ChrisKong

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  • als Antwort auf: The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom #1788302
    ChrisKongChrisKong
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    Also als Nötigung empfinde ich es (noch) nicht. Ich hab auch schon bei anderen OW-Spielen dann gewisse Sachen nicht gemacht. Ich finds hier nur zum Teil blöd, dass wenn man die richtigen Instrumente zur Hand hat, es eben mehr Fun machen würde. Und wie gesagt, die Probleme sind bekannt, warum hat man das dann nicht weggepatcht? Ich für meinen Teil bin froh, gibts den Dupe-Glitch noch.
    Und das mit der Übersicht, dass man weiss, wie viel noch wo etwa zu finden ist, das haben ansonsten wirklich die meisten OW-Spiele. Egal ob Jedi Survivor, Hogwarts Legacy etc. Das liesse sich auch gut ingame implementieren.
    Was es in einem zukünftigen Zelda noch mehr haben dürfte, wären eben richtige Dungeons und Gemäuer zum Erforschen, vollgepackt mit Fallen. Das gibt es hier im Grunde gar nicht.

    Mal sehen, wann ich den ersten Guide nutzen werde. Kann selber kaum glauben, dass da noch ca. je 30 Hinoxe und Iwaroks sein sollen auf der Map. Darum wären mehr Stempel halt nicht verkehrt.

    als Antwort auf: Black Myth: Wukong #1788249
    ChrisKongChrisKong
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    Ach, aktuell nicht als Retail erhältlich? Finde diese Entwicklung nicht wirklich gut, wenn man das jetzt schon bei grösseren Spielen zum Standard machen will. Bei Alan Wake ist man zumindest zurückgekrebst. Dabei vergisst man einerseits den Vorteil, dass man das physische Medium nicht einfach so ausradieren kann und andererseits verliert man mit Verkaufsflächen auch Präsenz. Irgendwann beisst sich die Katze da selber in den Schwanz.
    Aber ja, warum sollte man da auf zusätzliche Kohle verzichten, die durch einen Retail-Release sicher reinkommen würde?

    als Antwort auf: The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom #1788247
    ChrisKongChrisKong
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    The Legend of Zelda Tears of the Kingdom

    Ich kann nicht genau sagen, wann ich es mal gestartet habe, aber ist vermutlich schon eine Weile her und bin damit immer noch nicht durch. Der Einstieg war recht zäh und ich war schon nah dran wieder abzubrechen. Es fühlte sich für mich nicht nach Spass an. Mein ProController zickte dann auch noch rum und Joycon plus Adapter sind wirklich nur eine Notlösung. Abhilfe kam in Form von XBox-Controller und USB-Stick. Bis man etwas im Game drin ist und die Mechaniken locker von der Hand gehen, braucht es etwas Zeit. Derweil erkundet man die Gegend und irgendwann merkt man gar nicht mehr, wie mühsam das alles mal war.
    Der Umfang ist im Grunde schon pervers und in keinem Zelda-Spiel gabs bislang so viel zu entdecken. Aber manchmal wäre weniger Wiederholung mehr gewesen. Am meisten Spass macht die Jagd nach den Kleidungsstücken. Diese zu upgraden ist allerdings manchmal echt eine Qual. Ich habs lange mitgemacht, aber irgendwann wurde es auch mir zu bunt. Nintendo hat bei der Sammelei ein zum Teil recht übles Pacing in dem Game. Nehmen wir mal die Batterie-Upgrades. Ich hab die Unterwelt ganz normal erkundet und die Minen erforscht. Man kommt unweigerlich auf genügend Sonanium-Steine, die man dann wieder in Energiekristalle wandeln kann. Dumm nur, dass die ganzen Bosse in der Unterwelt, die Yiga-Verstecke und auch Minen solche Schatzkisten haben, wo es diese Kristalle gibt. Ich habe mittlerweile über 2000 davon und man kann sie nicht verkaufen oder sonstwas damit machen.
    Das Upgraden der Kleidungsstücke hat für mich in dem Moment einen Dämpfer erhalten, als ich herausgefunden habe, wie lächerlich die Droprate bei den Electroechsalfossen ist. Keine Ahnung, was sich Nintendo dabei gedacht hat. Man benötigt für min. sechs Kleidungstücke deren Schwänze und nicht gerade wenig. Während die Feuer und Eis Varianten immer in Gruppen unterwegs sind und es im Gerudohochland eine wunderbare Farmstrecke gibt, in der man die Dinger in nützlicher Frist zusammen hat, sind die Electro-Varianten nicht nur mühsamer, wenn man sie besiegen will, nein, sie sind auch oft allein und bis zum nächsten dauert es. Gut, wenn man mit jedem Kill, eins der Dinger erhalten würde, würde ich nichts sagen. Aber zuletzt waren es dreissig Gegner hintereinander, auf unterschiedlichste Weise gekillt und nicht ein verdammtes Mal hat das Teil gedroppt. Und davon soll ich dann 50 oder so sammeln?
    Vielleicht hat man deshalb den letzten Dupe-Glitch nicht entfernt? Auf jeden Fall wäre es ohne den einfach nur eine Pest. Gleiches gilt für grosse Gegner wie Griocks und Leunen. Sry, die kosten soviel Zeit, da haben die mMn immer ein Herz oder so zu droppen. Ist auch nicht der Fall. Und von den Leunenherzen benötigt man eine Menge, allein 15 für das Leibwache Set und 9 für das Skelettkostüm. Warum man dafür div. andere Materialen so gar nicht braucht, erschliesst sich mir nicht. Da gibt es diese ganzen Classic Zelda Kostüme und in der Summe heisst das Sternensplitter ohne Ende. Auch das habe ich zwar nicht mit Glitch, aber mit den immer zwei gleichen Farmspots gelöst. Warum hat man da nicht die Materialen besser verteilt, die man benötigt?
    Dann diese leide nutzlosen Infos, wenn man seltene Tiere mal vor die Linse kriegt. Beispw. war ich für die Glutforellen mit Tracker in jedem der in Frage kommenden Gebiete, nichts. Bis da endlich mal 2-3 in einem Weiher aufgetaucht sind. Auch davon benötigt man dann wieder gleich 30 Stk. oder so. Und das ist in der Summe dann halt eher Arbeit als Fun.
    Die Krogs werde ich sowieso nicht komplettieren, was ich auch schon beim Vorgänger ausgelassen habe.
    Der Erforschungsaspekt ist wirklich der Selling Point des Spiels und mit mittlerweile über 350h auf dem Tacho und gefühlt erst mit drei Vierteln abgeschlossen, macht das Erkunden noch immer Spass. Es gibt einige Spielhilfen, aber es fehlen mir ein paar Komfortfunktionen, die das Spiel einfach besser machen würden.
    Infos über aktuellen Stand der Suche. Was in vielen OW-Spielen der Fall ist, hab ich hier nicht. Ich weiss z.B. nicht, wie viele Iwaroks und Hinoxe sich im Untergrund aufhalten, ich kenne nur die Gesamtzahl. Ich habe bei erfolgreichem Kampf immer ein Männeken auf der Karte gelassen, dann weiss ich, den hab ich schon. Damit wären wir beim nächsten Problem, die Anzahl der verfügbaren Sticker ist absolut ungenügend. Da ich zwischendrin auch anderes erledigen will fehlen diese als Spielhilfen dann.
    Dazu der zum Teil nutzlose Sensor. Da ich ja nicht weiss, welche Art von Hinox, Griock oder was auch immer wo noch zu finden ist, kann es ja sein, dass gar nichts angezeigt wird, weil ich die falsche Gattung im Sucher habe. Das macht es noch schwieriger. Und irgendein Chara, der Hinweise zum Verbleib der Monster gibt, gibt es nicht oder ich hätte ihn nicht gefunden. Von den Gigama fehlt mir noch einer. Aber da ich nicht weiss, welcher von den dreien es ist, nützt mir auch der Tracker nichts. Hinweise geben nur meine Stempel, die Kartentopografie und allenfalls der Bewegungstracker, der die eigenen Laufwege abzeichnet. Zufälligerweise stolpere ich da immer wieder über Hinoxe und Iwaroks. Die alle zu finden, dürfte ohne Guide vermutlich eine Lebensaufgabe werden, eben weil man nicht mal weiss, wo man schon alle hat und wo nicht.
    Mir fehlen noch 16 Mayois, div. Brunnen, Monster und auch Kleidungsstücke. Mit Dorfnebenquests habe ich mich länger nicht beschäftigt. Ich denke das macht einen wesentlichen Reiz aus, dass man immer wieder andere Aspekte verfolgen kann.
    Ich schätze mal, bis ich am Ziel bin, werdens um die 500h sein. Das wäre dann das Spiel mit den meisten Spielstunden für einen Durchgang. Solange es noch Spass macht, werde ich daran festhalten, auf Guides zu verzichten. Man ist auch immer wieder erstaunt, wenn man etwas Neues entdeckt, wo man eigentlich schon dachte, man hätte alles gesehen.
    Von den Tempeln dürfte ich die meisten entdeckt haben. Nur habe ich mir sehr viele noch aufgehoben und muss sie noch begehen. Irgendwo müssen auch noch 4 Medaillen versteckt sein für die Partnerupgrades.
    Fazit, tolles Spiel, das gerne etwas Optimierung bei den Hilfen vertragen hätte, um den gigantischen Umfang zu handeln.

    als Antwort auf: Nintendo Switch Talk #1788131
    ChrisKongChrisKong
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    Vieles davon interessiert die Switch-User vermutlich eh nicht. Hmm, ich hoffe, dass man die Cards der Switch weiterverwenden kann beim Nachfolger.

    als Antwort auf: Gernseh-Serien #1788087
    ChrisKongChrisKong
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    Streaming bleibt ein Minenfeld und es ist wie beim XBox Gamepass, im Grunde lässt sich mit den Abopreisen einfach kein Geld machen und die Massen, die man benötigen würde, kriegt man nicht. Es ist ein andauerndes Versprechen, dass es sich irgendwann rechnet, aber wirklich passieren wird das nicht. Bislang haben Paramount, Apple, Amazon und Disney Milliarden reingebuttert und die holen sie nie wieder rein. Schon gar nicht, wenn man dann auch noch die Kino-Releases sabotiert, indem man gleichzeitig den Streamingrelease bekannt gibt.
    Die haben auch die Kosten nicht im Griff. Gerade in einem Video mitgekriegt, dass bei der Show Severance eine Episode um die 20 Mio gekostet hat. Wie kann das sein? Das Setting ist ziemlich begrenzt, Effekte hat es jetzt auch nicht wirklich und die Darsteller sind gut, aber jetzt sicher auch nicht die teuersten. Dazu kommen Vorschüsse für absolut keine Resultate. Amazon hat div. Showrunnern und Writern Kohle in den Rachen geworfen für absolut gar nichts, z.B. für Phoebe Waller-Bridge. Netflix holte sich die Russos für seine C-Filme.
    Bei D+ sollen die Abopreise erhöht werden, vorerst in den USA, aber der Rest wird folgen.

