Der Film und Fernseh Thread

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  • Dieses Thema hat 13,073 Antworten, 191 Teilnehmer, und wurde zuletzt von Rudi RatlosRudi Ratlos vor vor 1 Woche aktualisiert.
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  • #1753627
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Men

    A24 hat bei mir mit seinen vielen Perlen einen Stein im Brett. Entsprechend bin ich auch immer gespannt, wenn etwas aus deren Filmschmiede auf dem Markt ist. Men ist auch wieder klassisches Arthouse. Was der deutsche Zusatztitel – Was dich sucht, wird dich finden – soll, will ich lieber nicht wissen. Ich schätze mal damit soll Horror ala It Follows assoziiert werden. Horrorfans sollten nichts drauf geben, der Film hat sicherlich Horror-Elemente drin, ist aber letztlich mehr Drama.
    Jesse Buckley, die in der vierten Staffel von Fargo brilliert hat, spielt Harper Marlowe, eine junge Frau, die sich auf einem englischen Landsitz eine Auszeit gönnt. Bald wird klar, warum sie das tut. Die Ehe und dessen Ende haben die junge Frau traumatisiert. Nach und nach werden die Ereignisse aufgeschlüsselt. Dabei hat sie in verschiedenster Form Gewalt erfahren. Physisch, psychisch und emotional.
    Leider mutiert ihr Urlaub immer mehr zu einer persönlichen Auseinandersetzung mit der Geschlechterrolle des Mannes in ihrem Leben. Dabei trifft sie auf verschiedene männliche Archetypen und Verhaltensweisen, die durch div. Charaktere verkörpert werden. Diese werden in dem kleinen Ort alle vom selben Darsteller, Rory Kinnear, verkörpert. Zum Teil wirkt das auch recht creepy und unatürlich, was die Atmosphäre aber weiter befeuert. Es sollte spätestens dann klar sein, dass es hier nicht um ein realistisches Szenario geht, sondern der symbolhafte Charakter der Umsetzung im Vordergrund steht.
    Die Umsetzung ist auch gelungen, muss allerdings sagen, dass ich mich ein wenig an typische Kurzfilme oder Episoden von Anthologie-Serien erinnert fühlte und das thematisch dort vielleicht in gestraffter Form besser gepasst hätte. So richtig überzeugt hat mich die Spielfilmlänge nicht.
    Alex Garland, der Regisseur des Films, hat ein recht breites Spektrum an Filmen in seiner Vita. Arthouse-Genre-Mixe sind ihm nicht fremd, z.B. Annihilation. Mit etwas mehr Feintuning liegt sicher noch etwas mehr drin.
    Die ästhetische Bildsprache sind auf der Habenseite und Jesse Buckley sowie Rory Kinnear schultern den Film sehr gut. Kinnear ist mir in einer wiederkehrenden Rolle in den Craig Bonds nicht hängen geblieben, dafür umso mehr als Frankensteins Monster in Penny Dreadful.
    Ein Film, der einen guten Ausgangspunkt für Diskussionen bietet rund um das Verhältnis zwischen Männern und Frauen und speziell dem Rollenbild des Mannes. Die weibliche Figur wird mit div. Ängsten konfrontiert, wie sie alltäglich erlebt werden. Natürlich wird das hier auf die Spitze getrieben, aber nicht in einer plakativen moralistischen Weise.
    Es wird hier im Grunde ein wenig der Film Antichrist von Lars von Trier invertiert, wo die Dämonisierung der Weiblichkeit das Unbehagen auslösen soll. Vielleicht ganz lohnenswert, beide Filme zeitnah zu sehen? Lars von Triers Werk ist für mich aber das bessere von beiden, lohnenswert ist Men aber trotzdem.

    #1753628
    Anonym
    Inaktiv

    Die “popkulturelle Bedeutung” fehlt mir bis heute, denn mit Blade hatte man schon deutlich früher einen schwarzen Superhelden. Steel war zwar als Film Scheiße, aber auch hier, schwarzer Superheld.

    #1753629
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Und welcher XXL Blockbuster hat auf so einen breiten, schwarzen Cast gesetzt? Genau, keiner. Für dich mag das vielleicht so sein, aber bei der Zielgruppe ist das was ganz anderes. Es geht eben nicht darum, einen Superhelden zu haben, sondern eben eine eigene Welt. Und der grosse Erfolg spricht hier auch eine eindeutige Sprache. Für deine Generation ist der Film auch nicht per se gemacht.

