Der Film und Fernseh Thread

Home Foren Off-Topic Der Film und Fernseh Thread

Ansicht von 15 Beiträgen - 12,856 bis 12,870 (von insgesamt 13,083)
  • Autor
    Beiträge
  • #1754818
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Glass Onion: a Knives Out Mystery (Netflix)

    Rian Johnsons zweiter Streich mit Benoit Blanc. Tonal kommt der tatsächlich etwas anders daher, was schon das griechische Postkarten-Setting verspricht. Benoit wirkt darin zum Teil wie ein aus der Zeit gefallener Fremdkörper. Das ist aber durchaus eine Methode, um seine Gegner im Glauben zu lassen, er wäre nicht so recht bei der Sache. Nur um dann mit seinem Geist zurückzuschlagen. Allerdings gehts Johnson überhaupt nicht darum, einen bierernsten Agathe Christie Streifen abzuliefern. So verballhornt er das Genre auch ein wenig und fokussiert wie schon beim Vorgänger auf den gesellschaftskritischen Kommentar. Die Anspielungen sind natürlich nicht gerade subtil geraten und Musk, amerikanische Politikerinnen die noch dümmer als Trump sind, Influencer mit dem gesellschaftlichen Nährwert eines Styropor-Riegels, Wissenschaftler, die ihre Prinzipien über Bord werfen und Vorbilder, die keine sind, alles drin. Leider liegt hier auch ein Problem, das Satire wirklich hat. Die Realität ist mittlerweile so grotesk, dass eine Überzeichnung kaum das Vorbild toppen kann. Hiermit kämpfte für mich schon Dont Look Up von Adam McKay. Hier muss ich dem Vorgänger klar den Vorzug geben, dessen kritisches Gesellschaftsbild weniger comichaft war und für mich auch mit besserem Humor geglänzt hat. So fand ich hier die Einführung der Charaktere etwas drüber und Kate Hudsons nervige Figur nimmt etwas zu viel Platz ein für meinen Geschmack.
    Der Cast ist hier auch etwas weniger interessant als beim Vorgänger. Spielt aber nicht so eine grosse Rolle, weil es Johnson nicht um Psychologisierung oder Charakterstudien geht, sondern mehr um gesellschaftskritische Mechanismen. Fake-News, Ideologisierung, Vermischung von Dummheit und politischem Willen, Kapitalismus, blinder Gefolgschaft usw. Das Schöne daran ist, dass man sich den Film auch bei bekannter Auflösung immer wieder mal geben kann. Denn eins darf man ganz klar sagen, auch wenn der Film ein paar Schwächen hat, so ist er dennoch ein grosser Spass. Zu einem grossen Teil liegt das auch an Craig, dessen Benoit man endlos zuhören könnte.
    Strukturell geht man ein wenig ähnlich vor wie bei Knives Out und macht mittendrin einen Break, der die Geschehnisse nochmals aus anderer Perspektive aufrollt. So ergibt sich nach und nach ein Bild aus vielen Teilen, die sich ohne grosse Erklärung fügen. Einzig das mit den Kisten zu Beginn hab ich nicht ganz in Einklang gebracht mit der Aussage von Benoit und der Reaktion von Miles Bron (Edward Norton). Hier muss ich wohl davon ausgehen, dass die Täuschung absichtlich war. Und zwar beiderseits. Sicher findet man im Netz dazu Hilfestellungen. Nötig hat der Film das freilich nicht, damit man der Geschichte folgen kann. Eine etwas elegantere Lösung hätte ich da aber vorgezogen. Was mich auch zu dem letzten Kritikpunkt des Films führt. Der finale Akt wird mit seiner technologisierten Lösung zwar irgendwo sinnigerweise zu Ende geführt, aber ähnlich wie bei Can You See Me verpufft die Wirkung ein wenig, weil man das Gefühl hat, hier einfach einen Spezialeffekt zu sehen, der von irgendwas ablenken soll.
    Auch da fragte ich mich, hat das der Film wirklich nötig oder ist diese Spielerei der Tatsache geschuldet, dass sein Publikum eine Art visueller Genugtuung braucht, um seine Erkenntnis als Happyend feiern zu können. Passend dazu gibts auch die einzige Dialogzeile von Benoit Blanc, die fast schon übertrieben hysterisch wiedergegeben wurde.
    Passt zu dem Setting mit den schrillen Charakteren sicher ganz gut. Daneben gabs auch viele komische Momente, Eastereggs und Referenzen, die mir gefallen haben.
    Womit ich nicht ganz glücklich bin, ist der Titel. Braucht es dieses Zugeständnis an den Vorgänger, damit der Zuschauer merkt, dass es sich hier um die Fortsetzung handelt? Knives Out war der passende Titel für den Vorgänger, aber hier als Zubrot ergibt er keinen Sinn. Vermutlich ging Johnson nicht von einer Fortsetzung aus, sonst wäre vielleicht sogar Benoit Blanc mit drin gewesen, damit auch der letzte Streaming-User merkt, es mit der gleichen Reihe zu tun zu haben. Also ein Fall, der auf dem vorhergehenden irgendwie aufbaut, ist das nicht. Die Fortsetzung wird dann eine Glass Onion Mystery sein. 🙂
    Mein Fazit fällt abseits der kleinen Kritikpunkte sehr positiv aus. Im Hinblick auf weitere Teile, bin ich froh, dass zumindest ein weiterer Film schon finanziert ist. Der darf dann gerne wieder mit eigenen Themen überraschen. Die thematische Durchdringung des Zwiebelmotivs war ja analog zu der Donut-Thematik in Knives Out. Ich bin sicher, dass Johnson an diesem Konzept festhält und genau diese Art der Kreativität macht einen Grossteil des Reizes aus. Man bleibt bei Glass Onion gespannt bis zum Schluss. Etwas mehr Erdung hätte ihm mMn nicht geschadet und die Problematik mit der Satire kann er leider auch nicht vollumfänglich kompensieren. Johnson hat viel aus seinem Cast rausgeholt, man spürt bei jedem den Spass, den er hatte. Aber Craig bleibt der Haupt-Act. Diese Reihe steht und fällt mit ihm. Viel besser hätte er sich auch nicht von Bond emanzipieren können. Diese Figur ist so anders. Und sieht man Craig bei seinem Spiel zu, kann man gar nicht glauben, dass man ihn für James Bond casten würde, respektive er es jemals gewesen ist.
    Wie andere auch, hoffe ich, dass Johnsons und Craigs Netzwerk hier ein wenig greift für die Fortsetzung. Adam Driver pflegt zu Beiden eine Verbindung. Nebst Craigs Auftritt als Stormtrooper in der Sequel Trilogie, hat Driver auch mit Craig in Logan Lucky zusammengearbeitet. Ich hoffe Drivers voller Terminkalender lässt es zu, denn ich bin sicher, dass er da gerne mitspielen würde. Ich hoffe inständig, dass Netflix da kein Mitspracherecht hat und Reynolds da reindrücken will.
    Ferner hab ich die Befürchtung, dass die Streaming-Exklusivität, die faktisch gegeben ist, nicht die Reihe nach dem nächsten Teil killt, weil es niemand mehr finanzieren will. Es ist schon ein Spiel mit dem Feuer, wenn man um die Volatilität der Entscheidungsfindung bei Netflix weiss. Denn eins ist sicher, wirkliche Alternativen sind rar gesät und ich will auch keinen Ersatz für Benoit, wenn ich das Original haben kann. Der Film wandert denn auch, sobald verfügbar, auf Scheibe in die Sammlung. Von all den Neuerscheinungen in letzter Zeit auf Netflix, ist das im Bereich Film, sicher die Beste.