    Shogun

    Ich hatte es eigentlich erst so gegen Ende realisiert, wie brillant die Serie darin ist, die Schlachten vornehmlich im Kopf stattfinden zu lassen. Leider kenne ich James Clavell Vorlage nicht und weiss darum nicht, was von den Showrunnern noch geändert oder hinzugefügt wurde. Es wirkt einfach hochgradig durchkomponiert, nie hatte ich das Gefühl, man verweile zu lange an einer Stelle.
    Da ist z.B. dieser eine Dialog zwischen der Besitzerin des Teehauses und Toranaga, welcher so lange währt, wie ein Räucherstäbchen. Dabei entlarvt sie Toranagas Absichten, was dieser natürlich nicht zugeben kann, aber man spürt heraus, dass sie weiss, dass er es weiss.
    Die Serie offenbart gewissermassen auch die fundamentalen Unterschiede zwischen offenem Krieg und Intrige. Die Schachzüge werden gemacht, ein Restrisiko bleibt. Aber am Ende kann man sich auf gewisse Dinge und Gesetzmässigkeiten verlassen. Dabei werden die rituellen Angelegenheiten zum Vorteil ausgenutzt, wie etwa die Trauerzeit nach einem schwerwiegenden Verlust.
    Zum Teil ist es wirklich pure Poesie.
    Was auch gleich vom Start weg gelingt, ist diese Ambivalenz in den Charakteren zu manifestieren. Yabushige, ein Vasall von Toranaga, der eine morbide Gier nach dem Augenblick des Todes hat und seine Gegner gerne foltert, zeigt auch ganz andere Seiten, wie z.B. seinen grenzenlosen Opportunismus, der dann auch in einem passenden Ende mündet.
    Mit Allegorien und Metaphern nähert sich die Show dann ihrem Finale und auch um bitteren Humor ist man nicht verlegen. Etwa wenn ein Versprechen eingelöst wird, um eine Kirche bauen zu dürfen und die direkten Nachbarn enthüllt werden.
    Auch die Kirche, vertreten durch die Portugiesen, wird nicht einfach nur als Übel gezeigt. Auch wenn das ein Leichtes wäre. Nein, die Serie bemüht sich redlich darum, nicht immer den einfachsten Weg zu gehen und dabei dennoch grossartig zu unterhalten. Hier gibt es keinen Pathos wie in the Last Samurai.
    Man kann FX nur ein Lob aussprechen und hoffen, dass die Macher weiterhin beschäftigt werden, egal, was sie als nächstes anpacken werden.

    als Antwort auf: Gernseh-Serien #1788075
    ChrisKongChrisKong
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    Die Absetzung von the Acolyte

    Ich schätze mal, dass mein Serien-Leben zu einem nicht unwesentlichen Teil aus Absetzungen besteht. Gerade wenn es so richtig interessant wurde und dann der Stecker gezogen wird, ist die Enttäuschung richtig gross. Fox war lange Zeit Weltmeister im Absetzen von Serien, was sogar zu einem Running Gag in Shows wurde. Wie gerne hätte ich eine Fortführung von Carnivale (HBO), Into the Badlands (AMC), My Name is Earl (NBC) uvm. gehabt. Es hat nicht sein sollen. Schnell macht sich dann Frust breit und man wünscht sich einfach, jemandem die Schuld geben zu können. Dabei ist es oft recht simpel, wenn etwas keinen Erfolg hat oder nicht mehr hat, gibt es für die, die es finanzieren, keinen Grund mehr, weiterzumachen. Es sei denn, man investiert aus rein persönlicher Motivation, wie z.B. Jeff Bezos in The Expanse. So einfach wie es scheint, ist es dann aber doch nicht, weil Erfolg unterschiedlich gemessen und definiert werden kann.
    Dafür müssen wir natürlich grundsätzlich schauen, was von einer Serie, im Speziellen the Acolyte, genau erwartet wird. Und das ist eine Menge.
    Die Produktion hat viel Geld gekostet, die Summe von 180 Mio. USD wurde oft herumgereicht, dementiert wurde sie nie, in Interviews vermutlich eher so durch die Blume bestätigt. Aber letzten Endes ist es so, dass die Einnahmen der ganzen Abos oder der damit verbundenen Einnahmequellen (Merchandise, Yoghurt wusste es schon lange), höher sein sollten, als die Ausgaben. The Acolyte war sicher eine der teuersten Serien auf D+, aber auch nur eine von vielen. Jetzt wird es natürlich schon schwierig, rein finanziell den Erfolg zu messen, denn warum jemand ein neues Abo abschliesst, weiss nur diejenige Person selbst. Genauso, warum sie das Abo verlängert. Es ist ja oft das Gesamtangebot entscheidend.
    Eine andere Kennzahl, die oft herangezogen wird, die geschauten Minuten. Aber ich finde, das hat nur dann einen Wert, wenn man sie in Relation zu den Minuten, die schaubar sind, setzt. Also eine halbstündige Episode, die 1h geschaut wurde, wurde zweimal geschaut, eine einstündige Episode, die 1h geschaut wurde, nur einmal.
    Rein nach diesen Kennzahlen und Messkriterien, wird the Acolyte kaum ein Erfolg gewesen sein. Das trifft aber auf sehr viele Serien zu, die das gar nicht schaffen können. Ähnlich wie bei Filmen, müssen die grossen Blockbuster irgendwo auch die kleineren Filme mitfinanzieren.
    Eine andere Art von Erfolg kann das Prestige und damit ein positives Image sein. Was wiederum beim Merchandise sich in Zählbares ummünzen lässt. Star Wars unter Disney hat mit dem Merchandise so seine liebe Mühe, weil die Inhalte nicht zu diesem Run geführt haben. Was GL damals gemacht hat, lässt sich auch kaum reproduzieren. Es gibt eine grosse Ausnahme, die heisst Grogu. Ich kann die Gelegenheiten und Orte gar nicht mehr aufzählen, wo mir Grogu nicht schon über den Weg gelaufen ist.
    Auf the Acolyte bezogen, etwas wirklich Zählbares wird man nicht generieren können. Dafür fehlt es an einem gut vermarktbaren Design, etwas, das man sofort damit assoziiert, wie eben z.B. Grogu oder auch BB8 aus der ST. The Acolyte verfolgt auch absolut gar nicht diesen Ansatz, genauso wenig wie Andor gemacht wurde, um Merchandise zu verkaufen.
    Um die ganzen Nebenprodukte zu verkaufen, braucht es natürlich eine Fanbase und diese altert und wird naturgemäss kleiner. Für SW bedeutet das, es müssen neue Fans her. Und diese müssen adressiert werden. The Acolyte versucht genau das. War SW mal ziemlich unique, so ist es the Acolyte so gar nicht. Denn der Markt ist förmlich geflutet mit Fantasy-Inhalten, gerade im Young Adult Bereich kann man von einer Schwemme sprechen. Da Marktanteile gewinnen, ist schwierig. Kommt hinzu, dass der Markt zum Teil weniger Markengebunden ist und eher von einem Event zum nächsten hoppt. Dieses lebenslänglich Fansein hat seine Halbwertszeit vermutlich überschritten. Und Hollywood ist mit seiner unentwegten Melkerei mitschuldig, dass es so ist. Die Hobbit- und Fantastic Beasts-Filme zeigen, wie schnell übersättigt man sein kann. Die Spinoffs zündeten nicht mehr. Die Fans bleiben weg. Für the Acolyte heisst das, man hat sehr viel Konkurrenz. Und mit der gestiegenen Zahl an Inhalten und Services verteilen sich die Zuschauer immer mehr und ein Grosserfolg ist eher schwieriger geworden, sogar wenn die Qualität stimmt.
    Ist the Acolyte nun zumindest ein Kritikerliebling? Die Reviews waren zum Teil eher positiv gestimmt, aber oft hatte ich nicht den Eindruck, als dass sich wirklich mit dem Material auseinandergesetzt wurde. Ich vermute auch, man wollte auf keinen Fall in eine Ecke mit Hatern und dgl. gestellt werden, den Anschein von Misogynie und dgl. erwecken.
    Einige Reviewer hatten die Serie gar nicht besprochen, vermutlich um gar nicht erst in ein Kreuzfeuer zu geraten. Was im Netz allgegenwärtig war, war dieser ganze Hass und die Häme. The Acolyte bot sich dafür gewissermassen an, da sehr viele Sachen da zusammenfielen, woran sich ein bestimmter Teil von Konsumenten stört.
    Nachfolgend ein paar Thesen, wieso ich denke, dass the Acolyte kein Erfolg war.

    Hypothek der Ermüdung

    George Martin (Game of Thrones) meinte einmal, sein Ziel wäre es, Fanherzen zu zerstören. Er ging auf Konfrontation mit dem Erwartbaren, zeigte kaputte und finstere Charaktere und liess das Schicksal wie einen Tornado über sie hinwegfegen. Er hat gebrochene Charaktere nicht erfunden, aber in Game of Thrones ist es regelrecht zelebriert worden, die Erwartungen zu unterlaufen und das Wunschdenken der Fans zu sabotieren. Und wenn etwas funktioniert, dann kopiert man es. Ähnlich wie in den ganzen skandinavischen Thrillern, muss fortan irgendwie jede Hauptfigur von persönlichen Problemen belastet oder gebrochen sein. Und diese Nr. wurde gerade von Lucasfilm einfach einmal zu oft gespielt. So oft, dass Fans darin einen Angriff auf ihr eigenes Ich und ihre Kindheit sahen. Helden wie Han, Luke, Indy, Willow mussten sich sagen lassen, dass sie nichts mehr taugen oder nie was getaugt haben, ihr Versagen wurde zum dominierenden Merkmal. Luke versagte bei der Neuausrichtung des Jediordens und an Ben Solo, Han hatte seinen Sohn ebenso nicht im Griff wie auch Indy nicht in der Lage war, ihn vor seinem Schicksal zu bewahren. Und aus dem Happyend in Willow wurde auch ein, du warst noch nie ein Zauberer und jeder weiss das gemacht. Allen voran ging Logan, der den Abgesang der Heldenfiguren salonfähig gemacht hat. Der Film hatte das so brillant gemacht und sogar die schwachen Vorgänger fühlten sich auf einmal wie die passenden Elemente dazu an. Aber man darf fragen, warum musste man das plötzlich immer und überall machen? Obi Wan passt da auch genau in dieses Schema. In seiner eigenen Serie ist er ein an sich selbst zweifelnder gebrochener Mann. Die Ereignisse, die dazu führten, waren nur schon gegeben und von daher erscheint es sinnig. Aber bei Indy, Willow und Co. hat man nichts fortgeführt, sondern neue Situationen ersonnen, die in diese Richtung tendierten. Anstatt es mal bei einer Variante zu belassen oder gar mal einen gut gealterten Helden zu zeigen, der nicht in Bitterkeit ertrinkt.
    Meiner Meinung nach hätte mehr Vielfalt in der Ausgestaltung dieser für Fans wichtigen Charaktere, zu weniger Frust und somit auch mehr Akzeptanz gegenüber dem Neuen geführt. In the Acolyte sehen wir gleich mehrfach Figuren, die ebenfalls diesem Muster zugeordnet werden können. Sol, Torben und Kelnacca sind keine Helden im Ruhestand, im Gegenteil, sie haben Schuld auf sich geladen. Aber genau das wollten wohl viele nicht schon wieder in irgendeiner Form sehen. In Kritiken wurde immer wieder ausgedrückt, dass man aus Jedis Versager gemacht hätte. Ich halte dem entgegen, dass die Jedi in the Acolyte keine Gesamtschau zeigen und werfe es gleichzeitig der Serie auch vor, dass diese fehlt. So entsteht kein schmeichelhaftes Bild vom Orden. Muss es auch nicht per se, ich mag diese Schattierungen sogar lieber. Aber es ist über alle Massen halt nicht originell. Shady Föderation hat man auch bei Star Trek bis zum Exzess durchgenudelt. Mit übrigens ähnlichem Erfolg, sodass man irgendwann zu wenige damit angesprochen hat.

