Greedfall

Dieses Thema enthält 3 Antworten und 2 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von Nightrain Nightrain vor 1 Monat.

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  • #1660345
    Nightrain
    Nightrain
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    Gold MAN!AC

    Da es hier scheinbar noch kein Thema zu diesem Titel gibt … 😉

    Greedfall

    Spiders neues Spiel ist ein Doppel-A-Titel – und das merkt man oft genug. Aber nachdem ich dieses RPG eine ganze Urlaubswoche, Dank Perma-Regen, fast durchgehend gezockt habe, kann es ja nicht so übel sein.
    Angesiedelt in einer fiktiven Version unseres 16. Jahrhunderts, in der drei große Fraktionen über den bekannten Kontinent herrschen:
    Die Brückenallianz, eine Version des Morgenlandes, die Thélème, angelehnt an erzkatholische Länder wie Spanien und Portugal und die Handelsallianz, vergleichbar mit den Holländern und Briten, wenn man sie Französisch einfärbt. Dazu gesellen sich noch die Groschengrade, die als Söldner für alle drei Fraktionen arbeiten und die Nauten, ein Seefahrervolk mit Maori-Gesichtstattoos, die somit auch einen nicht unwichtigen Einfluss auf die Geschehnisse haben.
    Als dann noch eine neue große Insel gefunden wird, haben wir ein tolles Entdeckerszenario. Ach und eine pestähnliche Seuche sucht zudem noch den Kontinent heim. Damit kommen dann noch die Eingeborenen dort als Fraktion dazu.

    Zunächst das Offensichtliche: Grafik und Sound
    In Standbildern sieht Greedfall schon sehr hübsch aus. Auch die größeren Areale, denn eine Open-World bietet das Spiel nicht, sind schick designend. In Bewegung hingegen merkt man dann, dass hier nur ein kleines Team mit weniger Budget am Werk war. Zwar tummeln sich auch diverse Tiere dort, aber immer nur vereinzelt. Besser sieht es da in den Städten aus, aber auch hier herrscht kein Hochbetrieb, wie z.B. bei AC:Unity oder auch nur Black Flag. Stimmungsvoll ist es aber trotzdem irgendwie.
    Die Figuren sind eigentlich gut animiert, nur die Gesichter sind arg hölzern.
    Musikalisch gibt man sich eher ruhig. Im Kampf dreht es dann etwas auf, aber unterm Stick ist es kein Soundtrack, der mir ins Ohr gegangen wäre oder den ich wiedererkennen würde. Anders sieht es bei der Sprache aus. Die Synchro ist durchgängig englisch und nicht lippensynchron, dafür aber wirklich gut. Da man verhältnismäßig viel mit anderen Figuren redet, ein Pluspunkt.

    Spielerisch gibt man sich bei den Kämpfen äktschn-orientiert. Zwar kann man jederzeit Pausieren, um seiner Figur, aber nicht den Begleitern eine Aktion zuzuweisen, ausgeführt wird diese dann aber erst nach Beendigung der Pause.
    Das Kampfsystem besteht neben „Draufhauen und Weghopsen“ aus „Schießen und Weghopsen“ oder „Zaubern und Weghopsen“. Später wird aus Weghopsen dann auch mal Wegrollen oder Wegteleportieren. Die Gegner stürmen munter und lebensmüde voran und … ganz kurz: Das Kampfsystem ist in meinen Augen Kacke und macht mir am ganzen Spiel am wenigsten Spaß. Es bietet ach zu wenig Abwechslung: Die Nahkampfangriffe sind wenig spektakulär oder kunstvoll. Es gibt einen Fernzauber, zwei Buffs und zwei Flächenangriffe und man kann mit Pistole oder Gewehr schießen, ohne selbst wirklich zielen zu können. Und irgendwie ist es alles sperrig.
    Das Ganze wirkt wie ein Wolpertinger aus etwas von Bioware, das von einem JRPG vergewaltigt wurde. Irgendwann hab ich dann einfach auf den leichtesten Schwierigkeitsgrad gestellt, weil man es damit einfach schnell hinter sich bringt.
    Zum Glück kann man auch oft genug – die richtigen Fähigkeiten vorausgesetzt – Kämpfe mit Diplomatie und Redegeschick umgehen. Was mein bevorzugter Weg war.
    Dafür muss man aber die richtigen Talente haben, diese beeinflussen das allgemeine Spiel, von Dialogen bis hin zum Schlösserknacken und Schleichen. Attribute hingegen beeinflussen die passiven Möglichkeiten, was Ausrüstung angeht. Fertigkeiten sind dann für den Kampf wichtig.
    Man bekommt jedoch nicht mit jedem Level-Aufstieg für alle drei einen Punkt, sondern immer nur für Fähigkeiten. Für Attribute und Talente gibt es nur alle drei bis fünf Level einen, so dass man sich hier gut überlegen sollte, für was man ihn ausgibt. Dank Rüstungsmodifikationen und Begleiterboni kann man sich zumindest einige Talentpunkte anderweitig besorgen.

