ChrisKong

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  • als Antwort auf: Gernseh-Serien #1728970
    ChrisKongChrisKong
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    Squid Game Staffel 1 (Netflix)

    Hatte die Serie erst mal links liegen gelassen und nur am Rande mitgekriegt, um was es geht. Dann gabs Diskussionen, dass auf Schulhöfen Spiele und Elemente der Show nachgestellt wurden.Was ja logischerweise nur möglich ist, wenn die Serie auch von Kindern konsumiert wurde. Sicher nicht im Sinne vieler Eltern, die sich entrüsteten. Die Gefahr hierin liegt nun in einer Art plakativen Verurteilung, wobei die Ästhetisierung der Gewalt mit ihrer Verherrlichung gleichgesetzt wird. In meinen Augen würde man hier den Machern Unrecht tun. Denn darin unterscheidet sich die Serie ganz klar von anderen Machwerken, wie beispw. the Hunger Games. Dort wird Gesellschaftskritik suggeriert, ist aber im Grunde nichts weiter als ein Kinder-Gewalt-Porno, der lediglich darauf abzielt, das Bedürfnis von Gewalt von Kindern an Kindern zu befriedigen. Battle Royal ist schon zu lange her, Teil 1 war da in meiner Erinnerung sehr provokativ, liess sich aber nicht allein darauf reduzieren, wohingegen die Fortführung als Reihe dann wiederum nur den kritischen Aspekt des Gewaltvoyeurismus bediente. Andere Beispiele wären noch the Purge und Saw, wobei beide dem Terror-Genre zugeordnet werden können und nicht vordergründig versucht wird, die Gewalt hinter Scheinmoralität zu verstecken.
    Squid Game steht da eher in der Tradition von Sozial-Experiment-Thrillern. Wer der Schacht, the Hole, Cube, das Experiment und/oder das Ami-Make gesehen hat, weiss in etwa, was er zu erwarten hat. Nun halt einfach mit einer längeren Laufzeit. Geht für mich so in Ordnung, wobei es auch stellenweise Überflüssiges gibt, Redundanz in der Message und Handlungsstränge, die mE keine Bereicherung darstellen, eher die Gefahr bergen, Anknüpfpunkte für Erweiterungen zu sein. Ja, ich glaube eine weitere Staffel würde mich eher enttäuschen, da das Ende schon ein sehr profanes ist, welches nur auf der Klaviatur einer Wiederholungs-Initiation spielt. Das erinnert an Horrorfilme, ist mir mittlerweile aber einfach zu ausgelutscht.
    Was bietet Squid Game denn nun? Gutes wie Negatives. Das Negative hält sich dabei stark in Grenzen, die positiven Seiten überwiegen und man ist keine Sekunde gelangweilt. Beim Negativen bleibt in erster Linie das zum Teil grottenüble Schauspiel einiger Darsteller. Das erinnert ungewollt an alte Klamotten aus Hong Kong oder auch durchaus neuere Vertreter aus Südkorea. Gerade die Figur Seong hat einige Momente, die man echt ertragen muss. Zumal die Dialoge da auch keine Unterstützung liefern. Ich brauch nicht eine Hauptfigur, die freudig herumhampelt und Dinge sagt wie, ich glaube das nächste Spiel könnte ein Murmelspiel sein, wenn sie grad Murmeln aus einem Säckchen nimmt. Und die exaltierte Darstellung von Kim Joo als Han Mi geht wirklich schnell auf den Zeiger und sorgt für Fremdschämen pur. Dadurch leidet letztlich die Ernsthaftigkeit und beisst sich mit der virtuosen Inszenierung des ganzen Restes. Und die ist denn auch ein Highlight. Hier wird mit der Kamera richtig gearbeitet, die ganze Ästhetik ist sehr beeindruckend und vermittelt Kino-Qualität. Bild und Ton sorgen für eine gelungene Sogwirkung, die weiss, wie man die Anspannung aufrecht erhält. Dabei kommen auch ruhige und gefühlvolle Momente gut zur Geltung, etwa wenn die Motivation der Teilnehmer offengelegt wird. An einer Stelle hätte ich mir sogar noch mehr von den formulierten inner-asiatischen Konflikten gewünscht. Eine Teilnehmerin ist eine Flüchtige aus Nordkorea. Und die Bezüge zu diesem totalitären Regime sind zwar vorhanden, aber die Drahtzieher gehören eher in die Ecke der Eppsteins dieser Welt. Diese kriegen ihre eigenen Momente in einer Episode, verkommen aber zu gesichtslosen Karikaturen und blossen Abziehbildern. Gehört für mich zu den schwächsten Stellen der Serie und wirkt peinlich von Hollywood inspiriert. Der Plot um einen Polizisten der sich in die Organisation einschleust, ist zwar spannend, aber deutlich zu überfrachtet, als dass es die gewünschte Kraft bei seiner Auflösung entfalten könnte. Dafür fehlt es an Background. Park Hae, der Cho Sang spielt, einen gescheiterten Banker, ist die am stärksten gespielte Figur und sticht deutlich heraus. Die Gesichtszüge erinnern an einen koreanischen Mads Mikkelsen. Das wirklich Verbindende ist aber die Ambivalenz eines Charakters zur Geltung bringen zu können. Hae chargiert nicht wie einige seiner Kollegen, sondern zeigt ein nuanciertes Spiel, bei dem man hin und hergerissen ist, weil sich die Figur selber nicht bewusst ist, wie weit sie gehen kann oder möchte. Das macht das gesamte Spiel auch reizvoll für den Zuschauer, weil er so wenig wie die Spieler weiss, in welcher Form die Competition arrangiert wird. Fehlentscheide sind bei den Squid Games fatal und der moralische Prüfstein meldet sich schon sehr früh.
    Die Gewalt wird nicht effektheischerisch in Szene gesetzt, noch liefert sie einen Torture-Porn ab, den man vermuten könnte. Seine Härte erreicht der Film dadurch, dass das Ableben der Figuren einem näher geht, weil sie uns nicht als beliebige Opfer vorgestellt werden. Da wäre z.B. Kang Sae, dargestellt von Jung Ho, welche die Flüchtige spielt oder der pakistanische Wanderarbeiter Ali. Beide stehen für die Lebensrealität der Menschen, welche keine Chance haben und diese nutzen müssen. Die Wirtschaft macht aus Opfern Täter. Beide haben auch wunderbare Momente in der Serie. Zu den stärksten gehört mit Sicherheit das Murmelspiel mit einem dementen alten Mann, der als Katalysator für das Verhalten der Hauptfigur dient. Das ist nicht nur toll gespielt, sondern auch wirklich clever geschrieben. Es hat auch einiges an Hinweisen, die zum Ende hin relevant sind. Gingen an mir vorbei. Wer sich dafür interessiert, wird im Netz schnell fündig. Man sollte auch nicht unterschlagen, dass die Hauptfigur gegen Ende weit weniger nervig dargestellt wird und das Overacting zurückgefahren wird, wo nötig. Die pure Verzweiflung verlangt natürlich eine Portion Dramatik, da gehört sie auch hin.
    Die Gruppendynamik wird durch die sich verändernden Ausgangslagen immer wieder verändert. Auch das ein typisches Merkmal für dieses Genre. In Sachen Diskriminierung liefert er leider ein zu schwaches Statement. Die Rolle der Frau ist hier nicht grad schmeichelhaft und ihr Wert für die Gruppe wird eher dem Zufall geschuldet als der reinen Überlegung von Vielfalt in den Fähigkeiten. Das ist mMn eine vertane Chance. Ich vermute mal, wäre es eine westliche Produktion, würde man hier ein anderes Bild präsentieren und die patriachalische Denkweise als Irrweg dekonstruieren. Das passiert tatsächlich nicht so recht. Hinterlässt bei mir eher ein zwiespältiges Gefühl. Die Serie versucht eher zu vermitteln, dass moralisches Handeln gegenüber Schwachen lohnend sein kann. Nur dumm, dass die Frauen und Greise grundsätzlich als schwach definiert werden.
    Mein Fazit lautet entsprechend denn auch, viele Aha- aber auch einige Oha-Momente. Zum einen wird man mit kunstvollen Bildern nur so bombardiert und kriegt reichlich Futter für Diskussionen, zum anderen sind die Schwächen nie so extrem, dass man den Blick fürs Wesentliche verstellt kriegt. Und wie gesagt, wird hier kein voyeuristischer Gewaltporno geliefert, der sich medial kontrovers feiern lassen will oder sich wie die oben zitierten Beispiele als Beitrag für Gesellschaftskritik verkauft und es dann nicht ist. Gganbu war für mich die beste Episode, VIP inhaltlich die schwächste, obwohl enorm spannend. Vorurteilsfrei schauen, dann urteilen.

