ChrisKong
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ChrisKongTeilnehmerAlso nach längerer Abstinenz, halte ich mal fest, dass dieses Springen ins Datennirvana, wenn man einen neuesten Kommentar anklickt, immer noch vorhanden ist bei div. Threads. Scheinbar wird das nie behoben werden. Bekannt ist das Problem schon seit Jahren. Der Reminder wird wohl auch nichts ändern, es nervt aber trotzdem.
ChrisKongTeilnehmerKickboxer: Die Vergeltung
Kickboxer, bei dem Titel klingelt doch was? Nicht? Sicher nicht die Kassen der Macher, denn mit Kino hat das nichts zu tun. Aber das war jetzt auch nicht meine Erwartung. Manchmal reicht mir einfach ne fesche Handkante ins Gesicht. Die Ami-Vertreter können da oft nicht mit der Choreografie der asiatischen Vorbilder mithalten, so auch hier. Zurück zum Titel, bei uns kennt man den Film der als Vorlage für dieses Remake diente als Karate Tiger 3. Ja, zu Videotheken war das irgendwie der letzte Schrei, Filme mit gleichen Darstellern in eine Reihe zu zwängen, wobei das bei Karate Tiger noch abstruser ist, da im zweiten Teil kein VanDamme vorhanden ist, dafür aber Cynthia Rothrock. Egal, der Originaltitel ist Kickboxer, spätere Releases haben denn auch wieder auf den Originaltitel zurückgegriffen.
Also, Jean-Claude VanDamme spielt im Remake seines Films mit. Man kann sich vermutlich gleich denken, dass man ihn nun als Mentor und nicht mehr als Hauptakteur sieht. Und genauso ist es. In seine Spagat-Stampferl tritt Alain Moussi. Und der macht seine Sache, nun, äh, überraschend schlecht. Sry, vielleicht hätte man für die Closeups Vincent d’Onofrios nackte Arschbacke filmen sollen mit aufgemaltem Gesicht, dann hätte man wenigstens sowas wie Schauspiel haben können. Moussi liefert nicht mal das Minimum und besitzt auch keinerlei Charisma. Dumm nur, dass er der Hauptdarsteller ist. Aber gut, ich will ja Action und kein Oscar-Drama. Trotzdem kein Vergleich zu VanDamme, der im Original zumindest auch komödiantisches Talent an den Tag legt.
Dass auf der Verpackung steht, dass der Film sein Vorbild übertrumpft ist blanker Unsinn so far.
Der Film ändert ein paar Sachen, mMn nicht zum Besseren. So spielt sein Bruder eine ähnliche Rolle, aber um das Drama zu verstärken, darf er nicht wieder aufstehen. Im Original wird da wenigstens sowas wie eine schüchterne Charakterentwicklung gemacht, die auch überzeugend dargestellt wird.
Dann ist da neu eine Polizistin, die einzige nicht korrupte natürlich, die Unterstützung bietet. Starker Frauencharakter? Toll! Leider nein, die Person wird in vielen so unfähig und dümmlich dargestellt, dass man sich unweigerlich fremdschämen muss. Wirklich peinlich und unnötig.
VanDamme sorgt mit seiner lockeren Art für ein wenig Fun, zumindest soweit es das Drehbuch zulässt. Mehr Fokus auf Humor hätte dem Film eh gut getan.
Die Gegner speisen sich aus MMA Fightern und Dave Bautista in der Rolle des Tong Po. Na wirklich thailändisch sieht er nicht aus, war aber schon im Vorgänger halt das übliche White-Washing. Kann man ja noch als Retro verkaufen.
Bautista darf hier mehr oder weniger nur Schläge austeilen, viel Dialog hat er nicht, seine Figur bleibt stereotyp. Er würde einer Double Dragon Gegnerfigur aus dem gleichnamigen Videospiel alle Ehre machen.
So viel Gelästere, wo doch der Fokus auf den Keilereien liegt? Ja, da es auch in dem Genre oft noch ein Minimum eines Qualitätsstandards gibt, das hier locker untergraben wird. Taugt die Action?
Hmm, unterschiedlich, eine wahre Augenweide sieht anders aus. An Tony Jaas Filme reicht das so gar nicht ran. Vielleicht wäre es cooler gewesen den Spiess umzudrehen und Tony in die USA zu verfrachten, wo er der Aussenseiter ist? Zumindest kann man sagen, dass es wesentlich schlechtere Filme gibt in dem Bereich, aber auch deutlich bessere. Dieses Remake ist reichlich misslungen, hätte aber durchaus was werden können. Die Stärken des Originals fehlen hier, wo man anders ist, ist man einfach nicht gut genug, um Eigenständigkeit zu suggerieren.
Der Film zog einen Nachfolger nach sich, der zusammen mit diesem Teil einer Grabbeltischbox war. Kleiner Teaser, der Nachfolger hat ein paar prominente Namen an Bord, die auf, ich weiss nicht was, hoffen lassen. Aber das war ja abzusehen. ^^
ChrisKongTeilnehmer@Carot Naja, soll ja kein inhaltlicher oder qualitativer Vergleich sein bei der Aufzählung, eher hat es mehr mit diesem Gefühl zu tun, das diese Filme entstehen lassen. Eine strikte Definition gibts da mMn sowieso nicht. Aber ich geniesse sowohl Mario Bros als auch Tank Girl immer mal wieder.
Justice League Snyder Cut
Stand before the gates and watch metropolis
Empires come and go, we live forever
And eternity is in your hidden eyes
Take my broken wings, teach me to fly again
I stand alone, we stand aloneLyrics by Covenant, 2002
Die ersten paar Zeilen des Songs einer schwedischen Elektronik-Band fassen im Prinzip das Mammutwerk von Snyder treffend zusammen und erlauben sogar ein wenig meta zu sein, wenn man die Entstehungsgeschichte um diese Version des Filmes ein wenig kennt. Was erst mal spannend klingt, will ich gar nicht durchkauen. Ich denke darüber wurde schon alles Mögliche und Unmögliche geschrieben. Nur so viel, dass Snyder die Gelegenheit und vor allem das Geld erhielt, seine Version umzusetzen, nachdem der Film schon lange released wurde, macht das Ganze nicht nur sehr speziell, sondern lässt auch keine Ausrede bezüglich Kompromisse zu, die der Regisseur hat eingehen müssen. Mit anderen Worten, für das Resultat kann Snyder voll verantwortlich gemacht werden.
Das ist erstmal wertungsfrei zu verstehen. Vielleicht ist es aber gerade dieser fehlende Druck, der dem Film eine Struktur verwehrt, die ihm ein wenig Ecken und Kanten gegeben hätten. Snyder dehnt den Film aus, bleibt narrativ aber im gewohnten Einerlei. Wirklich viel mehr erfährt man jetzt auch nicht oder anders formuliert, klassischer Fall von viel Reden wenig Sagen. Jede Figur kriegt ein paar Momente, wo sie glänzen kann. Cyborg profitiert hiervon deutlich am meisten. Flash ist für den jugendlichen Esprit zuständig wie Spider-Man beim MCU, während Aquaman die Thor-Nummer laufen hat und Wonder Woman um die weibliche Vertretung in der Justice League besorgt sein darf. Tony Sta… äh Bruce Wayne darf sich mit Captn Am.. sry Superman auseinandersetzen. Auf der Suche nach Mr. Spo … Superman stellt sich der League mit Steppenwolf ein Schurke wie direkt aus einem Videospiel entgegen. Dieser ist aber nur der Handlanger von Thano… natürlich Darkseid. Hier liegt auch der Wau Wau ein wenig begraben. Die Schurken sind einfach fad gestaltet, haben keine wirklich skizzierte Motivation. In anderen Fällen mag das Charisma eines Schauspielers über ein solches Defizit hinwegtäuschen, bei diesen CGI Kreationen wird es aber schwierig. Das Problem hab ich schon beim MCU, aber dort kriegt Thanos sogar etwas Background. Darkseid ist einfach böse, nun weil er halt böse ist. Das ist mir ein wenig zu mau. Sollte das in den Comics anders sein, verstehe ich diese Schablonenhaftigkeit erst recht nicht, bezw. wäre sie dann eben der Vorlage geschuldet oder nicht.
