Der Film und Fernseh Thread

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  • #1757904
    ghostdog83ghostdog83
    Teilnehmer

    Hab gerade mit Null Erwartung Halloween Ends geschaut und wurde tatsächlich positiv überrascht.
    Ich hatte den Film ziemlich lange vor mir hergeschoben, da ich Kills (im Vergleich zum Vorgänger) schon nicht mehr so prall fand und die allgemeinen Reviews zu Ends ne ziemliche Katastrophe prognostizierten.
    Tja, so kann man sich irren. Mir hat der Film deutlich besser als Kills gefallen und war für mich ein versöhnlicher Abschluss der Trilogie gewesen.

    Hier spielt die Erwartungshaltung eine gewichtige Rolle. Der Film versucht etwas Neues, was konträr zu dem ist, was sich nicht wenige Fans als Abschluss der Trilogie gewünscht hätten, nämlich als zentralen Schwerpunkt der finale Showdown zwischen Michael und Laurie.

    Mir hat der Film klar besser gefallen als Kills, wo einfach vieles nicht zu überzeugen wusste. Das Pacing, die Handlung und die Figuren sind erschreckend schwach. Einzig die Inszenierung der Kills konnten überzeugen. Ich bin nach wie vor ratlos, wie David Gordon Green so stark abbauen konnte.

    #1757906
    Anonym
    Inaktiv

    Sehe ich ganz genauso wie du.

    #1757911
    Anonym
    Inaktiv

    Stille Nacht Horror Nacht (1984)

    Klein Billy muss mit ansehen, wie seine Eltern von einem als Weihnachtsmann verkleiteten Psychopathen umgebracht werden und Jahre später dreht er selber in solch einem Kostüm am Rad.
    Fand den Film, für das was er sein will, ganz okay, außerdem gibt’s ein paar nette Kills und ordentlich Boobs.
    Einziger Wermutstropfen ist die Bildqualität der Blu-ray bei eben diesen Kills, die wohl erst später wieder hinzugefügt wurden und ziemlich unsauber und grobkörnig wirken.
    Ansonsten können Genrefans der 80er auf jeden Fall mal einen Blick riskieren, da gibt es aus der Zeit noch weitaus schlechtere Vertreter.

    #1758818
    captain carotcaptain carot
    Teilnehmer

    Da ich gerade krank zuhause hänge und teilweise schlicht zu platt zum Zocken bin gibt es momentan etwas mehr Filme.

    The Woman King
    Historienaction in def Art wie Hollywood sie eigentlich nicht mehr macht. Praktischerweise verlässt man sich von vornherein auch nicht auf CGI im Überfluss, bietet aber gut choreografierte Kämpfe und schöne Bilder. Sicher nimmt man es mit den Fakten nicht immer so genau und manche Rede trägt arg dick auf. Das gleiche kann man aber auch zu Klassikern wie Braveheart sagen.

    Rocky V
    Muss man da eigentlich heutzutage drüber reden? Die Prämisse hätte seinerzeit durchaus was werden können wenn der Film nicht an allen Ecken und Enden so dick auftragen würde. Es ist irgendwie immer too much. Obendrein ist Tommy Mortison als Schauspieler ne absolute Nullnummer, kann in den Filmfights aber auch nicht glänzen. Definitiv ist das ein Fall von weniger ist mehr.

    Rocky Balboa
    Der Film, der eigentlich nicht funktionieren sollte, es aber trotzdem tut. Ein bisschen Kitsch darf natürlich sein, Älter werden und Verlust sind tatsächlich ein zentrales Thema. Nicht wirklich glaubwürdig aber dennoch irgendwie funktionierend, Rockys Ringrückkehr mit 60. Erfreulicherweise ist Antonio Tarver auch deutlich überzeugender als Tommy Morrison.