    als Antwort auf: Gernseh-Serien #1728493
    ChrisKongChrisKong
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    Atlanta Staffel 1 (Disney+)

    Die Serie wurde recht gefeiert, was natürlich neugierig macht. Der Release der Staffeln findet mit Jahresabständen statt. Macher Donald Glover lässt sich ausreichend Zeit. Als Hauptdarsteller, Autor und Produzent schultert er auch die meiste Verantwortung. Und wenn man eines definitiv sagen kann, dann dass er sehr talentiert ist. Hier stimmt auch wieder der komplette Mix aus situativer Komik, frechen Dialogen, schrägen Einfällen, Überzeichnungen usw. Dabei verliert er bei allem Witz nie das Grundthema, die Armut seiner Hauptfigur, aus dem Fokus. Diese verursacht weitere Kaskaden, die das Leben von Earn bestimmen. Er ist der typische Pleitegeier, der sich versucht mit seiner Cleverness über Wasser zu halten. Dabei gerät er immer wieder in entlarvende Situationen, die zeigen, wo das Gefälle zwischen arm und reich liegt und warum es im Interesse der Gesellschaft ist, Klischees zu zementieren. Die Situationen, in denen das Geld knapp wird, kommen sehr authentisch rüber, angefangen vom Restaurantbesuch, der auszuarten droht bis hin zu dubiosen Deals und deren Verschleppung in neue Deals. Gegen Ende der ersten Staffel lässt der scharfe Witz dann ein wenig nach und wechselt ins Gefühlvolle.
    Eine Milieustudie mit Charme, die nicht mit dem erhobenen Finger rumspaziert, sondern die Missstände mit einer guten Portion Ironie serviert ohne sie zu bagatellisieren. Der Cast und die Dialoge sind allein schon die Ansicht wert. Folgen wie jene mit der Talkshow Montague sind allerbeste Satire, der Chocoflocken-Clip lässt tief blicken, wie es in der schwarzen Seele Amerikas aussieht. Disney sollte sich unbedingt Glovers Talent als Schreiber sichern, insbesondere wenn er mit Lando höchstwahrscheinlich seine nächste eigene Show bekommt.