Um die Situation, sprich die Schnitzeljagd ein wenig interessanter zu gestalten, hat man Superman mit ein wenig Unberechenbarkeit versehen. Das Problem ist, da er erst sehr spät auf den Plan tritt, wird mir das dann sogar zu schnell aufgelöst. Einzig das Ende des Films teasert wieder Dinge an, die in der Hinsicht interessant sein könnten. Obs da aber jemals zu einem Sequel kommen wird, steht in den Sternen. Generell ist der Epilog aber so aufgebaut, dass er eher Fragezeichen hinterlässt und im Kontext des Films irgendwie überflüssig wirkt. Die Reise soll wohl Richtung Multiverse gehen. Selbstredend, hechelt man auch da wieder Marvel hinterher. Wer diese Vergleiche mit dem MCU leid ist, selbst schuld. Leider bedient man sich dauernd an Versatzstücken und eifert dem cineastischen Vorbild nach, anstatt es mit mehr Eigenständigkeit zu versuchen. Dabei ist der Zwist aus Batman vs Superman durchaus tragfähig und eine konsequente Folgerung der Umstände, ähnlich wie Tony Stark wohl eher das liberale Amerika verkörpert und Cowboy-Diplomatie praktiziert wohingegen Captn America der treue Staatsdiener ist. Die Unterschiede zwischen Batman und Superman speisen sich weiter aus einer eher globaleren Sicht, bezw. der Betrachtungsweise, die der Zuschauer möglicherweise haben kann. So ist Superman eine Art Gottheit, die Gefahr läuft fast schon sektenartig verehrt zu werden, losgelöst von möglichen Konsequenzen, während Batman unter Verbrechern gefürchtet wird, weil er ausserhalb des Rechtsstaats operiert. Gewissermassen setzen sich beide über Regeln hinweg auf ihre eigene Weise. Nur wird das kaum mehr thematisiert, der Konflikt war ja im Prinzip in Batman vs Superman aufgelöst worden. Der Film hier hätte durchaus dieses Spannungsfeld vertragen. Mögliches Potenzial in der Beziehung zwischen Wonder Woman und Aquaman wird auch gleich verschenkt, obwohl beide Parteien sich in der Vergangenheit bekämpft haben, also Amazonen und Atlanter.
Den ganzen präsentierten Schlachten fehlt es auch an dramaturgischem Wumms. Man sieht was in der Vergangenheit war, aber da lauter Figuren beteiligt sind, die man eh nicht genauer kennenlernt, bleibt man aussen vor. In der Gegenwart dann wird gegen Ende das Geschehen in eine verlassene Stadt verlagert, wo es heisst, die Guten gegen die Bösen. Und da man die Justice League safe hält und keine zivilen Beteiligten vorkommen, ist da naturgemäss keine Spannung drin. Eigentlich konterkariert man das Szenario aus Batman vs Superman, wo die Crux genau darin lag, ob diese Kämpfe nicht stets einen Phyrussieg darstellen, wenn die zivilen Opferzahlen hoch sind. Das beschwört letztlich auch den Zwist zwischen Batman und Superman. Anstatt das aber auszuschöpfen, lässt man auch hier diese Gelegenheit liegen.
Die Plausibilität ist oft auch derart veranlagt, dass man meinen könnte, der Rest der Welt würde fehlen. Zum Beispiel entsenden die Amazonen ein Signal, woraufhin ein Tempel in Flammen gerät. Wonder Woman eilt dorthin und birgt nach dem Brand einen Pfeil. Natürlich ist da sonst niemand, aber vorher wird es im TV als News aus der Welt verkauft. Nachvollziehbar ist das nicht. Und das ist ein Beispiel von vielen. Der Film kämpft an diversen Stellen mit diesem Manko. Wichtige Gegenstände wie die Boxen werden fast schon fahrlässig geschützt.
Im Epilog gibt es noch ein Wiedersehen mit Leto als Joker. Als Fanservice könnte man meinen, aber da Letos Darstellung so gar keine gute Resonanz mit sich brachte, fragt man sich auch hier wieder, warum? Tatsächlich ist das Angedeutete durchaus interessant, aber fühlt sich irgendwie doch eher wie ein Fremdkörper an. So wirkt der Abschluss für mich wenig befriedigend.
Das Bildformat auf 4:3 zu ändern, ist mit eine der sinnlosesten Entscheidungen, die Snyder hier getroffen hat. Vielleicht zieht er so symbolisch noch den Kürzeren gegenüber dem Breitbild-MCU? Vielleicht wollte Snyder auch einfach irgendwelche TV-Vorbilder assoziiert wissen, die Kapitelstruktur erinnert ja ebenfalls an TV-Episoden. Passt für mich nicht zu der Art Film und grenzt den Film jetzt auch nicht in der Art ab, wie das vielleicht beabsichtigt war.
Auf der Habenseite darf man aber auch sagen, dass der Film jetzt nicht so langweilig ist, wie man annehmen könnte und ich die immense Laufzeit gar nicht so schlimm fand. Unterhaltend ist er durchaus. Das liegt aber auch an den gut aufgelegten Darstellern. Ich hätte mir früher nie vorstellen können, einen Affleck in der Rolle des Batman gut zu finden. Und jetzt möchte ich ihn unbedingt wieder in dieser Rolle sehen. Gal Gadot ist nicht mein Fall, ihre unterkühlte Art wirkt auf mich eher so, als wäre sie die Idealbesetzung für eine Wissenschaftlerin. Jason Momoa ist so ein bisschen was Hugh Jackman für die X-Men war, ein Glücksgriff. Als Aquaman passt er hervorragend und bringt alles mit, um in der Rolle zu überzeugen. Gerade diese Bärbeissigkeit steht ihm gut und man nimmt ihm die Rolle als Seemann wirklich ab. Ray Fisher macht seine Sache als Cyborg ordentlich, aber seine Figur ist mir ein wenig zu stereotyp geschrieben. Die Vater-/Sohnkonstellation kennt man so schon zur Genüge, hier hätte man auch etwas variieren dürfen. Ezra Miller als Flash ist als Sidekick etwas zu leicht unterwegs. Das durchbricht zwar die eher düstere Note des Films, aber ein wenig mehr seiner anderen Aspekte hätte der Film durchaus ausloten dürfen.
Bei dem Supporting Cast macht man zumindest alles richtig. Irons aka Ozymandias, Defoe aka Green Goblin, C.K. Simmons aka Jonah Jameson sind in Comic-Movies ja schon in namhaften Rollen gewesen. Viel machen dürfen sie ja nicht, immerhin darf Irons als Alfred ein wenig Screentime für sich beanspruchen. Aber von einem Äquivalent zu den Rollen die Caine und Oldman als Alfred und Gordon innehaben in der Nolan Batman Trilogie ist man weit entfernt. Trotzdem sind die Darsteller top, hätten einfach mehr zu tun haben sollen. Am meisten Raum erhält die Familie Stone. Joe Morton als Victors (Cyborg) Vater und Karen Bryson als Mutter spielen ihre Rollen auf den Punkt. Da es keinen Solo-Film für Cyborg gibt, wird hier auch grad seine Origin-Story abgehandelt.
Diane Lane als Clarks Mutter und Amy Adams als Lois Lane sowie Mary Elizabeth-Winstead als Mera und Connie Nielsen als Königin Hippolyta runden den Cast ab. Ihr Anteil fällt dabei recht unterschiedlich aus. Vom emotionalen Ankerpunkt bis zur Stichwortgeberin ist alles dabei.