    Meisterdetektiv Pikachu
    Da sind wir im Bereich der Hirn Aus Unterhaltung, als solche funktioniett das aber. Eine ganze Reihe Szenen zitieren mal mehr, mal weniger stark andere Comicverfilmungen. Muss man ohne jüngere Kinder nicht gesehen haben, kann man aber wenn man was anspruchsloses sucht

    #1758827
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Black Panther 2 Wakanda Forever

    Mit diesem Film schliesst Marvel Phase 4 ab. Wobei diese Unterteilung in Phasen mMn Humbug ist, denn es geht ja sowieso nahtlos weiter. Das könnte der letzte oder auch erste Film sein, es spielt keine Rolle. Was für mich hingegen eine Rolle spielt, ob mich der Film über die stolze Laufzeit von 2h41Min wird unterhalten können. Und zu meiner persönlichen Überraschung fand ich keinerlei Längen, die mich jetzt gestört hätten. Und damit hat er in einem sehr wichtigen Kriterium bestanden, dem Unterhaltungswert.
    Sehr mutig auch, man verzichtet im Grunde auf irgendwelche Cameos. Und von anderen Marvel-Helden fehlt weit und breit jede Spur. Inuniverse wird das mit der Geheimhaltung erklärbar gemacht.
    Der Cast und die Figuren sind natürlich das Salz in der Suppe. Da fand ich die Anteile zum Teil etwas unausgewogen. Liegt aber auch daran, dass ich mit Shuri nix anfangen kann und ihrem geistigen Zwilling Riri Williams aka Ironheart ebenfalls eher wenig. Nakia kommt eindeutig zu kurz. Lupita Nyong’o hat in ihrem kleinen Finger vermutlich mehr Schauspieltalent als Wright und Thorne zusammen. Angela Bassett ist für mich über jeden Zweifel erhaben aber der Showstealer bleibt Danai Guriras Okoye. Sie ist der wahre Black Panther. Und die Kampfszenen mit ihr sind auch die besten im Film.
    Die Männer haben da etwas das Nachsehen. Martin Freeman gibt wieder seinen Einstand als leicht überforderter Agent. Viel zu tun kriegt er nicht. Von den Männern in Wakanda darf einzig Winston Duke als M’Baku ein paar Akzente setzen. Für beide gilt, dass sie hier klar das schwächere Geschlecht repräsentieren.
    Auf der Gegnerseite kriegt es Wakanda mit Namor zu tun. Seine Originstory wird kurz angerissen, aber die fand ich ehrlich gesagt schlicht zu absurd, wie auch die kleinen Flügelchen an seinen Fersen. Leider, und das ist das grosse Problem dieses Films, ist alles rund um seine Motivation und Geschichte ein einziges missratenes Konstrukt. Als Kenner der Comics wird man vielleicht schlau draus, als Nichtkenner erschliesst sich mir da vieles nicht. Warum sind die Talokaner resistent gegen Verwundungen? Einige sind blau, andere nicht. Dass es was mit dem Kraut zu tun hat, leuchtet ein. Aber warum kann Namor fliegen? Er ist ja der Sohn einer Menschenfrau und eines ja was genau? Ein Blick ins Wiki zeigt, dass er der Sohn eines Seefahrers ist und einer atlantischen Prinzessin. Klingt nach Aquaman. Auf jeden Fall ist er superspeziell. Und seine Gefährlichkeit wird auch gleich demonstriert. Wobei dann die Frage sich aufdrängt, wie das Reich sich so lange verstecken konnte. In der Marvel-Welt leider total unglaubwürdig angesichts des ganzen Dichtestress mit Defiants usw. Und nun soll, um das Geheimnis zu wahren, eine Wissenschaftlerin geopfert werden, ansonsten gibt es Krieg. Klingt ja auch absolut logisch, dass ein gottgleiches Wesen, das alle wakandischen Hochsicherheitsmassnahmen unterlaufen kann, nicht selbst in der Lage ist, die Wissenschaftlerin aufzuspüren. Man hätte ja mal jemanden der Schiffscrew fragen können, anstatt alle zu exekutieren. Generell haben wirs mit vielen Plotkonstrukten zu tun, die aus Gründen der Dramaturgie drin sind und nicht weil sie organisch ins Gesamtgefüge passen.
    Humor. Der Film ist wegen Bosemans Tod und seiner Thematisierung im Film natürlich etwas schwermütig geraten. Die Auflockerungen wirken aber jedes Mal so deplatziert, man hätte auf sie verzichten sollen. Denn guter Humor ist es nicht. Eher peinlich eingeschobene Sketchnummern. Man hätte den Fokus mMn sogar noch mehr auf den Thriller-Aspekt wie in Cap. America 2 seetzen sollen. Gerade wenn es um die Handhabe mit dem Thema Ressourcenabbau geht. Bezeichnend, dass die USA und Franzosen die Bösen hier sind, aber Asien gleich komplett weggespart wird. Da will man garantiert kein Releaseland verärgern.
    Die Musik ist ein Auf und Ab. Hin und wieder gibts elektronische Elemente, die an Daft Punk erinnern. Grossartig, aber wirklich passend? Nicht so wirklich. So richtig abgenervt hat mich aber wirklich das ganze seichte Popgedudel. Mir reicht es schon diesen Mist täglich im Radio hören zu müssen, warum man den Film damit auch noch zumüllen muss, who knows? Hier hätte eindeutig mehr afrikanische Musik, Musikinstrumente und -sprache verwenden sollen. Ich will dann auch keine afrikanischen Bands, die nur in englisch performen. Definitiv eine verpasste Chance.
    Wesentliche Teile der Handlung drehen sich um T’Challas Tod und wie die Hinterbliebenen mit dem Verlust umgehen. Das ist reichlich unverkrampft zustande gebracht worden, was sicher eine Leistung ist. Würdiger hätte man das kaum gestalten können.

