ChrisKong
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ChrisKongTeilnehmerCan you ever forgive me (Disney+)
Der Film beruht auf wahren Begebenheiten. Wie akkurat das ist, hatte ich jetzt ehrlich gesagt keine Lust zu recherchieren. Erfahrungsgemäss wird da immer stark dazugedichtet. Ist aber auch nicht weiter relevant oder für den Filmgenuss erheblich. Melissa McCarthy, die meist von ihrem Mann in Szene gesetzt wird, der hier auch eine Rolle hat, darf endlich mal zeigen, dass sie darstellerisch mehr auf der Pfanne hat als nur den dicken Trampel zu spielen. Vielleicht sollte sie sich beruflich von ihrem Mann trennen. Hier spielt sie eine fähige Autorin, die aber Bücher schreibt, die nicht gelesen werden. Sie stand zwar einst kurz vor dem Durchbruch mit einem Bestseller aber seither kriegt sie nichts mehr aufs Papier, was sich verkaufen lässt gemäss ihrer Verlegerin. Als sie feststellt, dass es einen Markt für Briefe von verstorbenen Autoren gibt, die einen Einblick in deren Persönlichkeit zeigen, scheint eine Lösung für ihr Geldproblem in Sicht. Warum nicht einfach Briefe mit einer alten Schreibmaschine fälschen und als Original verkaufen? Gesagt getan. Dabei hilft ihr ein Freund, den sie in einer Bar näher kennenlernt, den schwulen Jack Hock, gespielt von Richard E. Grant. Vom Typ her ähnelt er ein wenig seinem britischen Landsmann Bill Nighy.
Jack ist ein richtiger Katastrophen-Junkie, der sein Leben alles andere als im Griff hat. Und zuverlässig ist er auch nicht wirklich. Da ist es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis das Brief-Projekt mit Lee Israel entlarvt wird.
Die komplizierte Beziehung der Beiden erinnert auch in den Dialogen ein wenig an as Good as it gets mit Jack Nicholson und Helen Hunt. Der ist zwar noch ne Ecke besser, aber Can you ever forgive me muss sich nicht dahinter verstecken. McCarthy sollte sich wirklich auf solche Rollen fokussieren oder zumindest sich von den peinlichen Komödien verabschieden. Grant ist aber auch ein grandioser Gegenpart. Die Chemie zwischen den Beiden stimmt.
Da der Film im deutschsprachigen Raum nur auf DVD erschienen ist, wars mir grad recht, dass er auf D+ in besserer Qualität verfügbar ist.
ChrisKongTeilnehmerDopesick (Disney+)
450’000. So viel sind gemäss Angaben im Netz direkt an Opioiden in den USA gestorben. Wie viele Schicksale da auch indirekt dranhängen, lässt sich kaum ermitteln. Diese wirklich ausgezeichnete Dramaserie lässt erkennen, woran das liegt und wie man sich das Ausmass vorstellen muss. Dabei greift sie auf ein bewährtes Mittel zurück und lässt uns den Opioid-Skandal aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Das kennt man schon aus Filmen wie Traffic, Fastfood Nation, the Insider.
Den erzählerischen Rahmen liefern die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft von Virginia. Peter Saarsgard darf für einmal auf der Seite der Guten aktiv sein. Er spielt Rick Mountcastle, der buchstäblich Wände einreissen muss, um seine Ermittlungen voranzutreiben. Die Inhaber der Firma Purdue, deren OxyContin hauptverantwortlich für diesen Skandal ist, werden ebenfalls porträtiert. Michael Stuhlbarg spielt Richard Sackler, der die Ereignisse ins Rollen bringt und hinter dessen unscheinbarer Fassade ein diabolisches Genie sitzt. Stuhlbarg spielt das wirklich kongenial. Dann haben wir eine Bergarbeiter-Familie deren Tochter durch ihre strenge Arbeit im Tagebau an das Schmerzmittel gerät. Dabei spielt auch das soziale Umfeld eine wichtige Rolle. Zu diesem gehört auch der örtliche Arzt, Dr. Finnix, gespielt von Michael Keaton, der sowohl einen Golden Globe wie auch einen Emmy für diese Rolle gewonnen hat. Verführt von den Verkäufern von Purdue, gerät er zusehends in den Strudel von OxyContin und wird von dem Pharmariesen instrumentalisiert. Und auch diese Verkäufer/Dealer kriegen einen wichtigen Part in der Serie. Anhand dieser wird dieses ganze Fehlanreizsystem veranschaulicht. Wer Pillen verkauft, ist ein Star. Der Wettbewerb wird gefördert, der Absatz mit Seminaren, Goodies, Prämien und dgl. erkauft. Will Poulter als naiver und ehrgeiziger Verkäufer ist auch perfekt besetzt. Zu guter Letzt wird noch einer DEA-Agentin gefolgt, die an vorderster Front gegen Behörden-Korruption bei der FDA (Zulassungsstelle für Medikamente der USA) und den Konzern selbst kämpft. Widerstand erhält sie auch aus den eigenen Reihen. Und die Kreise reichen noch weiter. Schlussendlich leidet auch ihr Privatleben darunter. Das erinnert nicht von ungefähr an the Insider mit Russel Crowe und Al Pacino. Rosario Dawson spielt die taffe Agentin und ist ein weiteres Casting-Highlight.
Die acht Episoden dauern jeweils eine runde Stunde. Natürlich werden Situationen auch zugespitzt, beispw. Sieht man in einer Szene eine Aneinanderreihung von Verbrechen als wäre man in Crime-Town. Was schön ist, dass man sich auch mit den Hintergründen auseinandersetzt, die in diese Abhängigkeit führen. Das sind keineswegs nur körperliche Beschwerden. Ein paar Szenen sind wirklich heftig. Etwa wenn der Doktor in einem Entzugsprogramm ist und auf gutem Weg scheint, sich mit dem Verkäufer aussprechen will und diesen aus einem ganz anderen Grund herbestellt hat.
Showrunner Danny Strong kann auf einige Auszeichnungen zurückblicken. Ich kenn von seinen Shows nur diese. Die ist ihm wirklich grossartig gelungen und gehört sicher mit zu den besten aktuellen Dramaserien. Wer auf Serien wie the Wire steht, die ein Problem in seiner gesamten Breite thematisieren, dürfte hier genau richtig sein. Hier stimmt praktisch alles.