    #1754864
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Morbius

    Dass Morbius nicht der beste Marvel-Film sein würde, war abzusehen. Die Frage ist eher, ob er das Schlusslicht bildet. Und da finde ich, gibts deutlich Schlimmeres. Der Film bläht sich auch nicht auf eine epische Lauflänge ala Eternals auf. Der erzählerische Gehalt ist dafür auch zu gering. Und wieder einmal sieht man eine Origins-Story. Das sollte man sich sparen, denn man wiederholt sich da einfach zu oft. Ähnlich wie bei zig anderen Streifen entstammt der Bösewicht aus demselben Sumpf. Dieser wird von Matt Smith gespielt. Seine Fähigkeiten beschränken sich nicht nur darauf, Opfer auszusaugen, sich schnell fortzubewegen und sehr stark zu sein, sondern er triggert beim Zuschauer permanent Fremdscham.
    Jared Leto erstaunlicherweise nicht. Netterweise hat er auch ein wenig Musik aus Bladerunner 2049 mitgebracht, ist doch total lieb von ihm.
    Ansonsten blieb mir nur noch Jared Harris als Mentor im Gedächtnis. Alle anderen Figuren sind nicht wirklich wichtig.
    Vielleicht brauchts da wirklich mal einen Paradigmenwechsel und die Einführung neuer Figuren soll nicht an deren Genese geknüpft werden. Es sind ja meistens eh die gleichen Geschichten. So verschwendet man ein ums andere Mal einen ganzen Film, der so erwartbar ausfällt, als würde man eine Wetterprognose 5 Min. bevor man rausgeht konsultieren.
    Am Ende gibts noch doppelten Post-Credit Nachschlag, der eigentlich interessanter ist als der ganze Film, zumindest Marvel-Fans dürften aufhorchen. Inwieweit aber Morbius eine zukünftige Rolle in den Plänen von Sony spielen wird, bleibt abzuwarten.
    Unterm Strich hatte ich nicht viel erwartet und wurde darum auch nicht gross enttäuscht. Venom 1 und 2 waren da für mich die weitaus bittereren Pillen. Morbius ist halt nie wirklich spannend. Als halbherziger Horrorstreifen funktioniert er dann noch weniger als als Superheldenfilm. Die Badass-Attitüde hat schon bei Venom kläglich versagt, hier kann sie sich noch nicht mal mit einem veritablen Schurken messen. Zu schnell ist das Gehampel dann auch abgefrühstückt.
    Was ich dem Film aber zu Gute halten muss, mit einer entsprechenden Heimkino-Anlage ist die UHD-Scheibe wirklich ein Brett. Was da für ein Sound rumkommt und mit welcher Wucht und Direktionalität, könnte gut und gerne die Referenzscheibe des Jahres sein. Hier muss man sich nicht hintenanstellen, sondern sortiert sich weit vor div. anderen Superhelden-Ausflügen ein. Auch wenn der Film selber nicht Überzeugungsarbeit leistet, die recht makellose Technik ist ein grosses Plus.

