ChrisKong
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ChrisKongTeilnehmerMr. Inbetween Staffel 1 (Disney+)
Vielleicht kann sich noch jemand an die britische Serie Hit & Miss mit Chloe Sevigny erinnern? Dramedy nach Brit-Art. Mal lustig, mal tragisch. Halt mit diesem typischen Look & Feel britischer Aussenbezirke und ihrer Einwohner. Mr. Inbetween ist eine australische Co-Produktion mit Scott Ryan als Produzent, Autor und Hauptdarsteller in Personalunion. Er spielt einen Berufsverbrecher, der sich nicht zu schade ist für die schmutzige Seite seines Geschäfts. Geld eintreiben, Leute entsorgen, was halt so auf der Agenda steht. Dabei kümmert er sich um seine Tochter und seinen kranken Bruder. Die Serie begleitet ihn in seinem Alltag und aus der Natur der Sache ist dieser oft mehr als ungewöhnlich. Dabei wird er auch zur Anti-Aggressionstherapie verdonnert. Der Humor ist trocken und die Zufälle sind Guy Ritchie Like platziert und bringen die Handlung voran. Was die Serie nicht hat, ist dessen flippige Inszenierung. Hier orientiert man sich eher an vergleichbaren Britserien. Man hat einfach diebischen Spass daran, was wohl als nächstes passieren wird. Und ein ums andere Mal wird man von einer Entscheidung, die der Berufsverbrecher trifft, gar überrascht. Wer eine schwarzhumorige Gangster-Dramedy Serie sucht, die schnell weggesuchtet werden kann, sollte mal reinschauen. Der Serie ging übrigens ein Film von Scott Ryan voraus, the Magician, auf dem die Serie basiert. Kenn den leider nicht, werde aber versuchen, den mal nachzuholen. Bei Disney + gibts zwei Staffeln, mit der zweiten hab ich auch schon angefangen.
ChrisKongTeilnehmerThe Godfather of Harlem Staffel 1 (Disney+)
Hatte schon länger mal was darüber gelesen gehabt und bin dann einer weiteren Empfehlung durch einen Bekannten gefolgt. Nach der ersten Episode ist man sofort drin im Geschehen. Der erste Eindruck war, das fühlt sich wie eine Narcos Episode an. Verschiedene Parteien, Zeit- und Lokalkolorit, politische Verstrickungen von Verbrechen und Staat, charismatische Anführer, tolles Intro, hoher Spannungsfaktor, ambivalente Charaktere, die man lieben und hassen kann zugleich. Erst ein paar Episoden später fiel mir auf, dass der Showcreator Chris Brancato mir erst kürzlich irgendwo in den Credits über den Weg gelaufen war. Tja und wie sollte es anders sein, er zeichnet für Narcos als Hauptautor verantwortlich. Und hier macht er quasi nahtlos weiter. Also in der Diskussion um die besten Autoren im Serienbereich kann eine solche nicht ohne seinen Namen geführt werden. Egal welchen Aspekt er gerade auslotet, der Cocktail stimmt auch hier einfach. Mit Forest Whitaker und Vincent D’Onofrio hat er schauspielerische und körperliche Schwergewichte am Start, die einfach absolut authentisch rüberkommen. Klar wird auch in dieser Serie, das Verbrechen is a mens world. Gibts auch interessante Frauenrollen? Ja und man spart auch nicht mit Charakterentwicklungen. Das heisst sie werden nicht allein auf die Rolle der Stichwortgeberin reduziert. Da ist beispw. Bumpys drogensüchtige Tochter, die sich konfliktreich ihrem Vater wieder annähert. Oder auch Bumpys Frau, die die Schattenseiten ihres Mannes mitträgt und ihre eigene Geschichte hat, die das Warum erklärt. Auch hier gilt ausnahmslos, alle Rollen sind top besetzt. Weitere Figuren im Geschacher um die Vormachtstellung in Harlem sind ein Kongressabgeordneter, gespielt von Giancarlo Esposito, der mittlerweile jede Show, in der er mitwirkt, veredelt. Seine Darstellung des Reverends ist einfach köstlich. Ihm gegenüber steht Malcom X, ein Freund von Bumpy, dessen Weg in der Nation of Islam skizziert wird. Auch dieser Charakter ist stark dargestellt und hat die Ausstrahlung eines intellektuellen, kämpferischen Schwarzen, der dennoch Selbstzweifel in sich trägt. Das sieht man selten genug. Nigel Thatch spielte die Rolle übrigens schon im Film Selma.