Mein Gesamtfazit fällt durchzogen aus. Einerseits will Snyder die Justice League in epische Sphären heben, vergisst dabei aber irgendwie das Gezeigte zu erden, damit man überhaupt einen Bezug dazu hat. Das hat damit zu tun, dass Otto-Normal-Bürger hier so gar keinen Platz oder Vertreter bekommt. Das mag halt oft so sein, wenn sich Helden zusammenraufen. Aber das durchbricht man oft mit ein wenig Scheitern der Helden oder der Entwicklung, der sogenannten Heldenreise. Nur wirkt hier schon jeder irgendwie halbwegs an seinem finalen Endpunkt angelangt. Auch Flash und Cyborg machen mir zu viele Entwicklungssprünge. Letztlich ist es ein Superhelden-All-You-Can-Watch-Buffet, bei dem man sich nicht so recht entscheiden kann, respektive Snyder es nicht kann, welchen Strang er nun genauer verfolgen will. Das nimmt dem Film Struktur und lässt ihn eigenartig zerfranst zurück. Er bleibt ein Zwischending zwischen Film und Serie, funktioniert für mich als beides aber nicht so richtig, weil er dramaturgisch zu seicht bleibt. Es ist nicht so, dass ein Kapitel endet und man quasi auf das nächste hinfiebert. Damit meine ich auch nicht irgendwelche Cliffhanger. Aber die Handlung so aufzubauen funktioniert dann eben nur bedingt, wenn einzelne Kapitel eigentlich nur eine Ausdehnung eines klassischen Dramas in drei Akten sind.
Bleibt die Gretchenfrage, die Kinoversion oder Snyders Version, wobei sich bei einem Entscheid ja nicht zwingend ein Mindset herleiten lässt, auch wenn uns Social Medias genau das weismachen wollen. Grundsätzlich ziehe ich die Version eines Regisseurs vor, wie er sich den Film vorstellt. Das heisst aber nicht, dass ich diese Version dann automatisch besser finde. Das kann diverse Gründe haben. Snyder hat tragische Ereignisse verkraften müssen, der Selbstmord seiner Tochter wird indirekt auch Einfluss auf seine Arbeit gehabt haben. Am Ende wird ihr der Film gewidmet. Vor dem Hintergrund möchte man eigentlich fast nichts Schlechtes über den Film sagen oder dessen Macher. Trotzdem muss man das Ergebnis losgelöst von diesen Umständen betrachten und bei fairer Beurteilung ist der Film jetzt für mich nicht die erhoffte Steigerung geworden oder gleich ein gänzlich anderer Film. Aber er bietet doch einige Sachen, die man positiv mitnehmen kann. Sollte man die Absicht haben, sich sowieso nur eine Version anzusehen, dann würde ich aber doch zu Snyders Version raten, genügend Sitzfleisch vorausgesetzt. Im direkten Vergleich zu seinem Vorgänger Batman vs Superman zieht er den Kürzeren. Den fand ich besser und zwar auch in der erweiterten Fassung.
ChrisKongTeilnehmerSpace Truckers
Eine veritable Trashgranate wartet hier auf den Zuschauer. Und gleichzeitig auch ein Vertreter der Sorte Film, die selten geworden ist. Stuart Gordon ist Genre-Fans sicher ein Begriff, leider sind da bei mir noch div. Lücken, z.B. Re-Animator, sein wohl bekanntester Film. Dass Fortress von ihm ist, wusste ich nicht, gefiel mir damals wie heute aber sehr gut. Space Truckers seinerzeit das erste Mal im Pay-TV gesehen. Danach wohl irgendwo im TV, wo er übelst geschnitten war. Aus heutiger Sicht einfach lächerlich. Vermutlich eilte Gordon sein Ruf voraus. Anyway, irgendwann hatte ich den Film dann auf einer eher mässigen DVD erworben – vermutlich ein Bootleg und nix Offizielles. Als der Film dann als Mediabook angekündigt wurde, war der auch fix bestellt.
Ist mit Sicherheit die definitive Version des Films, Wunder sollte man naturgemäss nicht erwarten.
Worum gehts? Der Space Trucker Dennis Hopper hat Knatsch mit seinem Auftraggeber und wird abgezockt. Daraufhin nimmt er einen Auftrag an, der von einer zwielichtigen Gestalt vergeben wird. Um was für eine Fracht es sich handelt, interessiert Canyon (Hopper) nicht, zumindest nicht, bis er notgedrungen seinen Anhänger abkoppeln muss. Begleitet wird er von seinem Love-interest Cindy, gespielt von Debi Mazar und einem Frischling, dargestellt von Stephen Dorff. Auf der Gegenseite agiert Charles Dance, einem grösseren Publikum heute als Tywin Lannister aus Game of Thrones bekannt. Dass er sich für keinen Blödsinn zu schade ist, bewies er nicht nur hier. Mit seiner Ernsthaftigkeit ist er ein Gewinn für jede Komödie, so auch hier. Die Ereignisse nehmen ihren Lauf und schon bald geht es darum eine grosse Katastrophe von der Erde abzuwenden. Die Menage-a-trois sorgt derweil für zusätzlichen Zündstoff.
Das ist jederzeit natürlich überdreht gespielt und zur Schau gestellt. Grosse Filmkunst ist das nicht, aber doch eben nicht einfach ein schlecht inszenierter Film. Gordon weiss schon, was er tut, egal welcher Frust da aus Hopper sprechen mag (s. weiter unten).
Oft fehlt mir die Zeit, aber ich liess es mir nicht nehmen, einen Blick ins Bonusmaterial zu werfen, wo ein Interview mit Gordon drin ist. Ein durch und durch sympathischer Typ, der leider letztes Jahr verstorben ist. Es machte einfach Spass, seinen Anekdoten zu lauschen, etwa äusserte er sich zu Hoppers schwierigem Charakter und dass dieser ihn als schlechtesten Regisseur, mit dem er je zusammengearbeitet hat, bezeichnete. Weiter werden auch einige Aspekte des Films erklärt und man erfährt etwas zum Entstehungsprozess. Kann das Interview nur empfehlen.
Krieg der Eispiraten, Tank Girl, Super Mario Bros, wem bei diesen Filmen wohlige Erinnerungen hochkommen, der dürfte hieran seinen Gefallen haben. Im Gegensatz zu diesem neumodischen Pseudo-Trash aus der Sy-Fy-Ecke, hat er eben diesen gewissen Charme. Top-Darsteller – nicht die A-Riege, aber Charakterdarsteller mit Leistungsausweis – das maximale Ausschöpfen des Budgets, originelle Ideen und Momente, Sachen, die aus der Not geboren wurden und eine Geschichte, die ambitioniert wirkt einerseits, aber sich auch nicht zu ernst nimmt andererseits. Das sind für mich die Zutaten, die in dieser Kategorie irgendwie dazugehören. Fans von Sachen wie Lexx the Darkzone und Firefly sollten mal einen Blick riskieren.
ChrisKongTeilnehmerBlack Widow
Ein Satz mit X, das war wohl nix. Irgendwie ärgert es mich, dass man sich immer häufiger damit zufriedengeben muss, dass man einfach von einem Film nur unterhalten wird, man aber jegliches Anspruchsdenken sein lassen soll. Aber der Reihe nach. Gut bis sehr gut ist der Cast. Da macht Disney bislang wirklich einen tollen Job. Florence Pough, David Harbour und Rachel Weisz füllen ihre Rollen sehr gut aus, Harbour auch in physischer Hinsicht. So ein bisschen kommt sogar Watchmen-Feeling auf in seinen Szenen. Mit Ray Winstone hat man einen Charakterkopf auf der Gegenseite. Über Klischees kommt die Figur aber nicht wirklich hinaus. Weiter gibt es noch eine tragische Figur, deren Geheimnis im Laufe des Films noch enthüllt wird. Zuweilen vergisst man auch, dass sich der Film um Natasha Romanoff dreht, den Nebenfiguren wird fast schon zu viel Platz eingeräumt. Über die Black Widow erfährt man zwar ein wenig, aber insgesamt bleibt das flach. Und hier wären wir auch bei einem Grundproblem des ganzen Films. Während mir das “Americans”-Szenario sehr zusagt, kann mich das plötzliche Desinteresse der Vaterfigur an der Familie absolut nicht überzeugen. Zumal der Auftakt sehr emotional loslegt. Erst spekuliert man noch, wer wohl welche Rolle in dieser Geschichte inne hat, ehe sich die Ereignisse überschlagen. Das Intro endet denn auch mit der Auflösung dieser Zweckgemeinschaft.