    #1754884
    captain carotcaptain carot
    Teilnehmer

    <b>Fast and Furious 9</b>
    Kurz und knapp was für ein Bullshit. Das Drehbuch könnte glatt ein Algorithmus geschrieben haben. Dummerweise kommt der Streifen dabei nahezu komplett ohne die Pluspunkte der Vorgänger aus. Teil 8 mag schon geschwächelt haben, aber das hier sind mehr als nur Fehlzündungen. >Vom handlungsseitigen Bullshit Bingo mal abgesehen wollen dieses Mal die allermeisten Actionszenen aber auch nicht zünden. Man hat halt auch irgendwie alles schon mal anderswo in der Reihe deutlich besser gesehen. Die Charakterchemie ist dieses Mal irgendwie auch null vorhanden und die Bösewichtseite langweilt dieses Mal höchstens. Damit bleiben selbst die Pluspunkte von Hobbs & Shaw auf der Strecke.

    Zu meiner Verteidigung: Ich war wegen Corona ziemlich erkältet.
    <b>Grand Budapest Hotel</b>
    Mal wieder so ein Kandidat, der aus verischiedensten Gründen viel zu lange auf meiner Watchlist stand. Bei Wes Anderson Filmen dürfte es ziemlich oft auf lieben oder hassen hinauslaufen, für meinen Teil fand ich Grand Budapest Hotel großartig. Tolle Kamera, bestens aufgelegter Cast, musikalisch perfekt untermalt. Ein extrem gelungenes Randdetail war für mich, dass die einzelnen Zeiten im passenden Format gefilmt wurden. Die 30er also in 4:3, in den 60ern Panavision und die 80er in 1,85:1. Einige 30er Szenen haben auch ordentlich Vignette, aber nie so, dass es übertrieben wirkt.
    <b>Conjuring 3</b>
    Also wenn das das Werk des Teufels war, dann höchstens beim Spannungsbogen. Der ist dieses Mal nämlich nicht so recht vorhanden. Innerhalb der ganzen Conjuring Reihe war das vielleicht der unspannendste Film bisher für mich, und das, obwohl man dank Patrick Wilson und Vera Farmiga weitestgehend am Ball bleib und obwohl die Tonseite mal wieder solide Arbeit abliefert.