    Politik und Misogynie

    Wir sind Produkte unserer Umwelt. Und die Gretchenfrage wird uns medial förmlich aufgezwungen. Denn wenn du nicht für mich bist, bist du gegen mich. Politik wirft ihren Schatten mittlerweile überall und die Polarisierung der Gesellschaft macht vor Streaminginhalten nicht halt. Kampfbegriffe wie Wokeness und Social Justice Warrior stehen für ein ausgrenzendes Klima und puren Konservatismus. Alles, was meine Lebensweise angreift, ist mein Feind. Nach diesem simplen an niedere Instinkte appellierenden Muster funktioniert ein grosser Teil der Gesellschaft und wir bewegen uns zusehends von einem Extrem ins andere. Und je unsicherer die Welt wird, desto stärker für viele der Wunsch zurück zu alten Werten. Egal wie überholt diese sein mögen. Good old fashion.
    Und wenn Konzerne sich aus Imagegründen modernisieren und sich danach ausrichten, kommt es unweigerlich zum Konflikt. Respektive ist der Grad an möglicher und akzeptierter Veränderung begrenzt. Amazon, Netflix und Disney geben sich interne Inklusions-Vorschriften, zäumen das Pferd aber von hinten auf. Chancengleichheit ist leider keine Realität, aber genau die braucht es. Dann wird der Talentwettbewerb fair und Inklusion obsolet. So, wie es aber gehandhabt wird, fühlen sich konservative ideologisch bevormundet. Und jedweder Versuch von der Branche, eine gewisse Normalität zu schaffen, wird als ein kriegerischer Akt betrachtet. Ich kann mich nicht erinnern, wann Frauen in Hauptrollen, gerade im Action-, Fantasy- und Sci-Fi-Genre so angefeindet wurden. Und irgendwie scheint man der Meinung gewesen zu sein, dass man Feuer mit Feuer bekämpfen sollte, weswegen viele toxische Frauenfiguren ihren Weg in aktuelle Geschichten fanden. Weil aber Differenzieren nicht so die Stärke von konservativen Menschen ist, wird nun jegliche Frauenfigur gleichgesetzt mit Begriffen wie Männerhass, Aktivismus, Unterdrückung von Männlichkeit etc. Ein klassisches Feindbild entsteht. Und das wird fleissig bewirtschaftet. Und wie bestellt, liefert Hollywood genau das Futter, was für Hater wie das Öl ist, das sie brauchen, um das Feuer am Laufen zu halten. Disney bringt einen weiblichen Silver Surfer, mit Ironheart einen weiblichen Ironman, Rey ist die Auserwählte, nachdem Anakin das nun doch nicht war, Indys Sohn wurde eine Fussnotiz und durch eine Ziehtochter ersetzt etc.
    Menschen, die mit diesen Marken grossgeworden sind, verstanden auf einmal die Welt nicht mehr. Und wir sprechen da wirklich nicht von einer Minderheit. Anders lässt sich nicht erklären, wie gross der Zulauf für einen Präsidentschaftskandidaten ist, der ein Egoist, Sexist, Lügner und Betrüger in Personalunion ist. Und Demagogen wie Trump, Musk und wie sie alle heissen, machen sich dieses Klima zu nutze und verstärken es noch. Die entlassene Gina Carano wird zur Galeonsfigur der politisch Rechten. Dieses Klima bewirkt nun natürlich, dass man einer Serie wie the Acolyte auch gar keine Chance gibt. Vorverurteilung und Hass werden kultiviert. Über Inhalte will man gar nicht sprechen. Man nimmt the Acolyte nur noch auf dieser ideologischen und politischen Ebene wahr. Und Headland und Kennedy machen auch keinen Hehl daraus, dass es diesen Einfluss gibt. The Force is female. Mit Obaid-Chinoy ist auch die nächste Aktivistin am Start, um den Rey-Film zu inszenieren. Was dieser politischen Anti-Woke Bewegung natürlich hilft, sind die Qualitätsprobleme, die zum Teil aufgrund der Einstellungspolitik, aber nicht nur, entstanden sind. Der Ghostbusters-Film mit den Damen war kein Misserfolg wegen der weiblichen Besetzung, sondern weil der Film nicht die DNA der Ghostbusters hatte, nämlich ein Gruselfilm mit komödiantischen Elementen zu sein, sondern ein Comedy-Kalauerfilm mit Geistern. Trotzdem wurde sich an der weiblichen Besetzung abgearbeitet und go woke go broke wurde zum Kampfslogan. Madame Web, Captain Marvel 2, die Schuld wurde bei den Frauenrollen gesucht und die durchwachsene bis schlechte Qualität einer Ideologie angelastet. Darunter litten dann mMn auch Filme wie Furiosa, die zwar auch Probleme bei der Vermarktung hatten, weil Fans wohl einfach etwas anderes wollten.
    In the Acolyte kulminiert das gewissermassen. Hinter den Kulissen amten Aktivistinnen, vor der Kamera auch. Und weil die Serie ihre Probleme hat, sind daran natürlich die politischen Einstellungen der Macher schuld, so zumindest die Lesart von Hatern. Vor diesem Hintergrund und in diesem politischen Klima, ist es nur schwer vorstellbar, dass the Acolyte ein Erfolg werden konnte. Man hätte dafür wohl viele von den konservativen Fans gebraucht. Und wenn diese etwas grundsätzlich ablehnen, weil sie Probleme mit der politischen Gesinnung der Macher haben, kanns nix werden. Ich behaupte, dass unter den aktuellen Umständen nicht mehr mit einem Film zu Rey gerechnet werden sollte.

    Lucasfilm und Disney, es gibt kein Versuchen

    In der Welt des medialen Konsums findet sich für jedes noch so schlechtgemachte Produkt eine Fanbase. Das hat viel mit den eigenen Wünschen zu tun, von denen man hofft, sie erfüllen sich. Aber das reicht einfach nicht. Es braucht Begeisterung, nicht Ernüchterung. Nur genau die macht sich mit jedem Fail grösser. Ich glaub nicht, dass die Enttäuschung wirklich einen nachhaltigen Effekt auf mein Interesse aktuell hat, aber das Interesse ist ja auch nur Bottomline und Vorfreude wäre definitiv mal angezeigt. Wenn Unternehmen wie Disney aber auf Kritikpunkte nicht eingehen und die gleichen Fehler wieder und wieder machen, dann schwindet einfach die Hoffnung, dass noch irgendwas dabei rumkommt. Auch das spielt in die ersteren beiden Thesen mitrein, dass eine Vorverurteilung entsteht. Warum muss man immer die gleichen Sachen nennen? Wieso kriegen andere Produktionsstätten im gleichen Konzern was auf die Kette und andere nicht? Wer trifft solche dummen Entscheidungen wie in BoBF und Mandalorian S3? Wo bleiben nach den ganzen Flops die personellen Konsequenzen? Wann zieht man die korrekten Schlüsse?
    Vieles ist schwer nachvollziehbar. Das fängt schon mit den Budgets an. Und da ist Lucasfilm in guter Gesellschaft. Apple ist sogar noch der grössere Geldverschwender. Wenn Serien teuer sind, dann will ich das sehen. Die Kosten sind aus dem Ruder gelaufen und the Acolyte ist eine der Serien, die dafür symbolhaft steht. Was genau die Kosten so in die Höhe treiben liess? Unbekannt und kann nur vermutet werden. Aber sicher ist, dass es für Disney sicher mit ein Grund war zu sagen, wir investieren nicht weiter. Disney sollte Lucasfilm als zentrale Verwaltung von SW-Inhalten belassen, aber verdammt nochmal, setzt andere Produktionsfirmen dran, die, gerne in Zusammenarbeit mit Lucasfilm, ILM usw. die Serien produzieren, die nicht an den immer gleichen Problemen kranken. Gebt den Machern von Shogun Thrawn in die Hände. Dann wirkt er vielleicht wieder wie ein genialer Stratege und nicht wie ein dummbatziges Couchpotatoe. Die Fachkompetenz ist da, sie muss nur genutzt werden. Dass man selber nicht von den eigenen Inhalten überzeugt ist, hat man gut bei Willow gesehen. Die Show wurde aus der Geschichte getilgt.
    Leslie Headland ist vermutlich mehr Nerd, als viele SW-Fans. Nur ist das mMn kein Qualitätsmerkmal, das bei der Wahl eines Showrunners wichtig ist. Im besten Fall ist man natürlich beides, aber ich sehe sie eher in der Rolle einer Beraterin und Ideengeberin. Die Umsetzung können ja andere bewerkstelligen.

    Kommunikation oder wie man in den Wald ruft, sodenn man überhaupt ruft…

    Gehen wir mal davon aus, dass the Acolyte die Zahlen nicht erreicht hat, die es gebraucht hätte für eine Fortsetzung und dass es nichts mit etwaigem Backlash oder den anderen angesprochenen Punkten zu tun hat. Ein wirklich grosses Problem bei Lucasfilm ist die Kommunikation nach aussen. Man steht nicht hinter Aussagen und das Geschwätz von Gestern interessiert generell nicht. Das ganze Debakel hat seinen Ursprung in TLJ und Solo. Nach den Fanreaktionen und den finanziellen Einbussen, gingen Disney und Lucasfilm kollektiv in einen Panikmodus. Man zog zum Teil falsche Schlüsse und reagierte wie ein kopfloses Huhn. Es wurden Ankündigungen gemacht, basierend auf kurzfristigen Ahs und Ohs, aber eine nachhaltige Strategie im Bereich Kino und Serien gabs nicht. Man testete aus und zog abermals falsche Schlüsse. Diese führten dazu, dass man Grogu in BoBF wieder zurückbrachte und anderen komischen Entscheidungen. Lando war im Solo Film über die Fanzweifel erhaben, also Lando-Serie. Dann wieder Film, evt. wieder Serie, keiner weiss. Waititi werkelt an seinem Film, Ryan Johnson an seiner Trilogie und Jenkins an ihrem Dogfight-Film. Dann sollte noch Feige einen inszenieren, Levy auch oder wars der gleiche Film? Egal, es gab dann glaube ich an der Celebration die Ankündigung von drei Filmen, die sicher kommen sollen. Was davon sicher ist, weiss vermutlich niemand. Überraschend kommt jetzt aber ein Mando und Grogu Film, der aber keiner von den drei Filmen sein soll. Und so verwirrend sich das liest, ist es auch.
    Bei Serien foutiert man sich auch die längste Zeit. Kommt nun eine weitere Mando-Staffel, ist der Film das Ende, eine Episode dazwischen, wird der Filoni-Film das Ende sein und sowieso und überhaupt. Wo bleibt das Kommittent?
    Und das zieht sich wie ein roter Faden durch SW unter Lucasfilm unter Disney. The Acolyte ist da keine Ausnahme. Die Serie wurde mMn falsch vermarktet und Headland sowie andere Beteiligte hatten teils peinliche Auftritte. Während Headland zumindest Fachwissen zeigte, hatten gewisse Darsteller keinen Plan von SW und waren darum auch leichte Opfer für Interviewer, die vermutlich nur davon leben. Weniger wäre mehr gewesen. Die Kommunikation hätte neugierig machen sollen, aber durch den inflationären Einsatz von Interviews vorab und dgl. hat man eher das Gegenteil bewirkt. Dabei wäre die Ausgangslage recht gut gewesen, da sich the Acolyte in einer filmisch noch nicht bespielten Ära bewegt. Und was letztlich hängen bleibt, sind halt diese Kommunikationsunfälle. Auch hier gibts natürlich Ausnahmen, z.B. Obi Wan. Die ganze Vorberichterstattung, die Einbindung von Hayden war schon ein veritabler Coup. Die Serie verlor Zuschauer hinten raus, aber die Vermarktung war sehr gut. Davon konnte the Acolyte nur träumen. Vermutlich hat das ganze Gehate sogar noch mehr Zuschauer gebracht, die neugierig waren. Aber das ist natürlich Spekulatius.

    Unterm Schlussstrich

    The Acolyte hatte keine Chance und nutzte sie nicht. Die Umstände waren denkbar ungünstig, die Show scheiterte auf mehreren Ebenen. Selten ist ein Faktor alleine ausschlaggebend. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, das sagt sich leichter, als es ist. Persönlich hätte ich mir eine Fortsetzung gewünscht, weil ich aufgrund meiner Erfahrung nur allzu gut weiss, dass man einer Serie auch die Möglichkeit einräumen muss, sich weiterzuentwickeln. Bei wie vielen Serien war denn schon die erste Staffel die beste? Einzelne Elemente haben mir gefallen, sehr sogar. Und sich mit anderen darüber auszutauschen, auch wenn es nur Kritikpunkte sind, macht doch einen gewissen Reiz aus. Der beste Beweis, dass mir SW nach wie vor wichtig ist, sollte ja dieser ganze Crawl sein – einfach die Musik von JW in Dauerschleife dazudenken.
    Sich am Misserfolg von the Acolyte zu ergötzen, wie das im Netz und sonstwo stattfindet, finde ich ehrlich gesagt beelendend und zeigt wie wenig man von bestimmten Menschen erwarten sollte. Das hat mit einer positiven Form von Auseinandersetzung rein gar nichts mehr zu tun. Und Kritik gehört für mich dazu. Aber ich erkenne nichts Inspirierendes an der ganzen Schadenfreude, die sich breitmacht. Ich versuche in dem Scheitern auch das Positive zu sehen und die Chancen. Ich glaube nicht, dass SW tot ist. Es kann immer wieder neu gedacht werden. Wir sollten mit einer offenen Haltung dazu beitragen, dass das auch weiterhin möglich ist. Wenn wir nicht die entsprechenden Signale senden, wie soll dann jemand überhaupt Lust kriegen, sich dafür zu engagieren? Ich würde es mir auch zweimal überlegen. Und das sollte einfach nicht sein.
    May the force be with all of us!

    als Antwort auf: Game-News-Plattformübergreifend #1788025
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    Sicher ein Titel, der auf der Liste steht, aber Wu-zu Day one?

    als Antwort auf: Der Film und Fernseh Thread #1787323
    ChrisKongChrisKong
    Teilnehmer