Sprung in die Gegenwart – zumindest in dieser Geschichte jetzt – natürlich kommt es zum Wiedersehen mit der Familie. Was erst für Zündstoff sorgt, ist im Minutentakt wieder ausgebügelt und die beiden “Schwestern” vertragen sich, als wäre nie was gewesen. Anstatt man sich vom Wiedersehen ergriffen fühlt, wird das so beiläufig abgehandelt, als würde man noch rasch aufs Klo bevor man zur Arbeit fährt. Und das ist nicht das letzte Mal, wo der Film es so handhabt.
In einer anderen Szene meint die eine zur anderen, man kann doch nicht einfach jemandem das Auto entwenden. Ahja, sehr erhellend diese Moral, aber sich durch die Stadt verfolgen lassen, bei dem ein Panzer so ziemlich alles abräumt, was sich ihm in den Weg stellt, anstatt man den Angreifer bekämpft.
An anderer Stelle kann man scheinbar minutenlang über einem Hochsicherheitsknast, der Rura Pente alle Ehre machen würde, mit dem Heli kreisen. Selbstredend, dass der Superhero in dem Knast eigentlich Kräfte hat, um die Mauern zu durchschlagen, aber irgendwie nicht gewillt ist, abzuhauen, bis es das Drehbuch eben verlangt.
Weiter wartet der Film mit einer schockierenden Enthüllung über Romanoff auf bezüglich einer Entscheidung, die sie in der Vergangenheit getroffen hat. Und was macht der Film draus? Ein Weiter, hier gibt es nichts zu sehen. Es wird ebenfalls einfach so abgehandelt wie der Wetterbericht im TV.
Streckenweise wirkt das fast schon, als wolle man eine Parodie im Stil von Deadpool abziehen.
Mir fällt es schwer, über diese ganzen Defizite hinwegzusehen und sehe sie mehrheitlich dem Drehbuch geschuldet. Aber in der Verantwortung steht letztlich die Regisseurin und da erstaunt es schon, dass man sowas nicht erkennt. Einige Szenen sind ja durchaus gelungen, aber in der Summe bleibt der Film ein Flickenteppich, der nie sein Potenzial ausschöpfen kann. Für einmal ist es aber nicht die Geschichte an sich, sondern deren Umsetzung. Sieht man sich das Oevre des Drehbuchautors an, dann hat man da einfach jemanden mit zu wenig Erfahrung genommen. Das Gefälle zu anderen Marvel-Filmen ist leider überdeutlich und ich würde ihn klar zu den schwächsten in dem Segment zählen.
Bild und Ton wissen zu gefallen, es gibt nichts auszusetzen. Technisch also durchaus Heimkino-Material, mit dem man Spass haben kann.
Mein Fazit ist eher ernüchternd. Gerade wenn man merkt, mit welcher Begeisterung einzelne Darsteller dabei sind, diese aber vom Drehbuch ausgebremst werden. Wer sich nur an der Action sattsehen will, der macht nichts verkehrt, hinterfragen sollte man aber generell nicht zu viel. Der holprigen Dramaturgie folgend, stellt sich leider kein wirklich befriedigendes Gefühl ein. Sogar die Befreiung am Ende wirkt recht unterwältigend, passt so gesehen aber zum Rest des Films. Ist das nun so tragisch? Nicht wirklich, der Unterhaltungsfaktor, den ich eingangs erwähnt habe, ist gegeben. Wär schön, es wäre etwas mehr als das gewesen.
ChrisKongTeilnehmerPrey (2021) Netflix
Die deutsche Variante eines Survival Thrillers inszeniert von Thomas Sieben. Der Film wirkt streckenweise schon wie ein Light-Derivat der bekannten Vorbilder und kann kaum eigene Akzente setzen. Die Darsteller reagieren ein bisschen, aber die Spannung kann sich zu keinem Zeitpunkt auf den Zuschauer übertragen. Ja, ich war regelrecht gelangweilt. Okay, der Killer ohne sichtbare Motivation, gehört schon halbwegs zum Inventar solcher Filme. Nur dass das Setting doch oft einen gesellschaftskritischen Subtext besitzt, z.B. in die letzten Amerikaner, der als einen Kommentar zu Vietnam verstanden werden kann oder die zunehmende Verbauung der Natur in Deliverance, dem Klassiker des Genres schlechthin. Sowas bietet der Film nicht. Zieht man dann die fehlende Spannung in die Gleichung, kann das Resultat nur dürftig werden. Daran ändern sich auch die Flashbacks von David Kross’ Figur nichts. Man bleibt auch da recht wenig tangiert.
Mit einer gehörigen Portion Skrupellosigkeit seitens des Killers versucht man das vermutlich zu kompensieren, was mMn nicht wirklich gelingt. Aus dieser generiert man auch keinen Mehrwert.
Nein, das Ganze ist ein müder Versuch einen Genre-Beitrag zu leisten, der sich checklistenartig der Versatzstücke bedient, bezw. den Ablauf solcher Filme kopiert ohne aber eine Bindung mit dem Zuschauer auf irgendeiner Ebene herzustellen. Die Darsteller sind keine Ausfälle, können hier aber auch nichts reissen. Wer einen eher neueren Film aus dem Bereich sucht – wirklich neu ist er nun auch nicht – dem würde ich eher zu a lonely place to die raten.
ChrisKongTeilnehmerWilly’s Wonderland
Die Verpackung verspricht den wahnsinnigsten Film des Jahres. Das ist eindeutig zu hoch gegriffen. Cage muss man einmal mehr zu Gute halten, dass er nicht als Mogelpackung herhält wie Weiland Bruce Willis u.a., die dann nur für Minuten in den Werken auftauchen, die sie vom Cover aus bewerben. Wo Cage draufsteht, ist auch Cage drin. In dem Fall spielt er einen wortkargen Fahrer eines Chevis, über den man auch im Verlauf des Films eigentlich nichts erfährt, ausser dass sein Konsum von Punch – vermutlich ein Energydrink oder ein Bier – per Timer an seiner Digi-Uhr erfolgt.
Die Story und Prämisse ist horror-typisch und bietet nicht wirklich was Neues. Das ist aber nicht weiter wild. Ich stellte mich also auf ein feuchtfröhliches Gemetzel ein, bei dem die Bedrohung von animatronischen Puppen ausgeht. Leider, so muss man sagen, sind die ganzen Splatter-Effekte mies gefilmt und wirken amateurhaft umgesetzt. Aber nicht auf eine Weise, die man noch charmant nennen könnte. So wirkt das Bedrohungsszenario eher absurd als was es eigentlich sein sollte.
Die ganzen Opfer kommen leider auch nicht über ihre Klischee-Limitierungen hinaus. Die Hauptdarstellerin und neben Cage die zweite Geige, glänzt leider mit holprigem Acting, ein eindeutiger Griff ins Klo. In Slashern sind immer erfreulich viele Rollen mit Darstellerinnen besetzt und aus diesem ganzen Pool an potenziellen Kandidatinnen hätte man mit einem Blindlos mit Sicherheit jemand besseres gezogen.
Bleiben noch die für Horrormovies typischen Nebenfiguren, die Akzente setzen sollen sollen. Das können der schmierige Besitzer des Parks, die Sheriff-Tante und der Abschleppdienst-Heini sogar ein wenig. Allerdings reichts auch da max. für eine B-Note. Das hat man halt einfach schon besser gesehen.
Ab der Hälfte wird dann die Prämisse nochmals versucht zu verkaufen, was sich angesichts der Leichtigkeit, mit der Cage die Animatronics abräumt, noch dümmer anhört, als es eh schon ist. Hier hätte man sich einfach etwas mehr einfallen lassen sollen.