Die politische Dimension der Serie spielt sich nicht nur im Hintergrund ab, wie das auch bei Narcos in den späteren Staffeln der Fall war. Der Marsch auf Washington wird genauso thematisiert wie auch die Ermordung Kennedys. Zur Rede von Martin Luther King wird schonungslos die Lebensrealität im Harlem jener Zeit gezeigt. Ein toller Beleg dafür wie Unterhaltung mit Geschichtslektion Hand in Hand gehen kann. Und wer an Malcom X denkt, darf sich auf eine weitere Gast-Figur aus seinem Umfeld freuen.
60 Jahre nach den Ereignissen, die gezeigt werden, sind die selben Themen immer noch brandaktuell. Denn im Gegensatz zur Serie, bei der die Zeit wie im Flug vergeht, scheint sie bei der Entwicklung der Gesellschaft still zu stehen und oft auch in die andere Richtung zu laufen.Leider ist die zweite Staffel noch nicht bei Disney+ verfügbar.
ChrisKongTeilnehmerThe Orville Staffel 1 (Disney+)
Bei Seth McFarlane denke ich eher an die ganzen Comedy-Trickserien und seinen Auftritt als Moderator der Oscars. Als Schauspieler war er mir nur beiläufig bekannt, nichts das Jubelschreie auslöst. Er gilt als grosser Star Trek Fan und erfüllte sich einen kleinen Traum schon mit Auftritten in der Serie Enterprise. Das war ihm wohl nicht genug und mit the Orville konnte er nun sein eigenes Star Trek veröffentlichen. Tja, was soll ich sagen? Empfohlen wurde sie mir schon früher mal, aber wie das so ist, überzeuge ich mich erst mal selber und verfalle nicht in Euphorie. Gerade die neueren Trekserien konnten mich überhaupt nicht überzeugen und das in erster Linie rein inhaltlich. Optisch wäre das ein Traum gewesen, hätten seinerzeit TNG, DS9 und Voyager diese Mittel gehabt. Dann hätten wir vermutlich vieles von dem, worüber in den Serien gesprochen wurde, auch gesehen. Aber Discovery und Picard waren insgesamt bislang totale Lowlights mit vorgegaukeltem Anspruch, der zu Lasten plumper Dramaturgie und schlechter Serienschreibe gegen die Wand gefahren wurde. Dabei wurde kein Fettnapf ausgelassen. Warum erzähl ich das hier überhaupt? Vielleicht muss man den Frust auch ein wenig verstehen, um nachvollziehen zu können, warum mir the Orville trotz der klamaukigen Note so gut gefällt. Hier wird öfters überzogen damit, sei es wenn der Captain und sein Pilot undercover beim Todfeind sind und die Gags wie aus einem Lucasfilm-PointnClick Adventure zu entstammen scheinen. Oder wenn Referenzen zu Dingen gemacht werden, die im Kontext der Serie keinen Sinn ergeben. Da ist sogar eine rein auf Comedy getrimmte Show wie Futurama oder Galaxy Quest in sich konsistenter. Also hat the Orville durchaus ein paar Schönheitsmakel. Aber, und das ist ein grosses Aber, komm ich nicht umhin über den MacFarlanschen Schabernack hinwegzusehen und das beste Star Trek seit langem zu geniessen. Wie kommts?