    #1753633
    Anonym
    Inaktiv

    “Für deine Generation …”? Sag mal Kong, hast Du ne vergorene Banane gefuttert? Wir dürften ziemlich dieselbe Generation sein!

    Und was heißt hier “der Zielgruppe”? Das Ganze läuft noch unter MCU und es ist ja nicht so, als wenn sie nicht ohnehin die zweite und dritte Garnitur auffahren, nachdem man die Schwergewichte schon abgeklappert hat. Da kann man mal auf der “Black Lives”-Welle mitreiten und abkassieren. Beworben wurde der Film vor allem mit “dem ersten schwarzen Superhelden” und eben nicht mit seinem Restcast. Dafür ist Wakanda als soziales Gebilde auch ziemlich am Arsch, angefangen bei einem Königshaus, dass jeder übernehmen kann, wenn er den amtierenden Monarchen im Zweikampf besiegt und damit endend, dass es da dieses hochtechnisierte und reiche Land gibt, welches sich in Mitten von Armut und Bürgerkrieg leidenden Nachbarstaaten versteckt, um ja nichts abgeben zu müssen.

    … und was Erfolg angeht, den hatten die Bay-Transformers auch – sie aber weder besser noch irgendwie bedeutend.

    #1753668
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Ich ess keine faulen Früchte, aber danke der Nachfrage. 🙂

    Ich glaube zu wissen, dass du nicht der Black Community in den USA angehörst und darum auch nicht über die Bedeutsamkeit eines Black Panthers nachdenken musst, die speziell eben diese Community adressiert. Womit der Film beworben wurde, ist letztlich genauso unerheblich wie, ob es der erste Film mit einem schwarzen Superhelden war. Noch hat die Qualität des Filmes was damit zu tun. Das kann man dem Publikum einfach zubilligen, ohne es in Abrede stellen zu müssen. Ich fand den Film auch guten Durchschnitt und nicht mehr. Aber dass er für bestimmte Leute eben sehr viel mehr ist, kann ich genauso akzeptieren.

    #1753671
    Anonym
    Inaktiv

    Was Du da schreibst, ist sicherlich alles richtig. Ändert nix dran, dass man auch hier wieder das Verhältnis von Disney/Marvel und ihren Kunden auf das Beispiel mit der Stripperin runterbrechen kann.
    Und müssen, muss ich gar nix. Außer sterben. Irgendwann. 😉 Ändert aber nix daran, dass man Themen diskutieren kann und auch sollte. Sicher wird man als nicht direkt Betroffener es nie voll verstehen können, aber d.h. ja nicht, dass man es nicht versuchen sollte.
    … und dann darf man auch irgendwann nicht mehr über Filme mit weiblichen, sonstwie-orientierten, eingeschränkten oder zu sonstwelchen Personengruppen gehörenden Protagonisten und Casts sprechen, zu denen man nicht vollumfänglich dazugehört. Können wir das Thema hier ja zumachen! 😉

    #1753731
    Anonym
    Inaktiv


    Schaut irgendwie ganz witzig aus.

    #1754086
    captain carotcaptain carot
    Teilnehmer

    Tatsächlich jetzt erst angeguckt, Joker

    Dem Film wird teilweise nachgesagt, an Taxi Driver und The King of Comedy zu erinnern. Beide hab ich vor Ewigkeiten gesehen, würde das aber durchaus unterschreiben. Feiert der Film seine New Hollywood Vorbilder zu sehr? Vielleicht, ich seh das aber persönlich nicht so. Vielleicht hätte es teils eigenständiger sein können, aber das Storygerüst funktioniert IMO einfach. Regie und Kamera feiern zwar klar die Achtziger, aber das hat schon mehr als reinen Retro Charme und wirkt aufgrund der zeitlichen Einordung erst recht passend. Dazu gibt es quasi durch die Bank gutes Schauspiel und das eben bei weitem nicht nur von Joaquin Phoenix.