    @Carot

    Ich sehe da generell ein Lucasfilm Problem. Irgendwie kriegen die kaum was auf die Kette und es hapert am meisten bei der Umsetzung. Das zieht sich mittlerweile wie ein roter Faden durch fast alle Produktionen des Studios.
    Bei The Acolyte haben wir wieder eine ähnliche Situation wie schon bei Obi Wan. Viele der Ideen, die darin vorkommen, finde ich interessant und durchaus wert, diese zu verfolgen. Leider wurde das wieder mit so wenig Liebe bedacht, dass man sich wirklich fragen muss, ob die Serie mit Absicht sabotiert wird. Es kann einfach nicht sein, dass seit Tag 1 der SW-Serien immer wieder die Laufzeit kritisiert wird und damit verbunden dann auch eher schwach ausgebaute Charaktere, minimales Worldbuilding – und SW lebt sehr stark davon – und genau gar nichts passiert. In Interviews lässt Headland sogar durchscheinen, dass sie einiges gar nicht hat umsetzen können. Nur muss man sagen, dass es auch wieder viele Szenen gibt in the Acolyte, die entweder redundant sind oder keinen wirklich Zweck ausser Streckung erfüllen.
    Wie gerne hätte ich den Part mit dem Senator und Vernestra stärker im Fokus gesehen. Vom Orden sieht man sowieso so gut wie gar nichts. Wir müssen uns mit simpler Exposition zufrieden geben. Nehmen wir mal Meister Torben. Sein Wunsch nach Coruscant zurückzukehren ist mir als Motivation für sein Handeln zu dünn. Auch das Eingreifen der Hexen hilft mir da nur bedingt weiter. Warum wird nicht anhand einer Szene gezeigt, warum er überhaupt da hin zurück will? Wenn er so wenig Disziplin hat, wie konnte er überhaupt ein Padawan werden?
    Und so sieht es bei anderen Figuren leider auch oft aus. Dass Sol sich unbedingt einen Padawan wünscht, okay, aber warum nicht mit einer Geschichte verknüpfen, die seine Motivation besser veranschaulicht?
    Von der Charakterisierung der Zwillinge fange ich gar nicht erst an. Da haben die Autoren oftmals den Eindruck hinterlassen, dass sie selber nicht wissen, für welchen Charakter sie gerade schreiben. Ich finde es schon komisch, warum Osha eine Jedi werden will. Wenn das nur ein Akt der Rebellion eines Teenies ist, dann finde ich ihre Reaktion gegenüber ihrer Mutter und Schwester eher befremdlich.
    Dann sind da div. Abläufe, die eine komische Logik haben oder eben gar keine, je nach Sichtweise. Da zähle ich Beispiele nicht mehr auf, es sind zu viele.
    Auf der Habenseite sind einige nette Locationspots, die zum Teil sehr schön gemachten Kampfchoreografien und Darsteller wie Manny Jacinto und Lee Jung-Jae.
    Auch die Idee, Problematiken des Ordens, wie das Unterdrücken von Gefühlen zu thematisieren, finde ich gut und richtig. Allerdings zündet das nicht so recht, wenn es an der Charakterisierung fehlt und man mit den Figuren kaum bis wenig connecten kann. Die Jedi hinterlassen da auch eher gemischte Gefühle. Ich finde es eine Spur zu verschlagen und inkompetent, wie sie agieren, zumindest wird es uns so gezeigt.

    Unterm Strich erkenne ich gute Ansätze, aber Disney sollte SW wirklich mal als Premium-Flaggschiff ansehen und nicht für eine Staffel eine Laufzeit spendieren, die in den 90ern einem Viertel entsprochen hätte. Nicht, dass es nur 8 Episoden sind, netto sind das pro Episode rund eine halbe Stunde.

    Die Ankündigung einer zweiten Staffel würde mich unter den Voraussetzungen sehr überraschen. Ich glaube nicht, dass die Serie die Zahlen erreicht hat, die sie bräuchte. Und der Backlash ist gerade in den Medien ziemlich aufgebauscht, was Disney eigentlich nicht brauchen kann.

    als Antwort auf: Der Film und Fernseh Thread #1768995
    ChrisKongChrisKong
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    Ashoka Staffel 1 Episode 1 und 2

    Inhaltlich ist die Marschrichtung klar, wir kriegen hier nichts anderes als Rebels als Real Life Action Serie mit ein paar Anpassungen. Rebels ging durchaus recht weit bei der Auslegung der Macht und damit verbundenen Mythologien. Wir lernten den wahren Bendu kennen, dass die Lothal-Wölfe eine besondere Bedeutung haben und es eine Welt zwischen den Welten gibt. Wen diese Elemente stören, der wird mit Ashoka kaum glücklich werden. Rebels ist mMn auch die Grundvoraussetzung, um Ashoka geniessen zu können. Denn eine Art Zusammenfassung oder Erklärung, wer wer ist, das gibt es hier nicht. Die Geschichte wird problemlos verstanden, im Grunde eine Schnitzeljagd und ein Wettlauf gegen die Zeit. Auf der Suche nach Spock und nach dem heiligen Gral könnte man sagen. So kommt die Handlung auch recht schnell in Gang, für die Umsetzung nimmt man sich aber dafür ordentlich Zeit, vielleicht in ein paar Szenen sogar etwas zu viel.
    Die Charaktere haben einen hohen Wiedererkennungswert und sind bis in die Nebenrollen sehr gut besetzt. Das wir Clancy Brown in einer Nebenrolle sehen hat mich besonders gefreut, ist er doch ein alter Genre-Hase. Ashoka selbst umgibt eine leicht geheimnisvolle Aura, zumindest anders kann ich ihr selbstzufriedenes Lächeln nicht erklären. Die Figur agiert sehr zurückhaltend. Vielleicht ist man sich Ashoka als Mentorin auch einfach zu wenig gewöhnt? Ähnlich wie bei Andor kann man durchaus geneigt sein, hier Mogelpackung zu schreien. Denn der Fokus liegt hier mitnichten auf Ashoka. Von den anderen Charakteren erfahren wir deutlich mehr zu ihrer Motivationslage. Sabine hat dabei den grössten Anteil. Witzigerweise finden die meisten Interaktionen zwischen den humanoiden Charakteren und dem Droiden Huyang, der wie Marv in Per Anhalter durch die Galaxis für die philosophische Erquickung der Helden zuständig ist. Wobei Marv ja höchst depressiv war.
    Nett fand ich auch zwei Alien-Referenzen, ob beabsichtigt oder nicht, who knows? Zum einen erwacht Sabine von Alpträumen geplagt in einer steril weissen Umgebung, die an Ripleys Krankenstation in Aliens die Rückkehr erinnert. Und zum anderen wird ein Droiden-Kopf wiederbelebt, um an Infos zu gelangen, was in Alien und Alien 3 der Fall war.
    Die neuen Antagonisten wirken auch sehr viel interessanter als das in einigen der letzten Shows der Fall war. Ray Stevenson war mir seit Rome ein Begriff und seine Leinwandpräsenz wird schmerzlich vermisst werden.
    Inhaltlich gibts je nach Ermessensgrundlage mal mehr mal weniger Anlass zu Kritik. Da wären andere Lösungen vielleicht opportun gewesen, um Konflikte zu vermeiden. Z.B. werde ich aus der Droiden-Attacke auf Ashoka nicht so recht schlau. Wenn es das Ziel war, ihr die Karte zu entwenden, warum dann die ganze Tempelanlage sprengen. Und wenn es so war, dass man Ashoka um jeden Preis weghaben wollte, warum dann nicht gleich auf dieses Mittel setzen und wennschon, warum ein Countdown, der Ashoka warnt? Das wäre schon Material für eine Galaxy Quest Parodie. Aber ich seh es Filoni nach, denn mit solch kleineren Ärgernissen hält er Nitpicker auch bei der Stange. Es ist nicht das einzige Haar in der Suppe, sondern da sind eine ganze Menge drin und sie stammen alle von Sabine. 🙂
    Auf der Habenseite haben wir so einiges, das ich nicht unerwähnt lassen möchte. Fangen wir mit der Musik an, die wirklich gelungen ist, in vielen Fällen nach klassischen SW klingt, sich aber nicht darauf ausruht und auch sehr ungewohnte Melodien bereithält, etwa wenn Sabine vom Lothal-Sicherheitsdienst gejagt wird oder die Szenen, in denen die Melancholie wie ein leichter Schleier über dem Szenario zu schweben scheint. Mir gefällts.
    Die Inszenierung lässt keine Wünsche offen. Alles sieht sehr wertig aus und ist mit Details nur so gespickt. Klar gibt es Stagecraft-Momente, aber das ist alles so gut miteinander kombiniert, dass die Optik wie aus einem Guss wirkt. Die Szenen auf Corellia wirken besser als in so mancher Szene Vergleichbares in einem SW-Film. Es sieht alles sündhaft teuer aus und als Fan kann man kaum mehr verlangen.
    Die Action ist auch nicht kaputt geschnitten, einzig bei ein paar Momenten wäre es schön gewesen, die nochmals in einer Totalen zu sehen. Bei Sabine gegen Shin war mir die Kamera manchmal zu nah dran. Ansonsten kriegen wir ein schönes Potpourri an SW-Ingredienzen, passt.
    Details wie z.B. Sabines Kunstfertigkeit als gewinnbringende Fähigkeit bei der Lösung des Rätsels zu nutzen, haben ebenso gefallen. Man merkt Filoni die Liebe zu seinen Charakteren an. Allerdings birgt das auch die Gefahr, dass die Spannung über das Schicksal der Charaktere darunter leiden kann. Bezeichnend ist der Cliffhanger von der ersten Episode, der etwas fragwürdig erscheint.
    Das führt mich zu dem wichtigsten Punkt, der mich bei der ganzen Sache gestört hat, nämlich der Release-Politik, die irgendwie überhaupt nicht auf die Serie abgestimmt ist.
    Aus irgendeinem Grund, hat man kurz vor Start den Release vorgezogen, keine Ahnung warum, tut aber nichts zur Sache soweit. Man gibt uns zwei Episoden, die eine etwa 50 Min. die andere ca. 40. Dann ist eine Woche Sendepause und wir kriegen eine halbe Stunde. Also wozu überhaupt einen Cliffhanger in die erste Episode einbauen, wenn die keine drei Sekunden in der nächsten Episode am gleichen Tag aufgelöst wird? Zeigt mir, dass das eine wenig glorreiche Einmischung seitens Disney war und damit die Bemühungen Filonis ein Stück weit torpediert. Kann das evt. etwas mit der Nielsen Company zu tun haben, die Zahlen von Streamingdiensten vergleichen, wie viele Minuten eine Show gesehen wird in welchem Zeitraum? Ich meine mit ca. 90 Minuten ist man da sicher gut dabei. Oder was könnte es für einen anderen Grund geben, gleich zwei Episoden in der Lauflänge zum Start zu verheizen? Ich kann mir einfach beim besten Willen nicht vorstellen, dass Filoni die Staffel geschrieben hat, dann zu den Streamingverantwortlichen getigert ist, und gleich zwei Folgen raushauen wollte zum Start, wenn er doch in der einen extra einen Cliffhanger-Moment eingebaut hat. Tja und das ist schade, weil ich jetzt schon mit 100%iger Sicherheit sagen kann, dass die Laufzeit der nächsten Episode ein valider Kritikpunkt sein wird. Und ich würde das ja nicht schreiben, wenn mir die zwei Folgen nicht gefallen hätten. Ich hätte wie viele andere auch am liebsten gleich weitergeschaut. Immerhin kennt man seine Pappenheimer und von Zeb gab es schon ein Foto und eigentlich rechne ich fest mit Rex. Alles andere fände ich sogar enttäuschend. Denn es sind genau diese Figuren, die Rebels auch so sehenswert für mich gemacht haben.
    Steph Green, die die beste der Boba Fett Episoden inszeniert hat, war für Folge zwei verantwortlich und wird auch noch bei weiteren Regie führen. Sie ist auf alle Fälle ein Gewinn und ich hoffe, dass wir in Zukunft noch viel mehr von ihr sehen werden.
    Inhaltlich hoffe ich auf etwas mehr Lockerheit. So sehr ich die melancholische Note mag, denn sie ist ja nicht unberechtigt, so fehlt es mir hier noch etwas an Pep und Abenteuergeist kombiniert mit Humor. Ja, ich spiele auf die Indy-Filme an. Und das, weil mich die Szenen im Tempel mit Ashoka natürlich getriggert haben. Die Einstellungen, die Musik, ich mag sowas. Nur sollte sich der ernsthafte Teil die Waage halten mit den heiteren Momenten. Die gabs in Rebels schliesslich auch.
    Weiter freue ich mich auf schöne Setpieces und das Artdesign bekannter und neuer Schiffe. Aussehen tuts wie grosses Kino, davon hätte man vor zig Jahren nicht zu Träumen gewagt.
    Man sollte mit gewissen Sachen aber auch nicht über die Stränge schlagen, warum man jetzt noch die Nachtschwestern thematisch hervorkramt, weiss ich nicht. Sehe darin keinen Mehrwert, weil deren Geschichte für mich eigentlich zu Ende erzählt ist. Zumindest hatte ich das auch so aus Jedi Fallen Order mitgenommen und aus TCW.
    Persönlich hoffe ich, dass Filoni seinen Handlungsbogen fertig erzählen kann, bin da aber aus genannten Gründen auch sehr skeptisch. Ob Disney da weiter viel Geld reinpumpen wird, wenn schlussendlich in der Hauptsache Rebels-Zuschauer einschalten, wage ich zu bezweifeln. Immerhin ist die Streamingsparte weiterhin defizitär und Sparmassnahmen wurden angekündigt und bereits umgesetzt. Da Filoni schon mit einer zweiten Staffel plant, würde mich das richtig ankotzen, sollte es nicht dazu kommen. Oder wie ein berühmter Machtnutzer einst sagte, schwer zu sehen ist die Zukunft.