    Fazit: Ich fand den Film recht gut getaktet, mir war keine Minute langweilig. Die Handlung war interessant und im Gegensatz zur oft geäusserten Kritik bezüglich Ironheart, fand ich ihre Geschichte jetzt nicht krampfhaft integriert. Mir ist da schon lieber, ich weiss was über ihren Hintergrund, als wenn das einfach ein gesichtsloser McGuffin ist. Glaubhaft ist das Ganze aber wirklich nicht. Ich hätte gerne mehr geopolitische Machtkämpfe gesehen. Namor hat zwar Charisma, aber seine Motivationslage wirkt erzwungen. Die Geschichte wirkt ein wenig abgenabelt vom Rest der Welt. Bei einer globalen Bedrohung erwarte ich anderes. Die Auflösung gibt ein Versprechen an die Zukunft ab.
    Die Gegnerschaft ist einerseits übermächtig, andererseits gibts Deus ex Machina. Das macht die Gefahrenlage halt wieder obsolet. Respk. ich als Zuschauer erkenne da keine wirklich plausiblen Zusammenhänge, beispw. der Angriff von Nakia der tödlich ist. Auf der ideologischen Front wird es generell heikel mit Wakandas Staatsform und Oneliner wie Wakanda über alles bedienen gefährliche Vergleiche, die man besser nicht zu stark hinterfragen soll.
    Innerhalb von Phase 4 sicher einer der besseren MCU Filme.

    #1758861
    captain carotcaptain carot
    Teilnehmer

    Wakanda über alles ist ne ziemlich dämliche Übersetzung von Wakanda Forever. Denn wenn ich mich halbwegs korrekt erinnere ist das der O-Ton Spruch.