ChrisKongTeilnehmerAndor Episode 4 (Disney+)
Wer dachte, dass in der vierten Folge alles auf links gedreht würde, könnte enttäuscht werden. Man bleibt seiner Linie in vielen Punkten treu. Verhältnismässig viele Dialogsequenzen ohne Protagonisten, Frank Oz Puppenkiste bleibt auch im Schrank und das Imperium sehen wir als Bürokratie-Apparat mit Offizieren, die taktieren. Sowohl gegen aufkeimende Rebellen wie auch in internen Machtkämpfen.
Meine Vermutung, dass Syril Karn eine wichtigere Rolle einnehmen dürfte, hat sich weiter bestätigt. Waren es schon zu Beginn Zweifel am vorherrschenden System, sieht er sich in dieser Episode mit weiteren Umständen konfrontiert, die ihn zweifeln lassen. Dieses desillusionierende Momentum gabs schon am Ende der dritten Episode nach dem Fehlschlag.
Sein Besuch bei seiner Mutter geht weiter in diese Richtung und verstärkt den Eindruck, dass sein Engagement auch auf einen innerfamiliären Konflikt zurückzuführen sein kann oder sich ein solcher dadurch ergeben hat. Das würde man uns auch nicht zeigen, wenn das nicht weiter thematisiert würde. Sollte er komplett die Seiten wechseln, wäre ich nicht überrascht. Ich bin sogar überzeugt, dass wir sehen werden, wie er Gesetz von Gerechtigkeit wird unterscheiden lernen. Ob er dann die richtigen Rückschlüsse zieht oder am Ende doch nur egoistisch handeln wird, wird man sehen. Mit Sicherheit ist dessen Entwicklung die spannendste in der Serie. Ich würde nicht so weit gehen und Showstealer rufen, aber man wird ihn auf dem Radar haben müssen.
Stellan Skarsgard darf auch endlich mal aus sich herausgehen und wir lernen neue Facetten seiner Figur kennen. Er ist ganz offensichtlich jemand wie Bail Organa, der in der Republik seine Kontakte hatte und einen gewissen Status und dessen Weltbild ins Chaos gestürzt wurde. Coruscant scheint ja nun ein Denunziantenstaat wie die ehemalige DDR geworden zu sein. Diese Vibes spürt man deutlich heraus.
Die Landschaftspanoramen sind ein Genuss. Allerdings fragt man sich, ob man nicht noch ein offeneres Gelände für ein geheimes Treffen hätte finden können. Zumal man die Gefahr erwischt zu werden mehrfach andeutet. Farblich passende Kleidung wie die Rebellen seinerzeit auf Endor hätte da sicher Sinn gemacht. Witzigerweise hat Luthen einen grünen Mantel an, aber er fliegt ja weg. Hätte er den mal bloss Cassian überlassen. ^^
Bei den Rebellen sieht man den feinen Unterschied zu denen, die wir in Obi Wan gesehen haben. Ihre Herkunft wird mit Material unterfüttert. Das sollte es auch aus Fansicht interessanter machen. Schliesslich gehört das zum Worldbuilding dazu.
Etwas zu viel wird über Cassians Beteiligung geredet. Interessant aber auch hier, innerhalb der Rebellion werden Tarnnamen verwendet. Das Misstrauen ist überall mit von der Partie.
Coruscant. Mit Sicherheit die beste Version, die wir bisher davon gesehen haben. Die Upper Class mit Mon Mothma wird sinnig abgebildet. Das wirkt enorm hochwertig. Das gleiche gilt für die imperiale Behörde, die in ihrer Tonalität an George Lucas THX 1138 erinnert.
Beim Besuch von Syril bei seiner Mutter sehen wir noch einen Wohnblock im klassischen Stil des Brutalismus. Was ich dort etwas schade fand, es kommt eine Nachbarin ins Spiel, da hätte man auch mal ruhig eine der vielen Rassen zeigen dürfen, die dort sonst noch leben. Denn das ist ein Wermutstropfen, der sicher einigen nicht gefallen dürfte. Von Exoten fehlt weiterhin jede Spur. Das ist gerade im Hinblick auf Coruscant schade, bei Aldhani verständlich.
Ich werde hier aber auch wieder den Eindruck nicht los, dass ein Film in Episoden gestückelt wurde. Das Ende kommt ziemlich abrupt. Vielleicht hat das mit Gilroys bisherigen Arbeiten zu tun und dass er einfach mehr den Rhythmus eines Films gewohnt ist. Zumindest gings mir beim ersten Storyarc so und beim Ende der Episode hatte ich ein ähnliches Gefühl.
Die Suche nach seiner Schwester ist pausiert, ich vermute mal, darum wären hier Flashbacks auch irgendwo unsinnig gewesen. Die Folge ist im Grunde eh wieder viel zu schnell vorbei gewesen. Das spricht ja für die Serie.
Unterm Strich würde ich sagen, wems bis anhin nicht gefallen hat, wird sich wohl an den gleichen Dingen stören. Wer seinen Spass damit hat – und den hab ich definitiv – kann sich weiter freuen.Eine Sache beschäftigt mich dann aber doch. Im Grunde sehen wir durch ein Schlüsselloch, was es alles an Möglichkeiten geben würde, um die Geschichte der Rebellion in eine grosse Serie einzubetten. Dass nach zwei Staffeln Schluss sein soll, wiegt mMn jetzt schon etwas schwer. Mit dem nötigen Willen, hätte man das problemlos auf ein GoT-artiges Level heben können. Denn faktisch sehen wir ja mit Andor auch nur einen kleinen Ausschnitt des Ganzen. Bringt natürlich nix, wenn das aber nicht von fähigen Autoren getragen wird.
ChrisKongTeilnehmer@Carot
Als Nichtkenner der ganzen Comic-Storylines kann ich natürlich den Filmen ein ganzes Stück weniger abgewinnen, als wenn ich da in der Materie drin wäre. Also muss für mich der Film in seinem MCU Kontext funktionieren. In meinen Augen zerfasert das MCU dramaturgisch aber vollends, weil man immer mehr Fässer aufmacht, die sich narrativ eben nicht ergänzen, sondern eher widersprechen und für mich Fremdkörper darstellen, sollte sich mal überhaupt wieder eine Haupthandlung herauskristallisieren.