    #1754361
    Bort1978Bort1978
    Teilnehmer
    #1754410
    Anonym
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    #1754411
    Anonym
    Inaktiv

    #1754797
    captain carotcaptain carot
    Teilnehmer

    <b>Europa Report</b>

    Ich bin nicht gerade der größte Fan von Found Footage Filmen. Nicht zuletzt dank der immer wieder gleichen Wackelkamera. Europa Report ist hier aber angenehm anders. Denn wir beobachten eine Raumschiffcrew auf dem Weg zum Jupitermond Europa fast die ganze Zeit über die auf dem Schiff installierten Kameras. Zwar gibt es auch ein paar Szenen, die von Crewmitgliedern per Camcorder gefilmt werden und in Außeneinsätzen übernimmt die Kamera des Raumanzugs. Die meiste Zeit aber kommt man sich wie ein Beobachter von Sicherheitskameras oder ähnlichem vor.

    Weil zwischendurch auch Interviews von Bodenpersonal eingestreut werden und der Film auf vergleichsweise große wissenschaftliche Korrektheit wert legt wirkt das Gesamtpaket denn auch ziemlich glaubhaft. Zumal es eben nicht Action am laufenden Band gibt sondern man mehr mit den sozialen und psychologischen Aspekten der Langzeitmission beschäftigt ist.

    Effekten merkt man teilweise durchaus das eher kleine Budget an, da der Schwerpunkt aber ohnehin nicht darauf liegt und der Cast durchaus überzeugen kann hat mich das aber nicht gestört.

    #1754801
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Avatar 2 – Way of the Water (3D mit HFR im Kino)