    als Antwort auf: Meckerweide #1728464
    ChrisKongChrisKong
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    @Nightrain

    Die nächste Blockchain-Blase, die vordergründig viel Geld verspricht, ansonsten keine Existenzberechtigung hat, wenn man Geldwäsche und Verstecken vor dem Fiskus subtrahiert und unnötig Ressourcen verbraucht, ohne einen Mehrwert für irgendwen zu generieren. Also im Prinzip ein Bitcoin, den du ansehen kannst, aber weiterhin nicht anfassen. Gibt div. Erklärvideos, aber die kann man abkürzen, Pyramide-Scheme, Schneeball-System, Multilevelmarketing, also die gleiche verlogene Scheisse. Finde die Staaten sollten da mal langsam den Riegel schieben und dieses Mining beenden.

    als Antwort auf: Gernseh-Serien #1728463
    ChrisKongChrisKong
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    Ja, die Serie wird immer besser, versprochen. Klar, ein paar Mal hats zu viel Klamauk, aber in der Summe kriegst du hier mehr Star Trek als die letzten paar Jahre.

    als Antwort auf: Gernseh-Serien #1728440
    ChrisKongChrisKong
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    Mr. Inbetween Staffel 2 (Disney+)

    Es geht nahtlos weiter in Staffel 2 mit den bisherigen Ereignissen und den Konsequenzen daraus. Die zweite Season wird aber stärker von einer Melancholie getragen. Die degenerative Krankheit von Bruce, Rays Bruder, schreitet voran und hinterlässt seine Spuren in seinem Umfeld. Zwar gibt es immer noch urkomische Situationen und Zuspitzung, aber der etwas ernstere Grundton überwiegt. Da das aber authentisch vorgetragen wird, kommts nie kitschig rüber. Auch hier gibts schon eine weitere Staffel, die aber noch nicht verfügbar ist auf D+. Das Ende der Staffel zieht abermals einen Schlussstrich unter die Handlungen, deren Konsequenzen Ray trägt. Das macht die Neugier auf Staffel 3 natürlich gross, weil man nur mutmassen kann, wies weitergeht. Ein guter Beweis, dass nicht immer ein Cliffhanger am Ende stehen muss. Macht Spass, unterhält nicht ohne Tiefsinn, empfehlenswert wie Staffel 1 auch schon.

    als Antwort auf: Gernseh-Serien #1728439
    ChrisKongChrisKong
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    The Orville Staffel 2 (Disney+)

    Man verlässt sich weiter auf die Stärken der Show, greift Handlungsfäden vorhergehender Episoden auf und macht wieder all das richtig, was man bei New Trek falsch macht. Ist für mich auch in der zweiten Staffel die gute Laune Serie. Es geht ja zum Glück weiter und ich hoffe doch noch auf sehr viel mehr Episoden. Man hat hier mit zwei Staffeln gerade mal das Äquivalent einer TNG oder DS9 Staffel. Aber wenn dafür keine Hänger drin sind, ist mir das egal. Wobei ich seinerzeit auch die schwächeren Episoden bei Star Trek immer gern geschaut habe, einfach auch wegen der Charaktere. Worin sich die Serie natürlich ein wenig abhebt, sind die familiären Konflikte, die sich nicht immer in Wohlgefallen auflösen, gerade Bortus steht mit Klyden öfters im Klinch, da Klyden eine sehr konservative Sichtweise hat. Personell gibts einen Wechsel, der ein bisschen schade ist. In dieser Staffel hat LaMarr deutlich weniger zu tun, was ein wenig schade ist. McFarlane drückt sich aber nie unangenehm in den Vordergrund, die Crew kommt gleichermassen zu ihren Momenten und Folgen. Man bleibt sich auch treu, nicht alle Folgen trekmässig aufzulösen, sondern auch mal Niederlagen oder nur Teilsiege hinzunehmen. Dadurch wirkt sie bei all der referenziellen Nostalgie dennoch frisch und nicht angestaubt.
    Wem Staffel 1 gefallen hat, wird auch Staffel 2 mögen. Der Grundton ist durch den schwelenden Konflikt am Ende der ersten Staffel etwas ernster und Kalauer gibts deutlich weniger. Vielleicht haben in der nächsten Staffel humorvolle Momente wieder häufiger Platz.

    als Antwort auf: Gernseh-Serien #1728438
    ChrisKongChrisKong
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    Mayans M.C. Staffel 1 und 2 (Disney+)