    als Antwort auf: Gernseh-Serien #1767888
    ChrisKongChrisKong
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    Bin da fast schon Allesseher, aber Die Qualität ist schon recht schwankend. Einzig die älteren Sachen, hab ich nie komplettiert. Glaub von Agent Carter nur die erste Staffel gesehen und von Agents of Shield ebenfalls nur die erste. Bei letzterer waren mir das zu viele Episoden, auch wenn die Serie sich noch recht entwickelt hat. Aber damals gabs ein Haufen anderer Sachen zu schauen, weswegen mein Interesse eher gering war. Und jetzt nach Endgame Prä-Endgame Sachen nachholen, reizt mich aktuell eher wenig.
    Werde sicher in Loki Season 2 reinschauen, die im Oktober startet. Aktuell hat aber definitiv Apple-TV die grösste Chance, dass ich wieder mal ein Abo löse, wenn auch nicht heute und morgen.

    als Antwort auf: Gernseh-Serien #1767880
    ChrisKongChrisKong
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    Secret Invasion Staffel 1

    Welcome Back Mr. Fury. Die titelgebende Figur ist irgendwie symptomatisch für die ganze Show, ein müder alter Mann, der noch einmal Alles riskiert. Disney warf gerüchteweise über 200 Mio. für diese Kurzstaffel auf, was eine Menge Asche ist. Leider ist davon kaum je was zu sehen. Nach fünf Episoden war ich ernüchtert, die meiste Zeit bewegen wir uns in irgendwelchen Lagerhallen oder anderen kleinräumigen Settings. Eine Ausnahme bilden die Szenen auf hoher See und in Russland. Ich dachte dann, dass im Finale was Grosses aufgefahren wird. Aber schon die Laufzeit von etwas über 30 Min. machte mich schon stutzig. Danach fragt man sich erst recht, wo das ganze Geld abgeblieben ist.

    Samuel Jackson liefert eine gewohnt gute Performance ab. Mit Ben Mendelsohn, Olivia Coleman und Don Cheadle hat man weitere Darsteller, die jede Figur aufwerten. Emilia Clarke ist ganz solide, aber aus ihrer Figur wird viel zu wenig gemacht, ebenso wie aus Kingsley Ben-Adirs Antagonist. Dabei hat der Schauspieler wirklich ein sehr gutes Charisma.
    Die Probleme liegen daher woanders. In den Szenen mit Exposition, wird versucht eine weltumspannende Bedrohung zu zeichnen. Gestaltwandler, die jede Person imitieren können? Das klingt erstmal auch eher nach Infiltration und nicht Invasion. Zieht man z.B. als Vergleich die Applet TV Serie Invasion heran, werden die Unterschiede deutlich. Anhand div. Schauplätze, die über die Erde verteilt sind und ihren unterschiedlichen Bedrohungsszenarien, die augenscheinlich in keinem Zusammenhang stehen, wird eine bestimmte Grundspannung erzeugt. Die Figuren erkennen erst sehr spät, womit sie es zu tun haben und der Zuschauer bleibt auch lange ahnungslos. Das fehlt hier vollkommen und der Spannungsfaktor ist eminent für die Art Geschichte. Cliffhanger und Twists sieht man teilweise schon meilenweit voraus. Jetzt kann ein Setting mit Wissensvorsprung für den Zuschauer dennoch reizvoll sein, wenn die Spannung oder besser Anspannung bei den Charakteren vorhanden ist. Das Paranoia-Kino der späten 60er, 70er wäre die perfekte Schablone für ein solches Szenario gewesen. Die Körperfresse kommen, Westworld, Unternehmen Capricorn, etc. sie alle beziehen ihre Spannung daraus, dass sich im Hintergrund Mächte verschwören, die immer ein Stück weit auch diffus bleiben. Die Unkenntnis der Helden gibt das Tempo vor.

    Vielleicht eignet sich das MCU schlicht nicht für die Art Film oder Serie. In einer Szene schwadroniert der Bösewicht gar darüber, wo denn die Avengers bleiben. Und genau das ist der dramaturgische Murks, den man oft irgendwie konstruieren muss, um Plausibilität zu schaffen. Denn ja, warum ist kein einziger Avengers verfügbar, wenn die Welt als gesamtes bedroht wird? Die Frage wird aufgeworfen aber natürlich nicht beantwortet.

    Das Finale torpediert dann auch die gelungenen Momente der Serie, indem es div. Fragen aufwirft, die gar nicht sein müssten oder verwirrende Situationen schaffen.
    Die Skrulls lassen sich leicht enttarnen, wenn sie verletzt sind. Warum diese Methode aber in div. Situationen so selektiv genutzt wird und im Finale man gar unnötig eine Bedrohung aufrechterhält, obwohl die Waffengewalt bei 2:1 für die Helden liegt, niemand weiss es.

    Dann sind wir ein einem verlassenen Gelände mit einem Atommeiler. Irgendwie scheint da im Finale die Strahlenbelastung eine Rolle zu spielen. Hab sicher verpasst, woher die genau zu kommen scheint oder was es damit auf sich hat. Aber warum sind davon nicht die ganzen Menschen betroffen, die als Gefangene ihr Dasein just in dem Gelände fristen? Weil Strahlung nur dort ist, wo der Drehbuchautor sie will? Da hat jemand sehr gut bei Die Hard 5 abgeschaut, wie mans nicht macht.

    Der Endkampf ist leider auch wieder dieses zwei praktisch unzerstörbare Wesen verkloppen sich. Soll einer auf der Matte abklopfen oder wo genau soll das hinführen? Es kommt dann eine Super-DNA oder haste nicht gesehen Essenz ins Spiel mit der man dann die vereinten Kräfte aller Avengers und deren Gegner – wo die DNA von Thanos her ist, will ich gar nicht wissen – hat. Das führt dann zu viel Fanservice-mit mässiger CGI-Kombination, wo die eine Figur ihr Äusseres immer wieder partiell mutieren lässt. Da sieht man dann mal den Arm von Drax, Mantis Fühler usw. Nett, aber wer auf ein Schachduell der unterschiedlichen Kräfte hofft, hofft vergebens. Irgendwie wird der Schurke dann besiegt, so genau erschliesst sich mir zwar nicht wie, aber wirkt da irgendwie auch nur noch nebensächlich. Denn gefühlt gibt es sowieso nur zwei Skrulls, die wirklich die Welt bedrohen wollen.
    Der Epilog zeigt dann ein wenig die Konsequenz der Paranoia, aber genau das wäre ja der Punkt gewesen, den man hätte erzählen sollen. Die Ausgangslage hätte wunderbare Spannungsmomente ergeben, aber die fehlen leider total.

    Verglichen mit den anderen Marvelserien verfügt sie auch über die wenigsten Schauwerte. Vielleicht hat Jackson 195 Mio. als Paycheck eingestrichen und da war nicht mehr viel übrig? Wobei Jackson ein Marvel und SW Fanboy ist und vermutlich sogar umsonst mitgespielt hätte. Die Show lief mit Sicherheit sehr enttäuschend für Disney, obwohl es zu der Zeit auf dem eigenen Streamingdienst jetzt auch nicht so viel Konkurrenz hatte. Aber was schon in den Filmen mittlerweile Standard ist, findet sich auch hier wieder, schlecht geschriebenes Screenplay am Thema vorbei inszeniert. Ob Disney-Chef Iger für eine mögliche zweite Staffel, nochmals annähernd so viel Geld locker macht, darf bezweifelt werden. Dass man nun vermutlich die Serie fast schon kennen muss, wie auch Mrs. Marvel, um The Marvels im Kino vollständig geniessen zu können, ist ein klassisches Eigentor und wird meiner Einschätzung nach nicht funktionieren. Sollte the Marvels starke Konkurrenz haben, wird Disney sein Flop-Abo wohl verlängern. Dort kulminieren nämlich zahlreiche Probleme, die schon in den anderen Filmen teilweise für ein Vermarktungsproblem gesorgt haben.

    als Antwort auf: Der Film und Fernseh Thread #1766905
    ChrisKongChrisKong
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    Scream 6