Da haben wir die Celestials, die Feinde ausm Captain Marvel Film, in Loki die Time-Bandits usw. Das fühlt sich mMn einfach nicht mehr nach MCU an eher nach Multiverse Cinematic Universe. Das war vorher definitiv besser gelöst.
Anstatt jetzt aber in Einzelfilmen ein wenig rumzuexperimentieren, macht man genau das irgendwie nicht oder halt eben schlecht.
Black Widow war ein käsiges Familiendrama mit Agenten-Elementen. Thor 4 die Marvel Bill und Ted Version. Spider-Man, den man nur halb dazurechnen kann, eine Fanservice-Parade. Dr. Strange 2 eine ungruselige unlustige Horrorkomödie mit teils grottigen Effekten. Und nicht zuletzt Eternals, der wohl langweiligste DC-Film von Marvel.
Man bietet Masse statt Klasse und so langsam macht sich das immer mehr bemerkbar. Vielleicht hätte statt Phase 4 eine kreative Pause im Kino geholfen. Obs besser wird, bleibt abzuwarten. Da man schon bis 2025 das Reissbrett voll mit Produktionen hat und so einer Gurke wie Harry Styles 100 Mio. in den Arsch geschoben hat, seh ich das weiterhin eher skeptisch. Davon ab muss sich inhaltlich was tun.
ChrisKongTeilnehmerAnsehen und freuen. ^^ Gar nicht auszumalen, wenn die Rechte bei Constantin gelandet wären.
ChrisKongTeilnehmerBei Episode 1 sind es vor allem die Landschaften auf Naboo während der Schlacht, die sind gar nicht gut gealtert. Man sollte einfach die Grenzen der digitalen Bühne kennen. Die Versuchung ist natürlich gross, vieles damit umzusetzen.
Sicher können auch Ambient-Melodien hängen bleiben. Liegt aber in der Natur der Sache, wenn man Bild und Ton stark verknüpft, man eine zusätzliche Assoziationsebene erhält. Da reicht dann oft ein Bild und die Musik ist gleich da.
Das soll auch nicht ein das eignet sich besser als jenes Sprech sein. Man wählte für Andor halt einfach einen anderen Ansatz. Themen zu komponieren, die sofort hängen bleiben, ist sowieso eine Kunst für sich. Keiner hat mehr solcher Themen geschaffen wie Williams. Aber auch er hat nicht immer allein auf diese Art der musikalischen Untermalung abgestützt. Catch me if you can war ja z.B. eher ein jazziger Soundtrack.Danny Elfman ist für Burton wirklich das, was Williams für Lucas war. Auch ein grossartiger Komponist.
ChrisKongTeilnehmer@Johnny Rocket
Sieh dir unbedingt die Folge davor an, die ist nämlich nicht nur toll inszeniert, sondern auch wirklich spannend. Ich musste auch erst zum Sandman überzeugt werden. Der Vorschauclip auf Netflix war nämlich eher ein Abtörner gewesen.
@Captain CarotJa, da mein Abo nur für einen Monat ist, schau ich auf D+ relativ exzessiv die Sachen weg, die ich beim letzten Mal nicht geschafft habe. Zudem ist auch einiges liegen geblieben, was ich schon geschaut habe, aber noch nichts dazu geschrieben habe. Jetzt grad mit Dopesick angefangen, den ersten 3 Episoden und holt mich sofort ab. Wenn du eine gute Dramaserie brauchst zu Thema Opiod-Skandal, dann würde ich da mal einen Blick riskieren. Die Serie hat so viele Ebenen, von Fehlanreizen, Suchtproblemen, moderner Sklaverei, Perspektivlosigkeit usw. Das ganze Ausmass ist halt so viel grösser, als eine Behörde das überhaupt überblicken könnte.
Wegen ILM, ich fands toll, dass man die Pionierarbeit auch würdigt, gerade Dykstra. Die Digitaltechnik hat wie alles, wirklich alles im Effektbereich mit Veraltung zu kämpfen. Was damals wow war, ist heute halt keine Illusion mehr. Das betrifft auch Handmade-Effekte aus der Anfangszeit des Horrors. Einiges davon kann man den Leuten kaum mehr zumuten, respektive nicht als ernsthaft verkaufen. Will sagen Technik entwickelt sich immer weiter. Der Fehler von Lucas bei der PT war, nicht von beiden Welten auf das Beste zu setzen und entsprechend zu kombinieren. Jurassic Park hat zwar auch so ein paar Stellen, aber funktioniert auch heute noch verdammt gut. Attack of the Clones und Phantom Menace zum Teil nicht mehr wirklich gut. Ist ja bei den 3D Spielen der Anfangszeit nicht viel anders.
Zum Soundtrack von Andor. Verhält sich so ähnlich, wie der Soundtrack vom neuen zum alten Dune. Der eine setzt auf atmosphärische Sounds, die die Umgebung und Gefühlslage wiederspiegeln, während der andere die opernhafte Nacherzählung der Ereignisse darstellt und seine Themen immer wieder prominent einsetzt. Etwa so könnte man auch Williams Arbeit mit der von NIcolas Britell vergleichen. Williams erzählt die Ereignisse. Wir haben Hymnen, Themen, Kompositionen, die Momentum aufbauen. Britell erweckt hingegen die Umgebung musikalisch zum Leben. Das sind aber weniger Melodien, die im Kopf bleiben. Genauso erzeugt auch der neue Dune-Soundtrack keinen Ohrwurm. Trotzdem ist das Ergebnis passend, funktioniert nur auf einer anderen Ebene.
ChrisKongTeilnehmerAtlanta Staffel 3 (Disney+)
Auf FX müsste es gar schon die 4. Staffel geben. Die Verzögerungen, bis die Serien dann bei D+ aufschlagen sind schon nicht ohne, ist bei den anderen FX-Shows recht ähnlich. Schade, denn FX ist einfach ein Sender, ders draufhat. Und ohne sähe es mMn zappenduster auf D+ aus. Hier findet man halt das erwachsene Programm und somit die ideale Ergänzung zu Marvel und Star Wars, weswegen wohl die meisten ein D+ Abo gelöst haben. Aktuell bietet mir die Sparte sogar deutlich interessantere Sachen als Netflix. Hab da noch recht viel auf der Watchlist und werde das kaum alles schaffen. Aber wenn mal ein gutes Angebot für ein Ganzjahresabo eintrudeln würde, könnte ich schwach werden. Und Atlanta ist z.B. eine der Shows.