MacFarlane ist in Star Trek so bewandert, dass sich vieles einfach wie in einer TNG Episode anfühlt. Dadurch entsteht sofort ein Gefühl von Vertrautheit. Seien es Effektshots mit den Raumschiffen, Riten von fremden Kulturen, die begleitende Musik, sogar die schwarzen Szenenüberblendungen der Werbepausen fühlen sich an wie damals. Was er weiter richtig gemacht hat, vor und vor allem hinter der Kamera hat er Star Trek Macher versammelt, die jahrelang mit den Trekserien zu tun hatten, wie z.B. Brannon Braga oder auch Penny Johnson. Und es wird da sicher sehr viele Namen geben, die zwar weniger bekannt sind, aber dennoch Trekerfahrung mitbringen. Auch ganz nett, Seth scheint ein paar seiner Co-Stars aus Filmen mitgebracht zu haben, darunter veritable Hollywoodgrössen. Da bietet fast jede Episode eine Entdeckung.
Bei den Geschichten variiert man div. Star Trek Episoden, wie etwa der Gott der Mintakaner, wobei hier Kelly, der zweite Offizier der Orville für eine Gottheit gehalten wird. Was hier aber oft auch mal etwas anders aufgelöst wird, als in den klassischen Trek-Serien. Auch baut man Gags manchmal über mehrere Episoden hinweg aus. Auch das gibt der Serie eine Art familiärer Struktur. Kurzum, für mich eine Gute-Laune-Show, die Star Trek feiert und mehr von dessen DNA in sich trägt, als Picard, Discovery und was Kurtzmann noch so hervorwürgen wird.
Staffel 2 schaue ich mir gleich im Anschluss an. Die gute Nachricht, für 2022 wurde eine dritte Staffel angekündigt. Ich hoffe, dass es nicht die letzte Staffel sein wird. Angesichts der enttäuschten Fans, dürfte die Orville sowas wie ein sicherer Hafen sein, wo man sein Star Trek kriegt. Hoffentlich wird die Show auch etwas bekannter. Man sollte ihr unbedingt eine Chance geben.21. November 2021 um 23:00 als Antwort auf: Was ist eigentlich mit Strictly Limited Games los?! #1727825
ChrisKongTeilnehmerNaja und wieviel von den Patches überschreiben einfach nur bestehende Datensätze? Eigentlich sammelt man so oder so viel unnötigen Datenmüll mit an. Manchmal kriegt man den Eindruck, dass gleich das ganze Spiel getauscht wird. Man lagert so die Kosten einfach an den Kunden aus, der braucht ja dann ne zusätzliche oder grössere Festplatte, dem Entwickler ists wohl oft einfach egal.
21. November 2021 um 18:26 als Antwort auf: Was ist eigentlich mit Strictly Limited Games los?! #1727821
ChrisKongTeilnehmerNur hätte man ja bei Nintendo mit den Karten ein Speichermedium, das man halt überschreiben könnte und so dann wenigstens aktuell bliebe. Warum man die Chance ausgerechnet nicht genutzt hat? Ich weiss nicht, ob das technische Gründe sind oder Nintendo einfach auch dafür zu blöd ist.
ChrisKongTeilnehmerOnly Murders in the Building (Disney+)
Steve Martin und Martin Short. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich schon seit Jahren keinen Film mehr gesehen habe mit den beiden. Und dabei gibts doch ein paar. Irgendwie auch sinnig, die beiden wieder miteinander zu vereinen und noch eine junge Frau an die Seite zu stellen, die den alten Herren so ordentlich einheizt. Ich muss aber gleich schon einwerfen, aus der Dynamik der Figuren macht mir die Serie zu wenig. Irgendwie hätte es der Show besser getan, die drei anders miteinander interagieren zu lassen. Die Serie sucht auch nicht nach den grossen Lachern, regt oftmals aber zum Schmunzeln an mit ihrem Charme. Einige der Ideen sind auch sehr ausgefallen, wie etwa die Gehörlosen-Episode. Tatsächlich wird mir der Fall aber etwas zu sehr in die Länge gezogen und so richtig spannend fand ich das jetzt nicht. Es gibt halt mittlerweile so viele Serien mit Ermitteln, die auch einen Comedy-Überbau haben, dass es schwer ist, sich davon abzugrenzen und Vergleiche zu vermeiden.
Aus der grundsätzlichen Podcast-Idee holt man zu wenig raus. Am Ende ist der Eindruck, dass man einen Verwandten von Monk, Castle, Psych oder the Mentalist gesehen hat. Castle hab ich nicht gesehen, die anderen schon und mochte die alle. Das liegt an den Charakteren. Und das hat man hier auch richtig gemacht.