Unterm Strich die Sorte Film, die man sich einmal gibt und dann vermutlich nie wieder. Mir fällt zumindest kein Grund ein, es zu tun. Denn schräg ist er halt nicht wirklich. Das Rumspielen mit Farbfiltern und verfremdeten Aufnahmen ist hier noch das grösste an Budenzauber, das aufgefahren wird. Aber da, wo der Film soll, versagt er leider. Wer deftige, vor Blut triefende Szenen sucht, sucht woanders. Die Cage-Allesschauer haben sicher schon Schlimmeres gesehen, aber definitiv auch viel Besseres. Würde ihn eher in der unteren Hälfte seines Filmschaffens ansiedeln, mit einer von ihm aber soliden Leistung.
Das Mediabook zum Film ist ganz nett, aber gehört jetzt auch nicht unbedingt zu den Must-Haves in dieser Kategorie. Und ob man angesichts der Qualität des Films den Aufpreis zahlen will, sei jedem selbst überlassen. Insgesamt eher enttäuschend und empfehlen kann ich ihn nicht.
ChrisKongTeilnehmerBeckett Netflix
Netflix führt seine Reihe an Filmen fort, die internationales Flair verströmen und ihre Geschichte im Kontext des Lokalkolorits entfalten sollen. So hier. Da verschlägt es David Washington und Alicia Vikander in ein politisch aufgeheiztes Griechenland, das sich in Wahlen befindet. Zankapfel sind die Lösungen um die hohe Verschuldung. Viel mehr als eine sehr oberflächliche Andeutung ist aber nicht zu erwarten. Genauso hätte man dieses Element austauschen können und woanders spielen lassen. Im Verlauf der Handlung wird die Hauptfigur konstant durchs Szenario gehetzt und wird immer tiefer in ein Komplott verstrickt. Wer dabei an die Paranoia-Thriller der 70er denkt wie z.B. Marathon Man liegt hier gar nicht verkehrt. Ein Normalo und Durchschnittsbürger wird aufs Äusserste gefordert und darf sich mit allerlei Gefahren rumschlagen. Dabei kann er nichts und niemandem vertrauen. Soweit so gut. Leider schafft der Film es nicht, diese Bedrohungssituation wirklich in eine spannende Atmosphäre einzubetten. Dafür mangelt es der Inszenierung an so einigem. Die Musik bleibt nicht nennenswert haften, Schnitt und Kamera wirken auch eher bieder. Washington darf ein wenig zeigen, was er kann, bleibt dabei aber weitestgehend alleine. Die Gegenspieler sind kein Stück interessant, die restlichen Figuren eher Statisten und Stichwortgeber. Klar, auch der Streifen hat seine Momente und man bleibt auch dran, weil man wissen möchte, wies weitergeht. Aber das passiert irgendwie auf einer eher passiven Ebene als dass ich da jetzt Nägel kauend dem Ende entgegenfiebere. Einige Passagen wirken auch so, als wolle man sie einfach abfrühstücken. Referenzen auf div. Filme findet man vermutlich zuhauf. So sind Verfolgungsjagden nicht nur im Gelände vorhanden, auch der Zug, ein beliebtes Setting in div. Thrillern, darf nicht fehlen.
Ist von allem ein wenig, aber nichts so richtig. Die politische Dimension der Geschehnisse wäre durchaus interessant gewesen, aber verkommt zur Staffage ohne nennenswerten Beiklang. Dabei wäre das zumindest die Chance gewesen, dem Film ein Stück weit mehr Identität zu verleihen.
Fazit, kein Totalausfall, aber der Film bleibt klar unter seinen Möglichkeiten.
ChrisKongTeilnehmer@Ghostdog
Leider hat der Tag keine 48h, sonst würde ich sicher mehr kommentieren. Allerdings sind mir auch div. Diskussionen redundant geworden. Dazu gehört insbesondere das Technikgewichse auf der Hauptseite und welcher Hersteller nun wo punktet. Ich komm leider auch nicht mehr wirklich zum Spielen, weswegen das Interesse aktuell ein wenig eingeschlafen ist, zu Videospielen meinen Senf zu geben. Weiter kommt, dass hier auch viele neue User unterwegs sind, die für mich nicht wirklich viel Profil haben, was u.a. auch mit fehlenden Avataren, der Häufigkeit meines Hierseins und auch der Austauschbarkeit von Meinungen zu tun hat. Das steigert die Lust am Mitdiskutieren auch nicht wirklich. Aber ich lese manchmal auch einfach still mit. Wenn meine Punkte eh schon vertreten sind, spar ich halt den Kommentar. Kann sein, dass sich das mit der Zeit wieder ein wenig ändert. ^^
ChrisKongTeilnehmer@Nightrain
Ja, kann deine Kritikpunkte gut nachvollziehen. Um es auf Ghostbusters herunterzubrechen, die alten Filme sind Streifen über Geister/Geisterjäger mit Humor. Der neue ist eine Komödie mit Geistern drin. Dabei verdreht man vollends den Ansatz der Originale und braucht sich auch nicht wundern über das dürftige Resultat. Aber Hollywoods Reziklier-Maschinerie macht ja nahtlos weiter. Ich hoffe, dass sich das irgendwann mal rächt und man wieder selber versucht, originäre Stoffe im AA oder AAA Bereich zu realisieren.
Falling Down 1993
Im Zuge der Absicht, alle meine Lieblingsfilme dieses Jahr mal wieder in der bestmöglichen Version zu sichten, hab ich meine Rally endlich gestartet. Die Wahl fiel auf Falling Down, Joel Schuhmachers bestes Werk mMn. In seine Filmvita ist sehr abwechslungsreich, einigen Werken ist gemein, dass sie sich mit Themen in gesellschaftlichen Grenzbereichen bewegen und auch mal mehr mal weniger subtile Kritik üben. Dabei verliert er aber nie den Faktor Unterhaltung aus den Augen. Wenn beides in perfekter Symbiose aufeinandertrifft, kommt sowas wie Falling Down dabei raus. Leider ist Schuhmacher dieses Jahr verstorben.
In der öffentlichen Wahrnehmung wird wohl eher die Frustbewältigung über den täglichen anzutreffenden Unbill der Gesellschaft hängen geblieben sein. Was durchaus verständlich ist. So hangelt sich der Film von einer Szene zur nächsten, in der Michael Douglas genial verkörperter William “D-Fens” Foster seinem Zorn freien Lauf lassen kann. Seien es überhöhte Preise in einem Kleinladen, Strassenbau-Arbeiten, die sinnlos erscheinen, falsche Werbeversprechen der Fastfood-Industrie usw. Dabei täte man auch Douglas Figur unrecht, würde man sie bloss auf seine Rolle als Aggressor beschränken. Immer wieder streut der Film Szenen ein, die einen nachdenklichen und durchaus zur Selbstreflexion fähigen Charakter zeigen. Z.B. in der Szene, in der er ein altes Video von sich und seiner Familie sieht und sein Gewaltpotenzial angedeutet wird. Auch sehr schön, wie kleine vorangegangene Szenen immer im Fortschritt der Handlung eingebaut werden. Man denke z.B. an den Auftritt von Vondie Curtis-Hall als Demonstrierender vor einer Bank, dessen Worte von Foster später wiederholt werden und ein weiteres Grundproblem der Gesellschaft anreisst. Bemisst sich der Wert einer Person irgendwann nur noch über deren wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit? Und wie gesagt, Douglas geht hier sehr ambivalent vor und ist nicht einfach nur ein tumber Amokläufer, der die Nerven verloren hat. Er schafft es auch immer wieder ein gewisses Verständnis zu schaffen für den Unmut, den gewisse Alltagssituationen hervorrufen können. Wer kennt nicht aus eigener Erfahrung solche Szenen wie mit dem Schnorrer im Park, der anstatt ehrlich zu sein, ein Märchen nach dem anderen aus dem Hut zaubert? Mir wurde die Autopannen-Geschichte selber schon min. zweimal erzählt. Das Wortgefecht zwischen Foster und dem Schnorrer entbehrt nicht einem gewissen Witz, der aber auch schnell die Gefahr birgt, das Problem zu bagatellisieren. Aber es passt halt zur Figur und ihrer oberflächlichen Sichtweise auf viele Dinge. Hier wird man als Zuschauer auch ein wenig gefordert zu differenzieren. Bei sturer Rekapitulation der einzelnen Punkte in D-Fens Weg durch die Stadt, hätte man hier den mustergültigen Wutbürger/Gelbwesten-Träger/AfD-Wähler. Eine wahre Ikone des kleinbürgerlichen Aufstands. Und würde der Film allein darauf abstellen, so wäre dieser Vorwurf durchaus gerechtfertigt.