    Wo wir schon bei Begleitern sind, davon gibt es auch welche und immer zwei davon kann man bzw. muss man in seine Gruppe mitschleppen. Diese agieren autark im Kampf und geben in Dialogen gerne mal ihren Senf dazu, so dann man sich gut überlegen sollte, wen man jetzt zur Audienz bei der Mutter Kardinal mitnimmt, da die vorlaute Wissenschaftsdame von der feindlichen Fraktion wohl eher negativ auffallen wird.

    Damit kommen wir auch zur Geschichte. Diese ist wendungsreich erzählt, wird aber irgendwann etwas vorhersehbar. Man erkundet die Gebiete der Insel, verhandelt als Abgesandter der Handelsallianz mit den Gouverneuren und Befehlshabern der anderen Fraktionen und kommt so den Geheimnissen der neuen Welt immer weiter auf die Spur.
    Nebenbei kann man für die Fraktionen und Begleiter Nebenquests verfolgen, was den eigenen Ruf bei diesen steigert, so dass sie einen später im Spiel unterstützen oder die obligatorische auf Wunsch auch gleichgeschlechtliche Romanze verfügbar wird.

    Greedfall gefällt mir. Greedfall ist mal etwas anderes als das Typische Zwerge/Elfen/Orks-Einerlei. Greedfall mach auch viel Spaß. Aber Greedfall ist unter nüchterner Betrachtung derbe unpoliert und ein halbes bis dreiviertel Jahr mehr Entwicklungszeit mehr und eine komplette Überarbeitung des Kampfsystems hätten es wirklich scheinen lassen.
    Das Spiel erinnert mich an Knights of the Old Republic, im Guten wie im Schlechten und hat Potential auf so viel mehr. Ich hoffe daher, dass es verkaufstechnisch ein Erfolg wird, so dass der Nachfolger dann vielleicht als polierter AAA-Titel erscheint. Die Welt ist interessant genug und ich würde gerne mehr vom Ganzen haben.

    Bisher bin ich noch nicht durch, aber das letzte Gebiet liegt vor mir. Die Begleiterquests sind abgeschlossen, die Ausrüstung sowie mein Charakter so ziemlich auf dem finalen Stand und das Ende ist schon sehr vorhersehbar.

    Daher schon mal meine Wertung: 6,5 von 10 Punkte

    Spielts noch wer? Wenn ja, wie sind Eure Eindrücke?

    Wer zappt so spät durch Nacht, TV, Games und das Weltweite Warten? DER NIGHTWATCHER!!!
    http://www.youtube.com/user/NightwatcherReview

    #1660436
    Rudi Ratlos
    Rudi Ratlos
    Teilnehmer
    Gold MAN!AC

    Vielen Dank für deine ausführlichen Eindrücke, der Test in der aktuellen M! las sich auch schon sehr interessant. Sowas ist bei mir leider momentan aber zeitlich nicht drin, daher wird’s wohl mal für ‘nen schmalen Taler nachgeholt.

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    Keep on smiling 🙂

    1 Benutzer dankte dem Autor für diesen Beitrag.
    #1660499
    Nightrain
    Nightrain
    Teilnehmer
    Gold MAN!AC

    Rudi, das Schöne ist, es ist kein Umfangmonster. Spiel glaube ich so was von 30 Stunden und bis kurz vor Schluss.
    Gerade eine der Nebenmissionen der Gefährten kann man prima in ca. einer Stunde am Abend mal machen machen. Oder einfach ein neues Gebiet aufdecken.