Donald Glover ist ein ähnliches Multitalent wie Idris Elba, arbeitet auch als Musiker (Childish Gambino) und ist hier Hauptautor der Serie. Das führt dann leider auch dazu, dass er sich die Arbeit einteilen muss und man länger als üblich auf Nachschub wartet. Die Serie hat schon div. Preise gewonnen und ich finde völlig zurecht. In Staffel 2 ging gegen Ende ein wenig die Luft aus. Was Glover nämlich da schon praktiziert, nämlich den Fokus auf völlig andere Figuren und Settings zu richten, war recht überraschend, wollte ich doch seiner Story und der von Paper Boi, gespielt von Brian Tyree Henry (Bullettrain) weiter folgen.
In der dritten Staffel ist das nun eindeutig das Konzept, zwischen der Europatour von Paper Boi Geschichten aus Atlanta beizumengen. Fast so, als würde man eine Kurzgeschichtensammlung lesen. Der Fokus liegt da jedes Mal auf einem anderen Thema, das direkt oder indirekt mit dem Standing der afroamerikanischen Bevölkerung in der US-Gesellschaft aber auch in Europa zu tun hat. Und lasst euch versichert sein, der Ideenreichtum ist riesig. Glover zündet ein Feuerwerk nach dem anderen. Mir fällt auf Anhieb keine Serie ein, die so unterhaltsam, fantasievoll und clever zugleich diese Themen bespielt. Die dritte Staffel ist wirklich etwas vom Besten, was ich überhaupt je auf einem Streamingdienst gesehen habe. Glover spielt mit den Erwartungen, verstört das Publikum und überrascht mit Gastauftritten, die man wirklich nicht vermuten würde.
In einer Episode wird die Erbschuld thematisiert, jeder mit Sklavenhalter-Vergangenheit in seinem Stammbaum kann nach einem Gerichtsurteil angeklagt werden und muss Entschädigung zahlen. Was sich wie eine wütende Episode Black Mirror anhört, hat einen überraschend versöhnlichen Schluss, der im Grunde die Botschaft der Chancengleichheit vermittelt und was diese wirklich bedeuten könnte, wenn jeder von Null starten müsste.
Oder die für mich stärkste Episode, die vorletzte der Staffel, in der ein schwarzer Grossindustrieller eine Schule kauft und mit Stipendiaten lockt, aber nur für Schwarze. Die Hauptfigur dieser Geschichte ist es zur Hälfte, versucht aber bei jeder Gelegenheit als weiss durchzugehen. Als er dann davon profitieren könnte, schwarz zu sein, ist sein Selbsthass auf seine Herkunft noch die kleinste Hürde. Die Idee, sich vor einem Gremium verantworten zu müssen, um sich mit Fragen zum Schwarzsein testen zu lassen, ist dabei nur einer der genialen Einfälle der Episode. Das ist so outstanding, dass es eigentlich an amerikanischen Schulen gezeigt werden müsste.
Und das ist wirklich noch nicht alles an Highlights gesellschaftspolitischer Themen. Schwarze Nannys, die fremde Kinder, statt deren eigene aufziehen, Blackfacing in europäischen Kulturen, Verballhornung künstlerisch elitärer Kreise, hier wird wirklich Abwechslung geboten. Die zwei Folgen gehen fast schon als Arthouse-Programm durch. In der einen wird Paper Boi auf einen nepalesischen Keks-Trip geschickt, in der anderen ist Earns Ex in Paris als spezielle Küchengehilfin unterwegs, die sich aussergewöhnliche Nahrungsmittel schonmal mit einem steinharten Baguette erprügelt.
Das macht alles so verdammt viel Spass. Hiro Murai, der Hausregisseur der Show, der auch div. Musicvideos von Glover unter dessem Künstlernahmen gedreht hat, ist auch ein Talent, auf das ein Auge geworfen werden soll. Hier geben sich Könner buchstäblich die Klinke in die Hand.
Wer ein D+ Abo hat, speziell ein Jahresabo und nicht zumindest mal reinschaut, hat sich den Titel Kunstbanause redlich verdient. ?
ChrisKongTeilnehmerThe Sandman Staffel 1 (Netflix)
Netflix hat mit der Personalie Neil Gaiman einen interessanten Namen aus dem Talentpool gefischt. Davor war er unter anderem für die Serie American Gods verantwortlich, die auf 3 Staffeln gekommen ist. Bekannt ist er vor allem als Comicautor und Schriftsteller. Sandman basiert auch auf einer seiner Vorlagen, bietet aber Unterschiede. Zumindest hab ich das gelesen. Ist mir ja in dem Moment egal.
Die Serie bietet ein paar Überraschungen. Man muss sich die Show eher wie ein Outer Limits vorstellen, bei dem der Sandman oft nur der Gastdarsteller ist oder im Hintergrund wirkt. So gibts einige Episoden, in denen er praktisch gar nicht auftritt. Es wird auch nicht einfach eine fortlaufende Geschichte erzählt. Die einzelnen Geschichte ergänzen die Mär vom Sandman. Wir lernen so Stück für Stück mehr über die Figur. Und doch bleibt sie wenig greifbar. Das liegt auch an Tom Sturridges stoischer Ruhe, die er ausstrahlt.
Dieser narrative Flickenteppich passt ganz gut und entspricht mit seiner Moral, die er in fast jeder Geschichte liefert, einer Sammlung an Fabeln.
Die Serie braucht ein wenig, bis sie in die Gänge kommt. Vielen Versatzstücken konnte ich jetzt nichts abgewinnen. Die wirklich guten Einfälle starten so im Mittelteil. Die Episode 24 Stunden mit David Thewlis ist für mich das Highlight gewesen. Sie spielt fast ausschliesslich in einem Diner und setzt sich mit dem Spiel von Wahrheit, Lüge und Wunschtraum auseinander. Mit der Folgeepisode doppelt man aber gleich nach und zeigt, wie der Sandman einem gewöhnlichen Mann Unsterblichkeit schenkt, um zu beobachten, was er daraus macht. Mit der Zeit wird daraus sowas wie eine Freundschaft. Und genau das ist mMn die Stärke der Serie, dass man sich mit Ideen austoben kann.