Der Film hält aber einen konterkarierenden Gegenpart bereit in Form des Police-Officers Prendergast. Während D-Fens tut, wonach ihm der Sinn steht, versucht es Prendergast möglichst irgendwie allen recht zu machen. Dabei hält er seine besonnene Art aber konsequent bei und akzeptiert oft stillschweigend sein extrem toxisches Arbeitsumfeld. Vom Chef verspottet, von Mitarbeitern mit Missachtung gestraft, das Bild, das gezeichnet wird, ist kein allzu positives. Auf der privaten Ebene macht seine Frau Druck und zwingt ihn quasi mit Panikattacken in den vorzeitigen Ruhestand. Während der gesamten Laufzeit wird dieser Storyline sehr viel Platz eingeräumt, zurecht wie ich finde. Duvall zeigt hier nochmals, warum er immer noch gnadenlos unterschätzt wird, zumindest wenns um die besten Darsteller seiner Generation geht. Wie er ohne sich zu verbiegen dennoch mehr Selbstbewusstsein entwickelt, um seinen Kontrahenten im Beruf entgegenzutreten, einfach grandios gemacht. Man freut sich richtig für ihn, wenn er seinen Chef vor laufenden Kameras lügen straft oder seiner Frau die Meinung sagt.
Bewusst spart der Film die Konfrontation der Beiden für den Schluss auf. Sie nähern sich während des ganzen Films nur aus der Verfolgerperspektive von Prendergast an, der als einziger die Zusammenhänge der Meldungen sieht. Am Ende spricht er dann das aus, was in letzter Konsequenz wohl bei D-Fens Handlungen absehbar war und leider immer wieder in der Gesellschaft passiert. Dabei lässt die Geschichte aber die Interpretation offen, ob Foster wirklich in letzter Verzweiflung seine Familie getötet hätte. Sogar der kleine Schlusstwist am Ende wird schon sehr früh im Film aufgebaut, wenn man seine Tochter mit der finalen “Waffe” spielen sieht.
Hier zeigt sich auch die grosse Stärke des Drehbuchs und der Inszenierung. Das Pacing der Szenen ist einfach perfekt mit der richtigen Mischung aus Ruhephasen, Wechseln der Handlungsstränge, Progression in der Dramatik. Dazu trägt auch der Score von Newton-Howard bei, der den Ton einer Szene perfekt trifft, was schon bei Beginn des Films deutlich wird. Die Szenen werden akustisch und musikalisch einwandfrei ergänzt und tragen viel zur Atmosphäre einer Szene bei. Wenn sich Foster das Video mit seiner Familie anschaut, dann macht sich heimlich Wehmut breit und man wünscht sich, es könnte ein Happy-End geben, wohl im Wissen, dass die Figur den eingeschlagenen Weg nicht mehr wird verlassen können.
Dann hat der Streifen wieder Szenen wie die mit Fosters Mutter, ebenfalls grandios gespielt, die eine nachhaltige Wirkung haben, weil sie direkt aus dem Leben gegriffen scheint. Es kommt immer mal wieder vor, dass wenn jemand arbeitslos wird, es aus Scham verschweigt und jeden Tag so tut, als würde er zur Arbeit fahren. Der Schock im Gesicht der Mutter, als Prendergasts Partnerin die Fakten auf den Tisch legt, wirkt absolut überzeugend, auch ihre Reaktion darauf. Hier beweist man auch viel Gespür für die Szene und wie eine Figur wie Prendergast mit Zeugen umzugehen weiss.
Grosses Lob verdient auch die deutsche Synchronisation. Ich hab den Film jetzt zum zweiten Mal in der Originalsprache gehört, kenn ihn auf Deutsch aber praktisch auswendig. Hier gehen in der Synchro kaum Nuancen verloren, einzig die Verwendung von D-Fens, zur Verteidigung, was der koreanische Ladenbesitzer zur Verwendung oder besser Entwendung seines Baseballschlägers sagt, wird nicht so recht transportiert. Aber ansonsten top.
Bezüge zum Wutbürgertum hatte ich schon genannt, aber der Film war sogar noch weiter vorausschauend. In einer Szene konfrontiert der Neo-Nazi-Ladenbesitzer die von Rachel Ticotin – wo ist sie bloss hin? – dargestellte Polizistin mit der aktuellen Gender-Diskussion. Nur dass der Film von 1993 ist. Da musste ich gleich schmunzeln, besonders wie Ticotin ihre Antwort vorträgt.
Ist der Lack nun ab? Nein, auch nach der gefühlt 100. Ansicht bleibt mein Urteil bestehen. Dass man einzelne Szenen sehr kritisch beurteilen kann hinsichtlich ihrer Interpretation, ist verständlich. Wäre mir aber zu einseitig. Der Film hält sich bewusst ambivalent, macht Foster nicht zum Sympathieträger, obwohl er in einigen Szenen die Sympathien geniesst. Das gleiche gilt für Prendergast, der mit seiner Freundlichkeit auch mal an Grenzen stösst und seine Person schwach erscheinen lässt.
Dass der Film bei den Darstellern nie für irgendeinen Preis nominiert war, ist eine Schande, gerade die gelungenen Charakterisierungen machen ihn zu einem Must-See. Es ist aber das Gesamtpaket, das hier stimmt, die Teile greifen schlicht ineinander. Bei aller Ernsthaftigkeit bietet der Film auch Humor, schwarzen Humor. Was ihn aber nicht zum reinen Unterhaltungsfilm macht, der jeglichen Anspruch verliert. Und genau darum gehört der Film in meine Favoritenliste.
ChrisKongTeilnehmerDer Coup
Schon ganz interessant, wie viele der Belmondo-Klassiker schon in irgendeiner Form auf Scheibe erschienen sind. Hier liegt ein schönes Mediabook vor und nach Ansicht des Films kann man sagen, dass das Bild wirklich überzeugt und besser ist als viele vergleichbare Hollywoodfilme ähnlichen Datums. Gerade in den Nachtszenen bleibt die Schärfe recht gut, Verschmutzungen konnte ich keine ausmachen. Vielleicht tragen die Franzosen ihrem Erbe besser Sorge? Der Film ist nicht zu verwechseln mit der Clou mit Paul Newman und Robert Redford. Der kam erst zwei Jahre später.
Belmondo vereint Eigenschaften, die man heute in div. Actiondarstellern wiederfindet. Das spitzbübische und heitere Lachen scheint sich Vin Diesel abgeschaut zu haben, man vergleiche mal beide bei ähnlicher Mimik. Dass er die Stunts selber macht, erinnert an Tom Cruise, auf die Fahrszenen bezogen ist er das Pendant zu Steve McQueen. Vom Typ her gehört er eher zu den kernigen Typen ala Statham mit dem Charme eines Tony Curtis.
Auf jeden Fall bietet er ein Gesamtpaket, was verständlich macht, warum er wohl Frankreichs grösster Actionstar war. Und das obwohl er kein typischer Schönling war.
Der Film beginnt mit den üblichen Zutaten eines Heist-Movies, wobei die Beteiligten sich in dem Fall nicht misstrauen, sondern recht eingeschworen sind. Dafür tritt mit Omar Sharif in Form eines korrupten Bullen ein Schurke auf den Plan, der es faustdick hinter den Ohren hat. Die Szenen, in denen sich beide begegnen sprühen förmlich vor Elektrizität. Besonders das gemeinsame Essen im griechischen Restaurant ist da hervorzuheben. Nicht nur kulinarisch ein Genuss.
