Vaters da wären Christian, Helene und Michael von denen erstmal die grundsätzlichen Charakterzüge gezeigt werden, Christian der Ruhige, Helene die Chaotische und Michael der Aggressive. Sie kommen an und begrüßen zusammen die Gäste. Beim Essen läuft dann alles so wie man es von Familienfesten kennt man sitzt steif zusammen, keiner hat so richtig Lust und nach der Vorspeise gibt den ersten Toast, Sohn Christian lässt seinen Vater wählen welche der Zwei Reden die er Vorbereitet hat er halten soll der Vater wählt die grüne die Wahrheitsrede. Christian stellt sich hin und erzählt im lustigen Ton darüber wie er und seine verstorbene Zwillingsschwester mit ihrem Vater Baden gehen mussten und dann von ihm Vergewaltigt wurden. Bis hierhin fand ich den Film toll im Sinne von heikles Thema aber gut angegangen und auch die Reaktion der meisten ist so wie man sie sich Vorstellt es wird nicht darüber geredet oder sich damit auseinandergesetzt nein wenn dann ist der Junge ein Störenfried mit einen ausgeprägten Fantasie, nur leider wird es dann schnell hektisch und konfus, Christian will abreisen wird aber vom Koch einem alten Freund überredet zu bleiben und weiterzukämpfen das ganze Personal scheint auch eingeweiht zu sein und möchte ihm helfen, im Ernst was sollte das denn?
    Als Christian dann die Vorwürfe wiederholt wird er von Michael aus dem Haus geworfen und im Wald an einen Baum gebunden von dem er sich dann später aber wie von Geisterhand befreien kann.
    Währenddessen produziert Helene ihren eigenen Skandal indem sie ihren Farbigen Freund Gbatokai
    mitbringt der auch gleich bei seiner Ankunft von Michael diskriminiert wird und was später seinen Gipfel findet indem er mit allen Gästen ein rassistisches Lied singt. Schöner Einfall und gut gefilmt aber eine überflüssige und für die Dramaturgie des Films völlig unnötige Eskalation.
    Auch erneute Vorwürfe gegen Vater und Mutter von Christian werden von beiden bestritten bis Helene den von ihr früher am Tag gefundenen Abschiedsbrief der Toten Schwester vorliest die sich das Leben, aus Angst vor einem erneuten Missbrauch genommen hat, jetzt brechen alle Dämme der Vater beschimpft die Zwillinge und meint sie wären Talentlos gewesen und auf die Frage nach dem Warum kommt nur ein „Ihr wart nicht mehr Wert“. Ein klassischer Höhepunkt hier sehr Emotional und gut eingefangen.
    Im Schlussteil des Films sieht man wie der inzwischen völlig betrunkene Michael zu seinem Vater geht ihn beschimpft und verprügelt, der Vater lässt es über sich ergehen. Christian will eigentlich abreisen bricht dann aber an der Rezeption zusammen, sieht im Traum seine Schwester und wacht neben Pia wieder auf als Helene ihn weckt. Dann sitzen sie alle zusammen trinken, tanzen und spielen Klavier.
    Diesen Teil empfand ich als absolut unnötig und unlogisch.
    Am Morgen beim Frühstück sitzen wieder alle zusammen und unterhalten sich bis die Eltern den Raum betreten und der Vater sich für den Missbrauch entschuldigt und danach von Michael des Tisches verwiesen wird. Abreise Ende
    Gerade der Schluss hat mich geärgert das Helge auf einmal so unterwürfig daher kommt wäre noch in Ordnung gegangen aber gerade das Selbstgerechte von Else der Mutter die nie etwas gesehen haben wollte und Michael der eine alte Affäre Mittags noch aufs übelste verprügelt hat, hat mich sehr angewidert.

    Mein Fazit
    Fand ich den Film gut? Nein aber auch nicht abgrundtief schlecht, Mittelmaß wäre hier das richtige Wort, einige Dinge wie zu Beispiel wie das Fest eingefangen wurde und die Dynamik zwischen einigen Leuten fand ich sehr gelungen andere haben mich sehr gestört wie zum Beispiel das Ende.
    Mit der Wackelkamera hatte ich kein Problem sowas kann ich immer schnell ausblenden und auf Bild und Ton kam es hier eh nicht an.
    Vielleicht hätte der Film mit einem besseren Buch besser werden können was mich, glaub ich, am meisten gestört hat das ich ein schweres Drama erwartet habe der Film aber einen eher leichten, lockeren Ton hat der so gar nicht zu dem Thema passt.
    Ein klassischer Film der Marke ok nicht richtig gut aber auch nicht richtig schlecht, nur sehr viel Potential das verschenkt wurde.

    #1176230
    UllusUllus
    Teilnehmer

    Zweite Meinung zu “Das Fest”

    Was bei dem Film auffällt ist die leicht hektische Schnitt Technik und die Kameraeinstellungen, welche sich von meinen vorrangig konsumierten amerikanischen und asiatischen Filmen unterscheiden. Anscheinend eine wacklige Handkamera.

    Requisiten und Bühnenbild wird keine große Bedeutung zugemessen.