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    1 Benutzer dankte dem Autor für diesen Beitrag.
    #1660691
    Nightrain
    Nightrain
    Teilnehmer
    Gold MAN!AC

    Abschließendes Fazit – nun hab ichs durch:

    Gestern habe ich dann das Finale gespielt. Die totale Spielzeit ca. 52 Stunden (Spielstand sagt 2Tage-5Stunden-irgendwasMinuten) ist doch länger als erwartet oder ich hab mich einfach mit sehr viel Zeug aufgehalten und bis auf die die “sammel X Tagebücherseiten” und ca. 4 regionale Quests im Sinne von “töte X von Y” alles gemacht.

    Streckenweise hat mich das Spiel wegen “reise hierhin und rede mit X und dann reise zu Y und erzähl ihm davon, um dann von Z über U zurück zu X” einfach nur noch angebrochen. Zumal man in manchen Quests die Möglichkeit hat direkt irgendwo hin zu reisen, statt zum nächsten Schnellreisepunkt zu latschen, dann Zwischenstopp im Camp und anschließendes Gelatsche zu nächsten Questziel. So kann man Spielzeit auch strecken, wobei ich das eher auf ungeschicktes Spieldesign schieben würde.

    Dass es dann doch noch relativ lang ging, hat mich verwundert, denn mein Charakter war dann was Fähigkeiten anging eh schon am Limit und meinen Spielstil wollte ich kurz vor Ende eh nicht mehr ändern und meine Ausrüstung und die meiner Begleiter war auch schon das Beste, was man bekommen konnte.
    Einerseits löblich, dass man sich sowohl das gute als auch das böse Ende triggern und damit kann, wenn man kurz vor dem Endkampf speichert. Das ist allerdings einfach nur eine Entscheidung, die man treffen muss. Da dies eine Frage nach “entweder oder” ist und man nach einfachem Laden des letzten Spielstandes und erneutem Endkampf beide Enden, inklusive “was wurde aus ihnen” zu sehen bekommt, sinkt der Wiederspielwert rapide.

    Da ich gleich ein bisschen spoilern werde, was die Einwirkung der Eintscheidungen auf das Ende angeht, schon einmal hiermit meine Bestätigung meiner Wertung von zuvor. Das Spiel wirkt wie ein sehr weit ausgearbeitetes Proof of Concept, bei dem man sich aber nicht getraut hat dann irgendwas wegzulassen und sich dafür auf andere Dinge zu konzentrieren. Alles bleibt irgendwie rudimentär.
    Trotzdem macht es streckenweise sehr viel Spaß, auch wenn man sich immer wieder wegen Designschnitzern ärgert.

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    +++ WARNUNG: AB HIER GIBT ES SPOILER +++

    Ich habe das Spiel als sehr diplomatischer Charakter durchgespielt und sehr auf Charisma und ähnliche Poben/Antworten gesetzt, daher waren mir gegenüber alle Fraktionen und Begleiter “freundlich” eingestellt. Das hat am Ende eigentlich nur beeinflusst, welche der Fraktionen sich mir zur Endschlacht angeschlossen haben – in diesem Fall natürlich alle.
    Mehr hat man jetzt eigentlich nicht bemerkt, denn trotzdem ich die Insulaner und die Thélème glaubenstechnisch nahe gebracht habe (eine Möglichkeit, wenn auch mit kolossalen Auswirkungen), war die Antwort der Anführerin so gehalten, als würde würde sie die Einwohner noch immer für nicht mehr als Wilde betrachten, die Dämonen verehren.
    Dann habe ich vor dem Endkampf, den man komplett ohne Begleiter absolvieren muss, gespeichert. Nach diesem kann man wählen, ob man für den alten oder für den neuen Gott ist. Letzterem kann man sich anschließen und mit ihm über die Insel herschen.
    Da dies eine Frage nach “entweder oder” ist und man nach einfachem Laden des letzten Spielstandes und erneutem Endkampf beide Enden, inklusive “was wurde aus ihnen” zu sehen bekommt, sinkt der Wiederspielwert rapide:
    1. alter Gott: Alle leben ein langes erfülltes Leben, nähern sich an, die Seuche wird langsam immer mehr zurückgedrängt.
    2. neuer Gott: Man errichtet eine Terrorherrschaft auf der Insel. Die Gefährten werden alle irgendwie “depressiv” und ziehen sich zurück/sterben. Die alte Walt versinkt in der Seuche und neu aufflammenden Konflikten.

    +++ SPOILER ENDE +++

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