    Sons of Anarchy, von der diese hier ein Spinoff ist, war eine meiner Lieblingsserien. Sutter hat es einfach perfekt verstanden, den Zuschauer in das Outlaw-Biker-Milieu absteigen zu lassen. Wies zu der Serie kam und welche Hürden es gab, wäre sicher interessant zu recherchieren. Chuck Zito, der eine Nebenrolle in der Serie hatte, hatte zur gleichen Zeit wie Sutter die Idee für eine Biker-Show. Weil sich Sutters Idee aber durchsetzte, gab er Zito einen kleinen Part bei den Sons. Auch sonst tummeln sich viele Weggefährten von Sutter und Spezi Shawn Ryan (the Shield). Die Serie endete angemessen und die Notwendigkeit einer weiteren solchen Serie sah ich jetzt nicht zwingend. Als dann aufkam, dass es sich um die Mayans handeln würde, war ich jetzt nicht übermässig angetan. Wusste nichts zum aktuellen Stand, obs ein Erfolg war oder nicht, worums ging usw. Dann erstmal die erste Folge geschaut und war ein wenig ernüchtert. Also wenn das die ganze Staffel so gewesen wäre, hätte ich nicht lange weitergeschaut. Alles schien vertraut aber Klassen schlechter zu sein. Aber ich muss schon sagen, dass mich die Serie ab der zweiten Folge schon hatte. Spannung ist da, wird aber auch nicht elends hinausgezögert wie in anderen Serien. Man kriegt immer wieder ein paar Happen serviert. Entwicklungen überschlagen sich, sind zuweilen auch ein wenig absurd, insbesondere im Hinblick auf die Kompetenz mancher Personen. Cameos und Gastauftritte aus den Sons gibts auch. Aber das erwartet man ja auch. Die Hauptfigur wächst mit der Serie mit. Anfangs etwas blass, mausert sie sich immer besser. An Hunnam reicht die Darstellung nicht heran. Die Nebencharaktere entwickeln auch mit der Zeit ihren Reiz. Am meisten glänzt da Edward James Olmos in der Rolle des Vaters vom Prospect EZ – Kurz für Ezekiel. Die Mechanismen der Dramaturgie kennt man gut aus den Sons. Die Folgen enden praktisch immer mit einem Cliffhanger oder Hammer. Wird natürlich etwas überstrapaziert. Und natürlich kann man nicht ausblenden, dass man die längste Bromance der Welt serviert kriegt. Was hier an Männerfreundschaften zelebriert wird, ist schon reichlich drüber. Macht die Charaktere aber klar sympathischer, als würde man nur die negativen Seiten herauskehren. Unschuldsengel gibts keine in der Serie, gar keine. Jeder ist kriminell oder korrupt oder war es mal.
    Was auch interessant ist, dass es für div. Hollywoodschauspieler quasi einen Latino-Ersatz gibt. So sehen wir Mexican-Rourke, Mexican-Sagal, Mexican-Berntal, Mexican-Ferguson u.a. Die Spannung hält sich über beide Staffeln hinweg, die verfügbar sind. Eine 3. gibt es, aber nicht auf D+, vermutlich liegen die Erstaustrahlungsrechte noch irgendwo anders, zumindest im deutschsprachigen Raum. Eine 4. Staffel wurde bestätigt. Sprich, scheinbar läuft die Serie gut und ich kanns ihr nicht verübeln. Hätte am liebsten auch gleich weitergeschaut. Nicht so gut wie die Narcos oder der Godfather, aber knapp darunter ist auch nicht schlecht. Kurt Sutter zeigte übrigens eine schöne Geste, indem er sich zurücknahm als Showrunner, weil er fand, dass es komisch wäre, als Weisser Verantwortlicher für eine Serie zu sein, bei der es um die Hispano-Bevölkerung geht. Allerdings mündete das scheinbar ein wenig in Chaos, weswegen er danach als Co-Showrunner gefeuert wurde. Er hat dazu ein Statement verfasst, in dem er sich entschuldigt, weil er eigentlich genau das Gegenteil bezweckt hatte. MMn schiesst er hier auf niemanden und zeigt Grösse. Hier ein Artikel dazu:

    https://variety.com/2019/tv/news/kurt-sutter-mayans-mc-1203374249/

    Ich hoffe, dass Elgin James die Show erfolgreich weiterführt und wir noch ein paar spannende Staffeln kriegen.

    als Antwort auf: Der Film und Fernseh Thread #1728437
    ChrisKongChrisKong
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    Ready or not – Auf die Plätze, Fertig, Tot (Disney+)

    Samara Weaving spielt in diesem Horrorfilm die Hauptrolle. Richtig stark war ihr Auftritt in Guns Akimbo. Hier bestätigt sie die mitreissende Darstellung aber wiederholt nicht ihre Rolle. Hier ist sie nicht ein Killer, der sich halbwegs erweichen lässt, sondern Opfer, das den Spiess umdreht. Die Geschehnisse finden in einer Nacht statt, da muss die Entwicklung schon ein bisschen glaubhaft wirken. Und das tut es einigermassen dank Weaving. Verzweiflung wandelt sich langsam in Wut und Widerstand. Worum gehts?
    Grace heiratet in die Familie von Alex ein. Diese glaubt verflucht zu sein von einem Geschäftsmann namens LeBail. So muss immer wieder ein Ritual wiederholt werden, wenn jemand in die Familie aufgenommen werden will. Dabei wird eine Karte aus einem Gerät gezogen, bei dem ein Spiel gespielt werden muss. Mit der falschen Karte gehts um Leben und Tod. Hier widerspricht sich der Film auch gleich, wenn erst gesagt wird, dass zuletzt vor 30 Jahren diese Karte gezogen wurde, welche als einzige ein Spiel auf Leben und Tod verlangt, aber div. Familienmitglieder, auch jüngere so tun, als würde das häufiger passieren, indem sie beispw. darüber sprechen und das implizieren. Gut, die Menschenjagd sollte eh nicht genau auf den Hintergrund überprüft werden.
    Spannung ist da, schräge Momente und Einfälle auch. Während Weaving den Stress aufs Publikum überträgt, wirken andere Darsteller ein wenig überfordert und betreiben Overacting als hätten sie einen Fernkurs bei Al Pacino belegt.
    Es gibt schon einige Stellen, bei denen man merkt, dass nicht weiter nachgedacht wurde oder die Figuren richtig dumm agieren. Warum soll ein spezielles Ritual durchgeführt werden, bei dem das Opfer lebend gefangen werden muss, aber jeder gleich versucht tödliche Gewalt anzuwenden? Wie ich sagte, hinterfragen braucht man da nicht, intelligent ist das Drehbuch absolut nicht. Aber der Film macht trotzdem Spass. Und bei Horror ist mir das letztlich wichtiger, wenn er sowieso nichts anderes vorgibt sein zu wollen.
    Weaving zeigt ihr Potenzial und wird hoffentlich nicht verheizt oder fristet ein Dasein in Genre-Filmen. Das Ende ist diskutabel, fand es aber gut und passend. Man darf hier durchaus von einem Geheimtipp sprechen.