    Ganze 13 Jahre sind vergangen, bis es endlich soweit war mit der Fortsetzung zu Avatar. Dazwischen hat Cameron wohl mehr oder weniger seine Kindheitsträume gelebt. Wer will es ihm verübeln? Als einer der nominell erfolgreichsten Filmemacher aller Zeiten, könnte er sich schon längst aus dem Business zurückziehen. Beweisen muss er niemandem mehr etwas. Aber Ehrgeiz verschwindet nicht einfach und genau diesen brauchte er auch, um die Avatar-Filmreihe technisch weiter voranzutreiben. Und zumindest das ist ihm absolut gelungen. Trotzdem kann man zu dem Resultat ganz unterschiedliche Ansichten haben.
    Fangen wir mit der Geschichte an, die die Ereignisse des Vorgängers fortführt und gleich schon tief in die Deus ex Machina-Trickkiste greift, um den Widersacher des ersten Teils zurückzubringen. Zunächst deutet sich da ein bisschen ein der Schwarze Falke Szenario an, in dem ein Vater sein Kind sucht, das von seinen “Feinden” aufgezogen wird. Dazwischen gibts Free Willy, Ferocious Kid aus Mad Max 2, Life of Pi, Flüchtlingsthematik, Umweltmessages usw. Für Honest Trailers dürfte es ein gefundenes Fressen sein.
    Was erzählt wird unterm Strich, hätte auch in der Hälfte der Zeit erzählt werden können. Aber gings Cameron überhaupt darum? Der Film tobt sich in seinen technischen Spielereien regelrecht aus. Oft erweckt es den Eindruck ein Hybrid aus Film und Videospiel zu sein. Die ganze Ästhetik inkl. der HFR (High Frame Rate) geht stark in diese Richtung. Wir gehen mit Cameron auf Entdeckungsreise in Pandora. Dabei teilt sich der Film in zwei Hälften. In der ersten sind wir im Dschungel unterwegs und sehen viel von den Na’vi und Sullys Familie. Sully ist das Ziel Nr. 1 der Menschen, die in ihm einen Terroristen sehen. Das erinnert nicht von ungefähr an Laki Penan, besser bekannt als Bruno Manser, den Menschenrechtsaktivist, der im Amazonasgebiet mutmasslich getötet wurde, weil er sich für die indigene Bevölkerung eingesetzt hatte.
    In der zweiten Hälfte lernen wir neu die Metkayina kennen, die Humanoiden Bewohner der Meeresgebiete. Der Mensch dringt auch deren Sphäre ein und tötet walfischartige Wesen wegen eines wertvollen Stoffes, den sie aus den Tieren gewinnen. Erinnerungen an der mit dem Wolf tanzt werden wach und dem sinnlosen Abschlachten ganzer Büffelherden. Cameron verquickt viele dieser Dinge mit einer esoterischen Linie, die wiederum an Dinge wie Final Fantasy oder Rollenspiele von Enix aus der SNES-Ära erinnern.
    Ich behaupte mal, es ist wesentlich leichter für Kinder, sich für den Film zu begeistern, als es das für ältere Kinozuschauer ist. Das hat aber nichts mit dem 3D Kino zu tun, sondern eher mit der Erzählweise des Environmental-Storytellings, das man aus Videospielen kennt.
    Das dürfte dann auch so der Punkt sein, an dem sich die Geister ein wenig scheiden. Für mich war von Anfang an klar, dass ich hier ein Gesamterlebnis konsumiere und keinen Film mit neuester Technik. Ich könnte mir echt vorstellen, dass das als Videospiel noch viel besser funktionieren würde, aus genannten Gründen. Dann würden wir uns nicht mehr auf narrativen Schienen durch Pandora bewegen, sondern unseren eigenen Weg wählen. Persönlich wäre das für mich interessanter als div. etwas abgegriffene Versatzstücke aus der reichhaltigen Filmwelt zu verwenden und zu zitieren.
    So kämpft denn auch das Werk mit seiner Länge von über 3h. Die Botschaft ist am Ende auch keine versöhnliche, sondern eine mahnende. Wobei ich mir schon vorstellen kann, dass das im nächsten Film auch wieder kippen kann. Die Geschichte ist ja noch nicht auserzählt, nimmt sich für den Zwischenschritt aber sehr viel Zeit.
    Zum Kino-Erlebnis. Geschaut hatte ich es in 3D mit HFR. Es hätte noch die Möglichkeit bestanden es in einem 4D Kino zu schauen, was ich beispw. bei Tenet gemacht habe, aber dort war das mit HFR nicht möglich. HFR gefällt mir aus div. Gründen in Filmen nicht. Den zweiten Hobbit hatte ich so im Kino gesehen und mir hat es die Immersion komplett kaputt gemacht wegen des sogenannten Soap-Effekts. Aber ähnlich wie beim Uncanny-Valley ist man dafür eher empfindlich oder auch nicht.
    Warum also mit HFR schauen, wenn man das nicht mag? Wie eingangs erwähnt, betrachte ich Avatar als ein Gesamterlebnis, bei dem die Faszination für die Technik ebenfalls eine Rolle spielt. Im Bewusstsein, dass es nicht mit anderen filmischen Erlebnissen vergleichbar ist, macht es denn auch wenig Sinn, die Intentionen von Cameron nach eigenem Gusto hinzubiegen, wenn es bei Avatar auch darum geht, die technischen Grenzen neu zu definieren. Das 3D ist ja im Gegensatz zu anderen Filmen auch nicht drangeklatscht, sondern essentieller Bestandteil des Erlebnisses. Im Vorfeld wurde oft von Naturdoku gesprochen. Und so ganz falsch ist diese Aussage nicht. Und genau dort ist 3D und flüssigere Bewegungsdarstellung, sprich Annäherung an die Realität, sehr gewünscht. Insofern könnte man Pandora schon fast als eine Augmented Reality Vision von Cameron betrachten. Man spürt eben auch seine Begeisterung, die er dem Zuschauer vermitteln möchte, für das Erforschen neuer Territorien. Zu seinem Leidwesen ist Cameron in einer Zeit aufgewachsen, die kein interstellares Raumfahren für die Menschheit zugedacht war und auf der Erde viel schon erforscht ist. Mit Ausnahme der Weltmeere, was ihn in aller Konsequenz auch genau dorthin gezogen hat. Mit Abyss hat er das auch schon sehr schön zu vermitteln versucht. Der Film bildet auch eine Art thematischer Matrix für diesen Film. Die Parallelen sind überdeutlich.
    Wenn Cameron könnte, würde er uns mit einem Holo-Deck an seinem Eskapismus teilhaben lassen. So aber nutzt er das technisch Machbare und treibt es weiter voran. Davor muss man einfach seinen Hut ziehen. Ich kann auch nur appellieren, hier auf müssige Abgleiche mit etablierten Kinostandards zu verzichten und sich mehr mit der Pionierleistung auseinanderzusetzen. Das verlangt einen Perspektivwechsel und den ist nicht jeder gewillt mitzumachen. Vielleicht auch aus diffuser Angst heraus, jedes nächste Kino-Erlebnis würde so sein. Das ist natürlich Mumpitz. Zwar ersaufen immer mehr Blockbuster in einer Künstlichkeit, die zusehends abstumpft, aber das hat ganz andere Ursachen.
    Ist die Immersion perfekt? Nun, technisch wischt Cameron mit fast allem den Boden auf. Trotzdem gabs Unterschiede. So wirkt die Natur, sowohl Dschungel wie auch Meer sehr lebensecht und auch ihre Bewohner darin. Sobald wir aber auf dem Schiff sind oder in den Labors und Menschen in der Hauptsache zu sehen sind, wirken diese irgendwie recht unnatürlich. Und ja, das hat mich dann doch etwas gestört und herausgerissen. Etwa wird in einer Szene z.B. einem Menschen ein Arm abgetrennt durch ein Drahtseil, was ziemlich übel aussah. Die Problematik ist halt einfach da, dass was wir aus dem Alltag kennen, eben kritischer beäugt wird und kleinste Nuancen ein anderes Gewicht haben. Das wird auch nur eine Frage der Technik sein.