    Zuweilen gibt es kaum musikalische Untermalung, die sehr wenigen Szenen sind durch keinen Soundtrack unterlegt, sondern die Schauspieler selbst bzw. Statisten sorgen durch etwas Klavierspiel und Gesangdarbietung dafür.

    Dieser musikmässige Aspekt passt zur Thematik des Festes und ist auch der bei Zeiten glanzlosen Atmosphäre dienlich, welche man zudem als trocken aber dennoch authentisch bezeichnen kann.

    Einen interessanten Charakter stellt der farbige Gbatokai dar, der Freund von Christians Schwester Helene, der nur Englisch spricht, aber irgendwie mehr versteht, als es den Anschein hat.

    Desweiteren kommen hier keine absolut aufgetakelten und übermässig geschminkten Modepüppchen wie in amerikanischen Produktionen vor, sondern ganz normale Bürger.

    In dem dänischen gut gespielten Kammerstück (gilt auch für die Dialoge) werden eine Menge Personen bloßgestellt, jeder auf seine Art und Weise. Kritik und Vorwürfe, inklusive. Daß dies manchmal in Anwesenheit solch einer Menge Leute stattfindet, ist nicht nur blamabel sondern auch kein Balsam für’s Ego.

    Und den eigenen Ruf sollte man ja besonders pflegen.

    Überhaupt erinnert mich das alles an eine “gespielte Idylle”

    Ab einem bestimmten Punkt im Film nach einer gewissen Enthüllung gelingt dem Streifen etwas was mir neu war, er spielt dann einerseits mit der Erwartungshaltung des Zuschauers und andererseits durch die Thematik bedingt mit der Erwartungshaltung der anwesenden Gäste.

    Das Fest ist ein ungewöhnlicher Film, der es geschafft hat mich einigermaßen positiv zu überraschen. Allerdings finde ich das er vom Handwerklichen her besser und routinierter wirkt als vom reinen Unterhaltungswert.

    Nicht mein Fall, der Film !

    #1176231
    Marc29101971Marc29101971
    Teilnehmer

    Hallo Leute! Ich habe den Film nicht bekommen und somit auch nicht sehen können! Hab aber, was ich hier so gelesen habe, nicht viel verpasst! :-)


    @Chris
    : Du kannst mich wieder aus der Liste streichen. Ich werde dem Forum erstmal eine Weile fern bleiben müssen wegen privaten Problemen.

    Machts erst mal gut Leute! Bye

    #1176232
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    @Marc Schade, ich hatte mich schon sehr darauf gefreut. Ich hoffe du kriegst das wieder in den Griff und nimmst bald wieder Teil. Wenn ich Zeit habe, dann schicke ich dir eine Mail. Bis dann, man liest sich.

    Und damit ist eigentlich jeder, der Interesse bekundet hat, mit einer Meinung vertreten. Dass noch einer um die Ecke kommt ist mehr als unwahrscheinlich. Und darum kann man von mir aus nun die Diskussion starten.

    Ich mach da mal den Anfang und äussere mich zu den Erstmeinungen der Teilnehmer.

    Diskussionsstart

    @Sebomat

    So sind Dogma Filme meistens, da eben die Dramaturgie nicht konzeptionell entsteht. Darum ist ein Vergleich mit konventionellen Filme schwer bis unmöglich. Dazu weiter unten noch mehr.


    @Ullus

    Deine Feststellungen sind natürlich auf die von Fred Fenster aufgelisteten Regeln des Dogma95 zurückzuführen.


    @Fred
    Fenster

    Dem muss ich widersprechen, dass sich das Verhalten von Michael nicht ändert, gegen Schluss wird ihm vermutlich so einiges klar. Er war ja schon früh weg aus dem Haus im Internat und von daher passt die Bezeichnung Nesthäkchen eher weniger. Eher Wildfang. Wie gesagt, sein Verhalten soll von seiner Person eigentlich ablenken, die Schuld sucht er generell bei anderen.

    Das ist mir auch aufgefallen, danke dass du nochmals daran erinnert hast. Es stimmt nämlich, alle ausserhalb der Familie gehen den Eltern am Arsch vorbei und dazu zählen auch die Frauen und Freunde der Kinder.

    Die Mutter wurde eigentlich auch mMn völlig aussen vor gelassen, obwohl sie grosse Schuld auf sich geladen hatte. Ob sie überhaupt Reue empfindet ist eigentlich gar nicht so klar, sie scheint aber generell darauf konditioniert zu sein, ihrem Mann zu folgen.

    Und ja, dieser Aspekt der Unberechenbarkeit hat mir auch sehr gut gefallen, man weiss wirklich nicht was als nächstes kommt, auch wenn sich einiges doch abzeichnet, z.B. der Abschiedsbrief, da war klar, dass sie ihn vorlesen wird. Was aber nicht klar war, dass war die Reaktion darauf. Und genau das macht für mich auch die Essenz dieser Dogma Filme aus, um eben diesen Grad an Authentizität zu erreichen, sollen die Akteure eben wie im richtigen Leben Reaktionen zeigen, die ihren Charakteren entsprechen. Und genau das tun sie auch.