    Der sechste Eintrag einer Horror-Reihe, die das Slasher-Genre Mitte der 90er zu einem regelrechten Revival verhalf. Klar, Slasher gabs davor und danach reichlich, aber sicher nicht mit diesem immensen Erfolg. Dass sich die Reihe gut gehalten hat, ist unbestritten. Zu verdanken ist das auch einer gewissen Flexibilität, wobei sich meist ein zeitgenössisches Thema als roter Faden durch einen Teil zieht und zudem auf einer Meta-Ebene über das Horror-Genre und das Kino selbst reflektiert wird. Bei Teil 4 waren die Befürchtungen schon da, dass sich das abnutzen könnte. Zu Unrecht, wie ich fand. Leider zeigte die kurzlebige Serie, dass das dann trotzdem möglich ist, auch wenn man nach Aussen frische Ideen hat. Allerdings hat man dort mit den Übertreibungen nicht massgehalten und ein unglaubwürdiges Szenario nach dem anderen kreiert.
    Teil 5 versuchte abermals die Reihe auf ein neues Level zu heben und den erzählerischen Raum zu erweitern. So ganz gelang das mMn nicht. Der Film hat ganz gut unterhalten, aber war mE dann doch eine ganze Klasse schlechter als die Teile davor. Ein in der Reihe selbst angesprochenes Problem, war die zusehende Entfernung vom Ausgangsmaterial. Dass man da einen Link zu den Vorgängern konstruierte, schien zwar notwendig, aber die Umsetzung war nicht restlos überzeugend. Es erinnerte eher an Standard-TV-Serienplots der 80er, wenn urplötzlich irgendwelche Verwandte/Verwandtschaften auftauchen.
    Teil 6 baut ziemlich nahtlos auf Teil 5 auf, verlagert das Setting aber erstmals in eine Grossstadt. Das funktioniert in weiten Teilen auch recht gut.
    Was leider nicht so gut funktioniert, ist der Aufbau der Charaktere und einige fragwürdige Drehbuchentscheidungen.
    Die Eröffnungssequenz fand ich sehr gelungen, da sie natürlich sofort div. Fragen aufwarf und mein Interesse war geweckt. Den Machern fiel danach leider nicht mehr viel ein, was sie dem Zuschauer bieten konnten, was er nicht schon in irgendeiner Form kannte. Stattdessen gab es lauwarme Monologe zum Franchise-System Hollywoods. Dabei hatte Randy schon in Teil 3 gesagt, dass nun alles möglich sei. Hier wiederholt man letztlich nur die Prämissen der Vorgänger, wonach es zwar neue Regeln gibt, die aber auch entsprechend interpretiert werden können.
    Die Verbindung zu den Teilen davor und der Motivation von Ghostface wirkt für mich überkonstruiert. Von daher fand ich auch die Auflösung ziemlich lahm und wenig prickelnd. Das war aber auch schon in Teil 5 so.
    Setpieces wie die U-Bahn waren spannungstechnisch sehr gut umgesetzt, wohingegen die Szene in der New Yorker Wohnung deutlich abfiel. Die Charaktere verhalten sich da dümmstmöglich und reflektieren das gar noch für den Zuschauer mit den passenden Dialogen. In diesem Moment kommt weder den Figuren, noch dem Helfer in den Sinn, mal einfach die Polizei zu rufen? Stattdessen verlässt man den sicheren Raum, lässt ausgerechnet die schwächste Person zurück, um die Tür zu blockieren, obwohl gerade festgestellt wurde, dass das nicht lange funktionieren wird und wählt warum genau einen Fluchtweg, der gefährlicher als der Killer selbst ist? Das ist so doof geschrieben, dass es schmerzt.
    Was auch wenig hilfreich ist und der Spannung abträglich, wenn man im Film selbst immer wieder impliziert, es kann jeden treffen, was dann auch passiert, nur damit fragliche Person es dann sowieso überlebt. Das macht es beliebig und inkonsequent.
    Das ist aber nicht das einzige Problem des Films. Die Charaktere selbst fungieren oft nur als reine Stichwortgeber. Die Hauptdarstellerin scheint mir reichlich überfordert mit der Ambivalenz, die ihre Figur ausstrahlen soll. Ihre kleine Schwester, gespielt von Jenna Ortega spielt da in einer anderen Liga.
    Courtney Cox ist als einzige vom Originalcast verblieben, sie schaut aber so aus, als würde unter ihrem Gesicht selbst eine Ghostface-Maske sein. Ich fand sie so sogar noch creepier als Ghostface. Der Rest macht Dienst nach Vorschrift.
    Insgesamt ist es der schwächste Teil und die Auflösung schmeckte mir so gar nicht, weil sie viel zu aufgesetzt wirkte, ganz so als wäre das Ende in einen Comicstrip transferiert worden. Da diese Fortsetzung schon ziemlich gewollt war, kann ich mir kaum vorstellen, dass eine weitere Geschichte viel origineller sein würde. Persönlich finde ich, man sollte es dabei bewenden lassen und keine weiteren Teile machen, wenn man nichts weiter zu sagen hat. Wo der satirische Teil ansonsten noch was richten könnte, fehlt es hier deutlich an Biss, was nicht zuletzt daran liegt, dass man sich nun selber kritisieren müsste und im Grunde auch die Zuschauer, die das absegnen. Im Grunde krankt der Film dann an ähnlichen Schwächen wie zahllose andere Fortsetzungen. Ein paar gute Ideen machen noch keine gute Geschichte. Und da es an interessanten Charakteren ebenso mangelt, wird auch nichts kompensiert. Das macht diesen Film leider auch sehr austauschbar. Es bleibt aber zumindest ein solider Vertreter des Slasher-Genres.

    als Antwort auf: Der Film und Fernseh Thread #1766903
    ChrisKongChrisKong
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    Fand den jetzt auch nicht brutaler als die anderen. Aber wenn dann so viele Opfer überleben, kann ich nicht von kompromisslos reden. Und ja, das gehört für mich dazu, damit die Härte auch emotional verfängt. Das wird hier leider zu oft dann untergraben.

    als Antwort auf: Der Film und Fernseh Thread #1766901
    ChrisKongChrisKong
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    @Johnny Rocket

    Ich mag die Reihe wirklich und Teil 4 war damals eine rechte Enttäuschung. Leider hat der Film bei mir über die Jahre nichts dazugewonnen, die Regie bleibt schlecht. Spielberg gelang es einfach nicht Tempo und Gefühl der Originalreihe einzufangen. Und Mangold schafft das im Grunde genauso wenig. Das Drehbuch hilft ihm dabei leider kein Stück.

    @Tabby kompromisslosesten? Genau das ist er so gar nicht. Div. abgestochene überleben ja, wie warum? Einfach weil das Drehbuch es so will. Zumal die Geschichte auch so recht hanebüchen ist. Werde später vielleicht noch was dazu schreiben.

    als Antwort auf: Der Film und Fernseh Thread #1766898
    ChrisKongChrisKong
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    Indiana Jones und das Rad des Schicksals

    Im Vorfeld zu Indys fünftem Abenteuer wurde schon viel gesagt und geschrieben. Die grössten Bedenken waren das hohe Alter von Ford und ob das mit der Erwartung an den Film korrespondieren würde. Als der Film dann seine Premiere feierte in Cannes, war die Resonanz nicht gerade gut. Später kamen dann noch div. Youtuber dazu, deren Enttäuschung nicht zu verhehlen war. Dabei wurden immer wieder ähnliche Kritikpunkte genannt. Wie stark die allerdings wiegen, bleibt auch bei Zustimmung immer noch Sache des Rezipienten. Ich versuche mal anhand der geäusserten oder von mir vermuteten Kritik ein wenig aufzudröseln, ob das für mich auch so war und wie positiv oder negativ ich es empfand. Achtung, der Text enthält Spoiler, um die man schwer drumherum kommt.

    Geschichte und Stimmung

    Ein Vorwurf, der sicher zutrifft, ist diese Schwermütigkeit, die durch den Film hindurch trägt. Ähnlich wie bei No time to die, dem letzten Bond-Abenteuer von Craig, liegt diese Melancholie in der Luft und sowohl Bond als auch Indy steuern auf ihr Ende zu. Das allein zeichnet die Geschichte noch nicht aus, aber der Start ist ähnlich. Beide Charaktere tragen ihre Probleme mit sich rum und haben einen sichtlich emotionalen Impact. Diese Grundstimmung überträgt sich unweigerlich auf den Zuschauer.
    Hier kann ich voll zustimmen, dieser Indy-Film fühlt sich in weiten Teilen anders an. Es fehlt an dieser Lockerheit, die bei aller Ernsthaftigkeit, ein steter Begleiter Indys war. Ähnlich wie Bond, war Indy eine ewige Figur, die gefühlt gar nicht altern kann und auch deren charakterliche Entwicklung in einer Art Cryostase gefangen bleibt. Nuancen sind auszumachen, wir erfahren über Indy woher gewisse Verhaltensweisen stammen, z.B. seine Angst vor Schlangen, so wie wir auch über Bond erfahren, warum er sich emotional nicht an Personen binden möchte. Nein, das ist hier kein klassisches Indy-Abenteuer. Es schmeckt nicht nach Pionierleistung, irgendwo hinzugehen, wo noch nie ein Archäologe zuvor gewesen ist, sondern es ist die Geschichte eines Mannes, der unerledigte Dinge aus der Vergangenheit hat, die ihn einholen. Hier kann man auch gut überleiten zu einem Vergleich mit Mangolds Logan. Im Abschluss der Wolverine-Filmreihe, ist es ein letzter Kraftakt der Figur, der noch mal in die Zukunft seiner Nachfolge investiert wird. Das hat auch was Versöhnliches. Hier verpasst es Mangold aber mMn, dass man diese Dringlichkeit in Indys Handeln spürbar macht. Er stürzt sich aus einem Versprechen raus in ein Abenteuer. Soweit so gut, aber leider wird die zweite Hauptfigur, Helena, oft so dargestellt, dass sie unsympathisch und besserwisserisch daherkommt. Wenn dem Zuschauer offenbart wird, dass Indy seine Patentochter über zehn Jahre und mehr nicht gesehen hat, wirkt vieles, was danach folgt etwas aufgesetzt und wenig glaubhaft. Als Rezipient fühlte ich mich da auch nicht wirklich emotional investiert.
    Ganz anders verhält es sich, wenn klar wird, warum Indy in diesem Zustand der Verhärmung ist. Das hat mich recht stark getroffen. Das drückte dem Film nochmals seinen schwermütigen Stempel auf. Der Moment war toll gespielt. Auch da gab es inhaltlich Kritik, warum wurde Indy seines Happyends aus Teil 4 beraubt? Ich mag Dramen, weiss aber auch nicht so recht, ob ich das in Indy oder wie skizziert, in Bond überhaupt haben möchte. Dem Film kann man das aber nicht anlasten. Als mutig würde ich das heute aber nicht mehr bezeichnen. Sowas wäre in den alten Filmen sicher eine Hausnr. gewesen, aber mittlerweile sind die Franchise-Filme voll mit Figuren, die mit ihrer Legacy hadern, weil der Nachwuchs sich nicht in die Richtung entwickelt hat, wie gewünscht oder anderweitige Schicksalsschläge erfahren hat. Und während man in vergleichbaren Situationen, konsequent den Weg ging, Nachfolge da, bedeutet der Held überlebt das Abenteuer nicht, traute man sich das vielleicht nicht ganz. Darf als Variation verstanden werden, leider ist die Art, wie Filme heute optimiert werden, das vielleicht weniger der Vorstellung des Regisseurs geschuldet, denn dieser fatalen Anbiederung, die sich Testscreenings nennt.
    Die eigentliche Handlung ist nicht wirklich spektakulär. Man versucht zwar die Ziele mit Bedeutung aufzuladen, aber so recht will das nicht gelingen. Das mag auch daran liegen, dass ich in dem Film nicht permanent das Gefühl habe, Indy wäre im Feindland unterwegs, was in den drei Filmen bis und mit der letzte Kreuzzug der Fall war.
    Aber die Geschichte ist für mich absolut in Ordnung, war auch in Indy 4 nicht Kern der Kritik für mich damals wie heute. Wer sich an Aliens, Zeitreisen und dgl. reibt, ist bei Indy an der falschen Adresse.
    Tja, Kritik am Ende gabs dann natürlich trotzdem von vielen Seiten. Muss ehrlich sagen, das kann ich nun nicht ganz nachvollziehen und ich sehe da nur recht wenig Potenzial für Polarisierung. Ob das innerhalb des Indyverse nun sehr glaubhaft dargestellt ist oder nicht, ist für mich da eher zweitrangig.
    Leider begleitet die Geschichte eine ganze Reihe von Ungereimtheiten und man merkt deutlich, da wurde zu viel rumgedoktert. Hat weniger mit der eigentlichen Geschichte zu tun, darum greife ich das unter Screenplay und Drehbuch auf.
    Indys Wunsch, in der Vergangenheit zu verbleiben, ich fands out of character. Irgendwie wurde es so gedreht, dass die Geschichte sein ein und alles ist. Aber da scheint mir, wurde die Figur nicht so recht verstanden. Die andere Schiene der Motivation, der familiäre Verlust, der nicht aufgewogen werden kann, wirft wieder ein eher schlechtes Licht auf Helena. Denn Indy scheint sich dieser Figur absolut nicht verpflichtet zu sein. In einer Szene in der Mitte sagt er das sogar mal, aber dort denkt man sich noch, harte Schale, weicher Kern. Aber in der Endsequenz scheint ihm auch mehr an Personen gelegen zu sein, die irgendwo, irgendwann mal gelebt haben. Ja, genau, was er seinem Vater im dritten Teil vorwirft. Ich weiss nicht, ob Mangold das sogar ganz bewusst gemacht hat, aber da ich Indys Verhalten da eher verstörend fand, mag ich das nicht so recht glauben.
    Dafür hat man mit der Szene kurz vor den End Credits, wieder wunderbar einen Bogen zum ersten Teil gespannt und war für mich der zweitbeste Moment in dem Film. Obwohl man genau weiss, was passieren wird, ist diese Chemie zwischen ihm und Marion wieder da. Und genau das war sie mMn in Teil 4 so gar nicht. Hier aber war ich all in und hat das Ende dann doch noch recht gut hingebogen.