Ein guter Einstand für die altgedienten Herren als Ermittler, mit ein paar Highlights dazwischen. Die Dialoge und Dynamik unter den Figuren darf ein wenig zulegen. Die Überleitung am Ende der Staffel ins nächste Verbrechen halte ich für misslungen als Staffelende. Aber seis drum. Die Show macht einiges richtig, anderes ist noch ausbaufähig. Auf Disney + gibts auch Castle, vielleicht schau ich da mal rein, allein schon wegen Filion.
ChrisKongTeilnehmerStar Wars Visions (Disney+)
Ich sags grad frei heraus, maximal nett, aber nichts, das mich nachhaltig gepackt oder beeindruckt hätte. Mit dem Anime-Stil hats nichts zu tun, aber in den kurzen Laufzeiten, die kürzer sind als eine Simpsons-Episode, ist man kaum drin und schon wieder raus. Und erzählerisch bietet man gefühlt nur wahllose Handlungsfetzen. Wirklich viel wagt man nicht, dabei wäre genau das hier ja möglich. Aber vielleicht war das gar nicht die Intention? Aber dann ist Visions einfach der falsche Titel. Wie man sowas besser macht? Love, Death & Robots Staffel 1. Meistens ist das Resultat aber eher dürftig. Beispw. konnte mich die 2. Staffel der Netflix-Serie bisher auch nicht abholen. Genauso wenig, wie das Visions vermochte. Dabei frühstückt man hier einfach Motive aus Samurai-Filmen ab und gibt ihnen ein SW Gewand. Das wäre für eine grössere Geschichte sicher interessant, zumal sich div. Filme dieser Machart eher mit einem gemächlichen Tempo vorwärtsbewegen. Das funktioniert aber in diesen kurzen Episoden mMn einfach nicht so recht. Ich könnte denn jetzt auch nicht wirklich ein Highlight nennen. Trotzdem kann man den Versuch loben, Star Wars mal anders zu denken. Vielleicht ergibt sich hieraus ja ein neuer Ansatz? Uns nur, weil es mich nicht anspricht, muss es das für jemand anderen ja nicht das gleiche heissen. Wenn man nach den ersten 3 Episoden nicht davon schwärmt, kann ich mir aber auch nicht vorstellen, dass sich das mit den restlichen ändert.
ChrisKongTeilnehmerChrome hab ich auch etwas in der Playlist, die anderen werde ich mir mal anhören. Der Sound von Mind in a Box klingt auch gut. Einzig die schlumpfartigen Vocals sind jetzt nicht so mein Fall. Ist das bei jedem Stück so?
ChrisKongTeilnehmerAuch mit tollen Stücken unterwegs, Covenant. We stand alone, Sheep among Wolves oder dieser hier:
Und dann noch Peter Murphy, tolle Stimme.
ChrisKongTeilnehmerZu VNV Nation hab ich mittlerweile eine schöne Playlist auf YT Music. Finde aber immer wieder Sachen von denen. Für mich momentan ein Highlight der elektronischen Musik. Nova, Carry You, Collide, alles sehr empfehlenswert. Carbon landet jetzt auch auf die Liste, danke.
Hier noch etwas, was ich zur Zeit höre.