    #1754926
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    The Lost City

    Nicht zu verwechseln mit Lost City of Z mit Charlie Hunnam. Lost City of D, wie der Roman im Film heisst und vermutlich wegen der Verwechslungsgefahr etwas anders betitelt wurde, ist mehr eine Persiflage auf Abenteurer-Romanzen. Bei der Prämisse, in der eine Autorin von schwülstigen Liebesromanen in ihr eigenes Abenteuer gezogen wird, muss man unweigerlich an “Die Jagd nach dem Grünen Diamanten” oder seiner Fortsetzung denken. Damals war es Kathleen Turner, die sich nach dem Prinzip, was sich neckt, das liebt sich, in Michael Douglas Abenteurer verlieben durfte. Hier wird das aber etwas anders aufgezogen.
    Buch-Cover-Modell Alan Dash (Channing Tatum) ist eine ziemlich dumme Nuss und ein wenig in die Autorin verschossen. Tatum gibt hier quasi eine Reprise seiner Rolle aus den 21 Jumpstreet Filmen und mixt noch ein wenig Magic Mike dazu. Autorin Loretta Sage (Sandra Bullock), die sich hier intellektuell eindeutig unter Wert verkauft, kann diesen Avancen zunächst nichts abgewinnen. Nachdem sie von Abigail Fairfax (Daniel Radcliffe) entführt wird, einem Milliardär auf der Suche nach einem sagenhaften Schatz, ist sie alsbald in einer Zweckgemeinschaft mit Dash vereint. Dieser wollte sie ursprünglich retten und engagierte einen ehemaligen Seminar-Leiter und Navy-Seal Jack Trainer (Brad Pitt). Natürlich läuft es dann nicht nach Plan. Die Agentin (Da’Vine Joy Randolph) von Loretta ist irgendwann auch mit von der Partie.
    Es wird ziemlich viel kalauert. Nicht jeder Gag sitzt. Und doch ist der Film von Anfang bis Ende sehr launig. Tatum hat ein gutes Timing, was bei Comedys unabdingbar ist. Der Auftritt von Pitt ist auch köstlich. Schön, dass er aktuell seinen zweiten Frühling erlebt. Man kauft ihm die coole Socke sofort ab. Radcliffe wiederholt hier auch etwas seine Rolle aus Can you see me 2. Bullock wirkt ein bisschen steif und unbeteiligt. Dass sie auch anders kann, hat sie in anderen Filmen schon oft gezeigt.
    Der Film will nicht zu viel, was gut ist. Die Gebrüder Nee – nicht verwandt mit den Rittern vom Nee – die für den Film verantwortlich zeichnen haben ordentlich abgeliefert. Etwas weniger Hochglanzoptik ala Netflix und ein paar in die Länge gezogenen Pointen weniger, hätten dem Film gut gestanden. Aber viel zu meckern gibt es sonst nicht, ich war eher positiv überrascht zumal ich bei Komödien aus Hollywood auch anderes gewohnt bin und dort vieles mittlerweile meide. Tatum sollte sich selber einen Gefallen tun und sich auch mal wieder um andere Rollen bemühen. Sonst wird er zusehends Opfer von Typecasts bleiben.

    #1755016
    JonnyRocket77JonnyRocket77
    Teilnehmer

    Heute Avatar 2 in 3D und HFR geguckt. Technisch habe ich einen beeindruckenden 3D Film erwartet, und ja den habe ich auch bekommen. Nicht in jeder Szene kommt das 3D so gut zur Geltung, manchmal wirkt es unnatürlich. Dafür gibt es etliche Szenen die einfach fantastisch aussehen. Tatsächlich besser als alles andere was ich bisher in 3D gesehen habe. Und das sind keine kurzen Momente, nein Cameron lässt dem Zuschauer viel Zeit diese Welt zu genießen. Und da gibt es einiges an Details zu sehen. Da hat sich jemand wirklich ausgetobt.
    Der Film an sich war gut, nichts wirklich bahnbrechendes. Man könnte da jetzt wahrscheinlich etliche Logiklöcher finden und die Charakterentwicklungen hauen jetzt auch keinen um. Ich hatte da aber auch keine großen Erwartungen. Sagen wir so, der Film brachte mich hin- und wieder zum mitfiebern.

    Resümee: Technisch zu 90 Prozent ein Meisterwerk mit ganz viel Herzblut. Ohne 3D betrachtet (das geht bei diesem Film aber eigentlich nicht) ein netter Film, bei dem ich überraschend oft an Free Willy denken musste.

    #1755097
    Anonym
    Inaktiv

    So Bock drauf 🙂

    #1755213
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Phantastische Tierwesen Dumbledores Geheimnisse