Danach festigt sich wieder ein etwas stärkerer roter Faden, der sich um die Heilung des Traumreichs dreht, das nicht nur durch Abtrünnige, wie dem Korinther (grossartig Boyd Holbrook) bedroht wird, sondern auch durch einen sogenannten Wirbel, der die Schranken zwischen Traum und Realität einzureissen droht.
Dabei findet der dramaturgische Höhepunkt auf einer Serienkiller-Convention in einem Hotel statt. Das Setting erinnert nicht von ungefähr an Roald Dahls Hexen Hexen. Ich vermute stark, dass das eine Referenz ist, aber natürlich mit eigener Note.
Die Show klingt dann aus mit einer zweigeteilten Geschichte. Diese Bonusepisode wurde noch nachgeschoben und zeigt nochmals die Stärken der Serie, dass man immer wieder überrascht wird. Und das hat mir sehr gut gefallen. Da riskier ich es gern, wenn mir mal ein oder zwei Folgen nicht so zusagen.
Es mag paradox klingen, aber gerade das Genre Fantasy ist zum Teil arg vorhersehbar und glänzt nicht mit fantasievollen Umsetzungen. Da ist der Sandman eine wohltuende Überraschung.
Darsteller fand ich fast alle gut, Desire ist da eher die Ausnahme. Die Synchro wirkt zuweilen unfreiwillig komisch. Warum man Dream, Desire, Despair so belässt? Komische Entscheidung, da es ja nicht nur Namen, sondern Funktionen sind. Nettes Detail, der Sandman erscheint auch nicht jeder Person in der gleichen Form. Das deutet auch schon der Name Morpheus an. Er trägt viele Namen, je nach Kultur in der er verweilt.
Gehts weiter? Die Show ist teuer. Netflix dumm. Chancen sind fifty fifty. Gaiman rief sogar dazu auf, die Serie zu bingewatchen. Finde das total behindert. Wenn man eines genau nicht machen sollte oder bei dieser Serie nicht nötig ist, dann das. Jede Folge bietet genug Stoff, um sich eine Weile damit auseinanderzusetzen, auch in Diskussionsforen. Aber wenn es wichtiger ist, wie das System Netflix Serienfortsetzungen produziert, sollte das grundsätzlich hinterfragt werden.
ChrisKongTeilnehmerMr. Inbetween Staffel 3 (Disney+)
Scott Ryans Gangster-Dramedy aus Down Under führt das Erfolgskonzept fort. Und einmal mehr erinnert das alles an britische und skandinavische Produktionen. Das heisst, ernste Momente wechseln sich mit viel bösem Witz ab. Dabei gerät der Cleaner Ray Shoesmith in div. unangenehme Situationen, die er bewältigen muss. Manchmal wirkt das wirklich wie die Mockumentary zu einem Killer in seinem täglichen Umfeld. Das kommt auch so authentisch rüber, weil die Charaktere sehr ambivalent geschrieben sind. Man spürt immer wieder, wie die Charaktere versuchen nach aussen eine Maske zu zeigen, aber damit gerne auch scheitern. Die Konflikte von Ray und seiner Tochter sind launig gestaltet. Sie stellt denn auch einen wichtigen Motivationsfaktor dar, um aus dem Business auszusteigen. Und da bahnt sich auch noch eine zarte Romanze an. Aber ist das in diesem gewalttätigen Milieu überhaupt möglich? Zumal noch ein paar Kriminelle eine Rechnung mit ihm offen haben. Auch sein bester Kumpel versucht sich in einer anderen Branche, was zu einigen lustigen Momenten führt.
Das Ende der Staffel zeigt einen eher resignierten Ray. Wars das mit dem Töten? Die letzte Szene, die auch die letzte der Show sein könnte, klärt das auf eine unnachahmliche Weise. Sie zeigt zugleich auch, was für ein Talent Scott Ryan ist, der die Spannung mit geringen Mitteln bis zum Ende aufrechterhalten kann.
Gerne würde ich weitere Staffeln sehen, Ryan meinte, dass er um weiter künstlerisch zu wachsen, sich auch an anderen Sachen versuchen möchte. Gut möglich, dass er aber später mal wieder zu der Rolle zurückfinden könnte.
Fans von Serien wie Hit & Miss oder Filmen wie the Guard und Smalltown Killers sollten mal einen Blick riskieren. Für mich läuft die Show leider weit unter Wert. Aber auf Yt wird die Serie in Einzelclips ordentlich gefeiert, gerade die letzte Szene.
ChrisKongTeilnehmerILM Doku (Disney+)
In 6 Folgen erfahren wir mehr zur Entstehung der Effektschmiede. Alle wichtigen Beteiligten sind mit ihrer Stimme vertreten, daneben auch zahlreiche Filmemacher, die auf deren Arbeit zurückgreifen konnten, so Steven Spielberg, James Cameron wie auch Barry Jenkins. Zu Beginn geht man mehr auf technische Details ein, gegen Ende werden die einzelnen Meilensteine etwas zu schnell abgefrühstückt. Die letzte Viertelstunde ist dann wirklich nur noch gegenseitige Lobpreisung. Ich glaube die Doku richtet sich vornehm an die Klientel, die auch die Retrogamer lesen, in der die Pionierleistungen der Unterhaltungsbranche gewürdigt werden. Das Gefühl für die damalige Zeit wird gut vermittelt. Hier wird Innovation noch aus der Not geboren. Es wird gefordert und in alle möglichen Richtungen gedacht. Kartoffeln als Asteroiden? Wenn es funktioniert, warum nicht?
Dieses hochkreative Umfeld kann natürlich auch mal zu Spannungen führen und man merkt auch, wie einige der Mitarbeiter damals oft auch unsicher waren, wie etwa Dennis Murren. Der Start war natürlich typischerweise ein Bunch an weissen Jungs. Später kamen dann Frauen und People of Color in den kreativen Bereichen dazu.