ChrisKongTeilnehmerY the last man (Disney+)
Und noch eine Adaption einer Comic-Vorlage. Wie üblich kenne ich da die Vorlage nicht, ist die Akkuratesse also kein Kriterium für mich. Kann es für andere aber sehr wohl sein. Der Comic soll viel stärker die Hauptfigur Yorick ins Zentrum stellen, respektive die Geschehnisse aus dessen Sicht erzählen. Das ist hier nicht der Fall. Die Entstehungsgeschichte der Serie ist sehr wechselhaft, wurde mal als Kino-Reihe angedacht, dann wieder verworfen. Leider entschloss man sich, die Serie schon nach 4 Episoden einzustellen, ohne dass es etwas mit dem Zuschauerinteresse zu tun gehabt hätte. (s.a. https://www.hollywoodreporter.com/tv/tv-news/why-was-y-the-last-man-canceled-1235033351/)
Die Prämisse ist recht simpel, aber effektiv. Auf einen Schlag werden alle Y-Chromosen vom Schlag getroffen und sterben weg. Ausnahme ist Yorick und sein kleiner Affe. Dass er dadurch natürlich zum begehrtesten Gut der Erde wird, versteht sich von selbst. Die Geschichte konzentriert sich wie andere Apokalypse-Vertreter auf die USA. Der Auftakt ist auch sehr stark in Szene gesetzt, man fühlt sich an die Pilotepisode von TWD erinnert, die noch heute zu den besten Episoden derselbigen Reihe gehört. Es dauert natürlich nicht lange, bis alles ins Chaos stürzt, während eine Handvoll Frauen versuchen die Staatsordnung aufrecht zu erhalten. Mittendrin Yoricks Familie. Seine Mutter ist die designierte Präsidentin, seine Schwester arbeitet ihre persönlichen Probleme in New York ab und sein Love-Interest schliesst sich Aufständlern an. Daneben gibt es noch Agentin 355, die zu Yoricks Schutz abgestellt ist, aber eigene Ziele zu verfolgen scheint und eine ehemalige Politikerin, die mit ihrer – ich meine Adoptivtochter – unterwegs ist, um zu überleben.
Dass man schon alsbald sektenartig organisierte Gruppierungen trifft, ist langsam drüber, denn das hatten wir schon so oft, dass mans nicht mehr zählen kann. Auf der anderen Seite ist das Fehlen von Männern aber auch eine frische Note, die dem Ganzen einen speziellen Touch verleihen. Die Figuren sind auch recht authentisch gezeichnet. Die republikanischen Partei-Mitglieder werden als ein kindischer Haufen von Egoisten porträtiert, was nicht näher an der Realität sein könnte, inkl. einer Rechtsaussen-Vizepräsidentin, die sich gut ins Trumpsche Inventar einsortieren würde.
Anspielungen auf Covid gibts auch zahlreiche, so spürt man deutlich, in welchem Zeitraum die Serie entstanden ist. Weiter spielen hier Transmenschen eine Rolle, was mMn aber eher semi-optimal umgesetzt wurde. Die Charaktere wirken viel zu männlich, werden aber im Gegensatz zu Yorick immer gleich als Trans identifiziert, und sind auch vom Look her wie Yorick Variationen. Da es hier nur eine Staffel gibt, ist schwierig abzusehen, wie man das Thema vertieft hätte. So bleibt es zu oberflächlich und die Charaktere können diesen Aspekt ihrer Person zu wenig einbringen.
Unterm Strich oder auch darüber, eine Serie, die von ihren guten Darstellungen und der Spannung lebt, einiges aus den guten Ansätzen macht und wert gewesen wäre, dass man sie weiterführt. Als kritischer Kommentar zur aktuellen Pandemie- und Metoo-Debatte bräuchte sie noch etwas mehr Biss, aber man geht da eher den behutsamen Weg, was auch nicht verkehrt sein muss. Wäre ich jetzt so der Comicleser, dann würde dank der Serie dieser sicher aufs Radar wandern.
ChrisKongTeilnehmerGemini Man
Nein, das ist nicht der Mann, der die Gemini-Kroketten ausliefert. Dieser hier liefert Präzisionsschüsse aus. Der Film startet denn auch gleich mit einem Attentat auf einen Wissenschaftler, der in einem Zug sitzt. Da muss man schon wieder tief durchatmen. Dass ein solches Attentat auch aufgrund der Unberechenbarkeit nicht dümmer geplant sein könnte, akzeptiert. Aber mal im Ernst, es wird vorher und danach auch null erklärt, warum man die Zielperson überhaupt so erledigen muss und man nicht auf einem Bahnhof oder sonstwo gewartet hat. Das schreit alles nach dem üblichen Bubentrick. Und kurz darauf wird diese Methodik auch bestätigt. Was ich damit meine? Handlungen und Dialoge von Nebencharakteren dienen einzig dem Zweck die Awesomeness der Hauptfigur zu preisen. Ja, kennt man aus anderen Werken wie John Wick und Co. zur Genüge. Warum ausgerechnet Ang Lee solche plumpen Methoden einsetzt, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Nachdem Will Smith nun seine Deadshot-Rolle statt in The Suicide Squad hier nochmals wiederholt, darf man sich wenigstens auf ordentliche Action gefasst machen? Darf man. Zwar wird mit Übertreibung nicht gespart, aber die Verfolgungsjagden sowie die Attacken mit dem Motorrad sind wirklich spektakulär in Szene gesetzt. Actionmässig ist der Film nicht verkehrt. Der Ansatz, dass eine Person sein älteres Ego jagt, ist auch interessant. Bei der Verjüngung von Smith muss es wohl unterschiedliche Phasen, Methoden oder so gegeben haben. In den einen Szenen wirkt der junge Will recht befremdlich, später dann wieder meint man wirklich den Prince von Belair zu sehen.