    Zur Zwillingspaarung, wie ich geschrieben habe, deutet sowohl einiges darauf hin, dass Helen und Christian Zwillinge sind, oder aber Christian und die verstorbenen Schwester. Wurde deren Namen genannt? Bin mir da gar nicht sicher.
    Ich komme wie gesagt zu dem ersteren Schluss, weil Helen erwidert, dass sie von dem Missbrauch wissen müsste, sollte stimmen was Christian sagt. Aber es ist halt nicht ersichtlich, ob sie das sagt, aus der Sichtwarte der Schwester, die das hätte mitkriegen müssen oder aber dass sie eben als Zwillingsschwester diese Sachen verdrängt hatte.
    Für die andere Version, wo Christian und die verstorbene Schwester Zwillinge waren, spricht deren Verbindung, die durch den Traum charakterisiert wird.
    Nur eben eindeutig wird das glaube ich niemals gesagt.

    @Nightrain

    Zur Zwillingsdiskussion, da muss ich dir wohl recht geben, je länger ich darüber nachdenke, würde es so rum mehr Sinn machen. Was natürlich klar ist, dass das nicht restlos geklärt wird, aber um Dogma95 zu entsprechen, reden die Personen halt so, ohne sich zu erklären oder die Situation, das macht in Real Life ja auch niemand wenn man sich kennt.

    Das Thema der Leugnung, die du ansprichst ist ein interessanter Punkt, da werden wirklich charakteristisch die verschiedenen Formen davon aufgezeigt anhand der Personen und wie sie damit umgehen.
    Die verstorbene Schwester wirkt dabei wie der Motor, der alles ins Rollen bringt.

    Auch hier wiederhole ich mich gerne und stelle fest, dass die Situation ein wenig mit einer Intervention vergleichbar ist, wo eine Person auch mit den Gedanken ihr nahestehender Personen konfrontiert wird.

    Zu deiner Kritik. Lustig, da kommen wir zu einem ähnlichen Schluss, dass der Film in einem anderen Medium besser aufgehoben wäre, bei mir wars die Idee der Buchform, wohingegen du zu einem Theaterstück tendierst. Nachvollziehbar, der eine Film von VonTrier ist ja auch mehr ein gefilmtes Theaterstück, Dogville. Aber das liegt wie gesagt sicher am dogmatischen Ansatz.
    Nur den Vorwurf, sich nicht auf ein Genre festzulegen, das verstehe ich wie gesagt als Kernelement der Dogmafilme, das Leben kann nunmal eben alles sein, das macht ihn eben authentischer, aber dramaturgisch natürlich kein Deut besser, ganz im Gegenteil.

    @Esorb Red

    Ja, dein Fazit kann ich nachvollziehen, liegt halt in der Natur der Sache. Eigentlich muss man sich das so vorstellen wie du es sagst, man nimmt einen Bunch an Personen, scripted ein paar Ereignisse und lässt sie dann machen und hält mit der Kamera drauf, fertig.
    Das Familienfest kommt darum mMn halt wirklich realistisch rüber, aber die Langeweile ist nicht Absicht sondern konsequenterweise die Spiegelung des Lebens.


    @Harrikules

    Ohne dass jetzt verharmlosen zu wollen, aber die Rede ist eigentlich von Missbrauch und nicht von Vergewaltigung. Das macht es kein bisschen besser, aber das ist gerade bei Missbräuchen in Familien vielfach der Fall, dass der sexuelle Kontakt ohne Spuren bleibt.

    Und von Geisterhand scheint er sich nicht zu befreien, glaube kaum, dass man jemandem mit einem Gürtel so effektiv fesseln kann, dass er sich nicht befreien könnte. Aber ich vermute mal, er macht sich Gedanken und nutzt diese Pause quasi. In dem Moment scheint ihm vieles durch den Kopf zu gehen, auf mich wirkt das so, als wolle er einfach Nachdenken, er wehrt sich ja auch nicht wirklich in dem Moment, zumindest ist das mein Eindruck.

    Der Schlussteil war für mich auch irgendwie nicht wirklich befriedigend, das liegt aber wohl einfach daran, dass wir vom Kino her eine andere Art Dramaturgie gewohnt sind und darum vieles immer sehr verdichtet wahrnehmen, das heisst, es muss immer alles unmittelbar Konsequenzen haben, ansonsten stimmt was nicht. Aber ist das im echten Leben auch so?
    Eben nicht und darum finde ich es eben auch richtig, dass sich die Menschen unlogisch benehmen, im einen Moment machen sie sich fertig, im anderen tanzen und feiern sie.

    Und da es ja keine Filmmusik im eigentlichen Sinn gibt, die eine düsterere oder schwermütigere Atmosphäre hätte heraufbeschwören können, ist der Ton des Films eben eher neutral, ich würde nicht mal sagen locker, sondern er wird halt nicht durch fremde Mittel verstärkt, das ist alles.

    @all Viel Spass beim Diskutieren.

Ansicht von 15 Beiträgen - 61 bis 75 (von insgesamt 502)
  • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.