    Die Hintergründe zu diesem Film und was im Umfeld alles passiert ist, sind sicher ein Vielfaches spannender als der Film selbst. Wir haben da J.K. Rowling, die mit transphoben Aussagen Aufsehen erregte. Und das waren nicht irgendwelche Ausrutscher, sondern bestätigte sie bei div. Gelegenheiten. Das ist abseits von der Moral auch für die Filmreihe selbst problematisch, da diese ja in erster Linie junge Erwachsene und Jugendliche anspricht, die sich mit solchen Identitätsfragen und -findungsphasen auseinandersetzen. So könnte man auch die Obscuri als eine Art Transmenschen deuten, wobei schon der etymologisch abgeleitete Begriff – obskur (fragwürdig, zweifelhaft, anrüchig) – eine abschätzige Gesinnung vermuten lässt. Vielleicht ist diese fragwürdige Ideologie auch eher unbewusst da reingeraten, nur ausblenden kann ich das nun nicht wirklich.
    Dann ist da noch die Personalie einer Hauptfigur, Ezra Miller, die gleich auf zwei Warner Grossprojekte einen Impact hatte. Zum einen die Phantastische Tierwesen Reihe und natürlich auf das DCEU, wo er Flash spielt. Die ganzen Geschichten drum rum kann man ja nachlesen. Nur so viel, die Schlagzeilen helfen den Filmen sicher nicht, aber für die Boulevard-Presse ist das natürlich reinstes Platin.
    Dann gabs noch eine Neubesetzung in einer wichtigen Rolle. Johnny Depp war zum Zeitpunkt vor den Dreharbeiten aufgrund des Ehestreits, der vor Gericht div. Höhepunkte erreichte, zur Persona non grata geworden in Hollywood. Im Zuge der ganzen Metoo-Debatten war es schlicht undenkbar, einen mutmasslichen Gewalttäter an Frauen als Hauptfigur zu führen. Die Verhandlung förderte allerdings ein etwas anderes Bild zu Tage, nur war der Ruf da schon ruiniert und Depp bei Fantastic Beasts raus. Mikkelsen war da aber ein mehr als würdiger Ersatz.
    Mal weg von diesen Begleiterscheinungen, dieser Film ist schon eine kleinere Katastrophe. Und das hat div. Gründe. Vergleichbar mit Gone Girl, den ich ebenfalls schrecklich fand, ein Film, der sich zu keinem Zeitpunkt entscheiden kann, was er genau sein und erzählen will. Es wurde oft Harry Potter Prequel bemüht, was ich so nicht bestätigen kann. Der Film ist da schon eine Mogelpackung. Dumbledores Geheimnisse sind so langweilig erzählt und werden am Ende fast schon Deus ex Machina mässig in ihrer dramatischen Verkettung aufgelöst, dass es zum Einschlafen ist.
    Dabei startet man mit Bambi, wechselt zu Call me by your Dumbledore, macht ein bisschen Magie im Orientexpress und Miller nimmt am Snape-Cosplay-Wettbewerb teil. Waterston bleibt dem Film grösstenteils fern. Das ist für mich ein Pluspunkt, aber aus Sicht der Geschichte wirkt das auch so alibimässig hingerotzt. Auch da dürfen andere Gründe im Hintergrund ausschlaggebend gewesen sein.
    Newt und seine phantastischen Tierwesen wirken da auch nicht wie ein integraler Bestandteil der Geschichte, sondern ebenfalls nur drangeklatscht. Einfach damit der Titel irgendwie noch aufrechterhalten werden kann. Dabei ist hier gerade der Umgang mit den Tierwesen absolut fragwürdig. Die Tiere werden hier ja nur instrumentalisiert und objektifiziert. Das ganze Prozedere zur Wahl des Machthabers in der Magie-Welt ist kritikwürdig und kulminiert in einer hirnlosen Massenveranstaltung, bei der der Magiepöbel belustigt werden muss. Auweia, das hat schon Ami-Wahlkampf-Züge. Wird aber nicht grundsätzlich hinterfragt. Man hat ja diese moralische Instanz, die darüber Auskunft gibt, wer würdig ist und wer nicht. Am Ende findet dann auch noch so eine Art Ablasshandel für Dumbledore statt, in dem seine Feigheit auch noch belohnt wird. Da fragt man sich auch ehrlich, was wollen uns die Macher damit sagen?
    Ein weiteres grosses Problem ist diese fehlende Chemie zwischen Law und Mikkelsens Figuren und der fehlende Aufbau, um das Finale mit Dramatik anzureichern. Das ist im Grunde aber schon eine Fehlkonzeption an sich. Dumbledore wird aufgrund eines Zauberschwurs am Handeln gehindert. Anstatt man einen moralischen Zwist ins Zentrum stellt und die Figuren ambivalenter macht, verfällt man in die denkbar faulste Art und Weise den ganzen Plot zu konstruieren. Ich verstehe nicht, a) warum Dumbledore überhaupt mal Grindelwald gefolgt ist und b) warum er eine generell so passive Rolle einnimmt während der gesamten Machtergreifung Grindelwalds. Ich sehe also nicht, wie sich die beiden vielleicht schlausten Magier ein Schachduell der Extraklasse liefern, sondern eine konstruierte Situation nach der anderen. Das ganze Kofferspiel war so vorhersehbar, nur in einer Welt der Magier kommt das noch unverständlicher rüber.
    Der Konflikt Muggle gegen Magier wird genauso beiläufig thematisiert ohne jegliche Beteiligung ebenso wie Credence ganze Geschichte auch plötzlich nur noch Nebensache ist. Was das dann überhaupt noch mit phantastischen Tierwesen zu tun hat und und und. Es ist kaum etwas davon schlüssig beantwortbar oder in irgendeiner Form befriedigend. Man referenziert fleissig auf die Popkultur, findet aber nie zur eigenen Geschichte oder eigenen Ideen geschweige denn einer eigenen Identität. Man franchised sich förmlich durch den gesamten Film hindurch. Fast so, als wollte man sagen, wir erklären das alles später irgendwie in irgendwelchen Spinoffs. Anstatt sich also von der Harry Potter Reihe etwas abzugrenzen, erzählerisch andere Ansätze zu wählen und vielleicht etwas mehr menschliche Magie zu integrieren, wird man zum faden Abziehbild eines Franchises, dem man verzweifelt hinterherhechelt. Yates hat sich jetzt sieben Filme lang durchgewurschtelt, was eine respektable Leistung ist. Aber wie ausgebrannt und ideenlos er auch inszenatorisch agiert. ist spätestens jetzt jedem hoffentlich klar geworden.
    Mikkelsen ist verschenkt, Law auch. Da ich wirklich ein Fan von beiden bin und ihre Arbeiten sehr schätze, ist das eine umso grössere Enttäuschung. Eddie Redmayne wird hier auch zur dritten Geige degradiert. Von seiner Darstellung in der Reihe war ich nie wirklich überzeugt, das ständige Vorbeiblicken an Charakteren oder zwanghaftes Wegschauen ist zwar etwas besser als in den Filmen davor, aber vermutlich auch nur, weil er schlicht weniger zu tun hat. Fogler ist zumindest nicht ganz so nervig wie in den Filmen davor, aber als einziger Muggle wird auch seine Perspektive eher stiefmütterlich behandelt.
    Es bleiben zu viele Gelegenheiten ungenutzt. Die Reihe wird wohl nicht weiter fortgeführt. Warner wird dafür wohl wieder zig Gründe finden, warum die Reihe immer schlechter ankam, aber ob die richtigen Schlüsse gezogen wurden, darf angezweifelt werden. Hier stimmt einfach zu vieles nicht. Das Potenzial mehr zu sein als ein Spinoff wäre da gewesen. Wer seinen Kindern eine Botschaft zum Umgang mit der Umwelt vermitteln möchte, geht lieber in Avatar 2 und lässt diesen Film links liegen. Phantastisch ist hier lediglich wie Anspruch und Umsetzung auseinanderklaffen.