    als Antwort auf: Der Film und Fernseh Thread #1728354
    ChrisKongChrisKong
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    Ich sag, was ich immer sage, selber anschauen. Weiter räume ich auch ein, dass ich ihn vielleicht auch einfach nicht verstanden habe. Dass er mit komischen Aussagen von sich reden machte, wusste ich, hatte aber kein Bedürfnis mir Socialmedia-Gequalme anzutun. Versuchte ja unbefangen ranzugehen, was angesichts seiner letzten Werke schon schwer genug war.
    Regisseur und Publikum haben aber zusehends Mühe in Dialog miteinander zu treten. Das wird aber erst dann nötig, wenn das Werk nicht mehr für sich alleine stehen kann oder das Publikum schlicht zu blöde geworden ist. Vielleicht ist der König Frankreichs hier stellvertretend für den Zuschauer, dem es nur noch um die kurzfristige Belustigung geht?

    https://www.bbc.com/news/articles/ck77gn5pzdgo

    Klingt für mich nach mehr incoming Murks von Scott. Bleibt nur zu hoffen, dass er fähige Leute ranlässt. Aber warum sollte er tun, was er jüngst nicht getan hat?

    Edit: Was die Kampfszene beim Duell angeht, da nimmt mans auch nicht so genau. Also mit einer arteriellen Blutung – und das sah schwer danach aus, zumal der zuschauende Herzog auf den Blutverlust hofft – weiter fleissig fighten und am Ende längstens so zu tun, als hätte sich die Wunde gleich selbst versorgt, nicht nachvollziehbar. Komisch nur, dass in Scotts Hannibal eine solche Verletzung gleich zum Instant-Death eines Opfers führt.

    als Antwort auf: Der Film und Fernseh Thread #1728348
    ChrisKongChrisKong
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    The Last Duel (Disney+)