Viel Raum nimmt Technikpionier Dykstra ein, ohne den es das Star Wars, wie wir es kennenlernten nicht möglich gewesen wäre. Seine Kamera-Installationen wurden von grundauf neu entwickelt und gebaut. Er erinnert in seiner Vielseitigkeit James Cameron, war aber mit Sicherheit der angenehmere Zeitgenosse. Während Dykstra der Verstand war, könnte man sagen, dass Phil Tipett das Herz von ILM und dieser Doku ist. Völlig richtig, dass man ihm ebenfalls viel Platz einräumt.
Insgesamt sehr spannender Einblick in die Entstehung von ILM und deren Firmenkultur. Ob das alles noch so ist, wie damals, kann ich mir nicht vorstellen. Einiges ist für die Mitarbeiter sicher besser, dass viele so lange dabei waren, zeugt davon, dass vieles richtig gemacht wurde. Ab der Mitte wird ein wenig die Struktur aufgegeben und noch einzelne Anekdoten eingestreut. Konkrete Fälle zu behandeln wäre vermutlich besser gewesen.
Sehr schön, dass man auch Filme zeigt, die nicht zum Inventar von Disney/Fox gehören. Der Meinung von Ken Ralston kann ich mich aber nicht anschliessen. Das Heil rein in den digitalen Effekten zu suchen, halte ich für falsch. Mag einfach bequemer sein, jedes Bild max. manipulieren zu können. Aber wenn man den Gedanken weiterdenkt, bräuchte es bald nur noch Algorithmen. Da geht man etwas zu wenig kritisch mit dieser Meinung um und stellt keinen Kontrapunkt zur Disposition.
Die grosse Konkurrenz von Weta-Digital hätte man allerdings nicht so krass totschweigen müssen. Am Ende wird einem schon ein bisschen vermittelt, wenn wir es nicht können, kann es niemand. Das stimmt natürlich nicht.
Für Interessierte der technischen aber nicht entmenschlichten Seite des Filmbiz .
ChrisKongTeilnehmerThor Love & Thunder (Disney+)
Thor mit Zunder im Arsch? Zuletzt wurde er ja gerne mal etwas behäbiger inszeniert. So machte man aus Thor ein durchaus spassiges Comic-Relief. Dem bleibt man treu. Ich glaube, dass ein ernsthafter Thor irgendwie deplatziert wirken würde. Die Gefahr aber, dass er zur reinen Parodie wird, ist natürlich da. Und dieser Film hier zerrt ihn durchaus noch stärker in diese Richtung. Das Problem hier ist aber nicht die Figur von Thor, sondern, dass der restliche, recht infantile Ton des Films keinen Kontrast zu Thor zu erzeugen vermag. Zeus und sein Blitz wirken wie eine billige Themenpark Attraktion. Der ganze Look des Films mutet eher so an, als wollte man Kleinkinder mit Bonbon-Laden-Optik locken wollen. Und auch der erzählerische Ton ist eher so geraten, als würde Märchenonkel Waititi eine Gutenachtgeschichte erzählen. Was mit seiner Exposition aus dem Off ja auch faktisch der Fall ist.
Mit dem Götterschlächter Gor hat man einen Gegner, der konzeptionell verschiedene Typen vereint. Zum einen hat er eine tragische Vergangenheit, dann fällt ihm ein mächtiges Instrument in die Hände, das ihn dann vollständig wandelt und einer neuen Bestimmung zuführt. Da er zwischenzeitlich auch sadistische Züge an den Tag legt, z.B. gegenüber den entführten Kindern, wird er vom tragischen Antihelden in den Boogeyman verwandelt, respk. degradiert. Bale spielt seine Szenen wirklich grandios und doch wirkt er streckenweise einfach wie ein Fremdkörper in dem Film. Jane Foster, Thors alte Flamme, soll hier dieses Mal den Lead haben, sie ist es auch, die Mjölnir führt. Eine Entwicklung von der Wissenschaftlerin zur Kämpferin gibt es nicht. Damit macht man sich noch weniger Mühe als das in letzter Zeit der Fall war. Ich erwarte ja keine Trainingsmontagen ohne Ende, aber dann so souverän kämpfen, als wäre sie im Bootcamp in Wakanda gewesen, ist einfach plump und beliebig.
Dann zieht man wieder die Make a Wish McGuffin Nummer ab. Einmal ins Zentrum des Universums reisen, um den Schurken dran zu hindern, sich den einen Wunsch zu erfüllen. Warum das Tor zur Ewigkeit mit Thors Sturmbrecher zu öffnen ist? Ich hatte nicht mal Lust drauf, nach einer Erklärung zu fragen oder darauf zu warten. Dabei muss man einfach wieder jeden Schurken, der mehr als Gor weiss, ausblenden, der diese Möglichkeit nicht zu nutzen wusste, Thanos, Hela, Loki, die Celestials. Man pumpt einfach so viele “Götter aus den Maschinen” in dieses MCU, dass ein zusammenhängendes Universum einfach nicht mehr glaubhaft wirkt, zumal die Erde jedes Mal der Ausgangspunkt von diesen Ereignissen scheint.
Die Guardians haben einen launigen Auftritt, das Teamup mit Thor funktionierte schon in der Vergangenheit recht gut. Wäre mir irgendwie auch lieber gewesen, als die Schmonzette mit Foster nach allen Regeln der RomCom aufzuwärmen.
Der rockige Soundtrack ist mithin der beste Einfall von Waititi gewesen. Über die Auswahl kann man sicherlich streiten. Die Action hätte man da sicherlich noch etwas mehr drauf abstimmten können. Tja, die Actionszenen sind jetzt auch nichts, was man nicht schon besser gesehen hat.
Einige der Schauwerte sind ganz nett, etwa das Wikingerschiff mit den Ziegen. Aber daran scheitert der Film letztlich für mich auch nicht. Die ganzen Filmverweise, die ein Markenzeichen Waititis sind – man findet sie in jedem Film/Serie, die in der Gegenwart spielt. Da fällt ihm immer wieder etwas ein, dass er einbauen kann.