    #1755216
    captain carotcaptain carot
    Teilnehmer

    Den ersten Tierwesen fand ich ziemlich unterhaltsam wenn auch nicht großartig. Der letzte, naja. Kann das Fazit also weitgehend verstehen.

    Pluspunkt war IMO Mikkelsen als Grindelwald. Depp war da für mein Empfinden vom Anfang an eine Nullnummer, da war unterm Strich nix zu sehen.

    #1755221
    JonnyRocket77JonnyRocket77
    Teilnehmer

    Monstrous von 2022, gesehen bei Amazon.

    Eine Mutter (Christina Ricci) verlässt in den 50er Jahren ihren Ehemann um mit ihrem Sohn in einem einsamen Haus ein neues Leben zu beginnen. Dort möchte sich dieser jedoch nicht richtig einleben und wird auch bald von einem Monster aus dem benachbarten See heimgesucht.

    Hört sich ziemlich 0815 an. Ist es teilweise auch, jedoch reißt Ricci und das 50er Jahre Setting den Film aus dem Einheitsbrei heraus. Sowohl das Setting als auch Riccis Performance haben mir nämlich ziemlich gut gefallen. Die CGI Effekte im Film weniger, das schaut eher mau aus. So richtig gruselig wirds auch eher selten. Die Momente mit dem Monster sind nicht die Höhepunkte des Films. Der Twist gegen Ende ist in zwei Elemente geteilt. Wobei mich ein Teil dann doch überrascht hat. Der andere lässt sich erahnen, wobei die Szenen dazu wiederum die Stärke des Films sind.

    Alles in allem ein Film den man sich gern mal anschauen kann. Vor allem wenn man Christina Ricci mag, denn die zeigt hier eine durchweg gute Leistung.

    #1755232
    SonicFanNerdSonicFanNerd
    Moderator

    Zu Tierwesen:
    Der Erste war zwar (Yates-typisch) auch schon etwas zerfahren, aber installierte die Charaktere halbwegs interessant und Redmayne als magischer Tierpfleger war ok (wenn auch etwas blass).