    Fazit: Was ich sehr schön fand, dass Cameron sich auf einen Mikrokosmos beschränkt und nicht versucht alles mit überbordender Epik aufzublähen. Seine Message ist die richtige und wird schnörkellos an sein Zielpublikum vermittelt. Technisch setzt er neue Landmarks, auch wenn nicht alles grenzenlos perfekt ist. Die Szenen im Dschungel waren mir ein Ticken zu dunkel und die Menschen eine Spur zu künstlich wirkend.
    Viele mögen das jetzt anders sehen, aber der Score war für mich eine Enttäuschung, ich kanns nicht anders formulieren. Er ist altbacken und passt so gar nicht zu dem immersiven Konzept, das Cameron verfolgt. Ich muss da spontan an Göranssons Arbeit für the Mandalorian denken und wie er Themen und Instrumente einsetzte, um diese Fremdartigkeit akustisch zu untermauern. Genau das fehlt hier total. Wo bleibt Na’vi Musik? Oder die der Metkayinas? Hier kann sich Cameron nicht von alten Filmstandards lösen, bezw. erweckt es den Eindruck, es wäre zweitrangig. Das überrascht, da er sonst dem Sounddesign, was mMn auch ein wesentlicher Teil des Worldbuildings ist in Verbindung mit dem Score, mehr Raum gibt. Das hier war eher Dienst nach Vorschrift.
    Die älteren Darsteller treten mit Ausnahme von Worthington und Lang allesamt stark in den Hintergrund. Besonders Zaldana, die inoffiziell die Sci-Fi-Queen der Neuzeit ist (Guardians of the Galaxy, Star Trek), ist mir zu wenig präsent. Besonders bei der Laufzeit. Die Kinder kriegen da mehr Platz, insbesondere der eine Sohn von Sully. Aber auch da gehe ich erst mal davon aus, dass das in anderen Filmen auch wieder ganz anders aussehen wird.
    Ein bisschen Ratespass beim Cast war auch dabei. Cliff Curtis hat seine Standard-Synchronstimme und ist wirklich perfekt für die Rolle, die er spielt. Die ältere Tochter von Sully, was hab ich da studiert. Ich sah eine gewisse Ähnlichkeit zu Mary-Elisabeth Winstead (Scott Pilgrim), aber sie ist es nicht. Ich verrats jetzt nicht, aber überraschend ist es auf jeden Fall.
    Ausfälle gabs keine, die Arbeit der Darsteller ist sehr solide. Die Dialoge sind zum Teil aber etwas cheesy. Das darf ruhig besser werden. Und ständige Bro’s und dgl. müssen jetzt auch nicht wirklich sein.
    Wer Videospiel-Ästhetik negativ konnotiert, der wird am Seherlebnis vielleicht keine Freude haben. Hegt man generell konventionelle Erwartungen, findet man viel, was man kritisieren kann. Das sollte man hier wirklich mal ausblenden und dann bietet Avatar 2 – Way of the Water genau dieses andere Kinoerlebnis, das sich deutlich von anderen abgrenzt und was den Kinobesuch unverzichtbar macht, zumindest für mich. Davor lief übrigens ein 3D-Trailer zu Guardians of the Galaxy Vol. 3. Sah nett aus, aber lockt mich persönlich jetzt auch nicht ins Kino.