    Helden

    Natürlich stellt sich die Frage bei der Titelfigur nicht zu unrecht, ob die Vergangenheit da jedes Mal einen Helden gezeigt hat. Ich denke wir haben da durchaus gesehen, dass Indy ein facettenreicher Charakter ist, der in bestimmten Situationen das Herz am rechten Fleck weiss, aber auch sehr skrupellos agieren kann. Warum er sich in den Vorgängern stets ein wenig anmasst, Dinge für ein Museum klauen zu müssen, wird eigentlich nie wirklich erklärt. Wir sehen einen verwegenen Abenteurer, den die Gefahr lockt. Die Belohnung scheint oft nebensächlich. Seine Haltung, das gehört in ein Museum, sehen wir schon in Tempel des Todes korrumpiert, wenn er ein Artefakt etwa gegen einen Diamanten tauscht oder besser gesagt tauschen will. Dann auch gleich mal eine Unbeteiligte als Geisel nehmen? Indy darf das. Also der Mann hat Ecken und Kanten. Und im letzten Teil sehen wir einen gebrochenen Mann. Später erfahren wir auch warum. Anstatt aber das etwas weiter auszuloten und Indy mehr Motivation zu geben, läuft das eher so nebenbei. Eine verpasste Chance. Seine Beziehungen zu anderen Personen im Film hat mich leider nicht wirklich überzeugt. Da ist dieser alte Freund, gespielt von Banderas. Die Szene hätte genauso mit Salah funktioniert, der noch von der See schwärmt. Man führt also eine neue Figur ein, die im Grunde überflüssig ist und degradiert eine andere zu zwei Kurzauftritten. So ganz kann ich das nicht nachvollziehen. Die Gelegenheit, Shorty zurückzubringen, hat man so auch gleich in den Sand gesetzt und damit auch die Möglichkeit, den emotionalen Kern der Geschichte, aufzuwerten.
    Dafür haben wir abermals zwei neue Figuren, Bass und seine Tochter Helena. Toby Jones ist sichtlich der Ersatz für Marcus Brody, was auch in Ordnung ist. Denholm Elliott ist ja schon lange verstorben und eine ähnliche Figur passt eigentlich ganz gut. Hat auch aufgrund des Settings ein wenig an Dr. Broom aus Hellboy erinnert, witzigerweise wurde der vom ebenfalls verstorbenen John Hurt dargestellt, der in Indy 4 mit dabei war, ebenfalls in einer ähnlichen Rolle.
    Banderas ist mit seiner aufgestellten Art irgendwie immer eine Bereicherung. Leider kriegt seine Figur in dem Film zu wenig zu tun. Die Kritik, dass er lediglich fünf Dialogzeilen hat, ja, das kann man dem Film durchaus ankreiden. Und auch da hätte man mit dem Schauspieler, der Zorro interpretiert hat, einfach noch so viel mehr im Metabereich herausholen können. Immerhin ist Zorro mit eine Inspirationsquelle für Indy gewesen.
    Den Shortround-Part hat Teddy übernommen, gespielt von Ethann Isidore. Die Anspielungen sind überdeutlich. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass er ein wenig mehr hätte sein können als eine nette Referenz. Sogar seine übertriebenen Skills, habe ich erfolgreich ignoriert, auch wenn das anderen schwer fallen dürfte. Viel schwerer wiegt da seine Kaltschnäuzigkeit, wenn er sich mal eben aus den Fängen eines Nazis befreit, um diesem einem qualvollen Tod durch Ertrinken zu überantworten. In dieser Szene hätte er einfach fliehen können, ohne dass dieser ihm hätte folgen können. Die Szene ist auch völlig zurecht in der Kritik.
    Da Marion Teil eines der besten Momente des Films ist, kann man getrost sagen, es kommt nicht auf die Dauer des Auftritts an, sondern wie er gestaltet ist. Und da ging man einen guten Weg, wie ich finde. Viel mehr gibts da nicht zu sagen.
    Bei Helena werden sich wohl die meisten Geister scheiden. Phoebe Waller-Bridge hat fleissig an der Figur mitgearbeitet und das merkt man auch. Dadurch kommt es aber auch zu dieser eigenartigen Situation, dass die Figur irgendwie total over ist. Manchmal wirkt es fast schon penetrant, wie sie die Szenen dominiert. Wo ich ein Wechselspiel mit Ford erwartet hätte, war es eher eine Helena-Solo-Show (uiuiui Wortspielalarm). Ein paar Attitüden weniger hätten der Figur gutgetan. Auch das hin und her in der Motivation der Figur fand ich eher unpassend. Zumal sie mich da auch nicht überzeugte. Am Ende eine Mischung aus Elsa Schneider und Marion und das Gefühl, man müsste beide übertrumpfen. Ich fand darum ihre Figur leider einen der enttäuschendsten Aspekte des Films. Vielleicht wäre weniger persönliche Bindung die bessere Wahl gewesen. Eine angepasste Sophia Hapgood z.B. – bekannt aus dem Indy-Spiel Fate of Atlantis – z.B. hätte ein ausgeglicheneres Rededuell ergeben. Leider wird Helenas Figur auch immer wieder für Exposition missbraucht oder als Zuschauer-Kommentar. Hier verfängt die Kritik mMn auch ein wenig zurecht, dass die Figur nicht gut geschrieben sei. Was anfangs nach Traumhochzeit klingt, Waller-Bridge als Co-Autorin und Darstellerin und Indys Konterpart in Personalunion, entpuppt sich als Bumerang. Weniger wäre da mehr gewesen.

    Schurken

    Mads Mikkelsen darf als Schmitt/Voller ein paar Akzente setzen, aber wirklich herausstechen tut er nicht. Kein Vergleich zu Molaram oder Beloq. Leider bin ich vom Kino heute auch nicht viel mehr als das gewohnt. Es geht mir auch gar nicht darum, da einen überpsychologisierten Schurken zu haben. Mich interessiert da wenig, was in dessen Kindheit schief gelaufen ist. Die Filme legen da ja nicht den Fokus. Eher spiegeln sie den einen Teil in Indy, den man auch seine dunkle Seite nennen könnte. Wo Indy aber die Grenzen der Gier erkennt, fallen seine Gegner dieser komplett anheim. Womit man etwas mehr hätte spielen können, wäre vielleicht die nettere Seite von Voller zu zeigen und wie er Leute um den Finger wickelt. Das hätte auch eine bessere Erklärung geliefert, warum er tun kann, was er tut. Und Mikkelsen wird oft zu wenig gefordert. Wirklich schade, da er für mich zu den besten Darstellern seiner Generation zählt. Gerade seine ganzen dänischen Filme sind eine klare Empfehlung, wenn man sich mit seinem Werk auseinandersetzen möchte.
    Boyd Holbrook als Handlanger ist leider verschenkt, gerade wenn ich mir seine Auftritte in Sandman (Netflix) vor Augen führe. Hier wirkt er gar ein wenig dummbatzig, nur unterminiert er so natürlich seine Bedrohlichkeit, ein klassischer Zielkonflikt.
    Thomas Kretschmann darf den treuen Nazi-Kommandanten zum Besten geben. Seine Dialoge geben auch nicht viel her. Auch da drängt sich ein Vergleich mit seinen Vorgängern auf, die entweder eine sadistische Ader zeigten oder ihr Unbehagen zum Okkultismus ausdrückten. Kretschmann holt aber rein mimisch das Maximum raus und macht deutlich, dass er mehr als nur bös dreinblicken kann.
    Die Verfolger in Tanger sind leider nicht mehr als das übliche Kanonenfutter und Klischees auf zwei Beinen. Der Versuch sie als Comedy-Relief einzusetzen, funktioniert nicht wirklich. Aber mehr lag da wohl einfach nicht drin. Leider wird da auch nur eine weitere Verfolgungsjagd initiiert.
    Man hätte aber auch gut alle Schurken anders besetzen können, wirklich eine Rolle hätte es nicht gespielt. Sie sind solide, mehr aber nicht. Die Darsteller leider etwas unterfordert. Cate Blanchett kann ein Lied davon singen. Mikkelsens Figur ist mir aber dennoch sehr viel positiver in Erinnerung geblieben.
    Wozu man die CIA-Agentin zählen soll, ist mir nicht klar. Ihre Motivation bleibt gänzlich im Dunkeln. Schmitt ist für die Regierung eine wichtige Figur, aber dass man einem übergelaufenen Nazi alles Mögliche an Freiheiten einräumt, Zivilisten erschossen werden usw., das wirkt absolut unglaubwürdig. Und das kulminiert dann eben in dieser Figur, deren einzige Funktion zu sein scheint, zu verhindern, dass die Nazi-Truppe noch mehr Leute tötet. Tjoa, nach merkwürdiger und absurder wird es, wenn diese Figur sozusagen das klassische Feindbild der Nazis ist, eine schwarze Frau mit dem dicksten Afro seit Jimmy Hendrix ist. Warum tut sie das? Und weil man letztlich mit der Figur nichts anzufangen wusste, wurde sie auch wie Ballast entsorgt auf die billigste Art und Weise. Ich fand das wirklich unwürdig und peinlich. Hier wirkt es wirklich so, als hätte es noch an einer weiteren starken Frauenfigur gefehlt und man hätte sie kurzfristig eingebaut ohne wirklichen Zweck für die Geschichte. Das führt für mich auch zu dem Punkt, der den Film am meisten in seiner Wirkung limitiert.

    Screenplay/Drehbuch/Regie/Cinematographie

    Am Drehbuch wurde gefühlt ewig gebastelt und man merkt das auch. Es gibt ein wenig Exposition, was sich aber noch in Grenzen hält. Der ganze Subplot um die CIA wird in der Mitte des Films einfach fallengelassen. So fragt man sich, was das überhaupt sollte. Hingeführt hat es zu nichts und unnötig Laufzeit gekostet. Warum ausgerechnet eine Afroamerikanerin mit lauter Ex-Nazis zusammenarbeiten soll? Keiner weiss es. Mir scheint da einfach ein Teil des Films zu fehlen, rspk. fühlt es sich so an, als wäre da was gekürzt worden und dass man es dann so plump enden lässt, spricht eine eindeutige Sprache. Es ergibt einfach keinen Sinn, Voller/Schmitts Eskapaden durch die CIA zu decken, wenn die CIA selbst nicht an diesen Hokus Pokus glaubt. Und genau das bringt die Agentin ja wiederholt zum Ausdruck. Dass sie augenscheinlich alleine operiert, wirkt dann noch merkwürdiger. Vielleicht wollte man mehr Zeit- und Lokalkolorit drin haben? Ähnlich mysteriös verhält es sich mit der Mondlandung. Auch das scheint eine Art Alibi-Übung zu sein, um den Leuten zu zeigen, wann die Geschichte spielt. Dabei ist die Zeit eigentlich absolut unerheblich für die Geschichte, was sich fast schon wie ein Treppenwitz liest.
    Generell ist vieles so geschrieben, wie es das Screenplay grad braucht, um den Anschluss nicht zu verlieren. Indys Shortround-Ersatz kann nicht schwimmen, dann eben doch, einfach indem er wiederholt, was Indy ihm gesagt hat, strecken, ziehen und von vorn. Er kann auf einmal ein Flugzeug fliegen – Typ egal – und durch den Sturm des Jahrhunderts manövrieren. Die Sully-Gedenkmedaille ist ihm sicher. Dazu ist er noch ein veritabler Killer. Also er ist im Grunde Nichtschwimmer, wird an den Stereoiden-Nazi gekettet und fällt in den reissenden Fluss. Da fällt ihm nichts Besseres ein, als sich zu befreien während er durch einen schmalen Spalt in einem Gitter schwimmt und dann den Nazi mit der Handschelle an das Gitter zu ketten, obwohl ihm dieser gar nicht folgen könnte. Da dachte ich mir auch, zukünftiges Profil eines Hauptdarstellers in einer Netflix-Doku (the Nazi-drowner).
    Dann wird wieder eine Gefahr herbeigeschrieben, wie z.B. Methangas. Indy rät, nicht zu atmen. In der Folge hört man Helena pausenlos husten, während Indy seelenruhig seinen Monolog hält. Also ein wenig mehr Mühe bei der Ausgestaltung solcher Szenen darf man einfach erwarten.
    Im Finale cuttet man letztlich auch ziemlich fix ins Outro und spart sich so allfällige Fragen. Fragen? Also Indy wird wegen Mordes gesucht. Die einzig Schuldigen, die er bringen könnte, sind in der Vergangenheit begraben und seine Zeugen Kriminelle (Helena und Teddy) und die Geschichte unglaubwürdig. Dazu kommt noch eine tote CIA-Agentin. Aber Ende gut alles gut. Also warum erst die Mitarbeiter von Indy opfern, ihn zu einem gesuchten Mörder zu machen, um es dann einfach unter den Tisch fallen zu lassen? Wo bleibt der Tommy Jones, der auf der Jagd ist und ihn dann doch noch entlastet? Wäre das evt. die Funktion der CIA-Agentin gewesen? Nein, hier ist die Plausibilität auf einem Tiefpunkt. Das ist nicht nachvollziehbar geschrieben und umgesetzt. Ärgerlich, da der Film das einfach null nötig gehabt hätte. Mir ist das ein Rätsel, wie sich die Macher des Films, allen voran Mangold den fertigen Schnitt angesehen haben und das niemandem aufgefallen sein soll. Das sind wirklich nur Basics.
    So etwa hat sich für mich auch Indy 4 angefühlt, wo ich den grössten Schwachpunkt in der uninspirierten Regie und dem schwachen Screenplay sah. So, wie für mich Indy 4 eine von Spielbergs schlechtesten Arbeiten ist, hat Mangold hier in seinem Job auch relativ versagt. Dabei lag meine grösste Hoffnung tatsächlich auf seiner Regie. Vieles, bei dem ich eher Bedenken hatte, erwies sich nicht als Stolperstein, sehr zu meiner Überraschung. Sicher hatte Mangold keinen einfachen Job, aus diesen ganzen Teilen einen runden Film zu machen. Aber von einem Profi erwarte ich einfach ein Mindestmass an Professionalität. So muss ich sagen, hätte dieser Film in andere Hände gehört, z.B. Ron Howard. Ich bin überzeugt, der Film hätte viele seiner Schwächen dann schon mal nicht gehabt.
    Was ebenfalls in den Bereich der für mich eher unglücklichen Umsetzung fällt, ist die Kamera-Arbeit. Kaum Long-Shots oder -Takes, extrem viele Nahaufnahmen bei der Action, zu viele Szenen, die einfach viel zu dunkel waren. Ich kann ehrlich nicht sagen, dass der Film eine Augenweide war. Zudem fand ich diese generelle Künstlichkeit bei den Szenen mit dem Zug auch nicht gerade, was ich mir gewünscht hätte. Die Schnitte waren im erträglichen Bereich, aber wie man Actionszenen mit gutem Pacing aufbaut und für den Zuschauer immer klar ist, wo befinden sich die Helden, was geschieht um sie herum, das erleben wir hier nicht. Geht aber auch unter Business as usual, will sagen, das ist leider in vielen Filmen mittlerweile der Fall. Gerade die Tage noch einen Film gesehen, der nur von Shootouts lebt und dort klebte auch die Kamera nonstop an den Figuren. Sry, das ist schwach. Als Abwechslung kann man die Unterwasserszenen bezeichnen, wäre da wieder nicht das kombinierte Problem von zu dunkel und mit der Kamera zu nah am Geschehen. Hat Mikkelsen auf die Einhaltung der Dogma95-Regeln bestanden? Leuchtet das doch einfach richtig aus. So wars irgendwie mehr Anstrengung als Fun.