Die Nebenfiguren bedienen dann alle Actionfilmklischees. Der väterliche Vorgesetzte, die zwielichtige Chefin der Behörde, der böse Industrielle, die Newcomer-Agentin, der witzige Helfer, der Informant, der Freund, der geopfert wird. Nein, da wird praktisch nichts ausgelassen. Die namhaften Darsteller können da auch kaum Glanzpunkte setzen. Clive Owen ist hier wieder mal in der Rolle des Schurken zu sehen. Erbarmungslosen Blick aufsetzen und gut is.
Aus der Prämisse hätte man deutlich mehr machen müssen. So bleibt ein oberflächlicher Actionfilm, wies ihn häufig gibt. Die Actionszenen lohnen aber wirklich. Darüber hinaus sollte man nicht viel mehr erwarten. Will Smith spielt solide, seine Fans können da bedenkenlos zugreifen.
ChrisKongTeilnehmerLoki Staffel 1 (Disney+)
So ganz glücklich bin ich mit dieser Auskopplung nicht. Fast könnte man sagen, Mogelpackung. Ein Schelm, wer denkt, Loki würde hier seine eigene Meinung zur Serie kundtun. Also es ist viel Loki drin, der Titel passt. Aber ist das noch Loki? Ich erlebe in 6 Episoden einen dauerhaft reumütigen Charakter, dass es fast schon schmerzt. Zu Beginn ist er noch renitent, aber alsbald verhält er sich auch nicht viel anders, als andere MCU-Helden und setzt praktisch nur noch seinen Hundeblick auf. Ist es wirklich das, was ich von einer Serie erwarte, die den Gott des Schabernacks ins Zentrum stellt? Nein lautet meine Antwort. Ich stör mich da auch nicht an der Entwicklung, die er im MCU gegen Ende genommen hat. Aber wie hätte es sich hier angeboten, wenn er genüsslich und mit Schalk im Nacken alle Seiten gegeneinander ausgespielt hätte. Wenn er am Ende noch den einen oder anderen menschlichen Moment erfährt, macht es diesen umso wertvoller, als eine Staffel lang Läuterung zu betreiben. Fehlen nur noch die Geister der Weihnacht.
Dann kommt etwas, das halt wieder total Geschmackssache ist, ich finde das ganze Multiverse und Zeitstrahl Blabla überhaupt nicht prickelnd. Zuerst hoffte ich noch, bewusst auf falsche Fährten gelockt worden zu sein, aber letzten Endes blieb man bei Klammer-Autoritäten, die alles Existenzielle umfassen. Das wirkt auf mich selten überzeugend, so auch hier. Aber statt eines klaren Trugbilds kriegt man eine weitere unbefriedigende Variante serviert. Ich wollte darum auch erst fertig schauen, denn je nach Auflösung, hätte ich zu einem anderen Urteil kommen können. Wo wir schon bei Variante sind, die Loki-Varianten, die im Finale auftauchen, sind a) weder spannend, ausgearbeitet, witzig noch bringen sie die Geschichte weiter voran. Wenn ich da an Spider-Man into the Spider-Verse denke und mir vor Augen führe, welches Potenzial in der Figur steckt, bin ich umso enttäuschter. Wo bleibt das grossangelegte Lügenduell, wo keiner dem anderen trauen kann? Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr ärgert mich, was man daraus gemacht hat. Am Ende findet man Teile des Endkampfs 1:1 in Shang-Chi wieder. Das ist sicher marvelesk, aber ich hätte darauf für ein paar irre Momente gerne verzichtet.