    Der neueste Film von Ridley Scott landete flugs bei Disney+. Nach seinen letzten Werken, die ich eher pathetisch fand, zumindest was ich davon gesehen hatte, war ich schon mal gespannt, ob er hier die Kurve kriegen würde. Die lange Laufzeit entfachte jetzt auch keine Begeisterungsstürme meinerseits. Aber das muss man dem Film ja nicht als Hypothek aufbürden.
    Was Ridley Scott hier einmal mehr gelingt, ist das Ganze in schöne und ansprechende Bilder zu packen. Als Werbefilmer hat er immer noch den Blick für Ästhetik. Die Geschichte aus drei Blickwinkeln zu erzählen, die sich nur in Nuancen, die aber entscheidend sind, unterscheiden, erklärt auch die Laufzeit. Erstaunlicherweise war ich keine Sekunde gelangweilt, obwohl Wiederholungen nicht ausbleiben. Ich halte für mich fest, dass der Inszenierungsstil hier wirklich ein sehr gutes Niveau hat und Scott hier zu alter Form aufläuft.
    Matt Damon spielt einen Wutbürger/-ritter – die Analogie ist nicht zu übersehen – , der sich um seinen Posten betrogen sieht. Es geht ihm bei der Anschuldigung seiner Frau, wonach sie von seinem Rivalen, gespielt von Adam Driver, vergewaltigt wurde, mehr um sein Ansehen denn um die Würde der eigenen Frau. Drivers Ritter, der zum Juncker befördert wird und alsbald in der Gunst des Herzogs Pierre aufsteigt, wird als Opportunist charakterisiert, der die Gunst seiner Stunde nutzt und sich im Recht sieht.
    Zuletzt wird die Perspektive der Frau, dargestellt von Jodie Comer, eingebracht, die wiederum andere Aspekte der anderen beiden Figuren zum Vorschein bringt.
    Das ist alles sehr stark gespielt, mit einer Ausnahme, Ben Affleck. Vielleicht wars schlicht ein Fehler, Affleck mit seinem Kumpel Damon agieren zu lassen. Ich finde Afflecks Leistungen nämlich immer im Verbund mit ihm am schwächsten. Die Art der Mimik und Gestik, sowie auch die Frisur wirken wie ein Fremdkörper in dem Film. Defacto spielt er einen Mittelalter-Playboy, aber dass er sich wie einer aus unserem Jahrhundert gebärden müss, leuchtet mir nicht ein. Seine Leistungen in anderen Filmen sind klar besser.
    Ausstattung und Sets sind Scotts übliches Eyecandy. Eine wirklich intime Atmosphäre wird dadurch aber verwehrt. Nebendarsteller wie Marton Czokas sind schlicht verschwendet. Einzig die Mutter von Damons Jean de Carouge kann ein paar Akzente setzen. Der jugendliche König wirkt denn passenderweise auch wie ein verwöhnter Kasper und bleibt eine Cola Light Version von Geoffrey aus GoT.
    Klingt doch alles recht zufriedenstellend, oder nicht? Bezieht man das nur auf das filmische Handwerk, muss ich sagen ja. Nur ist das halt die eine Hälfte der Geschichte, die andere ist in meinen Augen eine Katastrophe. Aber vielleicht liegts auch nur an meiner Interpretation davon? Und doch muss ich mich immer wieder fragen, wenn es nicht das aussagen soll, was dann? Im folgenden Abschnitt komm ich nicht umhin zu spoilern, denn das ganze Ende ist in seiner Art einfach nur fragwürdig. Aber der Reihe nach.
    Die Perspektiven der fraglichen Vergewaltigung unterscheiden sich einzig im Grad der Gewalt. Aus LeGris’ Sicht begegnet Marguerite ihm deutlich mit Ablehnung und sagt Nein, mehrmals. Da sich LeGris nun auf den Standpunkt stellt, Nein, aber eigentlich meinte sie Ja, wird hier seine Sicht als die noch grössere Lüge entlarvt. Soweit so gut. Aber im Kontext des Mittelalters war das ja scheinbar rechtens und somit eine valide Annahme, dass es sich dann auch nicht um eine Vergewaltigung handeln kann. Also wenn das ein Beitrag zu Metoo sein soll, dann ist das einfach nur noch dumm. Faktisch entschuldigt man LeGris’ Verhalten mit dem historischen Kontext. Jetzt könnte man einwerfen, es ginge darum wertfrei zu zeigen, wie das Mittelalter war. Nur was unterscheidet dann den Film von zig anderen? Tatsache ist, Männer konnten über ihre Frauen frei verfügen, diese hatten praktisch keine Rechte und waren auf Gedeih und Verderb dem Wohlwollen ihres Mannes ausgeliefert, sei es als Faustpfand, Gebärmaschine oder Haushälterin.
    Die weibliche Figur emanzipiert sich auch nur in den engen Grenzen ihres gesellschaftlichen Standes. Und jetzt kommt der Gipfel. Nach der Vergewaltigung durch LeGris – wobei der Film in einer Szene sogar das nicht mal sakrosankt macht – wird sie von ihrem Mann zu ihren ehelichen Pflichten genötigt, da dieser einen Erben benötigt. Dieser wird dann auch geboren und hat effektheischenderweise blonde Haare und scheint doch eher Damons denn Drivers Kind sein zu können. Was für ein grundverdorbener Charakter Carouge ist, merkt man nicht erst dann. Das Ende zeigt dann eine glückliche Mutter mit ihrem Kind und in den Credits steht, dass diese 30 Jahre lang glücklich und ehelos weitergelebt hat. Serious? Da wird quasi eine zweifache Vergewaltigung als eine Art Happyend verkauft? Ehrlich, ich finde das so dummdreist und peinlich, dass ich echt daran zweifle, was die Intention der Autoren da sein soll.
    Wäre Scott jetzt ein Regisseur, der bewusst mit seinen Filmen provozieren würde, könnte ich das irgendwie noch als Gedankenanstoss verstehen für eine grundsätzliche Debatte. Aber so plump und kommentarlos, wie das Ende serviert wird und seine Filme doch eher allesamt leicht zu konsumieren sind, passt das nicht ins Bild. Das die Sichtweise von Marguerite auch nicht über jeden Zweifel erhaben ist, passt besser in einen Erotikthriller von Verhoeven als hierhin. Vielleicht wollte Scott auch andeuten, dass sie gar nicht so wehrlos ist, also Achtung liebe Männer.
    Und so bleibt dieser Film einfach vieles schuldig. Als eine Allegorie auf die aktuelle Metoo-Debatte kann man ihn kaum sehen. Dafür ist die Handlung auch zu stark auf die beiden Männer ausgerichtet. Ein Thriller im Mittelalter-Setting ist es auch nicht, da sich aus der Wahrheitsfindung nicht die eigentliche Spannung ableiten lässt. Scott verliert sich hier in einer scheinbaren Moralpredigt und lässt das Ende wie Hohn wirken. Das würde besser als zynischer Abgang in einem Exploitation-Film funktionieren.
    Was sich mir hier weiter entzieht, wer genau womit adressiert werden soll? Sollen Frauen sich das geben und dann denken, früher wars noch beschissener, sind wir froh, was wir haben? Oder Männer, denen man vermitteln will, dass die Frau zum eigenen Ansehen instrumentalisiert wird?
    Vielleicht hätte Uwe Boll den Stoff verfilmen sollen. Dann wäre vermutlich ein mies inszenierter Film, der inhaltlich weniger fragwürdig wäre, dabei herausgekommen. Wer ein richtig gutes Drama über die Unterdrückung von Frauen sehen will, dem empfehle ich North Country mit Theron, Bombshell mit Kidman oder Angeklagt mit Jodie Foster. Bei dem Film hier würden vermutlich auch Thelma & Louise im Canyon-Grab rotieren.

    als Antwort auf: Der Film und Fernseh Thread #1728265
    ChrisKongChrisKong
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    @DGS

    Aus dramaturgischer Sicht ist dieser Multiverse-Aufbau eher problematisch, weil es Deus ex Machina Plots praktisch zementiert und jedwede Lösung sich nie nach Arbeit für Helden anfühlen wird, eher nach intellektuellen Konstrukten die ein was wäre wenn bedienen. Verstehe drum auch eher weniger, warum gerade Loki so gefeiert wird, zumal die Figur hier so reumütig dargestellt wird, dass es schmerzt. Einige Ideen sind gelungen, die Multiverse-Lokis gehören für mich nicht dazu. Da war Spider-Man into the Spider-Verse klar pointierter und besser.

    als Antwort auf: Die M! Community Top 10 (2020+1) #1728209
    ChrisKongChrisKong
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    Bin gespannt, was ich an Highlights alles verpasst habe. Ich kann mich glaub ich nur an ein Spiel erinnern, das ich beendet habe.