Nein, es hapert an der Umsetzung der Mainstory, die irgendwie auch so lustlos wirkt. Man stolpert von Szene zu Szene und um die Ausarbeitung macht man sich nicht viele Gedanken. Da liegt beispw. die Leiche mit dem Nekro-Schwert Meter entfernt von Gor, während dieser gewürgt wird von seinem Gott. Plötzlich ist es in seinen Händen und der Gott tot. Vermutlich haben da Midichlorianer nachgeholfen. Wie da von Ort zu Ort gereist wird, wirkt auch wenig schlüssig. Witzig, dass man ausgerechnet Jane Fosters Wissenschaftler-Background immer wieder mal ein bisschen thematisiert.
Bislang ist das wirklich mit grossem Abstand die schwächste MCU-Phase überhaupt. Bei Dr. Strange 2 sollen Nachdrehs den Stil von Raimi negativ beeinflusst haben. Hier scheint Waititi seine bislang dürftigste Arbeit abgeliefert zu haben. Es wird auch nichts Spannendes angeteasert. Wenn man in folgenden Filmen wieder versucht einen roten Faden zu implementieren, dann hätte man im Nachhinein besser auf diese komplette Phase verzichtet, da sie für sich betrachtet keinen Mehrwert darstellt, sondern eher eine Hypothek ist für kommende Filme. Eine kreative Pause hätte gut getan, die Leute wären sicher wieder heiss gewesen auf Nachschub. So hab ich eher das Gefühl, dass man die Leute entwöhnen möchte.
Sicher steht bald mal ein Re-Watch der Reihe an bis und mit Endgame. Auf den Rest verzichte ich freiwillig. Ich hoffe mal, dass es besser wird. Aber die Verpflichtung von Harry Styles für einen lächerlich überrissenen Betrag, sehe ich als kein gutes Zeichen. Die ganzen Schlagzeilen, die Styles aktuell generiert, wird die Leute bei Marvel sich das hoffentlich nochmals überlegen lassen. Neben seinem Verhalten glänzt er auch in Interviews. Hier noch ein Link dazu. Der arme Chris Pine.
ChrisKongTeilnehmerSchön und gut, man kriegt da wirklich Lust drauf. Also wenn es nächstes Jahr erscheinen soll, verstehe ich immer noch nicht, warum die weder einen Termin noch einen Preis nennen können oder zumindest mit dem Trailer einen Event ankündigen, wo das alles gesagt wird.
ChrisKongTeilnehmerAndor Episoden 1-3 (Disney+)
Erst war ich etwas verwundert, muss ich zugeben, als damals angekündigt wurde, gleich mit 3 Episoden zu starten. Nach deren Ansicht muss ich jedoch sagen, dass sich zumindest die ersten zwei wie eine anfühlen, die einfach in der Mitte durchgesägt wurde. Die Handlung geht auch nahtlos weiter. Zur dritten Folge grenzt man sich vorher dramaturgisch ein wenig ab. Aber im Grunde könnte das ein Pilotfilm sein. Da das Tempo eher gemächlich ist, verglichen mit anderen Shows, fühlt man sich dafür auch nicht komplett mit zig Sachen konfrontiert, die dann wieder nur angerissen werden.
Die Show hebt sich komplett von den bisherigen Serien ab. Der Inszenierungsstil ist qualitativ hochstehend, Unzulänglichkeiten sind da absolut keine auszumachen. Die Sets sind toll in Szene gesetzt, einzig der Hintergrund der Mine auf Cassians Heimatplanet wirkt wie ein verblasstes Mattepainting. Der used Look kam vermutlich nie besser als in dieser Serie zur Geltung. Alles wirkt irgendwie gritty und die vielen Retro-Elemente, wie die Telefonzelle, fügen sich stimmig ins Gesamtbild ein. Klar, die primitive Siedlung auf Cassians Heimat hat eher Star Trek Nostalgie-Anleihen, aber dort verweilt man auch nur ein wenig in den Flashbacks.
Das Worldbuilding, bei Star Wars ein gewichtiger Faktor, hält viel Material bereit. So sehen wir haufenweise neue Elemente, die anders und doch vertraut wirken. So z.B. der industrielle Arm des Imperiums. Man vermeidet es aber tunlichst, das Imperium selbst von seiner militärischen Seite zu zeigen.
Fanservice ist so rudimentär, dass man kaum von welchem negativ konnotierten sprechen kann, der von der Handlung ablenken würde. Das ist sogar recht mutig. Biggs und Wedge werden namentlich repräsentiert, allerdings durch andere Figuren. Gerade Wedge sorgt für den wenigen Humor in den drei Episoden. Den hat man stark zurückgefahren. Auch wird jeglicher Anflug von Infantilität vermieden. Es ist mit Abstand die erwachsenste Serie bei Star Wars bisher. Gut möglich, dass das nicht allen gefallen wird, vielleicht könnten sich grad ganz junge Fans da eher langweilen. Aber die Zielgruppe hat nun wirklich genug anderes Material, von daher begrüsse ich diesen Schritt.
Die Musik ist so eine Mischung aus Dramaserie und dem Einbinden industrieller Klänge. Diese geben der Serie eine sehr spezielle Note. Wie Star Wars, das wir bisher kannten, klingt das so gar nicht. Für mich dürfte es noch eine Spur mehr Eigenheiten drin haben. Aber Composer Nicolas Britell hat einen ordentlichen Job gemacht. Göransson kann er mMn aber nicht übertreffen.
Zur Geschichte. Die ist sehr fokussiert erzählt und verzettelt sich nicht in verschiedenen Handlungssträngen, die immer wieder angerissen werden und dann doch irgendwie versanden. Dass hier Gilroy in der Hauptsache schreibt, ist schon ein grosser Vorteil. Und doch hat er ein paar Patzer aus meiner Sicht eingebaut und das schon recht früh.