Der Cast geht soweit in Ordnung, aber auch hier überzeugen mich einzelne Darstellungen weniger, wie etwa die der Richterin. Und auch der Zauberer von OZ hat eher eine nervige Attitüde, als dass ich gebannt seinen Worten lausche. Für Owen Wilson, der ja zwischenzeitlich wegen privater Probleme abgestiegen war, freut es mich, dass er diese Rolle ergattern konnte und finde seinen Auftritt gelungen. Wobei er brav genug wirkt, aber durchaus noch etwas mehr Härte in die andere Seite seiner Rolle hätte einfliessen lassen können. Auch hier sehe ich, dass ich es geschätzt hätte, wenn die Figuren allesamt etwas zwielichtiger ausgestaltet worden wären. Hätte thematisch einfach besser zu Loki gepasst, oder besser gesagt, was ich von einer Serie mit ihm erwartet hätte. Vielleicht sollte Disney Paramount und die Rechte an Star Trek aufkaufen und ein Crossover produzieren mit Garak und Loki, dann können beide um die Wette lügen.
Fazit: Zu farblos, um der Figur gerecht zu werden. Das trifft auch auf die Varianten zu. Das Tor zum Multiverse wird aufgestossen, aber ich merk schon jetzt, wie mich das wegen dieser starken Randomlastigkeit der Sache kaum abholen wird. Man kann ja jederzeit die ganze Dramaturgie untergraben. Wenn man das thematisch mal in einem Film drin hat, s. obiges Beispiel mit Spider-Verse, finde ich das gut umgesetzt auch gelungen. Aber das Franchise jetzt damit zu durchseuchen, sehe ich nicht. Wer Spass daran hat, soll ihn auch haben dürfen. Aber meine Befürchtungen, dass gerade das zu Lasten von Charakterentwicklungen gehen kann, bleiben.
Dass eine weitere Staffel folgt, wird angekündigt, sobald der Abspann läuft. Heiss gemacht auf eine weitere wurde ich indes nicht.
ChrisKongTeilnehmerShang-Chi und die Legende der Zehn Ringe (Disney+)
Landete im Zuge des Disney Plus Feiertags für umsonst im Micky Maus Streaming Dienst. Heute dazu gekommen, ihn mir anzuschauen. Der Anfang mutet wie ein China-Porno an, würde nur noch fehlen, dass Xi Xinping einreitet und sich feiern lässt. Macht der schon in echt. Aber bei Disney ist man offenbar der Meinung, dass man besser um die Volksrepublik herumhofiert. Schliesslich gehts ums Geld. So wirkt der erste Teil denn auch wie ein klassischer Wuxia-Streifen mit ein wenig Marvel-Budenzauber garniert. Das sieht alles sehr ansprechend aus.
Dann wechseln die Schauplätze und man wähnt sich in einer Fast & Furious Episode versetzt mit Speed – nicht die Droge, sondern der gleichnamige Film mit Reeves und Bullock. Das funktioniert überraschend gut und ist toll choreografiert, wie auch der Rest des Films. Actionmässig gefällt mir das auch besser als das CGI-Gekloppe der üblichen Marvel-Filme. Die Nebenrollen sind mit namhaften Darstellern des Hong Kong Kinos besetzt. Tony Leung als Vater von Shaun und Michelle Yeoh, zu der es scheinbar keine Alternative gibt, als Tante. Und ein paar nette Gastauftritte bietet der Film auch und nicht nur die offensichtlichen.