    #1758871
    ghostdog83ghostdog83
    Teilnehmer

    #1758926
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Piggy

    Wieder ein klassischer Fall von, jemand hat das Cover gesehen und sich dann einen Klappentext ausgedacht, der nicht so recht zum Inhalt passen will. Sara, die von ihren Mitschülerinnen als Piggy betitelt wird und sich auch im Netz mit Mobbing konfrontiert sieht, ist hier das Opfer in gleich mehrfacher Hinsicht. Und nein, ein Revenge-Thriller wird daraus nicht gemacht. Mehr oder weniger zufällig wird sie Zeuge, wie ein gestörter Killer ihre Mitschülerinnen entführt. Der Polizei aber erzählt sie nicht die ganze Wahrheit. Allerdings scheint es eher so, dass sie völlig verängstigt ist und das nicht in böser Absicht macht. In den Augen ihrer Mutter macht sie grundsätzlich alles falsch. Ihr kleiner Bruder ist auch keine Hilfe. Einzig ihr Vater begegnet ihr mit einer gewissen Empathie.
    Der Film hat durchaus ein paar gelungene Momente, wenn sich das Geschehen auf Sara konzentriert und ihre Gefühlslage. Die Dialoge hingegen sind zum Teil misslungen oder wurden vielleicht aus dem Spanischen nicht gut genug übersetzt. Die Kameraarbeit ist ganz ordentlich, aber auf ein TV-Format zu setzen, nervt eigentlich nur, da man mit schwarzen Balken links und rechts keinen Schönheitswettbewerb gewinnt. Der Fokus erhöht sich auch nicht massgeblich, es sieht einfach nur nach fehlendem Bildinhalt aus.
    Der Killer und auch fast alle Figuren von abseits von Sara und ihrer Mutter sind reichlich tumb dargestellt. Der Horrorfaktor hält sich in Grenzen und beschränkt sich im Wesentlichen auf das Finale. Die Ekel-Keule wird kräftig geschwungen, ist aber noch vergleichsweise erträglich. In der Hauptsache wird hier plakatives Fatshaming betrieben oder besser auf die Spitze getrieben. Laura Galan als Sara wird hier wahrlich nicht geschont. Gegen Ende darf sie sich zumindest ein wenig emanzipieren, aber das passiert so hauruckartig, dass das weinerliche Gehabe davor irgendwie unpassend wirkt.
    Dem Film hätte eine Extraportion Subtilität gut zu Gesicht gestanden. Die fiesen Mitschülerinnen sind mir da zu sehr nach 80er Reissbrettschema geraten. Einen Klassiker wie bei de Palmas Carrie erhalten wir hier aber nicht. Trotzdem ein interessanter Film, der sein Thema durchaus ernst nimmt, in der Ausführung aber zu sehr versucht Charakterdrama mit Exploitation zu kombinieren, sodass nicht ein wirklich runder Gesamteindruck entsteht. Der Film basiert übrigens auf dem gleichnamigen Kurzfilm der Regisseurin, die auch auf die gleichen Darsteller zurückgreift.

    #1758930
    captain carotcaptain carot
    Teilnehmer

    Hidden Figures

    Stand irgendwie schon ziemlich lange auf meiner Liste. Zum einen hat mich die Thematik schon vorher interessiert, also die human computers, die frühen Programmiererinnen und in dem Rahmen eben auch die Rolle schwarzer Frauen bei der NASA. Zum anderen verspricht der Film, jüngere Geschichte durchaus unterhaltsam zu präsentieren, und das tut er auch. Dabei spielen Alltags- und systemischer Rassismus zwangsläufig eine Rolle, das Thema Toiletten nimmt eine überraschend zentrale Rolle ein, aber auch das nimmt der Film meist mit einer gewissen Portion Humor. Da das alles auch ordentlich inszeniert und gespielt ist wurde ich auch gut unterhalten.

    #1758950
    Anonym
    Inaktiv

    Puss In Boots: The Last Wish

    Der zweite Teil zum Shrek Spin Off mit dem gestiefelten Kater ist ein kurzweiliger Animationsflm mit Herz und Aussage, ohne dabei belehrend zu sein. Es geht schlicht um Freundschaft.
    Unter dieser Prämisse funktioniert der Film sowohl für ein junges als auch ein altes Publikum, sofern letzteres zumindest etwas mit Animationsfilmen anfangen kann. Die Witze zünden nicht immer und man sollte den Vorgänger gesehen haben, um zumindest eine Figur entsprechend einordnen zu können.