    #1754815
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Fantastic Four 2015 (Netflix)

    Gehört vermutlich auch zu der Sorte Film, bei der die ganze Geschichte hinter den Verfilmungen interessanter ist, als die eigentlichen Filme selbst. Die sind halt allesamt eher Standard-Kost ohne grosse Aufreger und arm an Highlights, den Roger-Corman-Streifen mal ausgenommen.
    In diesem neuerlichen Reboot dürfen Miles Teller als Reed Richards, Kate Mara als Sue Storm , Michael B. Jordan als Johnny Storm, Jamie Bell als Ben Grimm und Toby Kebell als Dr. Doom ran. Man versucht zwar die Origin-Geschichte etwas ambitionierter zu erzählen als in der Reihe davor, aber das macht den Film dann irgendwie auch recht zäh. Von mir aus kann man ruhig mal wieder eine Reihe starten ohne diesen ganzen Origin-Käse. Das ist so ein Unding durch das ganze Franchising geworden. Startet mitten in der Action, wie Lucas und Spielberg das mit Indiana Jones getan haben und gut is. Oder aber macht was Originelles draus, wie z.B. der Anime zu Lucy Lius Figur in Kill Bill.
    Ich glaube das ist, was mich mintunter an dieser Art Film am meisten stört, diese Einfallslosigkeit. Das ist Fantasy, traut euch was. Die Comic-Reihen von Marvel und DC wurden auch immer wieder neu gedacht und erfunden. Das fehlt mir bei den filmischen Umsetzungen leider etwas. Und die Fantastic Four sind dafür ein gutes Beispiel. Schon die Reihe um Jessica Alba konnte der Thematik kaum neue Facetten abgewinnen. Vielleicht liegt das aber auch an der altbackenen Konzeption des Originals? Ein Gegenspieler, der Dr. Doom heisst, ist jetzt auch nicht grad ein Exclamationpoint origineller Schurken-Installierung.
    Die Handlung ähnelt etwas Richard Donners Timeline, der damals auch recht Baden ging. Ein Team von jungen Wissenschaftlern experimentiert mit Portalen rum, was logischerweise schief geht. Hier gerät man nicht in eine andere Zeit, sondern eine andere Dimension. Das bringt irgendwann die Regierung auf den Plan, die hier durch Tim Blake Nelson verkörpert wird. Er hat zusammen mit dem kürzlich verstorbenen Reginald E. Cathey die einzig nennenswerten Nebenrollen in diesem Film. Immerhin werten sie das Ganze etwas auf.
    Wo der Film zu Beginn irgendwie zu lang ist, geht gegen Ende alles relativ schnell vonstatten. Überzeugend wirkt das nicht. Ebenso wenig wie die Auszeit, die sich Reed gönnt, ehe er dann doch zum Team stösst. Hier fehlt es an einer richtigen Entwicklung zur Zusammenarbeit der einzelnen Mitglieder. Aber dann wäre ein 3h Flic draus geworden.
    So schlecht, wie der Film geschrieben wurde, war er nicht mal, aber die Kontroverse im Vorfeld um den Cast, hat wohl letztlich auch dazu beigetragen, dass der Film einer der grössten Flops unter den Marvel-Sachen wurde. Fans gingen wegen Michael B. Jordan und Jamie Bell auf die Barrikaden. Problematisch, da ich gerade bei altbackenen Sachen durchaus Handlungsbedarf sehe, den Stoff etwas zu modernisieren. Da sollte man die Vorlagentreue auch mal schleifen lassen. Immerhin stammt das Material aus einer Ära, in der Frauen noch die Exoten im Heldentrupp waren. Und sieht man sich den Rest des Casts an, hat Kate Mara auch die einzige Frauenrolle, die sowas wie Screentime hat.
    Josh Trank ist jetzt sicherlich nicht das Mega-Regie-Talent, von dem man Wunder erwarten darf und Simon Kinberg als Autor erst recht nicht. Dessen Highlights in der Filmografie sind rar, bei den X-Men hat er sicher bessere Arbeit geleistet als hier, aber auch dort ist sein Gesamtwerk recht durchzogen.
    Nichtsdestotrotz hätte der Cast eine weitere Chance verdient gehabt, aber einmal mehr wartet da ein weiterer Reboot. Hoffentlich ohne Origins-Kram. Um ein Verständnis für die Figuren, muss ich jetzt nicht wissen, ob sie in der Schule gemobbt wurden, Streber oder Bullys waren und dgl.
    Die Effekte gehen in Ordnung, Bäume reissen sie nicht aus. Den leichten Horror-Einschlag mit Dr. Doom fand ich sogar ganz nett, aber passt dann doch nicht zum Gesamtkonzept, das man verfolgt hat.