Andor fliegt ja nach Molana in dieses Etablissement, in das man nur ohne Waffen Zutritt erlangt. Die Wachmänner, die an der Bar sitzen, scheinen davon entweder nicht betroffen zu sein oder haben ihre Waffen abgegeben und dann schnell wiedergekriegt, nachdem Andor das Etablissement wieder verlässt. Da sie regelmässige Gäste zu sein scheinen, stellt sich die Frage, warum die da Waffen mitschleppen, wenn sie eh schon wissen, dass sie die abgeben müssen. Aber gut, das kann ich mir ja wie gesagt erklären, wobei es nicht so scheint, als wäre da eine Abgabestelle an der Türe und später noch gesagt wird, dass sie von der Firma aus dort nichts zu suchen gehabt hätten. Was aber absolut wenig Sinn ergibt, warum sie Cassian überhaupt verfolgen. Erst beschweren sie sich, dass sie keinen Vorrang bei den Prostituierten haben, dann verrät eine Cassian, dass wenig los sei, dieser geht ohne Ergebnis aus der Bar wieder raus. Ja warum sollten die zwei Typen jetzt, wo sie sich grad vergnügen wollten, aufstehen und im Regen jemandem hinterherlaufen? Da die folgenden Ereignisse aus Andors Bereitschaft, sich zur Wehr zu setzen ergeben, hätte man das ein bisschen besser und weniger konstruiert schreiben können. Mir ist auch nicht ganz klar, warum er, da er so eifrig nach seiner Schwester sucht, so schnell aufgibt und diese Spur praktisch erkalten lässt. Er fragt nicht weiter nach, keine andere Person. Sie ist einfach weg und tschüss. Man muss sich vergegenwärtigen, dass er sich sogar extra ein Raumschiff ausleiht, um nach Molana zu fliegen und dann wars das? Btw. wohl auch nicht schlau gewesen so zu fragen, dass er verdächtig wirken muss. Ich würde das insgesamt als etwas unstimmig bezeichnen, aber es fällt ja nicht so arg ins Gewicht.
Die zweite Sache, die mir etwas spanisch äh kerianisch vorkam, woher wusste Cassians Freundin, dass ihr Freund genau der sein musste, der Andor verpfiffen hat? Das macht sie in Sekundenbruchteilen, obwohl sie zu wissen scheint, dass auch andere um seine Herkunft wissen. Und Cassian selbst eröffnet es seiner Adoptiv-Mutter, dass er es div. Leuten gesagt hat. Das kam etwas hoppladihopp-mässig. Dass ihr Freund der Verräter ist, wurde allerdings schön aufgebaut.
Das dritte, was mir fast schon eine Referenz zu Obi Wan zu sein scheint, war die Zurückhaltung von Information über eine gesuchte Person. Also, da wird sogar ein älteres Bild von Cassian ermittelt. Ein paar Szenen später, Cassian ist an einem Schalter, um sich ein Wegflug zu sichern, diskutiert der Compagnon des Schaltermanns über die gesuchte Person. Schon komisch, wenn die von einer Fahndung informiert werden, aber wie bei Obi Wan, kein Bild vom Gesuchten, obwohl das wohl das erste ist, was man weiterleiten würde. Hier kann man aber fast schon von einem subtilen Joke sprechen, ob beabsichtigt oder nicht, ist da erst mal egal. Ich musste schmunzeln.
Der Ermittler wird noch eine wichtige Rolle spielen. Einerseits ist seine Motivation so überschwänglich, dass dahinter ein Grund zu vermuten ist. Andererseits wird auch permanent auf ihn fokussiert, seine Gesichtsregungen, seine Emotionen und nicht zuletzt seine Reaktion nach der misslungenen Festnahme. Die Kamera hält da gefühlt eine Ewigkeit drauf. Nun, die Jagd geht ja weiter, aber da wird sicherlich noch mehr kommen. Vielleicht ein Wechsel der Seiten?
Das deutet sich nämlich noch durch was anderes an, was leider auch als eine Art Unstimmigkeit wahrzunehmen ist. Cassian agiert, wenn er muss, recht skrupellos. Es gibt keinen, absolut keinen Grund, den Ermittler Syril am Leben zu lassen und sich noch die Zeit zu nehmen, ihn zu fesseln. Besonders nachdem Cassians neuer Partner noch betont, es diesen Bastarden zeigen zu wollen. Also spielt die Figur eine Rolle. Hätte man mMn anders oder andors lösen können.
Das sind halt ein paar kleine Makel aus meiner Sicht, die jetzt nicht weltbewegend sind, aber allesamt hätten vermieden werden können. Bei allen 3 Episoden wird Gilroy als einziger Autor aufgeführt, von daher seine Böcke.
Der Abschluss der dritten Episode ist auch ein schöner Abschluss, der jetzt nicht dieses Binge-Gefühl entstehen lässt, was ich sogar fast schon als Wohltat empfinde. Wie gesagt, es fühlt sich gesamthaft wie ein Pilot an und ich find das so in Ordnung.
Der Cast. Nichts auszusetzen, alles toll gespielt. Syril, mich hat der an Kyle MacLachlan aus Twin Peaks erinnert, nur halt mit dem negativen Spin. Voll engagiert, aber eben für die falsche Seite. Aber der Look macht da schon verdammt viel aus.
Stellan Skarsgard wirkte mMn etwas müde. Vielleicht liegts auch am Alter, das man ihm halt nicht ansieht. Gefühlt sieht er immer noch so aus wie in älteren Filmen. Fiona Shaw macht ihre Sache auch wirklich gut, aber sie ist auch ein absoluter Profi. Aber wie gesagt, alle machen einen guten Job. Nichts wirkt übertrieben gekünstelt oder fühlt sich unnatürlich an. Diego Luna nimmt sich ordentlich zurück, aber das entspricht auch genau der Figur, die wir aus Rogue One kennen.
Ausblick. Ich freu mich einerseits auf nächste Woche, muss aber sagen, wenn mir da jetzt nur eine einzelne Episode im Stil der bisherigen drei serviert wird, ist das schon ein bisserl mager. Ausser man baut das wirklich so auf, dass die Folge für sich einen sinnigen Abschluss findet. Ich bin und bleibe gespannt.
Fazit: So gut wie alles, was ich an Book of Boba in der Hauptsache kritisiert habe, wird hier vermieden, gut, die Folgenlänge. Ich bin nämlich auch hier überzeugt, dass man rund um die ganzen Charaktere auf Ferrix mehr erzählen könnte. Dass man die Gelegenheit nicht genutzt hat, es auf Bracca starten zu lassen, wo das Setting ähnlich ist, ist zu verschmerzen. Wäre trotzdem cool gewesen, zumal man Cal da durchs Bild hätte huschen lassen können. Jaja, Fanservice. Mir doch egal, denn etwas darfs immer sein. ?
ChrisKongTeilnehmerGlückwunsch. Die letzten Bosse waren da nämlich sicher nochmals nervtötend.
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