    Also generell hatte ich meinen Spaß mit dem Film, einzig die gewollt auf Anime getrimmten Actionszenen, inklusive Speedlines und fehlenden Animationsphasen, fand ich zum kotzen. Mit dem teilweise irgendwie cel-shadigen Look konnte ich mich gerade so noch anfreunden, mit diese Angebiederung an eine der überbewertesten und grausig anzusehenden Animationsarten überhaupt hingegen nicht. Das hat Dreamworks nun echt auch nicht nötig.
    Wer kann sollte sich den Film im Original ansehen. Die deutsche Synchro ist ok, aber Banderas Stimme ist einfach um Längen besser.
    Ansonsten: Anschauen!

    Achtung! Der Trailer spoliert das erste Viertel des Films.

    #1758952
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Wonder Woman 1984

    Den Film hab ich wirklich auf die lange Bank geschoben. War irgendwie keine Absicht oder so. In der Zwischenzeit natürlich nicht darum herumgekommen, über den Film zu lesen, wenn auch nur oberflächlich. Er macht jetzt nichts speziell gut, aber ich fand ihn trotzdem sehr annehmbar. Gal Gadot ist und bleibt für mich eher ein Eisschrank, sprich warm werde ich mit ihr als Darstellerin nicht. Aber sie ist in meinen Augen jetzt auch kein schlechtes Casting-Beispiel. Ich finde die Figur der Wonder Woman nur generell nicht wirklich spannend. Dass wir eine weitere Episode ihrer Kindheit sehen, ändert daran nicht viel. Sie kriegt eine edukative Extrawurst und trägt damit den Nimbus des Elitären weiter auf sich.
    Ihr Gegenpart wird von Pedro Pascal verkörpert, der einen klassischen Con-Man – Betrüger – spielt. Am Ende stilisiert er sich selbst zum TV-Prediger hoch. Leider krankt der Film an seiner Auflösung, die für mich einfach nicht funktioniert und unsagbar denkfaul daherkommt. Sogar in einer Utopie würde ich niemals glauben, dass mehr als die Hälfte ihre Wünsche zurückzieht. Und selbst, wenn sie das tun, das ist dann die Lösung? Hier hat man sich wirklich in eine Sackgasse geschrieben, aus der man nicht mehr vernünftig rausgekommen ist. Wirklich schade, denn in weiten Teilen funktioniert der Film durchaus und hält bei Laune. Pedro Pascal in der Rolle zu besetzen ist sicher ein guter Schachzug gewesen, galt es eben jemanden zu finden, der vom Weg abgekommen ist und nicht durch und durch böse ist. Wie er allerdings auf das Zauber-Relikt gekommen ist, erschliesst sich mir nicht wirklich. Aber da der Film auch nur so strotzt vor konstruierten Passagen, macht man sich darüber wohl auch kaum Gedanken.
    Wonder Woman darf ein wenig mit ihrer Trauer kämpfen, aber am Ende habe ich nicht das Gefühl, dass sie einen wesentlichen Schritt in ihrer Entwicklung gemacht hat. Was übrigens eh absoluter Kappes vor dem Hintergrund wäre, da die Dame ja schon ziemlich lange auf der Welt ist. Die Flashback-Episode wirkt auch nicht in die eigentliche Geschichte integriert, eher scheint es so, als wären die Macher auch nicht grad begeistert von der Charakterisierung gewesen und hätten was ergänzen wollen. Und so folgt der Film eher einem beliebigen Progress, der so oder auch anders ausgehen könnte. Am Ende ist man irgendwie wieder beim Anfangsstatus.
    Man macht aus der Prämisse wenig bis gar nichts. In the Dark Knight Rises, wurde die Gesellschaft als Gesamtes getestet. Das hatte durchaus eine philosphische Komponente, die ausgespielt wurde. Ähnlich war es in the Batman. Hier hingegen bleibt man mit der Verführung in der Luft hängen. Ein paar gute Beispiele, eine moralische Zwickmühle oder dgl. hätte hier Abhilfe geschaffen. Aber die gibt es nicht. Dabei wäre das jetzt auch nicht so abwegig gewesen zu implementieren.
    Am Ende sortiert er sich klar hinter dem Vorgänger ein, obschon dieser sehr konventionell geraten ist und ich hier mehr Originalität sehe. Aber die fehlende Konsequenz läst dieses Strohfeuer nur kurz gewähren.
    Next up wäre Black Adam.