    #1754816
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Smile

    Wieder mal ein Debüt-Film, genauer der erste Langspielfilm von Parker Finn. Und dafür ist der Film recht beachtlich. Zumindest die ersten beiden Drittel hat er mir sehr gut gefallen. Zwar sind die Anleihen bei It Follows und Hereditary recht überdeutlich, aber genau die Vorbilder sind sie ja nicht ohne Grund. Dabei übernimmt Finn die Musik aus It Follows und Drohnenshots aus Hereditary. Das Schema des Fluchs, den man weitergibt oder weitergeben muss, um ihn loszuwerden, ist vermutlich so alt, wie das Horrorgenre selbst. Prominente Vertreter sind z.B die Ringe Filme, respk. deren japanische Originale von Hideo Nakato und genannter It Follows.
    Die Hauptrolle spielt eine Psychiaterin, die auf einer Notfallstation ihrer Tätigkeit nachgeht. Sosie Bacon, Tochter von Kevin Bacon, spielt sie und macht ihre Sache nicht schlecht. Allerdings ist mir die Rolle zu sehr ein Opfer und vor allem zu schnell. Da fragt man sich, ob sie überhaupt für ihren Job qualifiziert wäre. Und wie gesagt, so die ersten zwei Drittel funktioniert das auch recht gut. Sobald diese bösartige Entität, die sich durch ein Lächeln in anderen Personen manifestiert oder diese vorgibt zu sein, anfängt zu sprechen, ist der Ofen aus und der Film verliert mich vollends. Es erinnert an diese Krankheit vieler 2000er Filme, die einen guten Anfang haben und danach wissen Autor und Regisseur nichts weiter anzufangen oder die Geschichte vernünftig zu beenden. Das Ende ist denn auch konfus und eine richtige Regel erkenne ich da nicht. Zumal auch die Handlung der Hauptfigur nicht wirklich mitgedacht scheint. Einerseits kann ein Polizei-Archiv, das wie Google funktioniert, alle Fälle des Fluchs miteinander verbinden und Alles ist schneller recherchiert als eine Reportage mit vorgekautem Pressetext. Andererseits ist dann die Hauptfigur so doof, dass sie nicht gefunden werden will von eben jenem Cop, der ihr hilft, aber Handy bleibt schön angeschaltet und wird mitgenommen zu dem Elternhaus, wo ihre Mutter Suizid beging. Ja bitte, das war schon zum Haare hochwürgen.
    Aber das ist nicht der wirklich problematische Teil des Films. Aus dem “Smile” eine Figur zu machen, funktioniert einfach nicht. Begleitet wird das dann noch von Stimmenverfremdungseffekten aus der Samplinghölle und dieser dröhnenden Trailermucke, die ich in Filmen generell nicht brauche. Hier hätte man besser die Linie mit dem schleichenden Wahnsinn der Figur bis zum Ende durchhalten sollen.
    Aber so ganz konnte man sich auch nicht recht entscheiden, ob das Lächeln die Figuren einfach in den Wahnsinn treibt oder doch Besitz ergreift. Man reisst hier Motive an, aber macht dann reichlich wenig draus. Ein gutes Beispiel dafür ist die Sache mit der Katze. Ergibt aus dem nachgelieferten Kontext eigentlich keinen Sinn. Aber gut, das sind halt alles Dinge, die man als Anfängerfehler klassieren kann. Ein einheitliches Ganzes ergibt das nicht. In seinen besten Momenten ist es aber ein spannender Film und sicher auch besser als so vieles, was jedes Jahr in den Markt gespült wird. Aber einen berechtigten Hype kann ich hier nicht erkennen.

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