    The Outer Worlds

    als Antwort auf: Der Film und Fernseh Thread #1728203
    ChrisKongChrisKong
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    Der Rausch

    Thomas Vinterberg liefert einen weiteren interessanten Film ab. Dies obschon seine Tochter Ida kurz nach Beginn der Dreharbeiten verstorben ist (Quelle Wikipedia). Ihr ist der Film gewidmet. Vor diesem Hintergrund würde man mit einem Film rechnen mit deutlicherem melancholischen Einschlag. Das ist aber nicht der Fall. Oft ist der Film so leicht und flüchtig wie verdunstender Alkohol. Und um eben jenen geht es in Vinterbergs Film. Im Grunde stellt der Alkohol die einzige Konstante dar. Man kann die Aussage so interpretieren, dass das Individuum den Effekt des Alkohols chaotisch scheinen lässt. Die An- und Auffälligkeiten werden verstärkt und sichtbar gemacht. Im Film sind es vier befreundete Lehrer an derselben Schule, die ein Experiment wagen. Sie überprüfen eine These, wonach der Mensch mit Alkoholmangel geboren wird und erst richtig ab einem Promillegehalt von 0.5 funktioniert. Martin, gespielt von Mikkelsen, ist erst der skeptischste in der Gruppe, aber bald schon mittendrin im Rausch.
    Vinterberg zeigt in allen Facetten und Konsequenzen, wie der Mensch auf Alkoholkonsum reagiert und was es mit ihm macht. Im einen Moment wird der Genuss zelebriert, im anderen die Unausweichlichkeit sozialen Niedergangs. Viel deutlicher kann man Paracelsus’ die Dosis macht das Gift, nicht präsentieren. Dabei arbeitet Vinterberg eben nicht mit erhobenem Zeigefinger, er veranschaulicht lediglich die Wechselwirkung menschlichen Verhaltens. Die Kluft zwischen Ambition und Realität verschweigt er nicht und so bleibt der Konsum während des ganzen Films eine Gratwanderung. Ein ebenso schmaler Grat wie zwischen Wahnsinn und Genie. In einer Szene hebt er die Annahme vice versa auf, gute Menschen tun verünftige Dinge und schlechte unvernünftige. Die Pointe sieht man zwar kommen, trotzdem sehr gelungen.
    Wer also ein schwermütiges Alkoholiker-Drama erwartet, dürfte enttäuscht sein. Vinterberg behandelt das Thema mit einer gleichzeitigen Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit. Man spürt deutlich heraus, dass hier ein recht cleveres Drehbuch seine Dienste verrichtet. Inszenatorisch hat Vinterberg für mich noch klar Luft nach oben. An einigen Stellen könnte der Film auch mehr Tempo vertragen. Nicht jeder Handlungsstrang muss reifen wie Wein. Da fand ich den letzten Film, den ich von ihm sah, die Jagd, deutlich dichter, ohne dass auf die üblichen Charakteristika eines Dramas verzichtet wurde.
    Obs jetzt der beste nichtenglischsprachige Film des letzten Jahres war, mag ich Angesichts der Fülle an Filmen nicht beurteilen. Ein paar Längen weniger und ich könnte diesem Urteil eher zustimmen. Macht aber nichts, denn Vinterberg schafft es auch hier einmal mehr, Denkanstösse zu liefern und Probleme der Gesellschaft komplexer zu diskutieren, als das üblicherweise der Fall ist. Werde sicher noch weitere Werke von ihm schauen, nach das Fest, die Jagd und jetzt der Rausch sind das ja erst drei gewesen. Dänemark hat etwas mehr als halb so viele Einwohner wie die Schweiz. Aber filmmässig sind sie uns meilenweit voraus. Das dänische Kino ist immer wieder einen Blick wert.

    als Antwort auf: Der Film und Fernseh Thread #1728109
    ChrisKongChrisKong
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    Where to invade next – Michael Moore erobert die Welt