    #1758953
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Everything Everywhere All at Once

    Er stand schon lange auf meiner Watchlist. Die Kritiken und die Resonanz der Zuschauer überschlugen sich förmlich zu diesem Film. Ich schätze mal, dass das auch damit zusammenhängt, dass originelles Kino einen höheren Stellenwert geniesst als das in anderen Jahrzehnten der Fall war. Von den Fortsetzungen gings nahtlos über in die Prequels, die Reboots, die Franchises und aktuell die Cinematic Universes. Sogar ein Roald Dahl Cinematic Universe war von Warner in Planung, was von Netflix’ Kauflust arg zerschlagen wurde.
    Dass man erfolgreich auch gegen diesen Trend arbeiten kann, beweist das Studio A24 einmal mehr. Fast schon beängstigend, wie oft sie den Nerv in so vielen unterschiedlichen Genres treffen. Hier reicht es einmal mehr, um sich vom Kritikerliebling in den Stand des Everybodys Darling zu hieven. Mit neun Nominierungen bei den Oscars, darf man sich auch berechtigte Hoffnungen machen, nicht leer bei der Award-Show auszugehen.
    Die Geschichte startet mit einer Steuererklärung. Evelyn (Michelle Yeoh) lebt die fast schon klischeehafte Variante ihres Ichs, die einen Waschsalon betreibt, sich aber in div. Richtungen entwickeln will. Ihr Vater Gong Gong (James Hong) ist auch in die USA gereist, der Ehemann Waymond (Ke Huy Quan) ist ein Waschlappen, der sich nie durchsetzen kann und es jedem recht machen möchte. Und die Tochter Joy (Stephanie Hsu) ist in einer homosexuellen Beziehung, was von der Mutter als Fehlentwicklung interpretiert wird. Dieses Bild wird auch durch ihr Elternhaus vermittelt worden sein. Sie ist zum Start ein ziemlicher Drachen aber nicht im positiven Sinn wie ein Hidden Dragon. Ihr Umfeld leidet spürbar darunter. Diese dysfunktionale Familie steht hier klar im Zentrum der Geschichte.
    Unvermittelt tritt ihr Mann auf den Plan, aber nicht ihr richtiger, sondern eine Version von ihm aus einem anderen Universum. Die Idee des Multiversums wird schnell und schnörkellos etabliert. Die abgefahrene Situation erinnert ab da dezent an Bill & Ted oder auch John Dies at the End. Charaktere, die bisher ein beschauliches Leben führten, werden just in ein Abenteuer geschmissen.
    Durch die Multiversums-Idee erleben wir praktisch jeden wichtigen Charakter in verschiedenen Rollen. Als Steuer-Beamtin darf Jamie Lee Curtis in urkomischen Varianten brillieren.
    Dabei wird auch immer wieder anhand von Flashbacks gezeigt, wie es zu diesen Varianten kam, respk. welche Entscheidungen zu welcher Variation geführt hat und damit ein neues Universum eröffnet hat. Klingt nach Butterfly Effect. Und man bedient sich ähnlicher erzählerischer Kniffe, um die Spannung aufrecht zu erhalten und nicht in einen Beliebigkeits-Nexus abzudriften.
    Im Hintergrund gibt es natürlich eine Bedrohung, eine die so gross ist, dass sie droht alle Universen zu zerstören. Und Evelyn könnte der Schlüssel zur Rettung sein.