    Schon der Zweite kranke dann wieder an dramaturgischen Schwächen (also noch mehr als der Teil davor halt), nem zerfahren Script (bzw. miesen Cutting) und die namensgebenden Tierwesen wurden da schon runtergedampft.
    Depp als Grindelwald hat ne passable Figur gemacht, wirkte aber nicht mehr als “Soll-Erfüllung”.
    Wie dann wer sich Grindelwald angeschlossen hat und aus welcher Motivation heraus entwickelt wurde war allerdings komplett Banane und diente nur dem Setup für Folgendes, was dann ja mal so gar nicht eingelöst wurde. Das bringt mich dann zu:

    Teil 3.
    Meine Güte was für ein Rotz.
    Sorry, aber der ist einfach unterirdisch. Nix passt, alles ist gehetzt, viele lose Strippen verlaufen sich im Sand, bzw. werden den vorigen “dramatischen” Vorbereitungen in keinster Weise gerecht.
    Die magischen Tierwesen verkommen hier zur kompletten Randveranstaltung.
    Mikkelsen als Grindelwald machte ne ähnlich passable Figur, ohne dass er sich da groß reinspielen müsste. Er wirkt halt rein aufgrund seiner Präsenz.
    Naja und dann dieses ziemlich beknackte Ende (alles muss irgendwie noch hastig beendet werden – und trotzdem hält man sich da noch ein Hintertürchen offen)…
    Den zentralen Konflikt zwischen “Dumblelaw” und Grindelmads hab ich übrigens nicht ein bisschen gefühlt. Da hätten sie mir auch ne Szene zwischen nem unbelebten Kiesel und nem größeren Felsen zeigen können, das hätte wohl mehr Impact gehabt (… und wurde tatsächlich in nem anderen sehr guten Film umgesetzt 🙂).

    Ich persönlich wäre im Grunde froh, wenn man den Ableger “Magische Tierwesen” dann nun einmottet und vor allem Yates (und Rowling gleich mit …) mal für mögliche zukünftige “Potterverse’-Projekte entfernen würde.

    #1755658
    Anonym
    Inaktiv

    Das Geheimnis von Montezuma

    Mit den “National Tresure” Filmen mit Nicolas Cage hat das mal gar nichts zu tun. Ok, sie bringen den FBI-Agent von damals mit ins Spiel, aber sonst … *schulterzuck*
    Ansonsten war ich angenehm überrascht. Die typischen jungen Leute unserer Zeit, mit keinem Geld aber riesigen Wohnungen und eigentlich keinen echten Jobs, sind erstaunlich wenig nervig. Und viel wichtiger, sie funktionieren miteinander, ohne dass er eine den anderen überflügeln muss und weswegen die Protagonistin die Beste ist; weil sie nur von goofy Idioten umgeben ist. Ja, sie ist klever und sieht gut aus, aber stolpert auch nur ihren Weg durchs Leben und hat ihre Probleme. Und ja, ich mag sie irgendwie. So sehr, dass ich gestern die drei ersten Folgen am Stück geschaut habe!
    Die Geschichte und die “kleveren Szenen” sind dabei ziemlich doof und an den Haaren herbeigezogen, aber hey, es unterhält ohne dabei belehrend zu sein. Und um ehrlich zu sein, ich finds bisher besser als die Filme, die ihre IP sponsorn mussten.

    #1755667
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Der denkwürdige Fall des Mr Poe (Netflix)