    Die Dokumentation von Michael Moore ist aktuell in der SRF Mediathek verfügbar. Keine Ahnung, von wann die ist, aber mit Sicherheit vor der Pandemie, so viel, wie da Hände geschüttelt werden. ? Michael Moore liefert die für ihn typische Doku ab. Im Intro teasert er etwas an, dass er gar nicht so liefert, sondern nutzt es als Aufhänger, um einmal mehr den Problemstaat Amerika zu konfrontieren. Dabei spart er nicht mit der für ihn üblichen Polemik und Zuspitzung. Die Defizite der Vereinigten Staaten werden den mehrheitlich westeuropäischen Rosinen gegenübergestellt. Er erwähnt es sogar einmal, dass er sich auf die besten Lösungen konzentriert, denn er ist ja in der Mission, neues Territorium für Amerika zu erobern und diese Errungenschaften der Zivilisation mit nach Hause zu nehmen, symbolisch als Kriegsbeute. Die kumpelhafte Art von Moore erleichtert ihm natürlich enorm den Gesprächszugang, zumal die Interviewpartner sich von ihrer besten Seite präsentieren können. Kritisch hinterfragen tut er nichts. Mehrheitlich ist er in Nord-West-Europa unterwegs, einmal verirrt er sich nach Tunesien und Slowenien darf Osteuropa vertreten. Dabei pickt er sich wie gesagt ein System heraus und vergleicht mit den USA. Das sind aber klar die Idealfälle. So finde ich den Start schon recht missraten, ein Hohelied auf Italien im Bereich der Arbeitsrechte anzustimmen. Klar, seine Interviewpartner mögen in dieser privilegierten Situation sein, aber wie viel von der Industrie in Italien wird wohl durch schlecht geschützte Wanderarbeiter verrichtet? Man denke nur an die Textil-Industrie, dessen Zustände schon oft ein Thema in den Medien waren.
    Aber Akkuratesse ist auch nicht Moores Stärke. Ist hier jetzt auch nicht unbedingt von Relevanz, wenn es ihm darum geht, mit dem Finger auf den Missstand im eigenen Land hinzuweisen und wie man es besser machen könnte. Tatsache ist, die USA machen in vielen Bereichen sehr viel falsch, vieles davon gründet auf Ideologien, die fragwürdig sind und einem komischen Selbstverständnis. Eine der besten Episoden ist die mit dem Vergleich Deutschland. Die Aufarbeitung von historischen Missetaten findet in Amerika wohl mehrheitlich nur im Kino und TV statt. Und auch dort ist man immer noch dabei aufzuholen, der jahrzehntelangen Beschönigung und Falschdarstellung entgegenzuwirken. Insbesondere werden die Geschädigten dieser Politik bis heute nicht entsprechend würdig behandelt, ganz im Gegenteil. Die Systeme sind so ausgestaltet, dass Mitspracherechte eingeschränkt werden, Sklavenarbeit (Gefängnisse der USA sind nichts anderes als das) gefördert wird und junge Menschen schon früh in finanzielle Abhängigkeiten geschickt werden. Von der Basis bis zum Ende, einfach übel.
    Am Ende folgt noch ein kleiner Twist, der in seinem Impact aber nicht ganz die Wirkung entfaltet. Dafür wirkt er ein wenig zu sehr drangeklatscht, weil sich Moore bei der ganzen Breite zu wenig Zeit nehmen kann, zu den Hintergründen in den einzelnen Ländern. Manchmal sieht man Ansätze, aber die eigentlichen Lernprozesse in diesen Ländern, die er invadet, werden nur sehr grob skizziert.
    Für Fans bisheriger Dokumentationen von Moore wie z.B. Sicko. Seine beste finde ich immer noch Bowling for Columbine, gleich vor Roger and Me. Hier hätte er weniger breit sondern eher tiefer graben sollen. Aber trotzdem gut, um Diskussionen zu lancieren. Leider werden diese wohl nicht dort stattfinden, wo sie sollten und wenn, dann wohl eher in einem unsachlichem, gehässigen Stil, der Moores Dokumentation wie eine Liebeserklärung ans amerikanische System erscheinen lässt.

    als Antwort auf: Der Film und Fernseh Thread #1728105
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Little Things

    Der Kurzbeschrieb des Films erinnert an Filme wie Zodiac von David Fincher, Destroyer mit Kidman u.a. Der Denzman wirkt wie Sly in Copland, behäbig, nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Sein Gespür für die “kleinen” Dinge an Tatorten wird alsbald wieder mobilisiert. Einst ausgemustert aus dem ordentlichen Polizeidienst, amtet er nun als Deputy in einem County fernab seiner alten Wirkungsstätte. Eine Überführung von Beweismaterial führt ihn eher zufällig zurück und mitten hinein in eine Mordserie, die irgendwie auch mit der Vergangenheit des Ex-Cops zu tun hat. An seiner Seite ist Rami Malek als leitender Ermittler unterwegs.
    Der Film atmet deutlich den Geist seiner Vorbilder und bietet viele Versatzstücke, die man schon in zahlreichen Filmen gesehen hat. Man tappt dabei leider recht schnell in die Falle der Gefälligkeit, die Handlung allzu einfach voranzutreiben. Washingtons Figur bewegt sich an Tatorten und dgl. als hätte er einen Auftrag. Das FBI wird angesprochen und das Revier verzichtet auf deren Einbindung. Da Serientäter oft grenzübergreifend ihre Verbrechen begehen, wäre das FBI hier eindeutig zuständig. Dadurch erweckt man die Befürchtung, dass man jetzt kein Drehbuch mit cleveren Nuancen erwarten darf. Und genauso ist es denn auch. Das Thema der kleinen Dinge, ist so beiläufig und irrelevant, dass man hier von einem nicht wirklich passenden Titel sprechen kann. Einzig im Finale spannt man noch ein wenig den Bogen dazu, indem das Gewissen von Maleks Cop beruhigt wird. Bis dahin ist der Film auch durchweg spannend, aber die Enthüllungen sind mir zu fahrig implementiert. Der Film bietet nicht wirklich viel, das eine zweite Ansicht mMn lohnenswert machen würde. Da würde ich eher eine der Alternativen bemühen, die in sich kohärenter sind. Destroyer, Zodiac hatte ich schon genannt, Insomnia von Nolan, True Detective Staffel 3 sind weitere Crime-Highlights, die man meint in Little Things zu erkennen aber runder wirken.
    Die Darsteller machen den Film sehenswert, die Handlung ist auf Spannung ausgerichtet, die Inszenierung wirkt aber manchmal dem entgegen. Man hätte einiges besser machen können. Wer von diesen Thrillern Nachschub braucht, kriegt hier eine etwas unausgegorene Variante, die auch ein paar Stärken hat, vornehmlich bei den Darstellerleistungen.

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