    Bei aller Abgefahrenheit und den vielen Ideen, bleibt es ein Stück weit ein intimes Familiendrama, das mit philosophischen Anregungen angereichert ist. Das funktioniert in weiten Teilen des Films auch sehr gut. Dabei steckt der Film auch voller Referenzen an andere Filme und Filmgenres. Martial Arts Movies von Jackie Chan haben genauso ihren Platz wie Kubricks Space Odyssey Opener. Das macht einfach Spass. Dass es nicht häufiger solche Filme gibt, liegt wohl schlicht daran, dass es vermutlich extrem anstrengend zu schreiben ist. Den Überblick kann man da ziemlich schnell verlieren. Dass man diese Leistung mit einem Preis belohnt, ist mehr als gerechtfertigt.
    Und doch kann ich einen Kritikpunkt für mich nicht ganz ausblenden. Das Ende ist mir etwas zu sehr zerredet. Leider ist das bei div. Filmen immer wieder mal der Fall, dass sie sich zu wenig trauen, sich auf die Kraft der Bilder zu verlassen. Dabei liefert der Film genau diese. Einen gewissen kryptischen Anteil hätte auch das Abenteuer vertragen. Ich schätze es, wenn ein Film eben auch einen Teil der Fantasie des Zuschauers überlässt und nicht in seiner Gänze alles audiovisualisiert. Die grossen Sci-Fi-Werke des Kinos ähneln sich in dem Punkt und lassen die Magie der Bilder wirken.
    Das ist natürlich Kritik auf sehr hohem Niveau und viele werden diesen Punkt auch nicht teilen. Für mich dennoch ein Grund, warum der Film es für mich nicht ganz zum Meisterwerk schafft. Ich kann mir aber vorstellen, dass weitere Sichtungen an der Rezeption durchaus was ändern. Entweder ich stelle fest, dass es gar nicht so durchdacht ist oder das Gegenteil tritt ein und ich sehe immer mehr Zusammenhänge und Details, die den Film in der Kategorie auf ein neues Level heben. Den Faktor der Anstrengung eliminiert es freilich natürlich nicht. Damit hatte Tenet übrigens auch zu kämpfen.
    Den Mut muss man aber erst mal haben, eine Geschichte zu liefern, die nicht ganz so zugänglich ist. Im Kern versteht man schnell, worum es geht, aber die Feinheiten machen es eben aus. Wenn man einen Gedanken aus dem Film mitnehmen möchte, dann dass es jedem seine Entscheidung ist, ob er die beste Version seiner selbst sein will. Der Film huldigt dem Gestaltungswillen und das ist gerade in der heutigen Zeit, wo alles vorgekaut wird, eine Botschaft, die kaum dringlicher sein könnte.
    Wenn man sich filmisch was gönnen möchte, sollte man immer wieder mal einen Blick in die Schatzkiste von A24 werfen.
    Nicht unerwähnt lassen möchte ich, wie vorbildlich Anbieter Leonine mit dem Austausch der falsch gemasterten Disc umgegangen ist. Die wurde anstandslos ersetzt und über die Grenze versendet, was nicht selbstverständlich ist. Sollte jemand davon betroffen sein (die Erstversionen der 4K Disc), einfach anschreiben per Mail.

    #1758956
    captain carotcaptain carot
    Teilnehmer

    Kann den einen Kritikpunkt durchaus verstehen. Für mich war das durchaus ein Highlight des letzten Jahres weil der Film auf einer Reihe von Ebenen Spaß macht und dabei gleichzeitig seine Figuren und deren Probleme ernst nimmt.

    #1759575
    captain carotcaptain carot
    Teilnehmer

    Wyrmwood Apocalypse

    Der Streifen wirkt eine gute Ecke professioneller als Teil 1, es bleibt aber trashiger Splatterspaß. So einiges erinnert an die gute alte Zeit aka entsprechende Machwerke der 80er und 90er. Es bleibt aber durchaus eigenständig.