    Action

    Das meiste, was an Action stattfindet, sind Verfolgungsjagden. Da kann man viel von der CGI Gebrauch machen und schont die Versicherungen, die im Fall eines Unfalls von Ford Zahlungen leisten müssten. Leider funktioniert das Kaschieren von Fords Alter oft etwas mittelprächtig. Da wirft er bspw. in der Bibliothek eine Aluleiter oder was auch immer Richtung Nazi-Pulk. Das sieht leider so aus, als würden die nur aus Mitleid überhaupt drauf reagieren.
    Die Eröffnungssequenz funktioniert da wirklich am besten. Leider ist auch da immer mal wieder ein künstlicher Look drin, der mir persönlich nicht so zusagt.
    Die Länge der Actionszenen ist ein oft geäusserter Kritikpunkt und im Vergleich zu den älteren Filmen, auch einer, der nicht nötig gewesen wäre. Wenn dann in neunzig Prozent aller Aufnahmen dann sowieso ein Stuntdouble oder CGI oder beides zum Einsatz kommt, why? Der Film profitiert da nicht wirklich von.

    De-Aging

    Man wollte keinen jüngeren Darsteller casten, weil… Ja warum eigentlich? Okay, also muss es die Technik richten. Bei den Close-Ups, wo meine Befürchtungen lagen, konnte ich ganz gut damit leben. Hier sah man einen extremen Fortschritt gegenüber vergangenen Versuchen. Dafür wirkte es in einigen Szenen so, als wäre es der falsche Körper. Tatsächlich haben mich ein paar Bewegungen aus der Immersion gerissen. Vermutlich fällt das niemandem auf, der Ford nicht aus jungen Jahren kennt. Somit bleibt De-Aging ein zweischneidiges Schwert, an dem sich die Geister scheiden. Insgesamt fand ich es gelungen und wie gesagt haben Kenner von Ford da sicherlich mehr Ansatzpunkte, um von der Illusion nicht gänzlich überzeugt zu werden.

    Fanservice

    Es gibt so einige Referenzen an die alten Streifen, mal mehr mal weniger subtil. Die Cameos oder Gastauftritte älterer Mitstreiter tragen leider nicht sehr viel zur eigentlichen Geschichte bei. Das verwundert dann, wenn man wieder neue Figuren hat, wie die von Toby Jones und Antonio Banderas, die alte Freunde sind, von denen man noch nie gehört hat. Jones hat wenigstens für die Geschichte eine gewisse Relevanz, Banderas Figur hätte man auch einfach Salah zuweisen können. Witzigerweise bittet er Indy sogar, mit auf das Abenteuer zu dürfen. Auch hier tun sich Vergleiche mit dem letzten Bond Film auf. Nur hier geht der Fanservice auch ein wenig zu Lasten eigener, frischer Ideen. Man bedient sich aus dem Baukasten, lässt Indy ein wenig Namedropping betreiben (in der Kletterszene erklärt er seine angeschlagene Gesundheit), so kennt man das mittlerweile zur Genüge. Mag für Fans, und für die ist dieser Film, ganz nett sein, trägt für mich aber zu wenig. Die Nostalgie-Platte wird da mittlerweile auch einfach zu oft aufgelegt. Auch das kostet Screentime.

    Musik

    John Williams erledigt seinen Job. Leider hört es sich eben oft auch so an. Das ist grundsätzlich auch okay. Mir gefiel damals schon bei seiner Arbeit z.B. bei den zweiten Teilen in der Star Wars Prequel Trilogie und bei Indiana Jones, dass die Filme ein grosses Thema hatten, das sich deutlich vom Vorgänger abhob und dem ganzen Film eine eigene Note gab. Hier gibt es viel Referenzen und typische Williams-Sounds, aber das war es dann leider auch schon. Vielleicht hat man in der Vergangenheit den Sound auch prominenter eingesetzt? Generell war die Arbeit von Williams und Lucas und Williams und Spielberg am fruchtbarsten. Der Film hätte sich da sicher mehr trauen dürfen. Während ich das schreibe läuft grad Helenas Theme. Hört sich nach gutem klassischen Score an. Wie ein Remix aus alten Indy-Scores. Aber das Erinnerungswürdige fehlt mir da halt trotzdem. Nur liegt die Messlatte bei Williams mittlerweile eh in Sphären, die kaum jemand erreichen kann. Auch der Maestro himself schafft das aktuell nicht. Gerne hätte ich hier gesagt, dass die Musik das Highlight schlechthin ist.

    Gesamtfazit

    Ich kann da beide Seiten irgendwie verstehen. Einerseits ist es eine Enttäuschung, andererseits aber halt Indy. Umgekehrt funktioniert das auch, es ist ein Indy-Film, aber leider nicht der beste. Von einem unwürdigen Abschluss würde ich nicht sprechen. Für mich war das halt fast schon nicht realisierbar, da für mich die Figur, ähnlich wie Bond, nicht altert, sondern wie ein Zeitreisender sich jeweils seiner Umgebung und eben Zeit anpasst. Dass der zweite Indy vor dem ersten spielt, hab ich in meiner Jugend nie wirklich gepeilt. Hatte aber ja keine Relevanz, da die Filme auch nie so gedacht waren, aufeinander aufzubauen und eine Fortsetzungsgeschichte zu erzählen. Anders als etwa Lethal Weapon, wo man die Beziehung von Murtaugh und Riggs über eine längeren Zeitraum verfolgt und wie sie sich entwickelt.
    Die Spekulationen zur Geschichte im Vorfeld gehörten hier natürlich zum Filmerlebnis. Um was es gehen könnte, war durchaus ein interessanter Aspekt. Dabei fiel in Diskussionen ein paar Mal das Artefakt, hinter dem Indy in der Eröffnungssequenz her ist. Dass man damit dann ein wenig spielt, fand ich absolut gelungen, besonders die Zweckentfremdung des Artefakts. Ja, an gelungenen Szenen ist der Film nun auch nicht arm, was man gerne trotz aller Kritik sagen darf.
    Die Vollkatastrophe, die manche da gesehen haben, sehe ich nicht. Ich glaube aber auch nicht, dass wirklich viele das sagen würden, eher mischt sich einfach Enttäuschung in die Wertung. Je nachdem, wie stark man davon berührt wird, ist der Gral halt halb voll oder halb leer.
    Die Kritikpunkte sind mMn allesamt valide, aber für mich jetzt nicht so gravierend. Ich hätte mir deutlich weniger Künstlichkeit gewünscht. Die Sequenz mit dem Zug erinnerte mich mehr an ein Uncharted-Spiel, denn an Indys alte Abenteuer. Dass man mit Ford keine grossen Sprünge machen konnte, kann ich nachvollziehen. Aber man hätte die Geschichte auch anders aufgleisen können. Vielleicht das eine oder andere Rätsel einbauen, das Indys graue Zellen fordert?
    Fords Charisma überspielt auch ein paar Schwächen. Ford sieht man einfach gerne zu, zumindest ich. Sogar seine zuletzt eher schwächeren Filme gewinnen durch ihn enorm. Ich kann da jedem auch die Apple-TV Serie Shrinking empfehlen. Er hat dort zwar nicht die Hauptrolle, aber gehört zu den Highlights der Show.
    Der Film kommt letztlich viel zu spät und durchlief die buchstäbliche Drehbuchhölle. Das merkt man einfach. Die Hoffnungen, die in Mangold gesetzt wurden, waren vergebens. Das nervt mich dann leider über Gebühr, wenn zum Teil so schludrig gearbeitet wird. Und dafür trägt allein der Regisseur die Verantwortung.
    Dass der Film soviel gekostet hat, erschliesst sich mir nicht. Aber Lucasfilm tut sich da seit Georges Abgang sowieso irgendwie schwer damit. Manche Sachen sehen leider recht billig aus. Die Titeleinblendung zu Beginn wirkte auch eher wie die einer altbackenen TV-Serie. Immerhin hat das noch was von Young-Indy-Vibes.
    Das Ende wurde stark kritisiert in der Presse, aus Spoilergefahr kann ich da aber auch nur ein wenig mutmassen, was Stein des Anstosses war. Explizit wurde z.B. genannt, dass Indy am Ende seine Selbstbestimmung genommen wurde. Und ja, dieser Aspekt gefiel mir irgendwie auch so gar nicht, da es zu Indys Charakteristika gehört, eben ein Entscheider zu sein. Warum er dann sein eigenes Schicksal nicht selbst managen darf?
    Der andere Grund könnte in der recht klaren Veranschaulichung des Übernatürlichen liegen. Wo die Teile 1-3 noch der Thrill des Unbekannten vorherrschte und das Abenteuer mysteriös verblieb, ist die Zeitreise im aktuellen Teil zu bestimmt. Ähnlich wie die Aliens im vierten Teil. Das Motiv des Mysteriums sollte auch am Ende Raum für Interpretation lassen. Raiders of the Lost Ark ist da ein Paradebeispiel. Zudem greift hier auch der Fabel-Aspekt, dass eine Aussage zur Moral gemacht wird. In Teil 5 ist das ja keine Erkenntnis, die Indy erhält, sondern die ihm aufgezwungen wird. Das ist natürlich schade und passt mMn auch nicht so ganz zu seinem Charakter.
    Zu oft und zu lange sollte man nicht über bestimmte Aspekte nachdenken, denn es hilft bei der Rezeption des Films nicht wirklich. Was auch immer ich mir von dem Film erhofft hatte, kann er nicht wirklich liefern. Aber das ist nicht weiter schlimm. Dass der Film eine Zangengeburt ist, wird niemand abstreiten. Es war nicht eine gute Geschichte da, die erzählt werden wollte. Ford wollte noch einmal seinen Star-Status fühlen und was wäre geeigneter als eine Big Budget Produktion mit ihm als Hauptdarsteller einer ikonischen Figur? Lucasfilm tanzte auf vielen Hochzeiten und spielte einmal mehr die Retroplatte, ohne wirklich verstanden zu haben, wie man das vernünftig macht.

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