Wer Martial Arts mag, der kriegt hier eine entsprechende Dosis. Dass gerade zu Beginn viel im O-Ton (mandarin oder kantonesisch) gesprochen wird, ist gar nicht mal verkehrt. Humor gibts auch, Schauwert ebenfalls. Für einen launigen Nachmittag reicht das allemal. Gefiel mir besser als andere Marvel-Filme und war somit sogar positiv überrascht. Black Widow war dagegen ein Ärgernis und wenn ich einen langweiligen Marvel-Film suche, fällt mir zuerst Dr. Strange ein. Warum es in dem Film immer wieder mal RnB hat, der eher unpassend für die musikalische Untermalung ist, verstehe wer will. Da hätte es sich doch angeboten auf aktuelle chinesische Künstler zu setzen, die es mit Sicherheit auch gibt. Aber das hätte China, die sich schwer mit Künstlern tun, vielleicht nicht geschmeckt. Experimente macht der Film freilich keine, dafür aber auch kaum Fehler. Ist wie wenn man Dim Sum beim Chinesen bestellt. Mag exotischer schmecken als gewohnt, aber man weiss doch schon im Voraus wonach. Und so verhält es sich hier auch.
ChrisKongTeilnehmerThe Falcon & the Winter Soldier (Disney+)
In 6 Episoden werden die Nebencharaktere Falcon und der Winter Soldier behandelt. Das schreit natürlich alles nach einer Serie mit Buddy-Movie-Vibes. Und zuweilen blitzt das auch durch. Richtig konfliktreich wird die Beziehung der beiden aber nicht aufgezogen. Dafür wären mMn aber die 6 Folgen auch etwas zu wenig gewesen. Schliesslich gibts auch noch massig Handlung, die ihren Platz haben muss. Bucky kämpft mit seiner Vergangenheit, als er noch in Diensten von Hydra war und Falcon muss sich die Frage stellen, was es bedeutet, das Erbe von Captain America anzutreten. Denn während das amerikanische Banner für die einen Freiheit bedeutet, so setzen andere es mit jahrhundertelanger Unterdrückung gleich. Man muss hier Disney wirklich ein Kränzchen winden, dass man hier durchaus kritisch mit dieser Frage umgeht, was Länder wie Amerika im Rest der Welt anrichten. Die Allegorien zur aktuellen Weltlage sind überdeutlich. Im Endeffekt bekämpfen die beiden eine Bedrohung, die durch diese Menschen mitverursacht wurde, deren Befehle sie ausführten. Man orientiert sich ganz offensichtlich an den Netflix-Marvel-Serien und die Umsetzung der Themen erfolgt mit dem nötigen Anspruch, den man als Erwachsener im MCU sonst eher vergeblich sucht. Hier dominieren nicht formelhafte Botschaften. Dass die Chemie unter den Darstellern stimmt, trägt einen wesentlichen Teil zum Gelingen bei. Ganz stark war das Ende von der vierten Folge und stellt innerhalb des MCU und auch der Serie selbst eine Zäsur dar. Sah man bislang in den Gefechten kein Blut und war die Action eher im A-Team-Modus umgesetzt, so trieft am Ende der Folge das Symbol der Freiheit nur so von Blut.
Als Kontrast dazu gibts auch nette Feelgood-Momente gegen Ende und auch eine Rede von Falcon, die weit weniger pathetisch daherkommt, als man anfangs befürchtet.
Gibts auch Anlass für Kritik? Ja, die gibts. Der Einstieg ist actionreich in Szene gesetzt, aber mit den Übertreibungen dort, kippt man schnell ins Absurde. Das passt zu diesen speziellen Superhelden sogar weit weniger. Das gibt sich aber danach.
Gastauftritte sind auch sinnvoll und dosiert, wobei die eine Figur schon etwas zu gefällig agiert. Das Ende hält dann nochmals ein paar Teaser für Kommendes bereit. Auch wenn Anthony Mackie erstmal in seinem eigenen Film den Falcon geben darf, hoffe ich doch auf ein Serien-Comeback im Verbund mit Bucky. Das hat einfach zu gut funktioniert, als dass man das nicht weiterverfolgen sollte. Wär mir sogar lieber als der kommende Film.
Gut geschrieben, gespielt und inszeniert. Für mich besser als Wandavision und ein Highlight, das man sich nicht entgehen lassen sollte auf D+.
Nettes Detail am Rande, wenn ich das richtig mitbekommen habe, wechselt bei den Credits jeweils der Erstgenannte, mal Mackie, dann wieder Stan. -
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