    #1759595
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Candyman

    Für die neueste Inkarnation des Candyman wurde fleissig mit Jordan Peele geworben, der zuletzt mit Nope sein Können weiter unter Beweis gestellt hatte. Und so verwundert es auch nicht, dass seine Handschrift – er war am Screenplay beteiligt – deutlich spürbar ist. Dabei geht es hier weniger um den Candyman als urbanen Mythos, denn um seine Symbolik und die Identität der schwarzen Gemeinde Amerikas an sich. Wir folgen hier keiner Journalistin, die sich auf die Suche nach dem Mythos begibt, wie seinerzeit im Original, sondern einem jungen, afroamerikanischen Künstler (Yahia Abdul-Mateen), der auf der Suche nach Motiven für seine Kunst, auf den Candyman stösst. Als dann buchstäblich die Kunst zum Leben erweckt wird, beginnt eine Gewaltspirale zu drehen, die unweigerlich in den Abgrund führt. Im Grunde ist das ein klassischer Faust-Pakt, bei dem der Preis für Unsterblichkeit eine grausame Kehrseite der Medaille offenbart.
    Dass man sich an Stereotypen der Kunst abarbeitet, ist eine wohltuende Abwechslung zur üblichen Teenie-Schlachtplatte. Einige Punkte ähneln dabei der neuen Halloween-Reihe, die im Kern auch versucht hat, gesellschaftliche Fragen in ihrem Mythos zu brechen. Im Gegensatz zu dieser Reihe, gelingt das bei Candyman tatsächlich. Die Fragen werden dabei nicht offensichtlich beantwortet, sondern dem Zuschauer wird zugemutet, diese für sich selbst zufriedenstellend zu beantworten. Und das ist, was ich an dem Film mochte. Themen, die behandelt werden, beschäftigen auch lange nach der Ansicht des Filmes und ähnlich wie bei Peeles Regie-Arbeiten, macht das Sinnieren darüber auch Spass.
    Sinnbildlich könnte man den Candyman als Urangst des weissen Menschen vor seinem schwarzen Mitbürger verstehen. Dieses diffuse Gefühl, das über Legenden und Mythen genährt wird und mit der Realität nur wenig zu tun hat. Aber die Aufrechterhaltung des Mythos hat für beiderlei Seiten Vor- und Nachteile.
    Dabei verfolgen wir, wie der junge Künstler allmählich den Versuchungen erliegt und sich selber in den Mythos hineintransformiert. Gemäss dem Zitat, wenn du zulange in den Abgrund schaust, schaut der Abgrund irgendwann in dich hinein.
    Was das Original etwas besser machte, mMn, war die beklemmende Atmosphäre. Wohl auch hauptsächlich, weil Virginia Madsen – sie hat in der Neuauflage einen speziellen Auftritt – hilfloser und verzweifelter wirkte. Aber das gesamte Sounddesign inkl. des Scores ist absolut gelungen. Mir fällt da aktuell nur It Follows ein, der da noch mehr rausgeholt hat.
    Dem Film mangelt es aber nicht an verstörender Gewalt. Die Erzählung der Legenden findet als eine Art Scherenschnitt-Cartoon statt, was ich ebenfalls sehr gut umgesetzt und originell fand.
    Die Themenpalette, die man in dem Film hat, ist breit gefächert. Rassismus wird uns nicht nur im Offensichtlichen gezeigt, z.B. wird hier auch angesprochen, wie er Teil der Stadtplanung werden kann. Kurzum inhaltlich setzt er frische Akzente im Horrorgenre und fühlt sich diesem trotzdem zugehörig, was zu einer ausgewogenen Mischung führt. Er vereint Elemente aus den Ring-Filmen, die Fliege und natürlich dem Original, findet aber seine eigene Linie ohne wie ein Derivat von Versatzstücken zu wirken.
    Eine angenehm unangenehme Überraschung würd ich meinen.

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