Der Film kann sich aber oft auch nicht entscheiden, ob er locker flockig sein will oder doch eher ernst. Das Ende entbehrt nicht einer gewissen Komik, die sich aus viel Absurdität speist. Bis auf den korrupten Bullen, wirken die Polizisten allesamt wie Statisten.
Was für den modernen, noch jungen Zuschauer verstörend sein könnte, ist das Rollenbild der Frau. Da wird auch schon mal akzeptierend hingenommen, dass Ohrfeigen verteilt werden, ganz so, als würde sich die Dame sagen, ich habs nicht anders verdient. Klar, dass das nicht mehr auf diese Weise gezeigt würde. Eine dankbare Rolle hat keine der beiden Frauen im Film.
Begeistern tut hier in erster Linie die Action, die ohne Netz und doppelten Boden eine ganz andere Qualität hat, als das CGI-Gedöns aktueller Streifen. Auch wie die Kulisse in Athen genutzt wird ist schon recht bemerkenswert. Das Ganze ist auch sehr gut gefilmt muss man sagen.
Musikalisch hat Morricone alles im Griff. Wirklich viele Themen gibt es aber nicht.
Auf dem Mediabook hat man die Wahl zwischen der französischen und der englischen Version auf separater Disc. Ein Blick in den US-Trailer wirft aber Fragezeichen auf. Man hört kein einzig gesprochenes Wort, nur Actionszenen mit vielen Spoilern. Grauenhaft, aber ich weiss gar nicht, ob der dann überhaupt in englisch synchronisiert wurde oder wie üblich halt mit Untertiteln dort ins Kino kam.
Sicher nicht Belmondos bester, aber doch ein Actionfilm mit eigenständigen Elementen, etwas Lokalkolorit und einem gut aufgelegten Darstellerpaar. Wer den Streifen von früher kannte, ich glaube ich gehöre nicht dazu, kann sich hier die definitive Version des Films holen, gut aufbereitet. Die Belmondo-Filme, die ich kenne, liegen schon so lange zurück, dass ich mich eh nicht wirklich dran erinnern kann. Sind also sowieso eine Entdeckung wert, wie im Übrigen das französische Kino aus der Zeit generell.
ChrisKongTeilnehmerGhostbusters (Reboot) Extended Cut
Nach den eher mässigen Kritiken damals, die auch immer begleitet waren von Misogynie, hatte ich wenig Lust auf den Film. Im Zuge des neuen Teils, der bald ansteht, hab ich dieses Versäumnis nun nachgeholt. Würde man heute einen Ghostbusters drehen, das Resultat würde genau so aussehen. Dabei ist es unerheblich, ob die vier Geisterjäger von Frauen oder Männern verkörpert werden. Das ist aber leider genau das Problem, das ich mit dem Film habe. Aus einer Filmreihe, die das Thema zumindest mit einer ernsthaften Basis anging und mit Humor auffrischte, hat man eine Kalauer-Revue gemacht mit dem üblichen Ami-Fäkal-Humor. Für mich wirkt der Film denn auch wie ein typisches Produkt der Nullerjahre. Die Schreiber scheinen wie so oft gar nicht zu peilen, woher der Reiz des Originals herkommt und scheitern dann beim eigenen Versuch kläglich. Man kann sich den Film durchaus geben, einige Momente sind ganz gut, der Humor hat nicht nur Tiefschläge zu bieten. Aber er ist deutlich dem Holzhammerlager zuzuordnen.
Meine Befürchtungen lagen aber nicht nur da, sondern auch beim Cast. Melissa McCarthy ist jetzt nicht grad für feinsinnige Komödien bekannt und Kate McKinnon würde eher als Neubesetzung in Tank Girl passen. Leslie und Kristen erfüllen denn auch die Rollenklischees und liefern abseits davon nicht viel.
Hin und wieder macht sich sogar gute Laune breit, wenn das Quartett in Action ist. Ich glaube mit besserem Drehbuch, bezogen auf die Dialoge, wäre das schon die halbe Miete gewesen. Den Darstellerinnen kann man nicht viel anlasten. Sanfter Grusel macht sich auch zuweilen breit, bleibt aber recht folgenlos. Das war beim Original aber auch nicht anders. Dennoch war auch der Pseudo-Wissenschaftspart ernster aufgezogen. Hier wähnt man sich eher in einer Parodie des selbigen. Das hätte der Film einfach nicht nötig gehabt. Er ist eher Paul – Alien auf der Flucht, denn Men in Black.
Cameos gibts reichlich, besonders gegen Ende. Leider bleibts aber im belanglosen Bereich, nett ist glaube ich der passende Terminus. Als kleines Highlight kann man Chris Hemsworth bezeichnen, der als Dumpfbacke eine gute Figur macht. Das passt natürlich sehr gut ins Konzept des Films, aber in einer anderen, ernsteren Version hätte die Figur keinen Platz. Da man die alten Geisterjäger ignoriert, muss man das als Reboot betrachten. Wirklich glücklich bin ich nicht damit. Musikalisch fährt man das Originalthema auf und kombiniert noch reichlich Hiphop-Mucke dazu. Atmosphärisch betrachtet ein Sargnagel. Halt auch ein typisches Merkmal von neueren Ami-Mainstream-Komödien.
Worin sich Kino- und Extended Cut unterscheiden, weiss ich nicht. Hab letzteren geschaut und überflüssige Szenen hatte es da mMn nicht drin, die irgendwie das Pacing verschlechtert hätten. Generell könnte man aber die Art Film ein wenig straffen. Zur Hypothek wird die Länge aber nicht. Die Effekte sind nett anzusehen und tonal geht wirklich die Post ab. Andy Garcia als Bürgermeister passt auch ganz gut, Charles Dance wird leider komplett verschenkt.
Und nun? Reboots, die die Welt nicht braucht oder sinnvolle Modernisierung des Stoffes? Erstmal, modernisieren muss man da eigentlich nicht viel. Das Konzept ist ja recht zeitlos. Eine neue Variante nehm ich gerne mit. Leider ist damit auch die Fallhöhe recht hoch, wenn es sich um einen Klassiker handelt. Den Charme erreicht man leider nicht. Das wäre aber mit einer Besetzung aus Kevin Hart, Jonah Hill, Seth Rogen usw. auch nicht anders gewesen.
Dem neuen Film, der alsbald kommt, stehe ich relativ skeptisch gegenüber. Da wäre mir sogar lieber, man würde es nochmals mit den Ladies und besseren Drehbüchern probieren. Gespannt bin ich natürlich trotzdem, auch wenn diese Reunion einfach zu spät kommt und insbesondere Bill Murray da eher Bremsklotz war. Am Ende werdens vermutlich lauwarme Gags mit viel Nostalgie garniert sein.
ChrisKongTeilnehmerMortal Kombat
Die Jahre haben klar gemacht, von Filmen, die auf Videospielen basieren, sollte man nicht allzu viel erwarten. Was nun aber genau? Sicher soll der Bezug da sein, Elemente des Spiels sich drin wiederfinden, Charaktere denen im Spiel entsprechen. Je mehr man davon hat oder besser gesagt, je sklavischer man sich daran hält, desto stärker wird die künstlerische Freiheit aber auch eingeschränkt. Und so finden sich in der langen Geschichte der Videospielverfilmungen mal mehr oder weniger Akkuratesse zur Vorlage und/oder Eigenständigkeit in der Interpretation.