    Im Original heisst der Film The Pale Blue Eye. Was Netflix hier wieder bei der deutschen Titelfindung geritten hat? Scheinbar traut man einem Film generell nur noch zu, über Buzzwords zu seiner Klientel zu finden. Zumindest im deutschen Sprachraum. Wobei, wenn ich da an Glass Onion: a Knives Out Mystery denke, scheint das Problem doch tiefer zu liegen.
    Worum gehts? Ein sonderbarer Todesfall bringt den Ermittler Augustus Landor auf den Plan. In einer Kaserne hat sich ein Soldat erhängt. Natürlich steckt da mehr dahinter und alsbald wähnt man sich in einem ausgewachsenen Krimi im historischen Setting. Parallelen zu der Name der Rose, Vidocq, Pakt der Wölfe, Sleepy Hollow, Romasanta usw. sind nicht von der Hand zu weisen.
    Die titelgebende Figur ist hier in einer ähnlichen Rolle wie Adson von Melk in Annauds Meisterwerk und darf als Sidekick des Ermittlers und darf seine leicht juvenile Begeisterung als Sichtweise einbringen. Und Poe ist ein guter Beobachter. Gibt es hier nur ein Verbrechen oder gar ein ganzes Komplott? Erinnerungen werden auch an From Hell der Hughes Brothers geweckt ebenso wie an die Purpurnen Flüsse und DaVinci Code. Bales Figur ermittelt in elitären Kreisen und der Widerstand, der ihm entgegenbläst bedeutet nicht automatisch, dass dahinter der Täter steckt.
    Der Film gefällt mit seinen schönen Sets und der guten Kameraarbeit. Die Schauspieler sind auch über jeden Zweifel erhaben, in Poes Fall, der von Harry Melling gespielt wird, hätte ich mir aber noch etwas mehr Präsenz gewünscht. Da einige der Twists, die sich anbahnen, doch recht offensichtlich sind, hat man die Geschichte weiter angereichert, was dann doch etwas zu konstruiert wirkt, um vollends zu überzeugen. Das hat mich aber nicht extrem gestört und Futter aus dieser Abteilung nehme ich dankend an. Oben genannte Filme fand ich zwar alle besser, aber man macht hier doch vieles richtig. Eine wirklich übernatürliche Komponente wie in einigen der genannten Filme gibt es hier nicht, aber die Vibes in diese Richtung sind dennoch vorhanden. Schliesslich ranken sich um den echten Edgar Allen Poe auch div. Mythen, allein schon sein Tod gibt bis heute Rätsel auf.
    Erfreulicherweise krankt der Film auch nicht an den vielen Netflix-typischen Problemen, die man hätte erwarten dürfen.
    Kenner von Poes Werk werden sicher mehr von den Anspielungen mitkriegen, die definitiv drin sind. Ob das den Gesamtspass merklich erhöht, kann ich nicht beurteilen. Für mich war der Film eine positive Überraschung, ohne dass er das Rad neu erfindet. Poe war übrigens schon in the Raven mit John Cusack in einer ermittelnden Funktion tätig, der hat mir seinerzeit auch getaugt, aber an wirklich viel kann ich mich da leider nicht mehr erinnern.
    Sprach der Krimifan gebt mir mehr, sagte Netflix bitte sehr.

    #1755669
    Anonym
    Inaktiv

    Ich fand den Film anfangs recht gut, hab dann aber gegen Ende irgendwie den Spaß verloren. Dafür ist mir die Erklärung am Ende auch zu weit hergeholt und mir haben die Hinweise gefehlt. Oder hab ich was übersehen?
    Die Ausstattung und die Bilder fand ich traumhaft und es war mal schön wieder in dieser Epoche ein Thema zu finden. Eines hat mich aber sehr gestört und das war der Ton zwischen den Leitern der Akademie und dem Ermittler. Das hatte mir zu viel von: “machen Sie Ihre Arbeit, Detektive, sonst …”! Ja was denn sonst? Sie haben ihn gebeten die Ermittlungen durchzuführen und er ist nicht ihr Angestellter. Solche Ausbrüche passen eher zu einem Polizeichef, der einen Untergebenen angeht, aber nicht in dieses Setting.
    Ja, das Ende erklärt einiges, aber den ganzen Film über hab ich drauf gewartet, dass er sagt: “Fickt Euch, ich geh nach Hause! Macht doch Euren Scheiß allein!” – Natürlich in historisch korrekten Worten. 😉

    #1755816
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Na gut, die Auflösung erklärt ja, warum er nicht weggeht. Dass die Ausgangslage etwas unsinnig ist, da geb ich dir recht. Es ist ja nicht so, dass er wie William von Baskerville rein zufällig da reingeworfen wird. Allerdings scheint es auch so, als ginge es den Leitern einfach drum, möglichst schnell einen Sündenbock zu finden. Das wiederum erinnert ein wenig an Jack the Ripper.
    Man kann sich auch fragen, warum Poe sich dort aufhält, wenn er doch ständig das propagierte Mobbingopfer ist.
    Ein paar Parallelen zu Black Dahlia sind auch zu erkennen. Im Grunde funktioniert das Noir-Genre in unterschiedlichen Epochen recht gut. Vielleicht sollte man noch weiter in die Vergangenheit gehen. Eine solche Geschichte im antiken Rom spielen lassen oder dgl. Da gibts noch eine ganze Ecke mehr an Möglichkeiten und Settings, die interessante Ausgangslagen bieten würden.

    #1755825
    Anonym
    Inaktiv

    Die Vergangenheit bietet sich für solche Sachen immer sehr gut an, wobei man dann vorsichtig sein muss, nicht anachronistisch plötzlich Methoden einzuwerfen, die es damals nicht gab. Das zerstört bei mir dann immer die Illusion.

    Bin mal gespannt, ob sie nicht auch zukünftig einige Poe Werke aufgreifen, wie “Der Doppelmord in der Rue Morgue”. Ermittler Dupin ist ein ziemlich guter Holmes Vorreiter.>
    Aber auch Vidocq wäre interessant, wobei mir die letzte Inkarnation nicht so gefiel:

Ansicht von 15 Beiträgen - 12,856 bis 12,870 (von insgesamt 13,083)
  • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.