Mortal Kombat hat ja schon eine Vergangenheit aber von einem gelungenen Ergebnis würde ich nicht sprechen. Eher war das ein typisches Produkt seiner Zeit. Wie schlägt sich die aktuelle Verfilmung im Vergleich? Ich bin da jetzt nicht der totale MK Fan aber ein wenig oberflächlich mit der Materie vertraut. Und aus Fansicht würde ich klar sagen, kann man vermutlich Daumen hoch geben. Einzig etwas fader Beigeschmack für Fans könnte sein, dass immer wieder Charaktere von anderen Charakteren identifiziert werden müssen. Als wüsste das angesprochene Publikum nicht, wer jetzt wer sein sollte. Im Gegenteil macht es bei einigen sogar Spass, wenn man noch nicht genau weiss, wohin die Reise geht. Es ist sehr viel Origins-Kram drin und das Schicksal der einzelnen Figuren wird miteinander sinnig verknüpft. Ob das den ursprünglichen Hintergründen entspricht, weiss ich nicht, ist mir aber egal.
Bei den Darstellern hat man auch auf einen guten Mix aus unverbraucht und bewährt gesetzt. Gerade Kano wurde mit einem Gerard Butler für Arme besetzt, der aber erstaunlich gut in die Rolle reinwächst und sehr viel aus der Rolle rausholt.
Man schafft auch einen guten Spagat – ohne Johnny Cage – um recht viele Charaktere drin zu haben, aber noch nicht gleich alle zu verheizen für die Zukunft. Ja, der Film ist wie ein Start einer Reihe aufgebaut, funktioniert aber auch für sich allein. Ich bin grad selber erstaunt, aber einer Fortsetzung wäre ich durchaus nicht abgeneigt. Schauwerte bietet der Film ebenfalls. Man merkt auch deutlich, dass das MCU auch hier seine Spuren hinterlassen hat.
Wer hie und da ein paar käsige Dialogzeilen verschmerzen kann, die versuchen den Mortal Kombat Kontext herzustellen und sich nicht an konzeptionellen dramaturgischen Ungereimtheiten stört – etwa wenn Bi Han seinen Gegnern auflauert, so seinem Erzfeind, aber dann zu faul ist ein paar Minuten/Sekunden zu warten, ehe dieser auftaucht oder woher Kano von einem Ort weiss, dann doch wieder nicht und sowieso und überhaupt – der kann schon seinen Spass haben mit dem Film. An Kampfchoreografien sollte man nicht allzu viel Grosses erwarten. Ist eher so der übliche Marvelkram, was aber auch in Ordnung ist, da es hier auch nicht um unterschiedliche Kampfstile geht.
Unterm Strich alles im Rahmen des Erwartbaren aber besser und launiger umgesetzt, als ich das sonst gewohnt bin. Von einer Fortsetzung erhoffe ich mir, dass man einfach auf Kurs bleibt und es in keiner Disziplin übertreibt. Denn auch die Finisher werden hier eingesetzt, aber nicht in so hoher Schlagzahl, dass sie beliebig werden. Bild und Tontechnisch kann ich nichts bemängeln, eine gute UHD Scheibe.
ChrisKongTeilnehmerBanden von Marseille (Netflix)
Das französische Cop/Crime Drama unterscheidet sich von anderen Vertretern auch nur minimal durch das Setting in Marseille. Wobei der Handlungsort auch recht austauschbar wirkt. Mit Jean Reno ist das Aushängeschild der internationalen französischen Darsteller dabei und mit David Labelle in einer Nebenrolle auch ein bekanntes Actiongesicht. Die Hauptrollen spielen aber andere. Die Geschichte wäre eigentlich interessant, aber die dröge Inszenierung reisst nun echt keine Bäume aus. Das wirkt alles irgendwie so unglaublich fad, als hätte man es mit einem klassischen TV-Krimi aus den 80ern zu tun. Kann das nicht ganz nachvollziehen. Gerade die Franzosen haben immer wieder gute Beispiele gezeigt, wie man mit ein bisschen Drive ein Genre aufpeppen kann. Taxi Taxi, Ghettoganz, Transporter, From Paris with Love und auch Taken sind allesamt unter französischer Ägide entstanden und Beiträge im Actiongenre, die ich nicht mehr missen möchte. Ob jetzt Banden von Paris überhaupt in die reine Actionecke gehört, sei dahingestellt.
Das Ende versucht recht kompromisslos zu sein, aber mir hat das auch nur ein Schulterzucken entlockt. Der Film krankt vielleicht ein wenig daran, dass er den Fokus auf zu vielen Sachen lässt, Handlung irgendwie über die Figuren stellt und in der Summe nicht ganz rund wirkt. Mich hat das Resultat auf jeden Fall nicht überzeugt. An den Darstellern lags nicht. Alternativen für gute Cop Dramen gibt es aber mehr als genug. Den Film hier würde ich nicht zu den besten Vertretern zählen und darum auch keine Empfehlung aussprechen. Er macht nicht wirklich was konkret falsch, ist aber einfach auch nicht spannend genug.
ChrisKongTeilnehmerEscape Room (Netflix)
Wer schon mal in einem Escape Room/Adventure Room war, versteht den Nervenkitzel, unter einem gewissen Zeitdruck, ein Rätsel lösen zu müssen, bei dem die Umgebung ein wesentlicher Faktor ist. Ich hatte selbst schon das Vergnügen und hatte Spass damit. In den letzten paar Jahren sind die wie Pilze aus dem Boden geschossen. Und wie bei jedem Trend, wird es früher oder später vom Horrorgenre aufgegriffen, um die Grundidee natürlich ein wenig zu pervertieren. Hier müssen die Teilnehmer tatsächlich um ihr Leben fürchten. Oder doch nicht?
Was hinter dem Escape Room steckt, wird nicht gleich zu Beginn enthüllt. Der Film startet aber schon mit einer Szene, in der gleich klar wird, um was es geht. Ob das ein geschickter Kniff ist, sei dahingestellt. Spannend gemacht ist das alles aber durchaus und die Ideen sind es auch, die den Reiz ausmachen. Von Darstellerseite hat man auch keine Totalausfälle zu verzeichnen, die meisten kennt man aus div. Serien. Die Figuren teilen auch eine spezielle Gemeinsamkeit, die bald klar sein dürfte. Dass man das ganze Rätsel erst so nach und nach enthüllt, schadet dem Film auf alle Fälle nicht.
Was aber nicht gerade positiv ist, man bemüht auch wieder viele Klischees und umschifft sie nicht grad elegant. Gruppendynamiken entwickeln sich grad so, wie es die Situation braucht, Hysterie wechselt sich ab mit Apathie. Einige Charaktere kommunizieren schlicht gar nicht, obwohl es angebracht wäre. Das wirkt dann schon recht konstruiert.
Die Auflösung ist leider nicht so wirklich mein Fall. Das kommt alles so überhastet und verliert sich in einer nicht ausgearbeiteten Erklärung, die keiner zweiten Überprüfung standhalten würde. Aber das kann man auch über den kompletten Escape Room sagen.
Natürlich ist es nicht so, als wäre das der erste Beitrag im Genre, der so aufgebaut ist. Die Cube-Filme sind im Prinzip auch nichts anderes als Escape-Räume und Saw mit seinen mittlerweile 8 Teilen, wenn ich recht mitgezählt habe, sind auch populäre Beispiele. Daneben gibts genug Horrorhouse-Filme, bei denen tödliche Fallen in einem Gebäude das Setting vorgeben.
Für einen spannenden Abend vorm TV ist das Gezeigte ausreichend. Der Überbau der Geschichte funktioniert für mich nicht wirklich und ist nicht glaubwürdig aufgezogen, was auch daran liegen mag, dass alles so überhastet kommt und der Schlussgang auch nicht sinnvoll zu Ende gedacht ist. Manchmal ist weniger mehr. Der Epilog teasert einen grösseren Handlungsbogen an, aber ich versteh das eher als eine augenzwinkernde Hommage an andere Horrorfilme, die oft so Möglichkeiten offen lassen, wenn ein Konzept funktioniert hat, sprich eine Fortsetzung ein Thema wird.
Einige der Ideen fand ich wirklich gelungen, aber ein wenig mehr mit dem vorgezeichneten Storyverlauf hätte man durchaus spielen können. -
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